Aktuelles aus Sportdeutschland

Diese Verbesserungen für Sportvereine und Ehrenamtliche kommen 2026

Das Steueränderungsgesetz enthält spannende und wichtige Neuerungen für alle Sportvereine in Deutschland.

Das Steuer-was? Genau. Noch nie gehört und wenn doch, dann wahrscheinlich nicht so richtig verstanden. Dabei ist für Vereine wichtig, was dort drin steht. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hilft deshalb bei der Übersetzung.

Die Bundesregierung hat im September den Entwurf des Steueränderungsgesetzes 2025 beschlossen, der Bundesrat am 19. Dezember zugestimmt. Dadurch treten zum Jahresbeginn 2026 neue steuerliche Regelungen in Kraft, die vor allem Sportvereine und ehrenamtlich Engagierte entlasten sollen. Ziel ist es, Bürokratie abzubauen, das Ehrenamt attraktiver zu machen und Vereinen mehr finanziellen Spielraum zu geben.

Die Änderungen sind zugleich das Ergebnis einer über viele Jahre hinweg beharrlichen Interessenvertretung des organisierten Sports, der sich lautstark für bessere rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen für Vereine eingesetzt hat. 

Hier die wichtigsten Änderungen im Überblick: 

Lisas Literatur-Likes: Hier gibt es Weltklasse-Weihnachtstipps

Heute gibt es die etwas andere Version von „Lisas Literatur-Likes“. Kurz vor Weihnachten bekommt ihr Inspirationen für gute Bücher zum Verschenken. Ich wünsche euch frohe Festtage und alles Gute für das Jahr 2026, in dem ich euch mit neuen Literatur-Likes versorgen werde.

Roman deutschsprachige*r Autor*in: Julia Engelmann - „Himmel ohne Ende“ 

Julia Engelmann ist mit ihrem Programm „Eines Tages, Baby“ als Poetry-Slammerin bekannt geworden. Ihr Debütroman geht direkt ins Herz. Melancholisch, poetisch, einfühlsam. Die 15-jährige Charlie scheint gefangen in ihrem eigenen Leben. Sie hat ihren Vater früh verloren, ist unglücklich verliebt und plötzlich die Außenseiterin der Klasse. Bis sie Pommes kennenlernt, der ihr hilft, den Sinn und den Mut für das eigene Leben zu finden. „Himmel ohne Ende“ ist ein zutiefst berührender Roman, der es schafft, Themen wie Erwachsenwerden, Selbstzweifel, Liebe und Verlust hoffnungsvoll darzustellen. 

Roman internationale*r Autor*in: Benjamin Myers - „Offene See“

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verlässt Robert sein Elternhaus in Nordengland und lernt die deutlich ältere Dulcie kennen. Es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft mit tiefgründigen Gesprächen, durch die vor allem Robert wächst und der Antwort auf die Frage, wie man seinen eigenen Weg findet, näherkommt. Ein ruhiger und poetischer Roman mit ästhetischem Gespür für Natur und Landschaft. 

Thriller/Krimi deutschsprachige*r Autor*in: Die Nele-Neuhaus-Krimireihe

Die Krimireihe um das Ermittlerduo Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein ist spannend und mitreißend geschrieben. Jeder Band ist in sich geschlossen. Um die Lebensumstände und Entwicklung von Kirchhoff und Bodenstein besser zu verstehen, bietet es sich jedoch an, in chronologischer Reihenfolge vorzugehen. Der Umstand, dass die Krimis im Taunus spielen, ist für mich das i-Tüpfelchen.

Inside IdS: Die neue Strategie des Bundesprogramms

Mehr als drei Jahre lang wurde dafür gemeinsam gearbeitet: mit wissenschaftlicher Begleitung, zahlreichen Programmleitungen aus den Landessportbünden - und bei einer Dialogtour mit Menschen vor Ort. Zeit für einen Blick hinter die Kulissen im Gespräch mit Can Şahin (Referent für Strategie und inhaltliche Weiterentwicklung im DOSB).

DOSB: Viele Menschen kennen das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ aus der Praxis vor Ort im Verein. Bevor wir über die neue Strategie sprechen: Wie würdest du in zwei, drei Sätzen erklären, worum es bei IdS im Kern geht?

Can Şahin: IdS hat einen ganz einfachen Ansatz: Mit der schönsten Sprache der Welt - dem Sport - schaffen wir Möglichkeiten und Räume, dass Menschen sich begegnen, ganz nach dem Motto „Vielfalt verbinden“. Wir unterstützen zusammen mit den beteiligten Landessportbünden und -jugenden gezielt Vereine und Verbände, damit Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte aktiv teilnehmen und sich engagieren können.

DOSB: Warum war es jetzt Zeit für eine neue strategische Ausrichtung? Was hat den Anstoß gegeben?

Can Şahin: Dass die Strategie vor einer neuen Antragsphase und Förderperiode überarbeitet und angepasst wird, ist ein ganz üblicher Prozess. Erkenntnisse aus verschiedenen Austauschformaten zeigen: Wir müssen die Partizipation von Menschen mit Migrationsgeschichte in Entscheidungsstrukturen nachhaltig sichern. Die bisherigen Maßnahmen waren teilweise noch nicht ausreichend wirksam - hier lag unser klarer Handlungsauftrag.

DOSB: Was bedeutet es, eine „Strategie“ für ein bundesweites Programm zu entwickeln, das in so vielen Vereinen und Verbänden wirkt?

Can Şahin: IdS ist wirklich ein sehr besonderes Programm, das sich durch seine Vielfältigkeit auszeichnet - ich habe es mit seinen Einzelbestandteilen immer als eine Art Mosaik betrachtet. Wir haben hier die Vielfalt der Menschen, Vereine und Verbände vertreten, dazu die unterschiedlichen strukturellen Ebenen, Bedarfe, Wünsche und Interessen - allem bestmöglich gerecht zu werden, ist keine einfache Aufgabe, aber wiederum auch ein schöner Auftrag, denn die Strategie hält im Grunde das gesamte Mosaik zusammen.

DOSB: Wie haben die Programmleitungen aus den Landessportbünden die Entwicklung der Strategie geprägt?

Can Şahin: Wir haben eine AG gegründet, an der der DOSB und vor allem sechs Programmleitungen aus den Landessportbünden beteiligt waren. Dass die Strategie nun so aussieht, ist zu einem ganz großen Anteil den Programmleitungen zu verdanken, die den Prozess noch zusätzlich zu ihren Aufgaben in den Ländern begleitet haben. Ein großer Dank an dieser Stelle an die Kolleg*innen Annabell Schäfer, LSV Saarland, Jenny Hedderich, LSB Niedersachsen, Kristjana Schultchen, Hamburger SB, Marko Arsenijevic, LSB Sachsen, Robert Gräfe, LSB Sachsen-Anhalt und Sebastian Finke, LSB Nordrhein-Westfalen.

Dass die Strategie nun so aussieht, ist zu einem ganz großen Anteil den Programmleitungen zu verdanken, die den Prozess noch zusätzlich zu ihren Aufgaben in den Ländern begleitet haben. Ein großer Dank an dieser Stelle an die Kolleg*innen Annabell Schäfer, LSV Saarland, Jenny Hedderich, LSB Niedersachsen, Kristjana Schultchen, Hamburger SB, Marko Arsenijevic, LSB Sachsen, Robert Gräfe, LSB Sachsen-Anhalt und Sebastian Finke, LSB Nordrhein-Westfalen.

DOSB: Viele Menschen mit Migrationsgeschichte sind im Sport aktiv - aber nur selten in Verantwortungs- und Führungsrollen im Verein. Warum ist das ein so zentrales Thema geworden?

Can Şahin: Durch IdS finden jedes Jahr viele Menschen den Weg in die Angebote unserer Stützpunktvereine. Wenn es aber darum geht, wer den Weg in die Verantwortungs- und Führungsrollen findet, bleiben Migrant*innen oft außen vor. Teil der überarbeiteten Strategie ist auch etwas, das wir „Leitbild“ genannt haben und in dem unsere Vision für ein zukünftiges Sportdeutschland steckt: Wir möchten eine vielfältige, offene und demokratische Sportlandschaft, die chancengerecht und diskriminierungsfrei ist. Wir möchten, dass sich die gesellschaftliche Vielfalt auch auf allen Ebenen in den Sportvereinen wiederfindet und in der alle Menschen - unabhängig von ihren Wurzeln - ihre Perspektiven einbringen, sich miteinander solidarisieren und gestalten können.

DOSB: Was bedeutet „echte Partizipation“ im Sport für dich - und was fehlt heute noch, damit sie selbstverständlich wird?

Can Şahin: Echte Partizipation heißt: Menschen stehen im Zentrum, begegnen sich auf Augenhöhe, bringen ihre Erfahrungen ein. Dabei werden gewachsene Machtungleichheiten und Privilegien kritisch hinterfragt.

DOSB: Als einen zentralen Baustein habt ihr für den Strategieprozess die Organisationsentwicklung festgelegt. Was heißt das für Vereine konkret - und warum ist sie so wichtig?

Can Şahin: Das ist definitiv einer der Kernaspekte, allerdings nicht ausschließlich. Die Grundidee, die in der Strategie steckt, ist unser Blick in die Zukunft, unsere Vision, und die Frage, was es dafür braucht, diese Wirklichkeit werden zu lassen. Das Thema Organisationsentwicklung ist deswegen auch zentral, weil es unterschiedliche Wege gibt, daran zu arbeiten. Entscheidend sind dabei offene, demokratische Organisationen, sprich Vereine, die einen Raum für die Menschen bieten, sich dort zu engagieren, zu begegnen, voneinander zu lernen, sich gegenseitig zu helfen und natürlich auch, um dort Sport zu treiben.

DOSB: Der zweite Ansatz: Empowerment im Bildungsbereich. Wie stärkt ihr Menschen und Engagierte darin, den Sport aktiv mitzugestalten?

Can Şahin: Während Organisationsentwicklung auf Strukturen zielt, unterstützt Empowerment Menschen direkt. Ziel: Selbstbewusstsein, Kompetenzen und Engagement fördern, damit sie Verantwortung übernehmen - auch bei Widerständen.

DOSB: Wie verändert sich der Blick auf Integration, Teilhabe und Demokratiearbeit im Sport mit dieser neuen Strategie?

Can Şahin: Kurz gesagt: Integration ist nicht nur ein einseitiger Weg, den Migrant*innen absolvieren müssen, um am Ende „integriert“ zu sein, sondern ein dauerhafter, ergebnisoffener und auch konflikthafter Prozess, der die gesamte Gesellschaft betrifft. Wir möchten daher mit unserer Arbeit einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten, dabei chancengerechte Zugänge für grundsätzlich alle Menschen schaffen - unabhängig von ihren sozialen oder kulturellen Hintergründen - und vor allem auch, indem wir anerkennen, dass die Vielfalt in jedem Individuum steckt. Dieses Grundverständnis trägt am Ende hoffentlich dazu bei, dass zumindest in den Stützpunktvereinen die Teilhabe von Menschen mit Migrationsgeschichte zu gelebter Selbstverständlichkeit wird und diese dadurch mit einer soliden demokratischen Haltung hervorstechen.

Integration ist nicht nur ein einseitiger Weg, den Migrant*innen absolvieren müssen, um am Ende „integriert“ zu sein, sondern ein dauerhafter, ergebnisoffener und auch konflikthafter Prozess, der die gesamte Gesellschaft betrifft. 

DOSB: Welche Chancen ergeben sich für Menschen mit Migrationsgeschichte - gerade im Hinblick auf Engagement und Verantwortung?

Can Şahin: Wir hoffen, dass dadurch, dass wir den Fokus geschärft haben, durch die Maßnahmen und Projekte vom DOSB über die Landessportbünde und Sportjugenden bis in die Sportvereine hinein Gelegenheiten entstehen, dass Menschen mit Migrationsgeschichte sich dauerhaft engagieren wollen und Verantwortung übernehmen. Ich bin überzeugt, dass die ersten, die sich als Vorbild hervortun, bald anderen den Weg ebnen werden, sodass wir in wenigen Jahren - und vielleicht auch schon am Ende der neuen Förderperiode - deutlich mehr MmMg in den entsprechenden Positionen haben werden.

DOSB: Was bedeutet die Strategie für Vereine, die vielleicht wenig Erfahrung mit Vielfalt oder Antidiskriminierung haben?

Can Şahin: Erstmal ist die Strategie die Arbeitsgrundlage für die neuen Anträge, die wiederum die Arbeitsgrundlage für alle Mitarbeitenden im IdS-Kosmos sind. Erfahrene und kompetente Kolleg*innen unterstützen die (Stützpunkt-)Vereine dabei, passende Wege zu finden. Wichtig ist der ehrliche Wunsch, die Gemeinschaft zu stärken und Brücken zu bauen. Am Ende kommt es auf den ehrlichen Wunsch an, etwas für alle beteiligten Menschen zum Besseren verändern zu wollen.

DOSB: Wenn du dir etwas wünschen könntest: Was soll diese Strategie in fünf Jahren bewirkt haben?

Can Şahin: In den Stützpunktvereinen passieren heute schon sehr viele gute Dinge. Wenn ich mir aber etwas wünschen darf, wäre es, dass deutlich mehr Partizipation in den Vereinen möglich geworden ist. Ein weiterer Wunsch wäre, dass die IdS-Erfolgsgeschichte noch sichtbarer ist und als Inspiration auf andere Bereiche übertragen wird.

Die Veröffentlichung der Strategie folgt Anfang 2026.

„Lassen Sie uns diese Geschichte gemeinsam weiterführen“

Unter dem eindrucksvollen Wandgemälde des Schweizer Künstlers Ferdinand Hodler, der sich die Einführung der Reformation in Hannover im Jahr 1533 zum Thema genommen hatte, lief Aydan Özoguz am Mittwochmittag zu Höchstform auf. Die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Sport und Ehrenamt, gekleidet in einen signalroten Hosenanzug, der ihre Zugehörigkeit zur SPD angemessen untermalte, hatte die undankbare Aufgabe, beim Festakt zum 75. Jahrestag der Gründung des Deutschen Sportbundes (DSB) als Dritte zum Grußwort anzutreten. Doch die Worte, die sie im Hodler-Saal des Neuen Rathauses in Hannover fand, in dem exakt 75 Jahre zuvor die Gründungsversammlung des DSB stattgefunden hatte, hallten nach.

„Die Gründung des DSB zeigt ein Stück deutscher Geschichte, geprägt von Menschen, die an die Kraft des Sports geglaubt haben. Lassen Sie uns diese Geschichte gemeinsam weiterführen. Sorgen wir dafür, dass der Sport ein Lernort für basisdemokratische Prozesse bleibt“, rief die Hamburgerin den rund 110 geladenen Gästen zu. Damit war der Ton gesetzt für eine Feierstunde, die im Schnelldurchlauf den Bogen von der Historie bis in die Zukunft schlug, und deren Tenor nicht nur aus den Festreden, sondern auch in vielen Gesprächen herauszuhören war: Nur gemeinsam kann der deutsche Sport seine extrem wichtige Rolle für die gesellschaftliche Entwicklung ausfüllen.

Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), der 2006 aus der Fusion von DSB und Nationalem Olympischen Komitee (NOK) hervorgegangen war, sagte in seinem Grußwort: „Die Idee von 1950, alle Kräfte des Sports zu bündeln, hat sich durchgesetzt, sie trägt bis heute und hoffentlich noch weit in die Zukunft hinein. Gerade in Zeiten, in denen die Demokratie gefährdet ist, brauchen wir eine Erinnerungskultur. Wir stehen zu unseren Werten und setzen mit aller Kraft unsere gemeinschaftliche Arbeit fort.“ Belit Onay, Oberbürgermeister der Stadt Hannover, bot seine Unterstützung für die Zukunftsprojekte des deutschen Sports an. „Wir sind bereit mitzuwirken, wir gehen diesen Weg gemeinsam“, sagte der Grünen-Politiker.

„Einen solchen Spirit habe ich noch nie erlebt“

Sechs Jahre war Johanna Kneer alt, als sie im KJC Ravensburg ihr erstes Schnuppertraining im Karate absolvierte. Bis heute ist die 27 Jahre alte Sportsoldatin, die Medien- und Kommunikationsmanagement studiert hat und in Ravensburg lebt, von dem Mix aus Dynamik, Schnelligkeit und mentaler Stärke fasziniert, den der japanische Kampfsport bietet. „Sich keinen Fehler zu leisten und in jeder Sekunde die Spritzigkeit im Kopf zu bewahren, das ist die große Herausforderung“, sagt die Team-D-Athletin. Gemeistert hat die Schwergewichtlerin, die 2013 erstmals in der Jugendnationalmannschaft antrat und seit 2016 zum Auswahlkader zählt, diese Herausforderung im Jahr 2025 in herausragender Weise.

DOSB: Johanna, du schaust auf eine Saison zurück, die kaum besser hätte laufen können, bei der EM kam auch noch Gold mit dem Team dazu. Verrate uns doch bitte: Was hat dazu geführt, dass diese Erfolge möglich wurden?

Johanna Kneer: Komplett reflektiert habe ich es noch nicht, vor allem, weil ich das WM-Gold noch nicht wirklich realisiert habe. Wenn ich die Saison allerdings als Ganzes betrachte, glaube ich, dass der Start mit der gelungenen Qualifikation für World Games und WM sehr viel dazu beigetragen hat, dass ich das Gefühl entwickelt habe, einfach dran zu sein. Die Arbeit mit unserem Bundestrainer Noah Bitsch und meinem Heimtrainer Lazar Boskovic funktioniert sehr gut, die Vorbereitungen liefen optimal, der Körper hat mitgespielt. Was außerdem wichtig ist: Dass wir unserem Credo folgen und an alles mit Spaß herangehen. Ich versuche immer, jeden Wettkampf zu genießen und nicht zu sehr zu verkrampfen. Und das ist mir über weite Strecken echt gut gelungen.

Mit welchem Mindset bist du in die Saison gestartet, die mit den World Games und der WM sehr wichtige Wettkämpfe geboten hat? Hast du die beiden gleichrangig bewertet oder einen klaren Fokus auf einen davon gelegt?

Für mich waren es definitiv zwei gleichrangige Höhepunkte. Ich kann auch im Rückblick nicht sagen, welcher Titel hochwertiger für mich ist. Die World Games finden nur alle vier Jahre statt und haben deshalb natürlich eine besondere Bedeutung. Allerdings sind sie in der Außenwirkung nicht bei allzu vielen Menschen präsent. Mit einer WM, die bei uns im Karate alle zwei Jahre stattfindet, kann dagegen jeder etwas anfangen. Es war immer einer meiner sportlichen Träume, beide zu gewinnen. Das geschafft zu haben, macht mich sehr glücklich.

Für die World Games in Chengdu waren pro Gewichtsklasse nur die besten acht Kämpferinnen der Welt startberechtigt, bei der WM waren es 32. Macht das die Goldmedaille bei den World Games zu einem sportlich hochwertigeren Titel?

Nicht unbedingt. Es macht die Qualifikation schwieriger, und natürlich ist es etwas sehr Besonderes, sich unter den besten acht der Welt durchsetzen zu müssen, zumal der komplette Wettkampf an einem Tag durchgezogen wird. Aber sich bei einer WM zu behaupten, die über drei Tage mit zunächst drei Pool-Kämpfen und anschließender K.-o.-Runde ausgetragen wird, ist sportlich ebenfalls eine sehr hoch einzuschätzende Leistung. Ich würde deshalb beide Titel aus sportlicher Sicht auf einem Level einordnen.

Wie hast du die World Games in China erlebt? Es waren deine ersten, in einer Megacity mit mehr als 20 Millionen Einwohnern und einem kampfsportbegeisterten Land. Welche Eindrücke hast du dort für dein Leben mitgenommen?

Viele, die ewig bleiben werden. Ich hatte noch nie in einem solchen Athletendorf gewohnt, die Atmosphäre dort fand ich faszinierend. Die Eröffnungsfeier war gigantisch, auch so etwas hatte ich noch nie erlebt. Und die Chance gehabt zu haben, auch andere Sportarten zu sehen und mit dem Team D feiern zu können, war gigantisch! Von der Stadt selbst habe ich nicht so viel mitbekommen. Ich möchte aber auch den Teamgeist hervorheben, der in unserer kleinen Mannschaft herrschte. Es waren ja nur Mia Bitsch und ich am Start, nachdem Reem Khamis, die auch qualifiziert war, wegen ihres Kreuzbandrisses nicht antreten konnte. Aber wir hatten zwei Trainingspartnerinnen als Unterstützung dabei, und der gesamte Staff hat einen unfassbaren Job gemacht. Einen solchen Spirit habe ich noch nie erlebt!

Mia hat am Tag vor deinem Wettkampf Gold gewonnen. Hat dich das beflügelt oder unter zusätzlichen Druck gesetzt?

Mir hat das einen enormen Push gegeben. Ich habe mich riesig mit ihr gefreut und hatte danach große Lust, alles zu geben, damit wir mit einer 100-Prozent-Siegbilanz nach Hause fliegen konnten. Und ich bin sehr glücklich darüber, dass an meinem Wettkampftag bei mir einfach alles passte. Auch das gehört dazu, wenn man ganz oben stehen möchte.

Zuschauen beim Streben nach Perfektion

Vielleicht wird man, wenn alles optimal gelaufen ist und Finn Hösch mit einer schönen Medaille von den Olympischen Spielen aus Norditalien (6. bis 22. Februar) abreisen kann, auf diesen Satz zurückschauen. „Es wird auch nach Olympia noch Ziele geben, aber es ist toll, zunächst nur bis zu diesem Moment schauen zu können“, sagt der Skibergsteiger von der Sektion Bergland München des Deutschen Alpenvereins (DAV) in der Team-D-Studios-Serie „Tag für Tag“, die am Dienstag auf dem YouTube-Kanal von Team D erschienen ist. Team-D-Regisseur Maurice Stach schaut in diesem Format Athletinnen und Athleten in ihrer Vorbereitung auf die Winterspiele mit der Kamera über die Schulter, und der Fokus, mit dem Finn Hösch an seine Aufgaben herangeht, beeindruckt. Die Nervenstärke und Reife, die der 22-Jährige in seinen Aussagen ausstrahlt, könnte ein entscheidender Faktor dafür werden, das nächste große Ziel zu erreichen.

Noch allerdings hat der Sportsoldat, der sein Maschinenbau-Studium an der Technischen Universität München nach absolviertem Bachelor zugunsten der Olympiavorbereitung zurückgestellt hat, nicht einmal das Ticket nach Bormio in der Tasche. Dort wird das Ski Mountaineering (kurz: Skimo) bei seiner Premiere unter den fünf Ringen in nur zwei der vier Weltcupdisziplinen ausgetragen: Sprint und Mixedstaffel (je eine Frau und ein Mann). Zwölf Staffeln und je 18 Teilnehmende pro Geschlecht im Sprint sind zugelassen. Zwar hat das deutsche Weltcupteam in der Disziplin Sprint Quotenplätze für zwei Frauen und einen Mann sichern können. Wie diese namentlich besetzt werden, entscheidet sich jedoch erst am 28./29. Dezember, wenn die deutsche Elite zum nationalen Ausscheidungsevent am Jenner in Berchtesgaden zusammenkommt. Die dort erzielten Punkte gelten als wichtiger Indikator für die Besetzung der olympischen Wettkämpfe. Das letzte Wort aber haben die Bundestrainer.

„Deutschland könnte es, sogar sehr gut, aber...“

Ende November erreichte eine E-Mail die Pressestelle des DOSB. Günter Deister, bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2006 31 Jahre lang Leiter des Sportressorts der Deutschen Presse-Agentur, musste seine Zusage für ein persönliches Gespräch mit dem DOSB über seine Erlebnisse mit der deutschen Sportpolitik zurückziehen, weil eine spontane Operation ein Treffen unmöglich machte. Doch weil der Träger der DOSB-Ehrennadel auch im Alter von 85 Jahren nicht nur das Sportgeschehen weiter rege verfolgt, sondern auch an der für ihn typischen Disziplin und Arbeitseinstellung nichts eingebüßt hat, erklärte er sich nach Genesung bereit, einige Fragen schriftlich zu beantworten. Anlässlich des 75. Gründungstags des Deutschen Sportbundes (DSB), aus dessen Fusion mit dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) 2006 der DOSB hervorging und der an diesem Mittwoch in Hannover mit einem Festakt gewürdigt wird, sind Deisters Denkanstöße nun doch zugänglich – was für ein Glück!

DOSB: Herr Deister, Sie haben die deutsche Sportpolitik über viele Jahre journalistisch begleitet. Welche Phase haben Sie als die prägendste für die Entwicklung des Sports in Erinnerung?

Günter Deister: Natürlich die äußerst schwierige Vereinigung von DSB der Bundesrepublik und DTSB der DDR nach der Wende, die eigentlich keine Vereinigung zuzulassen schien: wegen Unvereinbarkeit. Einerseits der westliche Sportbund mit dem Bemühen, aus der Vielzahl seiner Verbände und Vereine ein breites Sportangebot zu schaffen. Spitzensport auch, aber vor allem Sport in der Breite. Auf der anderen Seite die staatliche Hochrüstung von Sporteliten mit allen Mitteln, um im Kampf der Systeme Überlegenheit darzustellen. 

Die Wiedervereinigung galt für den Sport in Deutschland als großer Gewinn. Was wurde dabei gut, was schlecht umgesetzt?

Den Gewinn spüre ich noch heute, wenn ich an den Einmarsch des vereinten Teams bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona denke: Gänsehaut und Freudentränen bei einem, der in der DDR geboren wurde, den die Eltern mit elf Jahren in die Bundesrepublik geschickt haben, in der Erwartung  eines besseren Lebens dort. Nach Barcelona begann die Mühsal der Vereinigung zweier extremer Sportsysteme. Gut war dabei die Abkehr des Siegenmüssens um jeden Preis als eine Art von Demokratisierung des Spitzensports. Verbunden allerdings mit dem Versäumnis, die Werte und Möglichkeiten, die ein erfolgreicher Spitzensport gesamtgesellschaftlich bewirken kann, nicht ausreichend genutzt zu haben.   

Die Fusion von NOK und DSB zum DOSB wird bis heute von manchen kritisch gesehen. Welche Meinung haben Sie dazu?

Die Fusion war der notwendige Versuch, aus den Erfahrungen und Bedingungen eine Lehre zu ziehen. In ihrer Endphase stellten sich DSB und NOK nicht als Partner dar, sondern als Konkurrenten, die um Zuständigkeiten, Vorrechte, Privilegien und Einkünfte kämpften. Thomas Bach gewann diese Auseinandersetzung gegen den damaligen NOK-Präsidenten Walther Tröger mit dem Argument, dass der olympische Sport nur durch das Bündnis aller sportlichen Organisationen Kraft genug finden könnte. Für Anerkennung und Behauptung und als die Stimme des Sports in einer Partnerschaft mit Politik und anderen gesellschaftlichen Organisationen. Übersetzt auf die Gegenwart: Nicht NOK oder DSB entscheiden über eine Olympiabewerbung, sondern der DOSB als vereinte Organisation des deutschen Sports. 

Das IOC hat insbesondere in Deutschland einen schweren Stand. Welche Kritik an ihm ist berechtigt, welche überzogen?

Eine schwierige Frage, weil sie hierzulande von einigen Medien immer in einen Zusammenhang mit Thomas Bach gebracht wurde, dem angeblichen Putin-Freund und Verkäufer olympischer Werte. Daran ist so viel richtig, dass der 2013 mit großer Mehrheit ins IOC-Präsidentenamt gewählte Bach ein Nothelfer für Putin war, um mit massiver Unterstützung westlicher Unternehmen die drohende olympische Katastrophe eines Ausfalls der Winterspiele 2014 in Sotschi zu verhindern. Dafür musste Putin seriös geschätzte 50 Milliarden Dollar aufbringen. Putins Ersuchen, die Spiele am Ende als die „bisher besten“ auszurufen, verweigerte Bach. Er bezeichnete sie in seiner Schlussrede lediglich als „außergewöhnlich“. Verständlich war die Kritik an Bach bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro 2016. Dort hatte er den internationalen Verbänden das Sanktionsrecht für den aufgedeckten, beispiellosen systematischen russischen Dopingbetrug bei den Sotschi-Spielen weitgehend übertragen. Zum Gesamtbild zählen Bachs Abschiedsspiele in Paris als überaus gelungenes Finale und als Vermächtnis seiner Agenda: Spiele in einer großartigen Stadtkulisse, Spiele erstmals der Geschlechtergleichheit unter reduzierter Teilnehmerzahl und in Mixed-Wettbewerben. Und Spiele, die das IOC aus seinen eigenen Mitteln mit bis zu 1,8 Milliarden Dollar subventioniert hat. Auch diese Zahl ist ein Hinweis: Ideen und Ideale sind  das eine, doch es bedarf auch der ökonomischen Kraft, um sie durchzusetzen. 

Wie nehmen Sie heute aus der Perspektive eines Kenners der deutschen Sportpolitik den DOSB aus der Entfernung wahr?

Als einen Verband, der in schwierigen Zeiten gesellschaftlicher  Veränderungen national und international besonders herausgefordert ist und seinen Kurs neu justieren muss. Das erfordert Standfestigkeit und Entschlossenheit. Aber auch die Suche nach neuen Wegen. Dabei besitzt der DOSB mit der Breite und Spitze des deutschen Sports ein riesiges Kapital. Er müsste es nur noch besser einsetzen. Dazu gehört, eine Olympiabewerbung zu organisieren mit Überzeugungskraft, Geschick und Selbstvertrauen. Die Idee von Olympischen Spielen in Deutschland umzusetzen hat nur dann eine Chance, wenn ein geeinter, führungsstarker Sport die Kraft entwickeln könnte für eine Partnerschaft mit Politik und Gesellschaft. Umgekehrt gilt auch: Der politische Zustand lässt zweifeln, ob der Staat befähigt ist für eine verlässliche Partnerschaft. Und ob er auch bereit wäre, in schwierigen Zeiten einen beträchtlichen Anteil an olympischen Kosten zu übernehmen.