Aktuelles aus Sportdeutschland

„Mein Selbstbild hat nicht gestimmt, jetzt fühle ich mich wieder viel mehr“

Leichtigkeit, vor allem anderen. Das, sagt Johanna Schikora, sei das Gefühl, mit dem sie in dieser Woche bei den Weltmeisterschaften im Flossenschwimmen in Südkoreas Hauptstadt Seoul in ihr voraussichtlich letztes internationales Großevent startet. Man muss ihre Geschichte kennen, um zu verstehen, wie besonders es ist, dass sie diese Leichtigkeit empfinden kann. Denn das, was die 24-Jährige in den vergangenen zwei Jahren erlebt hat, kann Menschen bis zur Selbstaufgabe zermürben. Es kann sie aber auch resilient machen. Und so ist dieser Satz, den sie als eine Art Zusammenfassung ihres Leidenswegs ausspricht, vielleicht mehr wert als all die Medaillen, die sie über die Jahre gewonnen hat. „Ich fühle mich wieder viel mehr“, sagt Johanna Schikora im Abschiedsgespräch mit dem DOSB, und die Entschlossenheit, die aus ihrem Gesicht zu lesen ist, unterstreicht, dass sie es genauso meint.

Johanna Schikora, geboren und aufgewachsen in Berlin, wo sie auch heute noch lebt, galt vor einigen Jahren als Deutschlands beste Flossenschwimmerin. 2021 hatte sie in Tomsk (Russland) ihren ersten WM-Titel im Erwachsenenbereich erkämpft. Ein Jahr später wurde sie in Birmingham (USA) World-Games-Siegerin über 400 Meter. „Das war einer der schönsten Momente meiner Karriere. Meine Paradestrecken sind eigentlich die 800 und 1.500 Meter, aber bei den World Games sind die 400 die längste Distanz. Ich bin ohne große Erwartungen angetreten, und plötzlich hatte ich Gold um den Hals. Das hat so unfassbar viel Spaß gemacht, ich kann kaum beschreiben, welche Emotionen ein solcher Erfolg freisetzt“, sagt sie.

Ihr Hang zum Perfektionismus hat etwas Selbstzerstörerisches

Was sie damals nicht ahnte: Dass der größte Erfolg ihres sportlichen Lebens bei den Weltspielen der nicht-olympischen Sportarten viele Gewissheiten ins Rutschen bringen würde. Die Frage, was nach einem solchen Triumph noch kommen könnte, wenn man ihn als 20-Jährige erlebt, drängte schnell in ihr Bewusstsein. Und da Johanna ein Mensch ist, in dessen Kopf niemals Ruhe herrscht, wurde sie von einer Welle überrollt, der sie auch mit der Monoflosse an den Füßen nicht gewachsen war. „Ich hatte immer das Gefühl, ich muss weitermachen, muss den Erfolg bestätigen. Das war mein innerer Antrieb, und obwohl ich fühlte, dass ich gar nicht mehr ins Wasser wollte, und alle verstanden hätten, wenn ich mir eine Pause gegönnt hätte, war das für mich niemals eine Option“, sagt sie rückblickend.

In einem eindrucksvollen Portrait, das vor einigen Wochen in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erschien, schildert Johanna der mit ihr gut bekannten Redakteurin in schonungsloser Offenheit, dass ihr Hang zu Perfektionismus etwas Selbstzerstörerisches in sich birgt. Nicht nur im Sport wollte sie stets die Beste sein. Sie schloss das Abitur mit der Traumnote 1,0 ab, beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ war sie Bundespreisträgerin im Klavierspielen. „Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ich Anerkennung dafür bekomme, wenn ich Außergewöhnliches leiste. Also habe ich daraus geschlossen, dass ich nichts wert bin, wenn ich nichts leiste. Das habe ich so sehr verinnerlicht, dass eine Pause vom Leistungssport in meiner Gedankenwelt gar nicht vorkam“, sagt sie im DOSB-Interview.

Mit 16 Jahren zeigte sich erstmals eine Essstörung bei Johanna

Bereits mit 16 Jahren hatte sich eine Essstörung manifestiert, weil Johanna Ungesundes vom Speiseplan strich. Während der Corona-Zeit sorgte die Einsamkeit für eine Verschlechterung, sie begann, sich nach dem Essen zu erbrechen. Mittels eines Ernährungsplans konnte sie ihren Zustand stabilisieren und in den Folgejahren die größten sportlichen Erfolge einfahren. Doch nach der emotionalen Berg- und Talfahrt im Jahr 2022 nahmen die Probleme wieder zu, weil sie unterbewusst spürte, dass weniger Essen zu weniger Leistung und damit auch zu weniger Leistungsdruck führen könnte. Die Quittung für diesen Raubbau reichte ihr Körper bei der WM 2024 in Serbiens Hauptstadt Belgrad ein. Sie wurde Weltmeisterin über 1500 Meter, konnte aber zum Finale über 400 Meter nicht mehr antreten, weil ihre eine Bandscheibenvorwölbung unerträgliche Schmerzen bereitete.

In die Erleichterung, eine plausible Ausrede dafür zu haben, nicht mehr schwimmen zu müssen, mischte sich schnell das Gefühl der Unvollkommenheit und die Angst davor, was sie ohne ihren Sport überhaupt noch darstellen würde. Im März 2025 brach Johanna endgültig zusammen – und entschied, sich in eine Fachklinik für Essstörungen zu begeben. Die Wartezeit auf einen Therapieplatz überbrückte sie bei ihren Eltern, die sich die gesamte Karriere über intensiv um ihre Tochter gekümmert hatten. Drei Monate blieb sie im Krankenhaus, wo sie lernte, Essen nicht als Feind zu betrachten. Nur einen Monat nach der Entlassung trat sie, völlig außer Form, bei den World Games in Chengdu (China) an. Im Einzelrennen über 400 Meter wurde sie mit fast 20 Sekunden Rückstand auf Gold Letzte, in der Staffel reichte es ebenfalls nicht zu mehr.

Ein saarländisches Sommermärchen, das alle stolz zurückblicken lässt

4.300 Athlet*innen, zwölf internationale Delegationen, 27 Sportarten, 2750 Untersuchungen beim begleitenden Gesundheitsprogramm „Healthy Athletes“, 3100 Volunteers, 110.000 Besucher*innen in den 23 Sport- und Veranstaltungsstätten. Es sind Zahlen, die beeindrucken, angesichts der erlebten Emotionen aber noch nicht die ganze Geschichte erzählen. 

Die Special Olympics Nationale Spiele sind nicht nur die größte Multisportveranstaltung Deutschlands für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung, sie waren auch das größte Sportereignis der saarländischen Historie. „Wir wollten daraus gemeinsam unser saarländisches Sommermärchen machen – und das haben wir geschafft“, wendete sich Reinhold Jost, saarländischer Minister für Inneres, Bauen und Sport, auf der Abschlussfeier am Tblisser Platz an die vielen Besucher, winkte in die bunte Menge und richtete vor dem Staatstheater seinen „Dank an alle, die ihren lohnenden Beitrag zum Erfolg der Spiele geleistet haben.“ Nicht nur die Wettkämpfe an 23 Sportstätten zählten dazu, sondern ein üppiges Rahmenprogramm, das mit Familienempfang, dem Wettbewerbsfreien Angebot am SPORTCAMPUS SAAR, dem Special Olympics Festival, dem Healthy Athletes Programm und weiteren Projekten und Veranstaltungen überall in der Gastgeberregion begeisterte.

Mit noch mehr Verantwortung in eine ganz besondere Woche

Der ganz große Druck ist weg, und das ist auch gut so, denn dadurch hat Linnea Weidemann die Möglichkeit, ihr ganz besonderes Heimspiel noch ein wenig mehr zu genießen. Nach einem erfolgreichen Ausflug nach London mit Siegen über Gastgeber England (2:1, 3:0) und Australien (5:1) haben sich die deutschen Hockeydamen in der vergangenen Woche im Nationenwettbewerb Hockey Pro League (HPL) vom letzten Tabellenrang ins Mittelfeld vorgearbeitet. Wenn in dieser Woche auf dem Ernst-Reuter-Sportfeld in Berlin die abschließenden vier Partien anstehen (Spielplan und Modus siehe Infobox), können die „Danas“ den Klassenerhalt in der HPL perfekt machen. Nur der Letzte der Neunergruppe, aktuell England mit drei Punkten Rückstand auf die Deutschen, darf in der kommenden Saison nicht mehr im Kreis der Topnationen mitspielen.

„Die Pro League ist für unsere Entwicklung wichtig, weil sie regelmäßige Spiele gegen die besten Mannschaften der Welt garantiert, an die man sonst wegen des engen internationalen Terminkalenders kaum noch herankommt“, sagt Linnea Weidemann, für die die vier Auftritte in Berlin mehr bedeuten als für alle anderen Akteurinnen im Kader von Bundestrainerin Janneke Schopmann. Die 22 Jahre alte Innenverteidigerin vom Berliner HC, die das Team gemeinsam mit Lisa Nolte (25) vom Düsseldorfer HC als Kapitänin anführt, ist die einzige deutsche Spielerin, die für einen Verein aus der Hauptstadt aktiv ist. Lena Micheel (28), in Berlin geboren und bei Zehlendorf 88 und TuS Lichterfelde ausgebildet, spielt seit vielen Jahren in Hamburg, aktuell für den Großflottbeker THGC.

„Ich habe auf diesem Platz schon gespielt, als es noch Naturrasen war“, erinnert sich Linnea an ihre Anfänge zurück, „deshalb bedeutet es mir sehr viel, diese Chance zu bekommen. Auch wenn wir schon zweimal Pro-League-Spiele in meiner Heimat hatten, ist die Vorfreude auch diesmal riesig. Es ist einfach cool, dass meine Familie und mein Freundeskreis alle dabei sein können.“ Gleichzeitig sei es Ehre und Verpflichtung gleichermaßen, von den Nachwuchsspieler*innen des BHC als Vorbild angesehen zu werden. „Ich glaube schon, dass es für die Kinder eine große Motivation ist zu sehen, wie weit man es auf internationaler Bühne bringen kann. Ich freue mich sehr, dass ich das weitergeben und vielleicht für einige als Idol zur Verfügung stehen kann“, sagt sie.

Als 18-Jährige debütierte sie 2022 bei der WM im A-Kader

Im Fokus zu stehen, das ist mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr für Linnea. Als 18-Jährige debütierte sie bei der Weltmeisterschaft 2022 in den Niederlanden und Spanien, die Deutschland auf Rang vier abschloss, im A-Nationalteam. Nach dem Viertelfinal-Aus bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris gab es einen großen Umbruch im Kader, der die Abwehrstrategin, die in Berlin an einer Partnerhochschule des Olympiastützpunktes Volkswirtschaftslehre studiert, in den Kreis der Arrivierten spülte. „Wir sind deutlich jünger geworden. Die größte Veränderung für mich ist, dass ich nicht mehr das junge Küken bin, das ein bisschen mitspielt. Ich habe mehr Verantwortung, die ich gern trage und auf dem Platz für unser Spiel umsetze“, sagt sie. Wobei der klare Blick, mit dem sie in der Spieleröffnung zu brillieren weiß, auch für ihre Selbsteinschätzung hilfreich ist. „Mir ist bewusst, dass ich das Meiste noch längst nicht perfekt mache und in vielen Situationen lernen kann. Ich mache aber viele Dinge mittlerweile bewusster und nicht mehr aus dem Bauch heraus, ob es Ansagen sind oder das Treffen von Entscheidungen, wie wir spielen wollen. Ich bin lauter und präsenter, ohne dabei mein eigenes Spiel zu vergessen“, sagt sie.

Unter der Niederländerin Schopmann, die im November 2024 das Amt von Valentin Altenburg übernommen hatte, hat sich der Spielstil der „Danas“ durchaus verändert, findet Linnea Weidemann. „Es ist nicht mehr nur klassisches deutsches Hockey mit viel Ballbesitz und klarer Struktur, wir spielen schneller und mit mehr Variabilität“, sagt sie. Der größte Unterschied zwischen Altenburg, der seinen Spielerinnen sehr viele Freiräume zur eigenen Entfaltung ließ, und dessen Nachfolgerin sei, dass es deutlich mehr Vorgaben gebe. „Janneke gibt uns klare Anweisungen, sie hat ihre Vorstellung, wie wir spielen sollen, und zieht das durch.“ Das Feedback der Trainerin sei „sehr klar, manchmal schroff, aber immer ehrlich. Man braucht schon ein gewisses Selbstbewusstsein, um damit klarzukommen. Aber ich will das nicht als Wertung verstanden wissen, wir sind mit ihr in einem guten Austausch.“

Jörg Adami übernimmt Geschäftsführung der DOSB E-Sport gGmbH

Mit der Gründung der DOSB E-Sport gGmbH zum 1. Juni 2026 hat der DOSB eine eigenständige Plattform geschaffen, um sein Engagement an der Schnittstelle von Sport, Gaming und digitaler Kultur partnerschaftlich, werteorientiert und zukunftsgerichtet weiterzuentwickeln. Mit der Besetzung der Geschäftsführung wird nun der nächste Schritt in der operativen Umsetzung vollzogen.

Jörg Adami verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Leistungssportförderung, Nachwuchsentwicklung und E-Sport. Der 56-Jährige war unter anderem mehr als zehn Jahre Mitglied des Vorstands der Stiftung Deutsche Sporthilfe sowie Mitgründer und Geschäftsführer der „esports player foundation“. Zuletzt begleitete er die Konzeption und Gründung der DOSB E-Sport gGmbH.

„In Jörg Adami gewinnen wir eine Persönlichkeit, die sowohl die Strukturen des organisierten Sports als auch die Dynamiken der digitalen Generation und des E-Sports kennt. Sein Netzwerk, seine Erfahrung in der Talentförderung und seine Fähigkeit, unterschiedliche Akteure zusammenzubringen, werden entscheidend sein, um die Ziele der DOSB E-Sport gGmbH erfolgreich umzusetzen“, sagt Leon Ries, Vorstand Jugend im DOSB.

Ein Paradies für Fans deutscher Sportgeschichte

Für diese besondere Operation muss Gregor Baldrich ein Paar weiße Stoffhandschuhe überstreifen. Aus einem sorgsam verschlossenen Metallschrank hat er ein schon leicht ramponiertes Kunststoffkästchen gezogen, das er nun, da er bereit ist, dessen Inhalt vor Fingerabdrücken zu schützen, aufklappt. Zum Vorschein kommt ein rundes Stück Metall, das Laien nur schwer als das Schmuckstück identifizieren könnten, das es ist. Baldrich, 60 Jahre alt, von hagerer Statur und mit einem stets etwas verschmitzt wirkenden Lächeln im Gesicht in seinem „Reich“ unterwegs, streicht liebevoll über die Oberfläche und erklärt: „Das ist eine Bronzemedaille der Olympischen Sommerspiele von 1956 in Melbourne.“ Zum Vergleich legt er dem Besucher eine der Medaillen aus Rio de Janeiro in die Hand, die 60 Jahre später an die Drittplatzierten der Sommerspiele ausgeteilt wurden. Wuchtig und schwer kommt diese daher. Früher, denkt man unweigerlich, war also sicherlich nicht alles besser, aber manches leichter.

Gregor Baldrich ist im Deutschen Sport & Olympia Museum (DSOM) verantwortlich für die Leitung der Sammlung. Auf einer Ausstellungs- und Aktionsfläche von mehr als 2.000 Quadratmetern werden im Kölner Rheinauhafen in der Dauerausstellung rund 2.000 Exponate gezeigt. Am Olympic Day, der jährlich am 23. Juni an die Gründung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am 23. Juni 1894 und die Wiedereinführung der Olympischen Spiele durch Pierre de Coubertin in Paris erinnert, ist das Museum stets der Mittelpunkt der deutschen Olympiawelt. Aber weil die Sammlung insgesamt rund 100.000 Objekte umfasst, hatte der DOSB anlässlich des diesjährigen Olympic Days um einen Termin im Zentraldepot im Kölner Stadtteil Mülheim gebeten, um einmal zu ergründen, welche Schätze der sportinteressierten Öffentlichkeit aus Platzgründen nicht präsentiert werden können. Und Gregor Baldrich ist der Mann, der sich in dem 800 Quadratmeter einnehmenden Paradies für Enthusiast*innen der Sporthistorie auskennt wie niemand sonst.

Seit März lagern alle Exponate in einem Zentraldepot

Dass über den gesamten Raum verteilt noch Dutzende nicht ausgepackter Kartons stehen, bittet er gleich beim Betreten zu entschuldigen. Erst im März war der Umzug abgeschlossen worden, der sich über mehrere Monate hinzog, nachdem die Exponate viele Jahre über mehrere kleine Depots verteilt gewesen waren. „Jetzt haben wir alles an einem Ort beisammen, was eine zentrale Sicherheit, bessere Forschungsmöglichkeiten und auch eine zentrale Anfahrt bietet. Aber es wird noch etwas dauern, bis hier alles in Ordnung ist“, sagt er. Wobei ein Depot doch grundsätzlich lebendig wirkt, wenn ein wenig Unordnung herrscht, weil dann sichtbar wird, dass die Sammlung ständiger Veränderung ausgesetzt ist. Aber Gregor Baldrich, der seit 20 Jahren im DSOM arbeitet, ist ein Freund davon, sich schnell zurechtfinden zu können. Jedes Exponat ist nummeriert und archiviert, zu jedem, das er entgegennimmt, notiert sich Baldrich dessen Geschichte.

Die Idee, ein Museum für die deutsche Olympiageschichte zu errichten, war 1972 im Rahmen der Sommerspiele in München entstanden. Das erste Sammlungskonvolut steht im Kontext des 11. Olympischen Kongresses vom 23. bis 28. September 1981 im Kurhaus von Baden-Baden, der mit der Beendigung des klassischen Amateurstatus und der Öffnung Olympischer Spiele für Profis Sportgeschichte schrieb. Dort gab es eine Ausstellung, Teile dieser fanden Einzug in die Sammlung des Museums. „Zunächst wurde breit gestreut gesammelt, später dann zielorientierter, bis 1999 das passende Gelände gefunden war und das Museum eröffnen konnte“, sagt Gregor Baldrich.

Die Exponate kommen aus vier Hauptquellen

Aus vier Hauptquellen speist sich seit 45 Jahren der Bestand. Entweder überlassen Athlet*innen oder andere Funktionsträger*innen dem Museum einige Objekte oder die Gesamtheit ihres Besitzes als Leihgabe oder Schenkung, oder Hinterbliebene vermachen nach dem Ableben der Besitzer deren Hab und Gut dem DSOM, das Gregor Baldrich manchmal auch persönlich abholt. Hat ein Objekt einen besonderen, meist ideellen Wert für die Sammlung, wird auch bei Aktionen zugekauft. Mittel dafür stehen, wie auch für den Betrieb des Museums und die Lagermiete, dank der Förderung des DOSB und des Landes Nordrhein-Westfalen sowie durch die Einnahmen an der Museumskasse zur Verfügung.

Die vierte und verlässlichste Quelle ist die Mitgliedschaft des Museums im Olympic Museums Network, das 2006 am IOC-Sitz in Lausanne (Schweiz) gegründet wurde mit dem Ziel, 36 Olympiamuseen weltweit untereinander zu vernetzen und ihnen die Möglichkeit zu geben, an begehrte Erinnerungsstücke wie Medaillen und Fackeln der unterschiedlichen Ausgaben der Olympischen Spiele zu kommen. In seiner Dauerausstellung präsentiert das DSOM zahlreiche Fackeln seit 1936, als für die von den Nazis vereinnahmten Heimspiele in Berlin die Idee des Fackellaufs geboren wurde. In zwei Metallschränken lagern in Köln-Mülheim auch diverse Fackeln von Winterspielen und Paralympics. „Für die Olympischen Spiele 1952 in Helsinki wurden nur 22 Fackeln produziert. Davon eine zu besitzen, ist sehr besonders. Heute werden große Mengen von Fackeln produziert, denn alle Teilnehmenden des Fackellaufs dürfen ihr Exemplar behalten“, sagt Gregor Baldrich.

Sportfördergesetz auf der Zielgeraden

Nach mittlerweile vier Jahren intensiver Arbeit an der Spitzensportreform stehen die entscheidenden Wochen an: Noch vor der parlamentarischen Sommerpause Mitte Juli will der Bundestag das Sportfördergesetz beschließen. Damit steht die Neuordnung des Spitzensportsystems in Deutschland kurz vor dem Abschluss. Das Parlament schafft mit dem Sportfördergesetz erstmals auf Bundesebene eine eigenständige gesetzliche Grundlage für die Förderung und Steuerung des Leistungssports.

Das Sportfördergesetz und die geplante Spitzensportagentur können echte „Gamechanger“ für mehr Effizienz, mehr Flexibilität und mehr Verlässlichkeit im deutschen Spitzensportsystem sein. Um diese Ziele zu erreichen, muss das Gesetz aber noch an zentralen Stellen nachjustiert werden. Anlässlich der Sachverständigenanhörung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt am kommenden Mittwoch legt der DOSB konkrete Verbesserungsvorschläge für das Sportfördergesetz vor und appelliert an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, diese Vorschläge aufzugreifen und den Paradigmenwechsel im Spitzensport damit konsequent umzusetzen.

Die Forderungen des organisierten Sports

Ein zentraler Punkt ist die klare Verankerung der Finanzierungszuständigkeit des Bundes im Gesetz. Ohne ein eindeutiges Bekenntnis drohen weiterhin Unsicherheiten und mögliche Finanzierungslücken. Ziel ist es, die Spitzensportförderung von einer freiwilligen Aufgabe zu einer verbindlichen staatlichen Leistung weiterzuentwickeln. Damit würde nicht nur die langfristige Planung für Verbände gestärkt, sondern auch die Bedeutung des Spitzensports im nationalen Kontext – auch mit Blick auf die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland – gesetzlich unterstrichen.

Darüber hinaus fordert der organisierte Sport eine Sitzverteilung im Stiftungsrat der geplanten Spitzensportagentur, die die Augenhöhe von Politik und Sport gewährleistet. Um diese tatsächlich umzusetzen, muss das strukturelle Ungleichgewicht zulasten der Sports im Aufsichtsgremium durch einen zusätzlichen Sitz reduziert werden.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Rolle des Bundesverwaltungsamtes. Das klare Ziel des Gesetzes ist es, die Anzahl der entscheidungsbeteiligten Akteure zu reduzieren. Dafür wäre eine Klarstellung notwendig, dass das BVA lediglich eine Dienstleistungsfunktion für die Agentur übernehmen soll. Die derzeitige Ausgestaltung im Gesetzentwurf bleibt diesbezüglich unklar, so dass auch die Weiterführung der aktuellen Rolle als Bewilligungsbehörde interpretierbar bleibt. 

Auch die Frage der Entscheidungsbefugnisse innerhalb der Spitzensportagentur spielt eine zentrale Rolle. Der DOSB fordert, dass die Kompetenz zur Festlegung von Förderkonzepten und -richtlinien beim Vorstand der Spitzensportagentur liegen muss. Nur so können die Agenturverantwortlichen die intendierte Gestaltungsaufgabe tatsächlich wahrnehmen. Eine Verlagerung dieser operativen Entscheidungen auf das Aufsichtsgremium würde die Unabhängigkeit der Vorstände und damit der Agentur maßgeblich einschränken.

Bürokratieabbau muss vorangetrieben werden

Beim Thema Bürokratieabbau sieht der organisierte Sport ebenfalls noch deutlichen Nachbesserungsbedarf. Zwar enthält der Gesetzentwurf erste Ansätze, etwa durch mehrjährige Fördermöglichkeiten und Verbandsbudgets, doch gehen diese aus Sicht des DOSB nicht weit genug. Gefordert werden unter anderem vereinfachte Verfahren, Ausnahmen vom Besserstellungsverbot, eine stärkere Digitalisierung sowie die Festbetragsfinanzierung als Regelfall. 

Schließlich spricht sich der DOSB für eine Änderung bei der Wahl des Stiftungsratsvorsitzes aus. Der Gesetzentwurf sieht diesen derzeit beim Bundeskanzleramt. Stattdessen plädiert der organisierte Sport für eine Wahl aus dem Kreis der vom Bund entsandten Mitglieder, um die demokratische Legitimation zu stärken – insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Vorsitz bei Stimmengleichheit eine entscheidende Rolle spielt.

Spitzensport ist nur dann erfolgreich, wenn unsere Athlet*innen ein stabiles Umfeld vorfinden. Deshalb müssen in einem weiteren Schritt die soziale Absicherung der Athlet*innen gestärkt, die Rahmenbedingungen für Trainer*innen verbessert und Investitionen in die Zukunftsfähigkeit von Spitzensportstätten getätigt werden. 

Kein Gesetz verlässt den Bundestag so, wie es hineingekommen ist

Das Sportfördergesetz hat auf seinem Weg hin von ersten Eckpunktepapieren über Referentenentwürfe bis hin zum jetzt vorliegenden Gesetzentwurf zahlreiche Änderungen erfahren und Anregungen des organisierten Sports aufgenommen. Jetzt gilt es auf den letzten Metern noch den Feinschliff vorzunehmen. Das „Struck´sche Gesetz“, wonach kein Gesetz den Bundestag so verlässt, wie es hineingekommen ist, wird auch dieses Mal Anwendung finden. 

Am kommenden Mittwoch findet mit der Sachverständigenanhörung im Ausschuss für Sport und Ehrenamt die letzte Beteiligungsmöglichkeit für Verbände statt. Vertreter*innen aus dem organisierten Sport, von Trainerverbänden und Athletenvereinigungen erhalten die Möglichkeit, den Gesetzentwurf fachlich zu bewerten und Änderungsvorschläge zu unterbreiten. Für den DOSB wird Dr. Olaf Tabor, Vorstand Leistungssport, teilnehmen. Die Abgeordneten erhalten die Möglichkeit, gezielt nachzufragen und ein breiteres Meinungsbild zu erhalten. Die Anhörung dient dazu, die unterschiedlichen Perspektiven zusammenzuführen und die Grundlage für mögliche Anpassungen im weiteren parlamentarischen Verfahren zu schaffen. Sie ist damit ein zentrales Element, in dem sich entscheidet, welche der vorgebrachten Argumente und Vorschläge in die finale Fassung des Gesetzes einfließen.

Nach der Anhörung werden die Berichterstatter der Koalitionsfraktionen die möglichen Änderungen beraten und der Ausschuss für Sport und Ehrenamt noch in der kommenden Woche oder in der letzten Sitzungswoche vor Sommerpause im Juli in einer sogenannten Beschlussempfehlung den Gesetzentwurf abändern. Die Zustimmung des Bundestages in zweiter und dritter Lesung ist dann der finale Schritt, dieser kann auch in der Juli-Sitzungswoche stattfinden. Der Bundesrat wird das Gesetz dann vermutlich erst im September abschließend beraten.

Sterne des Sports: Vier gute Gründe für deine Bewerbung

Finanzielle Unterstützung für dein Engagement

Gutes Engagement braucht starke Rahmenbedingungen. Bei den „Sternen des Sports“ winken attraktive Preisgelder von insgesamt bis zu 14.000 Euro. So kannst du deine Vereinsarbeit weiterentwickeln, neue Projekte anstoßen und deine Ideen nachhaltig stärken.

Das zeigt der Preisträger aus dem letzten Jahr: Die Turngemeinde Herford von 1860 hat ihre ausgezeichnete Initiative „Vereinsheld 2025 – Unsere Zukunft ist Ehrenamt“ gezielt weiterentwickelt. Das Preisgeld floss direkt in neue NextGen-Stipendien für engagierte junge Menschen ab 13 Jahren und stärkt so den Nachwuchs im Ehrenamt ganz konkret.

DOSB-Wissenschaftspreis: Bewerbung noch bis 31. Juli möglich

Damit setzt der DOSB die Tradition des Carl-Diem-Wettbewerbs fort, den der Deutsche Sportbund seit 1953 durchgeführt hat. Die preisgekrönten Arbeiten der Preisträger*innen legen ein eindrucksvolles Beispiel der hohen sportwissenschaftlichen Forschungsleistungen ab. Die letzte Verleihung des Preises fand am 31. Januar 2025 im Rahmen einer Festakademie im Haus des Sports statt.

Die Ausschreibung für den aktuellen Wettbewerb um den DOSB-Wissenschaftspreis 2025/2026 ist seit Herbst 2025 veröffentlicht. Als Wettbewerbsbeitrag können sportwissenschaftliche Arbeiten in deutscher oder englischer Sprache eingereicht werden, die seit 2024 an einer deutschen Universität als Promotions- oder Habilitationsleistung angenommen wurden. Zudem haben Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft oder einem sportwissenschaftlichen Abschluss an einer deutschen Universität die Möglichkeit, vergleichbare Qualifikationsarbeiten einzureichen, sofern diese an einer Universität außerhalb Deutschlands anerkannt wurden. Der DOSB möchte mit seinem Wissenschaftspreis insbesondere Arbeiten anregen, die aktuelle Fragen des organisierten Sports thematisieren. Einsendeschluss ist der 31. Juli 2026.

Die Auszeichnung der Preisträger*innen und die Verleihung des DOSB-Wissenschaftspreises 2025/2026 nimmt voraussichtlich der DOSB-Präsident im Rahmen einer Festakademie Anfang des Jahres 2027 vor.

„Der Mehrwert der Europaspiele wird nach und nach allen klarer“

DOSB: Peter, in genau einem Jahr sollen in Istanbul die 4. Europaspiele starten, die vom 16. bis 27. Juni in der Türkei stattfinden sollen. Wie ist der Stand der Vorbereitung?

Peter Brüll: Natürlich kann man immer sagen, dass man früher mit den Planungen hätte beginnen können. Zeitdruck gibt es in fast jedem Projekt. Aber wenn ich einbeziehe, dass wir erst im vergangenen Jahr den Host-City-Vertrag unterschrieben haben, kann ich sagen, dass das türkische Organisationskomitee einen wirklich guten Job macht. Sie haben viel Erfahrung als Ausrichter von Sportgroßveranstaltungen. Vielleicht nicht mit Multisportevents, aber die Türkei richtet viele Weltcups, Europa- oder Weltmeisterschaften aus. Aus meiner Sicht arbeiten alle relevanten Ebenen sehr gut zusammen, so dass ich zuversichtlich bin, dass ausreichend Zeit und personelle Ressourcen zur Verfügung stehen, um alles pünktlich fertigzustellen und sehr gute Spiele durchzuführen.

Was sind auf dem Weg bis zum Start die wichtigsten organisatorischen Hürden, die noch genommen werden müssen?

Noch sind viele Dinge zu erledigen, da geht es um die Auswahl der Venues, um Transportinfrastruktur und auch um finanzielle Strukturen. Aber das ist normal zu diesem Zeitpunkt. Das Wichtigste ist, die richtigen Menschen in die notwendigen Positionen zu bringen und miteinander zu verbinden. Damit steht und fällt eine solche Organisation.

Was lässt sich Stand heute zu den Ausmaßen der Veranstaltung sagen? Wie viele Athlet*innen werden erwartet, wie viele Sportarten werden im Programm sein und auf welche ikonischen Standorte dürfen sich die Fans freuen?

Da sich immer kleine Anpassungen ergeben können, bitte ich zu beachten, dass es sich um den Status Quo handelt. Aktuell planen wir mit 26 Sportarten, 22 davon aus dem olympischen Programm. Wir werden rund 7500 Athlet*innen in Istanbul begrüßen, was ein Rekordwert ist. 2023, bei der bislang letzten Ausgabe in Krakau, waren knapp 6900 Sportler*innen dabei. Was die Austragungsstätten angeht, bitte ich noch um etwas Geduld. Ich kann aber versprechen, dass es, wie 2024 bei den Olympischen Spielen in Paris, einige ikonische Stätten geben wird. Istanbul bietet für Sportarten wie 3x3 Basketball, Sportklettern oder auch Squash in gläsernen Courts herausragende, monumentale Spots, die dafür sorgen werden, dass auch die Promotion für die Stadt nicht zu kurz kommen wird.

Für 21 der 22 olympischen Sportarten sind in Istanbul Wettkämpfe zur Olympiaqualifikation vorgesehen. Welchen sportlichen Stellenwert haben Europaspiele mittlerweile, und wie ist es gelungen, diesen kontinuierlich zu erhöhen?

Ich freue mich sehr, dass auch die Außenwirkung der Europaspiele mittlerweile so ist, dass die steigende Bedeutung des sportlichen Werts wahrgenommen wird. Istanbul ist Gastgeber der erst vierten Ausgabe, wir stehen im Vergleich zu anderen Kontinentalwettkämpfen noch immer am Anfang. Dennoch haben wir Interesse von viel mehr Verbänden, als wir ins Programm aufnehmen könnten. Ich glaube, dass unser Narrativ, ein direkter Qualifikationswettbewerb für die Olympischen Spiele zu sein, mittlerweile gut verfängt und dafür sorgt, dass die Fachverbände und die NOKs als unsere Mitglieder zunehmend Interesse an dem Format European Games entwickeln. Wir werden in Istanbul 122 direkte Plätze für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles ausloben, dazu kommen viele Wettkämpfe mit hoher Relevanz für die Olympia-Ranglisten. Das unterstreicht die sportliche Bedeutung und gibt uns berechtigte Hoffnung, dass die besten Athlet*innen in Istanbul antreten werden.

Die Türkei gilt als aufstrebende Sportnation. Welche Bedeutung hat die Ausrichtung der Europaspiele für die Gastgeber?

Bei den Paris-Spielen ist die Türkei mit acht Medaillen, keine davon in Gold, auf Rang 64 des Medaillenspiegels weit hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben. Deshalb haben Politik und Sport gemeinsam an ihren Zielstellungen gefeilt und versucht zu ergründen, wie sich die Ergebnisse verbessern lassen. Ein wichtiges Element in ihrer neuen Strategie ist es, als Ausrichter großer Events die Chancen zu erhöhen, dass türkische Athlet*innen erfolgreicher sein können. Als Gastgeber dürfen die Türken in jeder Sportart bei den Europaspielen antreten und haben dadurch mehr Möglichkeiten, um sich für Los Angeles zu qualifizieren. Und je mehr Sportler*innen antreten, desto höher dürften die Chancen sein, dann auch bei Olympia erfolgreicher zu werden. Außerdem sind die Europaspiele auch für die öffentliche Wahrnehmung wichtig. Die Türkei plant, sich für die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele zu bewerben. Im kommenden Jahr wollen sie der Welt zeigen, dass sie zu Großem in der Lage sind, und in diesem Puzzle sind die Europaspiele ein wichtiges Teil.

Auf der EOC-Generalversammlung im vergangenen Jahr in Frankfurt am Main hat der damalige Bürgermeister Ekrem Imamoglu für die Veranstaltung geworben. Kurz darauf wurde er wegen angeblicher Korruption und Terrorismusunterstützung verhaftet und befindet sich weiterhin im Gefängnis. Welche Probleme hat das verursacht und wie ist die politische Situation aktuell einzuschätzen?

Ich möchte die politische Situation in der Türkei nicht kommentieren. Was ich bestätigen kann: Die Stadt Istanbul und die türkische Regierung haben sich über die vergangenen Monate als sehr verlässliche Kooperationspartner erwiesen. Das zeigt uns, dass auf dem Feld des Sports Zusammenarbeit trotz manch politischer Kontroverse sehr gut möglich ist.

„Schwimmen ist eine Lebenskompetenz, die jeder Mensch erwerben sollte“

DOSB: Jan, der Bund hat für dieses Jahr 250 Millionen Euro für die Sanierung von Schwimmbädern in Aussicht gestellt. Freut man sich als DSV-Vorstandsvorsitzender darüber, oder sieht man schon jetzt eher die vielen Bäder, die trotzdem leer ausgehen werden? 

Jan Pommer: Zunächst einmal freuen wir uns darüber sehr, weil es in Zeiten knapper Kassen nicht selbstverständlich ist, dass finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden. Das kaschiert aber selbstverständlich nicht die Tatsache, dass der Gesamtbedarf für die Sanierung von Schwimmbädern in Deutschland um ein Vielfaches höher liegt. Unterschiedliche Schätzungen gehen von einer Summe bis zu zehn Milliarden Euro aus. Die Notwendigkeit für einen neuen Goldenen Plan ist offenkundig hoch.

Was ist bei der Verteilung der Gelder aus dem Sondervermögen aus deiner Sicht für die Schwimm-Infrastruktur besonders zu beachten? 

Wir haben uns stark dafür eingesetzt, dass die Antragsverfahren so einfach wie möglich gestaltet werden und dass auch Vereine selbst  diesen eigenständig anmelden können und nicht über ihre Kommune gehen müssen. Außerdem ist uns sehr wichtig, dass in dieser ersten Tranche vor allem Bäder saniert werden, die eine wichtige Rolle für das Schwimmenlernen spielen. Natürlich freuen wir uns auch über moderne Spaßbäder, aber die Schwimmfähigkeit der Bevölkerung ist das Fundament, das wir dringend stärken müssen. Dafür braucht es funktionsfähige Lehrschwimmbecken, deshalb drängen wir darauf, dass es hier eine Priorisierung der Mittel geben kann und vor allem solche künftig errichtet werden.

Der DSV hat weiterhin mehr als 600.000 Mitglieder, auch die Zahl der Vereine ist leicht gestiegen. Wie groß sind die Probleme, diesen Menschen verlässlich die Möglichkeit zu bieten, Schwimmsport zu betreiben? 

Diese Frage möchte ich zweigeteilt beantworten. Auf der einen Seite müssen all jene Vereine, die keine eigenen Bäder betreiben, sehr hart um entsprechende Wasserzeiten kämpfen. Dabei stehen sie im Wettbewerb mit anderen Stakeholdern und werden auch mit den kommunalen Finanznöten konfrontiert. Wir haben natürlich Verständnis dafür, dass alle Seiten sehen müssen, wie sie ökonomisch tragfähig arbeiten. Aber in diesem Wettbewerb muss die Vereinsarbeit priorisiert werden. Das schadet sonst den Vereinen und damit auch all den Menschen, die ihren Schwimmsport nicht wie erwünscht ausüben können. Auf der anderen Seite haben wir ein grundsätzliches Problem, weil in Deutschland ganz einfach viel zu wenige Wasserflächen zur Verfügung stehen. Jedes Jahr schließen Bäder und werden auch nicht wieder eröffnet, auch weil der Betrieb fälschlicherweise als „Groschengrab“ gilt. Diesen Problemen stellen wir uns, aber wir schaffen das nicht allein. 

Die Zahlen der Menschen, insbesondere im Kinder- und Jugendbereich, die nicht schwimmen lernen, sind alarmierend. Was kann der DSV noch unternehmen, damit all die Appelle, die immer wieder von euch ausgehen, nicht ungehört bleiben? 

In der Tat ist der Status Quo schlecht. Jedes Jahr verlassen rund 500.000 Kinder die Grundschulen, ohne sicher schwimmen zu können. Die gute Nachricht ist aber, dass man dagegen durchaus vieles tun kann. Wir können mehr Angebote schaffen und besser, vor allem zielgerichteter dafür werben, damit diese auch bekannt werden. Uns geht es darum, allen Menschen klarzumachen, dass Schwimmen eine Lebenskompetenz ist, die jeder erwerben sollte. Aber natürlich auch, dass es ein wunderbarer Sport ist, der vom Kleinkind bis zum Greis ausgeübt werden kann. Wir müssen unsere Angebote noch niedrigschwelliger zugänglich machen. Außerdem müssen wir mehr Übungsleitende ausbilden. Dazu sprechen wir gerade mit dem Bund über eine Förderung, die das unterstützen könnte. Als letzten Punkt möchte ich die Chance herausstreichen, die uns die flächendeckende Umstellung auf den Ganztag in den Schulen bietet. Wenn wir mit allen daran beteiligten Institutionen gut und unkompliziert kooperieren, können wir darüber das Schwimmenlernen einer viel breiteren Zielgruppe näherbringen. 

Wie steht Deutschland eigentlich im internationalen Vergleich da? Wie ist es um die Schwimmfähigkeit der Bevölkerung statistisch bestellt? 

Im europäischen Vergleich stehen wir leider nicht gut genug da, da waren wir schon besser und wollen unbedingt auf diesen Standard zurück. Weltweit gibt es sicherlich viele Regionen, in denen die Kulturtechnik Schwimmen nicht zur Selbstverständlichkeit gehört.

„Das Gefühl von Schwerelosigkeit und Freiheit im Wasser ist durch nichts zu ersetzen“

Wasser war schon immer mein Element, zumindest so lange meine Erinnerung zurückreicht. Ich war eins dieser Kinder, das man mit blauen Lippen aus dem Wasser ziehen musste, weil ich einfach nicht genug vom Schwimmen bekommen konnte. Ich habe es geliebt, bei uns in Bruchköbel, wo ich aufgewachsen bin, im Freibad die Wasserrutsche hinunterzurasen, vom Sprungturm zu springen und endlos im Wasser zu plantschen. Zum Glück hatte ich eine Oma, die mich zwar nicht ins kalte Wasser geworfen, aber mich doch sorgenfrei hineinspringen hat lassen. Und einen Papa, mit dem ich jeden Sonntag ins Schwimmbad gehen konnte. Irgendwann, ich muss acht Jahre alt gewesen sein, wollte ich unbedingt die ganzen Schwimmabzeichen erwerben und habe an einem Tag die Prüfungen für Silber und Gold hintereinander abgelegt. Da sagte der Bademeister zu meinem Vater: „Vielleicht sollten Sie das Mädchen mal in einen Schwimmverein geben!“

Das war allerdings auch schon zu Beginn der 2000er-Jahre nicht ganz so einfach. Unser Heimatverein hatte sechs Monate Wartezeit. Also bin ich zu unserem DLRG-Ortsverein gegangen und habe dort trainiert. Das Training fand manchmal parallel mit den „normalen“ Schwimmern statt, und weil die Vereinstrainer sahen, was ich schon konnte, haben sie Gnade walten lassen und mich in der Warteliste vorgezogen, so dass ich doch recht bald ein Probetraining absolvieren durfte. Das war der Beginn einer Leidenschaft, aus der viel mehr wurde als ein Hobby.

Was für mich die Faszination des Schwimmens ausmacht, kann ich bis heute ganz deutlich beschreiben. Es ist dieses Gefühl von Schwerelosigkeit und die Möglichkeit, in eine ganz eigene Welt abzutauchen. Wir alle tragen einen imaginären Rucksack mit uns herum, der mit unseren To-Dos, Sorgen und Belastungen gefüllt ist. Für mich war das Schwimmen immer das beste Rezept, um die Sorgen des Alltags – ob es Ärger im Freundeskreis war oder das Lernen für die Schule oder das Studium – hinter mir zu lassen. In dem Moment, in dem ich das Wasser über mir zusammenfließen sah und nur noch das Rauschen in meinen Ohren hörte, hatte ich ein Gefühl von Freiheit, das durch nichts zu ersetzen ist. Es gibt mittlerweile Tage, an denen ich nur für 500 Meter ins Schwimmbad fahre. Für eine ehemalige Leistungsschwimmerin ist das eine Distanz, für die eigentlich das Umkleiden nicht lohnt. Aber ich weiß, dass es mir guttut.

Wasser sollte niemals bedrohlich sein

Mir ist bewusst, dass gerade freie Gewässer, bei denen man nicht auf den Grund schauen kann, manchen Menschen Unbehagen und sogar Angst bereiten. Ich bin dankbar dafür, dass das bei mir nie der Fall war. Wasser sollte, sofern man sich mit den Gefahren auseinandersetzt, die Wettereinflüsse wie Sturm oder Gewitter mit sich bringen, niemals bedrohlich sein. Während meiner Leistungssportkarriere bin ich in der Freizeit tatsächlich nie ins Schwimmbad gefahren, sondern habe nur in Seen oder im Meer gebadet, weil ich abseits des Sports Wasser zur Entspannung nutzen wollte. Aber ich habe Wasser niemals als etwas betrachtet, das in mir Ablehnung hervorruft, sondern immer die Freiheit genossen, die es mir ermöglicht.

Dass aus meiner Leidenschaft ein Beruf wurde, war rückblickend eine logische Entwicklung. Ich bin bewusst Stufe um Stufe nach oben geklettert. Der Fakt, dass Schwimmen für mich mit Leistung verbunden war, hat zu keiner Zeit dazu geführt, dass ich den Spaß daran verloren habe. Mental war ich immer bereit dazu, mein Bestes zu geben. Es mag manche überraschen, aber ich habe 95 Prozent meiner Trainingseinheiten positiv empfunden. Zu sehen, was sich aus dem Körper herauskitzeln lässt, wenn man mit der notwendigen Disziplin ans Werk geht, hat mich immer fasziniert. Es gibt ja dieses Klischee, dass Schwimmtraining vor allem langweilig ist. Natürlich ist es nur ein Mythos, dass wir die Kacheln zählen. Im Training muss man immer fokussiert sein. Aber wenn man stumpf seine Ausdauerbahnen zieht, können die Gedanken schon mal abschweifen. Ich habe dann meist darüber nachgedacht, was ich noch einkaufen muss oder wen ich schon lange mal wieder anrufen wollte. Und irgendwie war das immer entspannend.

Die Olympiabewerbung für einen positiven Blick auf die Zukunftsgestaltung nutzen

Lebensqualität und Umweltgerechtigkeit sind wichtige Bedingungen für eine nachhaltige Zukunft – sowohl in Deutschland und Europa. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie in Zeiten des Klimawandels und wachsender Ungleichheit verschiedene gesellschaftliche Bereiche, darunter der Sport, zu mehr Umweltgerechtigkeit beitragen können. Dazu haben wir das nachfolgende Interview mit dem Bundesumweltminister geführt.

DOSB: Herr Minister, wie priorisiert das Bundesumweltministerium (BMUKN) das Konzept der Umweltgerechtigkeit in seiner aktuellen Umweltpolitik? Und welche Rolle spielt Umweltgerechtigkeit in der ressortübergreifenden Zusammenarbeit, etwa mit dem Bundesgesundheitsministerium, den Bundesbauministerium oder dem Bundesverkehrsministerium?

CARSTEN SCHNEIDER: Wir alle haben im Kern doch die gleichen Bedürfnisse, wenn es um Umwelt und Natur geht. Wir wünschen uns saubere Luft zum Atmen, sauberes Wasser zum Trinken. Ein Ausflug ins Grüne gibt uns Kraft und Zuversicht. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, dass uns allen das unabhängig von Einkommen, Bildung, Alter, Geschlecht oder Herkunft möglich ist. Menschen, die in Quartieren mit mehr Lärm leben, brauchen umso mehr ein Stück Natur wie einen Park oder eine öffentliche Wiese in der Nähe.

Während die einen dort einfach die Seele baumeln lassen, sehen die anderen darin eine Einladung zu Bewegung und Sport. Das ist Gold wert für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden und das soll so bleiben. Mit Klimaschutz und Klimaanpassung bewahren wir uns und unseren Kindern auch solche grünen Kraftquellen. Womit wir wieder beim Stichwort Gerechtigkeit sind.

Im Zusammenhang mit Umweltgerechtigkeit werden unter anderem die sozialräumliche Verteilung von Umweltbelastungen wie Lärm und Luftverschmutzung sowie der Zugang zu Natur und Grünräumen diskutiert. Herr Minister, welche konkreten Schritte unternehmen Sie, um mehr Umweltgerechtigkeit aktiv in nationale Strategien und Förderprogramme zu integrieren?

Das Ziel von Umweltgerechtigkeit sind gesunde Umwelt- und Lebensverhältnisse für alle Menschen. Die Kommunen sind hier entscheidend, um Umwelt, Gesundheit, Soziales, Stadtentwicklung mit Grün- und Freiflächenentwicklung sowie Verkehr zusammenzudenken und danach zu planen. Aber auch der Bund macht viel. So schützt etwa das Immissionsschutzrecht Menschen vor Luftverschmutzung oder Lärm. Mit der Nationalen Wasserstrategie stellen wir uns Herausforderungen des Klimawandels wie Hitze- und Dürreperioden. Damit auch in Zukunft Wasser überall versorgungssicher und bezahlbar bleibt.

Naturnahe Grünflächen in der Stadt zu fördern, spielt im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt sowie bei der Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung eine wichtige Rolle.

Wie beurteilen Sie die Rolle von Sportvereinen und -verbänden bei Maßnahmen für mehr Umweltgerechtigkeit? Können Sportorganisationen als aktive Partner bei der Umsetzung umweltpolitischer Ziele, etwa einer klimaangepassten Stadtplanung oder der Verbesserung der Lebensqualität in sozial benachteiligten Quartieren, eingebunden werden? Planen Sie beispielsweise Kooperationsformate, bei denen Sportorganisationen als Multiplikatoren für sozial-ökologische Transformation wirken können?

Der Sport hat da großes Potenzial- schon allein wegen der gesellschaftlichen Bedeutung von Sportvereinen: Sport verbindet uns - egal wie unterschiedlich wir sonst sind. Das Miteinander auf und neben dem Spielfeld tut uns individuell gut und stärkt den Zusammenhalt in unserem Land. Davon profitiert auch der Umweltschutz, der in einer gespaltenen Gesellschaft schnell unter die Räder gerät. Wer in der Natur Sport treibt, dem wird ihre Schönheit und Verletzlichkeit bewusst. Wir schützen, was wir schätzen – gerade der Sport ist auf eine gesunde Umwelt angewiesen. Das wissen Sportvereine und tragen durch Bildung und Aufklärung zum Umweltschutz bei. Wir sehen uns als Partner des nachhaltigen Sports und arbeiten schon lange mit den Sportorganisationen zusammen an einer nachhaltigeren Zukunft. Mit dem DOSB arbeiten wir - nach einer gemeinsamen Konferenz zu Klimaanpassung im Sport letztes Jahr - im Förderprojekt „Klima wandelt Sport“ daran, wie wir auch in Zukunft unter klimatisch veränderten Bedingungen – etwa mehr und längeren Hitzeperioden - Sport treiben können.

Welche Bedeutung sollte das Prinzip der Umweltgerechtigkeit bei einer möglichen deutschen Bewerbung um Olympische Spiele haben? Und sehen Sie die Chance, dass Deutschland mit einem konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Bewerbungskonzept eine internationale Vorreiterrolle übernimmt und zugleich eine positive Legacy schafft?

Ich bin ein Olympiafan und unterstütze voller Begeisterung die deutsche Bewerbung. Ich bin sicher, dass diese nur erfolgreich sein kann, wenn sie konsequent nachhaltig gedacht und geplant wird. Die Menschen in Deutschland wollen kein UFO, das hier für ein paar Wochen landet und dann weiterzieht. Olympia soll und wird dem Breiten- und Leistungssport einen starken Schub geben. Wir sind ja grundsätzlich gut aufgestellt für Sportgroßveranstaltungen in Deutschland – wie man an dem gemeinsam entwickelten Portal nachhaltige-sportveranstaltungen.de und an erfolgreich durchgeführten Welt- und Europameisterschaften z. B. im Fußball oder Handball, bei den Special Olympics oder den World University Games sehen kann. Der Schub muss dann auch in die Breite gehen, nicht zuletzt in die Modernisierung der Sportstätten.

Wir reden über olympische und paralympische Spiele in 10 bis 20 Jahren - das ist kurz vor der Klimaneutralität, zu der sich Deutschland rechtlich verpflichtet hat. Da kann Deutschland zeigen, wie Olympia konsequent sozial, partizipativ und ökologisch organisiert werden kann. Wir sollten die Olympiabewerbung für einen positiven Blick auf die Zukunftsgestaltung vor Ort nutzen. In was für einer Umwelt und Gesellschaft wollen wir im Jahr 2040 leben – und was müssen wir tun, um dort hin zu gelangen? So ein Projekt kann Mut machen und Gemeinschaft schaffen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Welches konkrete Projekt würden Sie gerne umgesetzt sehen, um Sport und Umweltgerechtigkeit in Deutschland effektiv miteinander zu verbinden?

Mehr Natur, in der man sich bewegen kann. Städte mit besser vernetzten Grünzügen tun uns sportlich gut, sind grüne Lungen für die Klimaanpassung und sorgen für eine vielfältige Stadtnatur.

Faszination Fußball: Fünf Gründe für Deutschlands Lieblingssport

1. Einfach und überall spielbar

Fußball ist leicht zu verstehen und noch leichter zu spielen. Du brauchst keinen perfekten Platz und keine teure Ausrüstung. Ein Ball reicht, zur Not tut es sogar eine Dose. Zwei Jacken als Torpfosten und schon kann es losgehen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten, die teure Ausrüstung oder spezialisierte Sportstätten benötigen, ist Fußball elementar. Genau diese Einfachheit sorgt dafür, dass fast jede*r den Sport kennt, selbst gespielt hat und das Geschehen auf dem Platz nachvollziehen kann. Ein klarer Vorteil gegenüber vielen anderen Sportarten.

Ein Abend, der den Glauben an das Gute im Sport stärkte

Als Tabea Frohn ihre Rührung in Worte fasste, wurde es still in der Rotunde des Biebricher Schlosses. Mit Tränen in den Augen bedankte sich die Triathletin vom SC 53 Landshut in bewegenden Worten dafür, dass sie den Fair Play Preis des Deutschen Sports in der Kategorie Sport entgegennehmen durfte. Gestiftet wird die nicht dotierte Auszeichnung jährlich vom Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Verliehen wird sie seit 2016 im Rahmen des Biebricher Schlossgesprächs, zu dem die Deutsche Olympische Akademie (DOA) und das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMFG) als Veranstalter am Donnerstagabend rund 130 Gäste aus Sport, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur zum zwölften Mal nach Wiesbaden geladen hatte. „Wir sind sehr dankbar, in solch einem würdigen Ambiente diese wichtigen Preise verleihen zu können“, sagte die DOA-Vorstandsvorsitzende Miriam Welte, Bahnrad-Olympiasiegerin und Mitglied des DOSB-Präsidiums, in ihrer Begrüßungsrede.

Schon Tage vor der Verleihung war Tabea Frohn „super aufgeregt“ gewesen, sie hatte in ihrem Kopf hin- und herbewegt, „was ich sagen will, wen ich treffen werde und wie das alles wohl werden wird. Ich bin eine Person aus einem kleinen Dorf, für mich ist so eine Auszeichnung neu und ungewohnt“, sagte sie im Vorgespräch mit dem DOSB. Und dann trat die 26-Jährige, die aus Bayern stammt und vor rund zwei Monaten aus beruflichen Gründen von Landshut nach Heidelberg umgezogen war, so selbstsicher und überzeugend auf, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Insbesondere ihr Appell für mehr Mut und Einsatz im Umgang mit Notfällen beeindruckte. „Wenn jemand Hilfe benötigt, geht es nicht darum, dass man alles richtig machen muss. Der einzige Fehler wäre, gar nichts zu tun“, sagte sie.

Erst beim Start der Wiederbelebung erkannte sie ihre Freundin

Natürlich könnte man einwenden, dass es Tabea Frohn als ausgebildeter Kinderkrankenschwester, die in der Heidelberger Universitätsklinik auf der Kinderintensivstation arbeitet, leichter gefallen sein dürfte als „normalen“ Menschen, an jenem 22. Juni 2025 die Aktion durchzuführen, für die sie am Donnerstag ausgezeichnet wurde. Auf dem Triathlon-Cup in Landshut hatte sie auf ihrem allerersten Mitteldistanz-Rennen auf der zweiten Runde der Laufstrecke eine Person in einem Graben liegen sehen, reglos und mit dem Gesicht im Wasser. „Viele sind einfach vorbeigelaufen. Für mich gab es keine Sekunde Zweifel, dass ich helfen musste. An meinen Wettkampf habe ich gar nicht mehr gedacht, der war mir in dem Moment vollkommen egal“, erinnert sie sich.

Dass die Person eine Vereinskollegin war, mit der Tabea Frohn gut befreundet ist und deren Identität zum Schutz der Privatsphäre geheim gehalten werden soll, wurde ihr erst klar, als sie bei ihr angekommen war und mit der Wiederbelebung begann. „Ich hatte aber gar keine Zeit, darüber nachzudenken, ich musste schnell handeln.“ Nachdem der Rettungswagen die Verunglückte abtransportiert hatte, entschied sich die Hobbyathletin nach einigen emotionalen Minuten zur Fortsetzung des Rennens. „Ich habe mir gedacht, ich bringe es für uns beide zu Ende, weil ich weiß, wie sehr sie auch für den Triathlon brennt. Freude hat es nicht gemacht, aber ich brauchte es, um runterzukommen.“ Nach dem Zieleinlauf fuhr sie per Fahrrad in die Klinik, um dort zu erfahren, dass die Freundin einen Hinterwandinfarkt erlitten hatte, aber stabilisiert werden konnte. „Mittlerweile hat sie sich gut erholt und darf auch wieder Sport treiben!“

Tabea Frohn würde „immer wieder so handeln”

Fast ein Jahr nach dem Vorfall schaut Tabea Frohn, die 2020 ihrer Mutter, einer Langstrecken-Triathletin, nacheiferte und im Triathlon etwas gefunden hat, „in das ich meine komplette Leidenschaft investiere“, mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Stolz auf ihre Auszeichnung. „Als ich hörte, dass ich einen Preis bekommen soll, war das für mich erst einmal total unwirklich, weil mein Handeln für mich eine Selbstverständlichkeit war. Aber jetzt freue ich mich riesig darüber und hoffe, dass die Auszeichnung dazu beitragen kann, mehr Menschen einen Anstoß zu geben, in Notsituationen einzugreifen oder einen Erste-Hilfe-Kurs zu machen, um sich besser vorbereitet zu fühlen.“ Ihre Laudatorin, das im vergangenen Jahr zurückgetretene Triathlon-Nationalkadermitglied Marlene Gomez-Göggel (33), sagte in ihrer Rede, die vielen Tränen in die Augen trieb: „Für Tabea war etwas selbstverständlich, was leider nicht mehr selbstverständlich ist: Den eigenen Erfolg hinter den Einsatz für andere zu stellen. Das ist vorbildlich!“

Tabea Frohn selbst glaubt im Übrigen nicht, dass ihre eigene Expertise entscheidend war, um damals einzugreifen. „Ich bin zum Glück so erzogen worden, dass es selbstverständlich ist, Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen“, sagte sie mit Blick auf ihre Eltern und ihren Bruder, die in Wiesbaden den besonderen Moment mit ihr gemeinsam erleben konnten. Wie wenig selbstverständlich dieses Handeln heute ist, bekam sie im Winter dieses Jahres eindrücklich vor Augen geführt. Bei einem Laufevent im Münchner Olympiapark kollabierte auf der Hälfte der 15-Kilometer-Distanz ein Mann neben ihr. 20 Minuten reanimierte Tabea Frohn den Unbekannten, ehe er von Rettungskräften übernommen und abtransportiert werden konnte. „Leider weiß ich nicht, was aus ihm geworden ist. Man sagte mir, dass seine Familie meine Daten bekommen hat, aber es hat sich nie jemand gemeldet.“ Ihrer Hilfsbereitschaft tut derlei mangelnde Wertschätzung aber keinen Abbruch. „Ich würde immer wieder so handeln. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich heute hier stehen und diesen Preis entgegennehmen kann!“

DOSB zeigt Interesse an Ausrichtung der Europaspiele 2031

Nach Gesprächen mit den European Olympic Committees (EOC) hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sein grundsätzliches Interesse an der Ausrichtung der European Games 2031 bekundet. Dazu wurde fristgerecht zum 31. Mai ein „Letter of Interest“ eingereicht, der den Aussteller an keinerlei Verpflichtungen bindet. Eine Festlegung auf eine mögliche Ausrichterstadt ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht angedacht. Die Entscheidung über die Vergabe der Europaspiele für 2031 soll im zweiten Quartal 2027 fallen, geplant ist die Übergabe der Ausrichterfahne bei der vierten Auflage der European Games im Juni 2027 in Istanbul. Für den DOSB wäre die Ausrichtung mit Blick auf die Nationale Strategie Sportgroßveranstaltungen interessant, weil sie sich gut in die Perlenkette mit dem Ziel der Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele in Deutschland im Zeitraum 2036 bis 2044 einreihen würde. Die Priorität des DOSB liegt in den kommenden Monaten aber auf der Auswahl des nationalen Kandidaten, die auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 26. September in Baden-Baden getroffen wird.

Die Europaspiele wurden als Kontinentalwettbewerb im Jahr 2015 und damit deutlich später etabliert als die vergleichbaren Formate Asian Games, African Games, Pan American Games und Pacific Games, die zwischen 1950 und 1965 entstanden. Die Premiere fand in Aserbaidschans Hauptstadt Baku statt, 2019 war Minsk (Belarus) Ausrichter, vier Jahre später war die bisherige Rekordzahl von knapp 6.900 Athlet*innen in Krakau (Polen) zu Gast. Die sportliche Wertigkeit der Veranstaltung hat sich von Ausgabe zu Ausgabe erhöht. In Istanbul sind 26 Sportarten im Programm, 22 davon olympisch. In 21 dieser 22 Sportarten werden Quotenplätze für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles vergeben, was ein qualitativ hochwertiges Teilnahmefeld nach sich ziehen dürfte.

„Hitze ist längst kein reines Outdoor-Thema mehr“

DOSB: Liebe Miranda, du bist professionelle Badmintonspielerin und Teil der Nationalmannschaft. Neben deiner sportlichen Karriere engagierst du dich auch für Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Sport.

Miranda Wilson: Ja, neben dem Leistungssport engagiere ich mich seit vielen Jahren für Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Sport. 2021 habe ich gemeinsam mit meinem damaligen Trainingspartner Kai Schäfer die Organisation BadmintONEarth gegründet, denn mir ist es wichtig, meine Stimme als Athletin aktiv für Themen zu nutzen, die für unsere Gesellschaft und den Sport essenziell sind - gerade mit Blick auf zukünftige Generationen. 

Wenn über Hitze im Sport gesprochen wird, stehen meist Sportarten im Freien im Fokus. Welche Bedeutung hat das Thema inzwischen generell für den Leistungs- und Spitzensport? 

Hitze ist längst kein reines Outdoor-Thema mehr. Auch im Leistungs- und Spitzensport spielt sie eine immer größere Rolle, weil sich Trainings- und Wettkampfbedingungen deutlich verändern. In heißen Hallen steigt die körperliche Belastung, die Regeneration zwischen intensiven Einheiten wird anspruchsvoller und das Verletzungsrisiko kann dadurch zunehmen. Deshalb gehört der bewusste Umgang mit Hitze heute fest zur professionellen Trainingssteuerung in allen Sportarten. 

Inwiefern erleben Badmintonspieler*innen die Auswirkungen von Hitze bei Training und Wettkämpfen? 

Auch im Badminton merken wir die Auswirkungen deutlich, vor allem bei Turnieren in den Sommermonaten oder in wärmeren Regionen wie Süd- und Ostasien. Hallen ohne Klimatisierung können sich stark aufheizen, die Luft steht oft und Spiele werden dadurch noch intensiver. Zusätzlich verändern sich die Flugeigenschaften des Federballs je nach Temperatur, was eine taktische Anpassung des Spiels erfordert. In großen, klimatisierten Arenen (häufig in Asien) kommt noch hinzu, dass Luftbewegungen einen sogenannten „Drift“ erzeugen, der das Spiel taktisch komplett verändern kann. 

Welche speziellen Herausforderungen bringt Hitze in einer Hallensportart wie Badminton mit sich? 

Viele unterschätzen, dass Hallensportarten wie Badminton ebenfalls stark von Hitze betroffen sind. Oft fehlt die Luftzirkulation, und die Wärme bleibt in der Halle „stehen“. Gleichzeitig erfordert Badminton als schnellster Rückschlagsport ein hohes Maß an Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit, was dadurch auch den Kreislauf stark belastet. In einem Wettkampf wird Hitze somit schnell zu einem entscheidenden Leistungsfaktor. 

Philipp Buhl und der Segler-Verband segeln wieder auf der gleichen Welle

Das Gespräch ist fast beendet, da bittet Philipp Buhl darum, noch einen wichtigen Gedanken äußern zu dürfen. „Niemand hat Lust auf Streit. Alle Parteien, die involviert sind, haben das gleiche Ziel: sportlichen Erfolg! Wenn alle an einem Strang ziehen, dann werden wir dieses Ziel auch erreichen“, sagt der 36-Jährige. Es klingt wie ein verbaler Schlussstrich unter eine Phase seiner Karriere, die den Segel-Weltmeister von 2020 abseits seines Sports extrem viel Energie gekostet hat. Eine Phase, in der er kurz davor war, seine Karriere zu beenden und den Traum von einer olympischen Medaille endgültig aufzugeben. Doch diese Phase, die er als „die wahrscheinlich schwierigste meiner Karriere“ einordnet, ist überwunden, Philipp Buhl will nach vorn schauen und seine gesamte Kraft wieder dem widmen, was er so sehr liebt: seinem Sport.

Ganz ohne Rückschau allerdings ist der Vorausblick nicht zu bewältigen. Was also war passiert? Philipp Buhl, geboren in Immenstadt im Allgäu, wohnhaft in Sonthofen und mit Zweitwohnsitz an seinem Trainingsort Kiel ausgestattet, ist unbestritten Deutschlands bester Segler in der Klasse ILCA 7, die bis 2020 als Laser Standard firmierte. Sein in Melbourne (Australien) gewonnener WM-Titel verewigte ihn in den Geschichtsbüchern des Segelsports, und auch wenn ihm der ganz große Törn bei den Olympischen Spielen bislang nicht gelang – Rang fünf in Tokio 2021 ist bei drei Teilnahmen sein bestes Resultat –, hat sich der Europameister von 2012 national wie international einen Status erarbeitet, der außer Frage steht. Die WM als Saisonhöhepunkt gilt alljährlich als beste Möglichkeit, um die Zugehörigkeit zum Nationalkader zu untermauern. Da Philipp diese Chance freiwillig ausließ und dann bei der Europameisterschaft mit Platz 14 den geforderten Leistungsnachweis (Top acht) und weitere individuell vereinbarte sportfachliche Kriterien nicht erbrachte, entschied der Deutsche Segler-Verband (DSV), den Routinier für die Saison 2026 nicht in den Förderkader aufzunehmen, was den Athleten letztlich dazu veranlasste, seine Kampagne fortan in Eigenregie fortzusetzen.

Tiefpunkt im Januar, Hilfe vom bayerischen Verband

Was das bedeutet, versucht er möglichst plakativ zu beschreiben. „Der Tiefpunkt war im Januar, als mir klar war, dass ich auf mich allein gestellt war. Ich musste schauen, wie ich mir die notwendige Logistik organisieren und die Kosten dafür aufbringen konnte“, erinnert er sich. Eine rettende Hand reichte ihm Bastian Henning, Landestrainer im Bayerischen Segel-Verband, der den für den Norddeutschen Regatta Verein (NRV) Hamburg startenden Philipp angesichts von dessen weiterhin bestehender Mitgliedschaft im Segelclub Alpsee-Immenstadt in die Förderung aufnahm und ihm dadurch Zeit verschaffte, einen Grundplan für das erste Halbjahr 2026 zu entwickeln. „Dafür bin ich extrem dankbar. Dennoch blieb ziemlich viel Training auf der Strecke, weil ich mich um logistische Dinge und Sponsorenakquise kümmern musste“, sagt Philipp, der für eine Olympiakampagne zusätzlich zur Verbandsförderung eine deutlich sechsstellige Summe für Material, Expertencoaches und Logistik aufbringen muss.

Was ihm ebenfalls half, war der Fakt, dass die Bundeswehr seine Sportförderstelle auf DSV-Initiative trotz fehlendem Kaderstatus für sechs Monate verlängerte. „So konnte ich mir einen Zeithorizont bis zum August stecken, um bei der EM und bei der WM einen Leistungsnachweis zu erbringen und damit in den Förderkader des DSV zurückzukehren“, sagt er. Dass ihm dies schon bei den kontinentalen Titelkämpfen in Split (Kroatien) im vergangenen Monat gelingen würde, damit hätte er nicht gerechnet. „Die Zielvorgabe, es in einem topbesetzten Feld unter die besten drei zu schaffen, war schon ziemlich spicy“, sagt er. Andererseits habe er über die vergangenen Jahre gelernt, dass er unter Druck oft besser performe. „Im Training und bei unbedeutenderen Regatten setze ich deshalb den Druck künstlich hoch, um genau das zu üben.“ Offensichtlich mit Erfolg: Vor Kroatiens Küste gewann er in einem als kompliziert bekannten Revier die Silbermedaille.

Die Bedeutung dieses Erfolgs kann Dom Tidey am besten einordnen. Der 50-Jährige ist seit November 2024 Chefbundestrainer im DSV, nachdem er zuvor viele Jahre in seiner Heimat Großbritannien als Athlet und Coach aktiv war und seit 2021 erfolgreich das deutsche iQFOiL-Team betreut hatte. Seine Hauptaufgabe ist es, die Leistungsfähigkeit aller Athlet*innen und des Trainerteams für die olympischen Bootsklassen – zehn sind es aktuell, ob der DSV in allen starten wird, ist noch unklar – sicherzustellen. Aktuell zählen acht Athlet*innen zum Olympiakader (OK), 28 zum Perspektivkader (PK), zehn zum Nachwuchskader 1 und weitere 26 zum Nachwuchskader 2. „Als EM-Zweiter kehrt Philipp direkt in den Perspektivkader zurück“, sagt Tidey, der den Konflikt der vergangenen Monate sehr besonnen und nüchtern betrachtet.

Fünf Tipps für Deinen Einstieg ins Tennis

Tennis begeistert Millionen Menschen weltweit, sei es auf den großen Bühnen der Grand-Slam-Turniere und Olympischen Spiele oder auf den Plätzen des örtlichen Sportvereins. Wenn Du selbst aktiv werden möchtest, findest Du mit diesen fünf Tipps den passenden Einstieg.

Ausprobieren statt lange Überlegen 

Wenn Du mit Tennis anfangen möchtest, musst Du nicht sofort Mitglied werden oder in eine komplette Ausrüstung investieren. Viele Sportvereine bieten Schnuppertrainings, Aktionstage oder Einsteigerkurse an. Schläger und Bälle können dort häufig ausgeliehen werden. So findest Du unkompliziert heraus, ob Dir Tennis Spaß macht und zu Dir passt.

Unser Tipp: Nutze ein Schnuppertraining und probiere Tennis einfach aus!

Vereine erleichtern den Einstieg 

Der einfachste Weg zum Tennis führt meist über einen Sportverein. Dort findest Du nicht nur Tennisplätze und Trainingsmöglichkeiten, sondern auch erfahrene Trainer*innen, die Dich bei den ersten Schritten begleiten. In Einsteigerkursen und Trainingsgruppen lernst Du die Grundlagen des Sports und triffst auf Menschen mit ähnlichen Voraussetzungen. So kannst Du erste Erfolgserlebnisse sammeln und dabei Teil einer sportlichen Gemeinschaft werden.

Unser Tipp: Frage bei einem Tennisverein in Deiner Nähe nach Einstiegsangeboten!