FF-Games 2026: Futsal im Fokus

Eine Interviewreihe mit Fachwarten, Trainern und Athleten

Part I: Fachwart Torsten Haag

Mit der erstmaligen Teilnahme einer DJK-Futsal-Auswahl an den FF-Games 2026 in Budapest wurde ein besonderes Kapitel in der Entwicklung dieser dynamischen Hallensportart innerhalb der DJK aufgeschlagen. Für Spieler, Trainer und Verantwortliche war das Turnier nicht nur eine sportliche Herausforderung, sondern vor allem eine wertvolle Erfahrung auf einem internationalen Parkett.

Einer, der diesen Weg von den ersten Überlegungen über die Sichtungen bis hin zu den Spielen gegen renommierte Nationen wie Spanien, Chile und Ungarn maßgeblich begleitet hat, ist Fachwart Torsten Haag. Im ersten Teil unserer Interviewreihe spricht er über seine Leidenschaft für Futsal, die Entstehung und Entwicklung der DJK-Auswahl, die besonderen Herausforderungen eines internationalen Turniers sowie die Werte, die er jungen Sportlerinnen und Sportlern weit über den Sport hinaus vermitteln möchte.

Du begeisterst dich seit vielen Jahren für Futsal. Was macht diesen Sport für dich so besonders und welche Aspekte findest du hier besonders wichtig?

Dieser Sport ist so anders als der bisher in Deutschland gespielte Hallenfußball! Die speziellen Regeln (z.B. Netto-Spielzeit, Rückpassregel, kleine Tore) generieren eine ungeheure Dynamik. Torszenen, Umschaltphasen finden deutlich häufiger statt als im „großen“ Fußball und machen das Spiel intensiver für Spieler und Trainer und interessanter für die Zuschauer. Die hohen taktischen und technischen Anforderungen haben das Potenzial, junge Spieler individuell hervorragend auch für die Herausforderungen im Fußball umfassend auszubilden.

Wie war es für dich, die DJK-Auswahl von den ersten Überlegungen bis zum Turnier zu begleiten?

Auf dem Weg zu unseren Sichtungen war es nicht immer einfach, die Vorbehalte seitens einiger Vereinstrainer gegenüber der Sportart Futsal einerseits, den Verpflichtungen von Spielern für unser Auswahlteam andererseits zu zerstreuen. Um so emotionaler war es für mich, die Jungs, die sich dann letztlich für unser Team qualifiziert haben, im Trainingslager und durch das Turnier begleiten zu dürfen. Mich haben der Ehrgeiz, die Ernsthaftigkeit und Willensstärke der Spieler stark beeindruckt. Bemerkenswert war vor allem, wie schnell sie die „neue“ Sportart adaptiert und sich über Vorbereitung und Turnier extrem dafür begeistert haben.

Welche Herausforderungen brachte die Zusammenstellung der Futsal Mannschaft mit sich?

Leider hatten wir bei unseren Sichtungen nicht die gewünschte Breite an teilnehmenden Mannschaften; letztendlich rekrutierte sich unser Kader aus lediglich vier Vereinen. Die meisten am Sichtungsturnier teilnehmenden Spieler hatten kaum Erfahrung mit Futsal.

Wie hat sich die Mannschaft in den Lehrgängen entwickelt?

 

Die Spieler haben uns den Prozess der Teambildung unwahrscheinlich einfach gemacht. Schon nach wenigen Tagen im Trainingslager waren die unterschiedlichen Vereinszugehörigkeiten nicht mehr zu erkennen. Dieser Trend hat sich im Laufe des Turniers stetig fortgesetzt.

Was hat dich in der Vorbereitung besonders positiv überrascht?

Die Spieler haben von Beginn an mit großem Lernwillen, an den für sie neuen taktischen und technischen Inhalten mitgearbeitet. Schon nach kurzer Zeit brachten sie eigene Ideen dazu ein.

Worauf hast du bei der Auswahl der Spieler neben den sportlichen Fähigkeiten besonders geachtet?

Gerade im Hinblick auf die oben geschilderte Ausgangssituation und die begrenzte Vorbereitungszeit war es uns wichtig, Spieler auszuwählen, die bereits im Sichtungsturnier überdurchschnittliche Team- und Kommunikationsfähigkeit und Lernwillen aufwiesen.

Der Futsal-Wettbewerb gilt als stark besetzt. Wie bewertest du das gezeigte Niveau und wo würdest du die DJK-Auswahl aktuell einordnen?

Das Turnier war eine großartige Erfahrung sowohl für uns Trainer als auch für die Spieler. Wir sind – nach dem kurzfristigen Ausfall von Bundestrainer Roman Blok, der als Einziger aus dem Team bereits über eine beachtliche Expertise im Futsal verfügte - ohne jegliche Wettkampferfahrung nach Budapest gereist. So wurde jedes Turnierspiel für uns zu einer wichtigen Lernerfahrung gegen Teams aus Ländern, in denen Futsal eine deutlich größere Beachtung genießt als in Deutschland. An diesen Erfahrungen sind wir von Spiel zu Spiel gewachsen, haben unsere taktischen Grundprinzipien anpassen und verfeinern können. Trotzdem blieben wir bis zum letzten Finalpfiff Lernende.

Welche Erkenntnisse nehmt ihr aus den Spielen gegen Spanien, Chile und Ungarn mit

Gerade diese Teams haben uns gezeigt, welche Bedeutung und Auswirkungen gerade auch taktische Details und kleine Anpassungen im Spiel auf dessen Ergebnis haben können. Wir Trainer haben hier versucht, so viel wie möglich aufzusaugen, um es an die „nächste Spielergeneration“ weiterzugeben.

An der Seitenlinie bist du mit viel Herzblut und Energie dabei. Wie erlebst du die Spiele selbst als Trainer?

Futsal ist da noch mal eine ganz neue Herausforderung für mich. Das Spiel ist extrem dynamisch, darüber hinaus taktisch so anspruchsvoll, dass man als Trainer ganz anders beansprucht ist. Die Möglichkeit, Auszeiten zu nehmen, eröffnet weitere Möglichkeiten.

Was willst du den Jugendlichen auf dem Feld unbedingt mitgeben?

Mir sind beim Umgang mit den Jugendlichen nicht nur deren sportlichen Entwicklung sondern vor allem auch die Vermittlung von Werten wichtig. Gerade bei der Formung von Auswahlteams gibt es da natürlich viele Möglichkeiten, Einfluss auf Teamgeist, Disziplin, Fairness und andere Werte zu nehmen.

Was motiviert dich nach vielen Jahren im Sport immer noch, so viel Zeit und Energie zu investieren?

Es ist die Freude, Wege zu bereiten sowie Entwicklung einleiten, begleiten und wahrnehmen zu dürfen. Auch unser „Weg nach Budapest“ hat den Spielern neue Möglichkeiten und Perspektiven aufzeigen und bisher nicht erlebtes Potenzial heben können.

Lieber Torsten, vielen lieben Dank für das Interview und deinen Einsatz!


Part II: Torhüter Luke Günther

Bei diesem Interview steht vor allem eines im Mittelpunkt: Teamgeist. Die erste DJK-Futsal-Auswahl bei den FISEC Games wuchs innerhalb kürzester Zeit zu einer eingeschworenen Mannschaft zusammen und sorgte mit ihrem starken Auftritt in Budapest für einen sportlichen Erfolg, den vor dem Turnier nur wenige erwartet hatten. Im Gespräch blickt Torhüter Luke Günther auf die intensive Vorbereitung, besondere Momente auf und neben dem Spielfeld sowie die Erfahrungen zurück, die die Teilnahme an den Spielen zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben.

Wie hast du erfahren, dass du Teil der ersten DJK-Futsal-Auswahl für die FISEC Games sein wirst?

Nachdem ich "Torwart des Turniers" geworden war, waren meine Chancen sehr gut und nachdem ich die Nachricht bekommen habe, nach Bischofsgrün eingeladen worden zu sein, hatte ich sein sehr gutes Gefühl mit den Trainern und der Mannschaft.

Mit welchen Erwartungen bist du nach Budapest gereist?

Vor diesem Turnier haben die meisten nicht an eine Medaille gedacht und so wollten ich und die Mannschaft umso mehr eine Medaille Nachhause bringen und unser bestes für das Team geben.

Die Mannschaft wurde aus verschiedenen Regionen Deutschlands zusammengestellt. Wie schwierig war es, als Team zusammenzufinden?

Wir haben uns eigentlich von Anfang gut miteinander verstanden und nachdem wir einen Tag zusammen verbracht haben, hat es sich schon so angefühlt, als ob wir uns Jahre kennen würden. Auch die freie Zeit, die wir von unseren Trainern bekommen haben, haben es uns leicht gemacht in kürzester Zeit zu einem Team zu werden.

Ihr hattet lediglich zwei gemeinsame Lehrgänge. Wie habt ihr es geschafft, in kurzer Zeit eine Einheit zu werden?

Dadurch, dass wir alle einfach cool drauf waren und uns ein gemeinsames Ziel vereint hat. Ein ausschlaggebender Punkt war auch die Fachkompetenzen unserer Trainer, die uns menschlich sowie auch aus Futsal-Sicht definitiv weitergebracht haben.

Wann hattest du erstmals das Gefühl: "Wir funktionieren wirklich als Mannschaft"?

Nach dem wir in Budapest angekommen sind und wir alle gesehen haben: Wir können was Großes erreichen! Bei jedem Spieler und Trainer war dieses Feuer zu sehen, das uns unheimlich geholfen hat zu einem Team zu werden.

Was hat die Mannschaft außerhalb des Spielfeldes zusammengeschweißt?

Dass wir immer gemeinsam lachen konnten und auch wenn uns etwas nicht gepasst hat, wir es uns ins Gesicht sagen konnten, uns die Hand geben und uns danach in die Augen gucken konnten.

Wie groß war die Anspannung vor dem ersten FF-Spiel?

Groß, jedoch war die Vorfreude größer, dass es jetzt endlich los geht. Keiner wusste, was auf uns zukommt und das war dieser Nervenkitzel, der uns so heiß gemacht hat. Jedoch war ich mir sicher mit diesem Team einen perfekten Start zu landen, was wir am Ende auch taten, indem wir das erste Spiel gewannen.

Welches Spiel war für dich die größte Herausforderung?

Das zweite Spiel an dem Doppelspieltag nach einem intensiven Spiel gegen Chile, wo wir alles auf dem Feld gelassen haben. Am Nachmittag mussten wir nochmal gegen Ungarn spielen und man hat einfach gemerkt, dass wir alles im Spiel davor gelassen haben. Ungarn hatte an dem Tag nur ein Spiel und hat dementsprechend viel Druck gemacht. Am Ende haben wir das Spiel 1:0 gewonnen. Die Freude danach war umso größer, da danach auch klar war, dass wir im Finale stehen.

Gegen Chile entwickelte sich ein emotionales Spiel. Wie habt ihr in den entscheidenden Momenten die Ruhe bewahrt?

Allein unser Ehrgeiz dieses Spiel gegen die Chilenen gewinnen zu wollen, hat uns den Sieg geholt. Die ganze Halle war bei diesem Spiel gegen uns und es war einfach geil zu spielen, diese Emotionen, Adrenalin und natürlich das Team war einfach geil. Ich würde sagen es war das intensivste und emotionalste Spiel, das ich je gespielt habe.

Was zeichnet diese Mannschaft sportlich aus?

Dass wir alle auf einem gutem Fitnesslevel waren, auch durch unsere Trainer, die in den zwei Lehrgängen sehr viel mit uns trainiert haben. Außerdem konnten wir alle was am Ball und wussten, wie wir unsere Stärken ausspielen konnten.

Welche Rolle spielte der Teamgeist für die Erfolge?

Die wichtigste Rolle im ganzen Turnier. Hätten wir als Mannschaft nicht so einen Teamgeist entwickelt, wären wir niemals so weit gekommen.

Was war dein persönliches Highlight bei den FF-Games?

Es gab jede Menge persönlicher Highlights, wie neue Freundschaften mit Athleten aus anderen Sportarten, sowie international zu knüpfen. Sportlich war es definitiv das Finale gegen Spanien und das nach dem Finale die Verantwortlichen zu mir gekommen sind und gesagt haben, dass ich ein super Turnier gespielt habe.

Welche Erfahrung nimmst du für deine sportliche Zukunft mit?

Ich bin mit keiner Erfahrung in Futsal angereist und abgereist bin ich mit jeder Menge im Bereich Futsal, dazu habe ich auch andere Sportarten kennenlernen dürfen z.B Leichtathletik, mit der ich davor nicht viel zu tun hatte. Diese Woche hat mir gezeigt, dass Sport mehr als nur Sport ist, er verbindet Menschen und schafft unvergessliche Momente

Was bedeutet es für dich, Deutschland und die DJK international vertreten zu dürfen?

Es hat mich mit unheimlich viel Stolz erfüllt, die DJK und Deutschland auf internationaler Bühne vertreten zu dürfen und die Werte, die wir beigebracht bekommen haben, weiterzugeben. Für Deutschland aufgelaufen zu sein, ein Teil des Teams gewesen zu sein und die Menschen, die wir kennenlernen durften, bleibt für immer ein unvergessliches Erlebnis.


Part III: Futsal-Trainer Florian Menne

Mit dem Gewinn der Silbermedaille bei den FISEC-Football-Games 2026 in Budapest sorgte die DJK-Futsal-Auswahl für einen der größten Erfolge ihrer jüngeren Geschichte. 

Trainer Florian Menne begleitete die Mannschaft durch ein Turnier voller Emotionen, Herausforderungen und unvergesslicher Momente. Im Interview spricht er über den Start ins Turnier, hitzige Duelle gegen Chile, die Entwicklung seiner Mannschaft während der Wettkampftage und die besondere Mentalität, die das Team bis ins Finale getragen hat.

Wir steigen direkt ein: Wie hast du die Leistung im ersten Spiel der FISEC Games gegen Chile B erlebt?

Für das erste Spiel war es nicht schlecht. Die Jungs haben zuvor nur im Training Futsal gegeneinander gespielt. Dass wir dann im ersten Spiel schon so gut funktionieren, hatte ich nicht erwartet. Dass aber auch noch nicht alles so funktioniert, wie man es sich schlussendlich vorstellt, war auch klar. Hinzu kam eine, ich nenne es mal positive Hektik. Das Team war schwer motiviert endlich ins Turnier zu starten. Das verkörperten alle bereits beim Warm-Up. Ich habe die Blicke der Chilenen noch vor Augen als sich die Jungs dynamisch und lautstark in die Spielvorbereitung begaben und einen guten ersten Eindruck hinterließen. Fast schon ein wenig übermotiviert, sodass man die Jungs noch vor Anstoß in der Kabine durchatmen lassen musste.

Im Spiel selbst passte schon vieles zusammen, sofern wir in die stetige Bewegung ohne Ball kamen und die Chilenen mit Defensiv-Aufgaben beschäftigen. Je statischer wir mit dem Ball unterwegs waren, um so schwerer machten wir es uns selbst. Wir schafften es aber immer wieder, trainierte Abläufe einzubauen, kreierten dadurch deutlich mehr Torchancen als der Gegner und blieben verdient das gesamte Spiel über in Führung.

Dennoch gab es immer wieder Phasen, wo Chile uns unter Druck setzte. Gerade dann, wenn wir es nicht geschafft haben, uns in der Defensive zu sortieren, Ballverluste hinterhertrauerten oder zu wenig in die Rückwärtsbewegung investiert haben. Das hat das Coaching an der Seitenlinie etwas aus der Ruhe gebracht und war auch nochmal teamintern ein Thema. Wir haben uns den Folgetag dazu zusammengesetzt und die Punkte zur Sprache gebracht. Das tat gut und gab uns die nötige Sicherheit für den weiteren Turnierverlauf.

Um es zusammenzufassen: Das war schon gut, aber wir wollten noch besser sein.

Gegen Chile A wurde es zwischenzeitlich hitzig. Wie hast du dein Team in dieser Situation geführt?

Das war wirklich eines der turbulentesten Spiele, die ich als Trainer erleben durfte. Alles dabei: 3-Tore-Führung in der 1. Halbzeit, Chile durch die Gegentreffer wieder ins Spiel kommen gelassen, Führung wieder ausgebaut, rote Karte, Spiel in Unterzahl, Gegner mit Flying Goalkeeper unterwegs, mit viel Herz und Leidenschaft verteidigen, um das Spiel unter Kontrolle zu halten. Und dabei habe ich gerade nur den sportlichen Verlauf aufgezählt. Auf der Tribüne wurde es auch laut und emotional. Das treibt so ein Spiel dann auch in den Kampfmodus. In solchen Situationen musst du erkennen, welche Spieler dem Ganzen noch mental gewachsen sind. Einer meiner Trainer in meiner eigenen Spieler-Laufbahn hat in seinen Kabinenansprachen immer gesagt: „Du musst das gesamte Spiel über im „Tunnel“ bleiben. Was rund um das Spielfeld geschieht, darf dich nicht interessieren, sondern nur deine Aufgaben, die zum Erfolg deines Teams beitragen.“ Das hat mich geprägt und erwähne ich in meinen Kabinenansprachen heute gerne selbst.

Welche Entwicklung hat die Mannschaft während des Turniers genommen?

Eine stetige sowohl auf, als auch neben dem Platz. Das kann man schwer in Worte fassen, was in den wenigen Turniertagen passiert ist. Für den sportlichen Bereich hatten wir eine Art Checkliste. An dieser haben wir uns Stück für Stück abgearbeitet und immer mehr Häkchen machen können. Jedes Spiel stellte uns vor eine andere Herausforderung mit denen wir umzugehen wussten. Und wenn man das Finale ein kleines bisschen ausklammert, hatten wir zu jedem Rückschlag die passende Antwort parat.

Um das Turnier herum waren wir in Sachen Struktur und Tagesorganisation schon die etwas kreativere Truppe. Wir Trainer hatten aber hier auch einen ziemlich großen Handlungsrahmen gesteckt, wo jeder Spieler seinen Platz finden und seinen Beitrag leisten konnte. Und wenn etwas oder jemand nicht ganz funktioniert hatte, war wiederum jemand anderes zur Stelle, der alle Beteiligten dann auf den Boden der Tatsachen zurückholte. An Ehrgeiz und eisernem Willen hat es nicht eine Sekunde gefehlt. Insgesamt war dies glaube ich auch das Rezept für den guten Teamspirit. Das steckte an. Überall, wo die Spieler auftauchten (egal ob intern in der DJK-Delegation, in der Futsal-Halle, im Hotel, in der Stadt, bei offiziellen FF-Games-Veranstaltungen, etc.) lag positives Chaos und Lebensfreude in der Luft. Eine Mentalität die Futsal meiner Meinung auch ausmacht, wenn wir bedenken, in welchen Ländern Futsal seinen Ursprung bzw. einen höheren Stellenwert hat.

Gab es Momente, in denen du besonders Stolz auf das Team warst?

Da gab es viele. Ich habe ja gerade erwähnt, dass die Mannschaft eine stetige Entwicklung genommen hatte. Bereits seit 2011 darf ich Spieler in der DJK-Bundesauswahl begleiten und habe immer wieder Situationen erleben dürfen und blicke mit sehr viel Stolz auf Erlebnisse mit einzelnen Spielern oder auch den Teams generell zurück. Jedoch habe ich noch nie so viele „Aha-„ und „Wow-Momente“ innerhalb kürzester Zeit erleben dürfen, wie in Budapest.

Wenn ich mir aber eine Situation aus dem Turnier herauspicke, dann ist es das Spiel in der Zwischenrunde gegen Chile A, welches uns wirklich alles abverlangt hat, es aber geschafft haben, das Spiel über die Zeit zu bringen. Was dort an Emotionen freigesetzt worden ist, hatte den Tagesbedarf mehr als abgedeckt. Und es war noch nicht einmal Mittag. Dennoch schlich sich für mich zum ersten Mal das Gefühl ein, hier ist mehr drin als du erwartet hast. Ich glaube den Jungs ging es auch so. Das war zumindest meine Wahrnehmung. Alle waren beansprucht von diesem Spiel. Es wussten aber auch alle, dass am Nachmittag noch Ungarn wartete und dies ein ganz anderer Brocken (in diesem Fall ein Brocken an Geduld) werden sollte. Doch egal mit wem ich gesprochen habe oder wem ich auch nur in die Augen schaute, das Motto war: Wir sind gerade gefühlt drei Mal durch die Hölle und wieder zurück. Warum soll das nicht nochmal gehen? Stichwort: positives Chaos!

Vor dem Finale gegen Spanien übernahmen die Jungs noch kurz den Instagram-Account und sprachen darüber, was ihre ganz persönliche Spielvorbereitung ausmacht und welche Rituale für Sie dazugehören. Viele Sprachen dabei auch über ihren Glauben und dass ein Gebet zu ihrer Spielvorbereitung fest verankert ist. Das fand ich schwer beeindruckend und konnte ich in der Kabine wahrnehmen, bevor wir mit der gemeinsamen Besprechung gestartet sind. Generell sind es für mich als Trainer diese Momente die ich persönlich gerne auffange, um vorab ein „Feeling“ dafür zu bekommen, welche Worte ich wähle oder noch wählen muss, damit die Jungs auch mental auf „Betriebstemperatur“ kommen. Es fühlte sich für mich sehr stimmig an in Gesichter zu blicken, die maximalen Willen ausmachten.

Ein anderer Augenblick, den ich an den Jungs sehr schätze ist, wie Stolz sie am Ende auf die Silbermedaille waren und dies, nach kurzem Tief auch zeigen konnten. Noch kurz nach Abpfiff des Finals und der damit verbundenen Niederlage gegen Spanien zeichnete sich zunächst ein Bild der Trauer und Enttäuschung ab. Völlig verständlich wie ich finde, denn die absolute Sensation war zum Greifen nahe. Torsten und ich mussten ziemlich viel emotionale Aufbauleistung betreiben und die Organisatoren waren in meiner Wahrnehmung auch sehr darauf bedacht, die Siegerehrung zeitnah durchzuführen, was es dadurch erschwerte. Doch bevor ich überhaupt darüber nachdenken konnte, wie man denn jetzt den weiteren Tagesablauf mit dem Jungs gestaltet, kam ich in eine Kabine, wo bereits die ersten Selfies mit der gewonnenen (!) Silbermedaille geschossen wurde, eine Danksagung an Gott für das erlebte gesprochen wurde oder bereits zu Musik das dezente Tanzbein geschwungen wurde. Wenn ich mich an mein 17-jähriges „Ich“ zurückerinnere, wüsste ich nicht ob ich schon soweit gewesen wäre. Vielleicht schon, aber inspiriert hat es mich dennoch und wird etwas sein, wovon ich wiederum den kommenden Spielern erzählen werde.

Was hat die Mannschaft auf dem Spielfeld besonders ausgezeichnet?

Puh, was soll ich da noch groß hinzufügen. Letztendlich kann ich da nur zusammenfassend sagen: Wir hatten einen Matchplan, an dem wir uns abgearbeitet haben. Mit der passenden Mischung aus Wille, Kampfgeist und Teamspirit haben wir das Maximale (für das erste Turnier!) aus uns herausgeholt. Wenn du im Finale auf die Tribüne blickst und siehst, dass du nicht nur von den mitgereisten Eltern und den Sportlern aus der eigenen Delegation angefeuert wirst, sondern dahinter auch das indische Team, teils Spieler des ungarischen Gastgebers und weitere Delegationen uns nach vorne peitschten, dann hat dieses Team begeistern können. Auf und neben dem Feld!

Welche Rollespielte der Teamgeist für den Gewinn der Silbermedaille?

Ganz klar: Wie in jedem anderen Teamsport auch, eine enorme! Willst du erfolgreich Futsal spielen, brauchst du den Kopf frei. Das klappt nur, wenn sich jeder um seine Aufgabe kümmert und damit seinen Beitrag leistet. Man muss seinen Nebenleuten zeigen, du kannst dich auf mich verlassen! Passiert dir ein Fehler, bin ich für dich da, so wie du es für mich bist! Das haben die Jungs sowas von verkörpert! Schon im Sichtungslehrgang hat das eine entsprechende Dynamik entwickelt, dass es einen schon mitgenommen hat, Spieler dort auszusortieren. Im Trainingslager in Ingolstadt hat man schnell zu diesem Level wiederfinden können und über Budapest brauche ich glaube ich keine Worte mehr finden, dazu ist alles gesagt. Es ist schon fast schade, dass wir dieses Team, so nie wieder bei den FF-Games auflaufen lassen können. Denn nur zwei Spieler haben noch das Alter für die kommenden FF-Games. Ich hoffe diese Beiden können das für den folgenden Kader wieder verkörpern und nehmen dann die neuen Spieler mit auf das nächste Abenteuer.