Von Regenponchos, Lego-Fieber und halben Fahrrädern: DJK beim Katholikentag 2024

Zwischen Polizei, Pannen und Planspielen – Was wirklich hinter den Kulissen passierte

Der diesjährige Katholikentag in Erfurt war ein buntes Spektakel an Aktivitäten und Begegnungen, bei dem der DJK-Sportverband eine zentrale Rolle spielte. Von inklusiven Fahrrad-Taxis bis hin zu Minigolf für Jedermann – DJK-Sportreferent Pascal Bühler und Magdalena Müller, Jugendbildungsreferentin der DJK-Sportjugend geben uns exklusive und spannende Einblicke in das Geschehen.

Inklusives Fahrrad-Taxi: Ein rollender Dialog

Das inklusive Fahrrad-Taxi war vom ersten Tag an ein Publikumsmagnet. Sportreferent Pascal Bühler verrät uns: "Wir wollten mit unserer Aktion – das Inklusive DJK Bike Taxi – mehr Bewusstsein für Inklusion im Sport und Alltag schaffen. Die Aktion kam super an und sowohl die Teilnehmer*innen als auch das possibiliTeam waren begeistert über die tollen Gespräche."

„Ein besonderes Highlight waren die Fahrradfahrten mit Kathrin Göring-Eckardt und Antje Tillmann. Trotz ihres engen Zeitplans nahmen sich die beiden Bundestagsabgeordneten Zeit, ein persönliches Gespräch zu führen und zeigten deutlich ihre Freude fürs Fahrrad- und Rikschafahren."
Magdalena Müller, DJK-Sportjugend

 

Die Resonanz war überwältigend. "Ein besonderes Highlight waren die Fahrradfahrten mit Kathrin Göring-Eckardt und Antje Tillmann. TTrotz ihres engen Zeitplans nahmen sich die beiden Bundestagsabgeordneten Zeit, ein persönliches Gespräch zu führen und zeigten deutlich ihre Freude fürs Fahrrad- und Rikschafahren", so Magdalena Müller von der DJK-Sportjugend. Besonders schön war es zu sehen, wie die Teilnehmer*innen die Rikscha als sicheren Raum wahrnahmen, in dem sie offen und bereichernd über ihre Erfahrungen sprechen konnten.

Rampenbau: Kevin Kühnert und das Lego-Fieber

Der Rampenbau war ein weiteres Highlight der DJK-Aktivitäten. Pascal Bühler erzählt begeistert: "Das Highlight beim Rampenbau war für mich Kevin Kühnert, der eigentlich nur wenige Steine setzen wollte und dann seine kindliche Freude für Lego wiederentdeckte."

„Das Highlight beim Rampenbau war für mich Kevin Kühnert, der eigentlich nur wenige Steine setzen wollte und dann seine kindliche Freude für Lego wiederentdeckte."
Pascal Bühler, DJK-Sportverband

 

Auch Magdalena Müller erinnert sich gerne an die Aktion: „Nachdem Heike vom DJK-PossibiliTeam Kevin gebeten hatte, wenigstens ein oder zwei Steine mitzubauen, weil sie die Rampe dringend braucht, um mit dem Rollstuhl voranzukommen, hat ihn das Lego-Fieber gepackt. Er hat mehrere Minuten geholfen, die Rampe zu bauen.“

Eine besondere Freude war es, einem Menschen im Rollstuhl dank der fertigen Legorampe die Möglichkeit zu geben, Minigolf zu spielen. Sogar Menschen, die nur für ein Foto von der Rampe gekommen sind, waren von der Idee begeistert.

Kinder Stark Machen Erlebnisland: Ein Parkour für die Kleinen

Das DJK-Kinder-Stark-Machen-Erlebnisland war der Renner am Samstag. „Gemeinsam mit der BZgA konnten die Kinder sich über die Severiwiese hangeln, Menschen-Pyramiden bauen und vieles mehr“, berichtet Magdalena Müller. Auch die Minigolfstation am DJK-Stand erfreute sich großer Beliebtheit. „Es war ein stimmiges Rund-um-Paket“, schwärmt Müller.

Der bewegte Gottesdienst: Ein spiritueller Höhepunkt

Der bewegte Gottesdienst in der Kirche St. Lorenz war ein weiterer Höhepunkt. Pascal Bühler beschreibt ihn als „besonders durch die musikalische Untermalung, die bewegten Impulse und die persönliche Predigt von Bischof Oster. Es war ein Moment der Ruhe und die Möglichkeit, im hektischen Alltag des Katholikentages runterzufahren und zu genießen.“

Diskussionsrunde: Schneller, höher, weiter – aber wohin?

Am Samstagnachmittag wurde es dann ernst in der Predigerkirche. Bei der Diskussion „Schneller, höher, weiter… zu welchem Zweck?“, moderiert von Hajo Seppelt, debattierten prominente Gäste wie Staatssekretärin Juliane Seifert, Bischof Dr. Stefan Oster und Sylvia Schenk von Transparency International Deutschland. Dabei ging es um die Ethik im Sport und die Frage, wie weit man im Streben nach Rekorden und Höchstleistungen gehen sollte.

Kuriose Geschichten und Herausforderungen

Natürlich lief nicht immer alles nach Plan. So erinnert sich Magdalena Müller an eine besonders skurrile Situation: „Frustriert war ich, als ich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag plötzlich nur noch ein halbes Fahrrad in der Hand hatte.“ Der Freitag war dann für sie ein Tag bei der Polizei und im Fahrradladen.

Pascal Bühler hatte ebenfalls eine lustige Anekdote parat: „Bei einem Interview nach der Fahrt mit unserem Inklusions-Taxi schaute der Besucher sehr konzentriert in die Kamera. Als ich nachfragte, ob alles in Ordnung sei, stellte sich heraus, dass er die Kamera so faszinierend fand und sich unbedingt das gleiche Modell zulegen wollte.“

Der Regen war eine ständige Herausforderung, vor allem beim Auf- und Abbau. „Dank dem Regen kam die Idee auf, im kommenden Jahr Regenponchos als Hauptgewinn anzubieten, statt T-Shirts und Jonglier-Tüchern, da sowieso alles nass wird“, so Bühler lachend.

Carli und Carlotta: die heimlichen Stars des Katholikentags

Lange wurde gebangt, dann bestieg sie das Auto zum Katholikentag. Carlotta, das Inklusionsmaskottchen mit Patenschaft der DJK-Sportjugend, eroberte mit ihrem großen Bruder Carli die Herzen des Katholikentags.

Kein Ort an dem die beiden schrägen Vögel nicht in Aktion traten und es aufs Foto schafften. Sie warben beim Katholikentag für Inklusion und hatten für alle ein „Traubenzuckerl“ dabei.

Fazit und Ausblick: Ein Erlebnis, das verbindet

Der Katholikentag 2024 in Erfurt war für den DJK-Sportverband eine wunderbare Gelegenheit, Inklusion im Sport erlebbar zu machen und viele herzliche Begegnungen zu ermöglichen.

„Das PossibiliTeam zusammen mit der DJK-Sportjugend, das fetzt!“, fasst Magdalena Müller zusammen. Trotz aller Herausforderungen und des Regens war die Veranstaltung ein voller Erfolg. Von den netten Dankesmails bis zur Abschlussrunde gemeinsam mit dem PossibiliTeam und der DJK Sportjugend – die positiven Rückmeldungen überwiegen.

„Für die Zukunft wünsche ich mir viele weitere tolle Aktionen im DJK-Team“, ergänzt Pascal Bühler. Und Magdalena Müller fügt hinzu: „Beim nächsten Mal gerne mehr Schlaf, ausgewogeneres Essen und weniger Zeit bei der Polizei.“

Eins ist sicher: Der DJK-Sportverband hat den Katholikentag in Erfurt bereichert und gezeigt, wie Sport und Inklusion zusammenwirken können.

Bildergalerie zum Katholikentag

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Good to know: Wie hat sich der Deutsche Katholikentag entwickelt?

Der Deutsche Katholikentag ist eine bedeutende Veranstaltung der katholischen Laienbewegung in Deutschland, die sich seit ihrer Gründung zu einem wichtigen Forum für den Austausch über Glaubensfragen, gesellschaftliche Themen und kirchliches Leben entwickelt hat.

Historische Kontexte

Der erste Deutsche Katholikentag fand im Jahr 1848 in Mainz statt. Diese Zeit war geprägt von politischen Umbrüchen und gesellschaftlichen Veränderungen, insbesondere durch die Revolution von 1848/1849 in den deutschen Staaten, die einen starken Drang nach Einheit, Demokratie und Freiheitsrechten mit sich brachte.

Ziel der Stärkung des Katholizismus

Die Katholik*innen sahen sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, darunter eine oft feindliche Haltung seitens des Staates und der Gesellschaft, insbesondere in einer Zeit, in der die Kräfte des Liberalismus und des Nationalismus wuchsen. Der Katholikentag sollte eine Plattform bieten, um die Gemeinsamkeit der Katholik*innen zu fördern, ihre Positionen zu artikulieren und ihre Integration in die moderne Gesellschaft zu erleichtern.

Förderung der Laienbeteiligung

Ein weiteres Ziel war die Förderung der Beteiligung der Lai*innen in der Kirche. Es sollte nicht nur eine Veranstaltung der Geistlichkeit sein, sondern besonders auch der Lai*innen ermöglichen, aktiv am kirchlichen und gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Glaubensfest und Bildung

Der Katholikentag diente auch als Fest des Glaubens, bei dem Katholik*innen aus verschiedenen Regionen zusammenkamen, um ihren Glauben zu feiern. Darüber hinaus ermöglichte er Vorträge, Diskussionen und Bildungsangebote, die zur Vertiefung des Glaubenswissens und zur Erarbeitung gemeinsamer Positionen beitrugen.

Gründung und frühe Entwicklung

Der Deutsche Katholikentag wurde von engagierten katholischen Lai*innen gegründet, die sich angesichts der politischen und gesellschaftlichen Umbrüche des 19. Jahrhunderts zusammenschlossen. Zu den Initiatoren gehörten prominente katholische Laien wie August Reichensperger und Joseph Görres, die die Notwendigkeit eines organisierten Treffens zur Stärkung der katholischen Gemeinschaft und zur Verteidigung der Interessen der katholischen Bevölkerung in Deutschland erkannten. Die erste Veranstaltung in Mainz im Jahr 1848 war ein Zusammenschluss von katholischen Gelehrt*innen, Politiker*innen, Geistlichen und Bürger*innen, die gemeinsam über die Herausforderungen beraten wollten, denen die katholische Gemeinschaft gegenüberstand.

Ausrichter des Deutschen Katholikentags heute

Im Laufe der Zeit hat sich die Organisation des Katholikentags professionalisiert. Heute wird der Katholikentag vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ausgerichtet. Gegründet 1952, dient das ZdK als die offizielle Vertretung der katholischen Lai*innen in Deutschland.

  • Aufgaben des ZdK: Das Zentralkomitee koordiniert die Vorbereitung, Planung und Durchführung des Katholikentags. Dazu gehört die Auswahl des Tagungsortes, die Themenfindung sowie die Logistik der Veranstaltung.
  • Mitglieder: Das ZdK setzt sich aus Vertreter*innen verschiedener katholischer Organisationen, Verbände und Diözesen zusammen und arbeitet eng mit örtlichen Kirchenbehörden und -gemeinden zusammen, um den Katholikentag zu realisieren.

Bedeutung und Ablauf heute

Der heutige Katholikentag behandelt eine breite Palette von Themen, die sowohl religiöse als auch gesellschaftliche, kulturelle und politische Aspekte umfassen. Dazu gehören Fragen der sozialen Gerechtigkeit, Umweltschutz, Migration und viele andere aktuelle Themen.

  • Veranstaltungsformate: Der Katholikentag bietet ein vielfältiges Programm, das Gottesdienste, Podiumsdiskussionen, Vorträge, Workshops, kulturelle Veranstaltungen und soziale Aktivitäten umfasst.
  • Teilnehmende: Die Veranstaltung zieht Tausende von Teilnehmer*innen aus aller Welt an, darunter nicht nur Lai*innen, sondern auch Geistliche, Theolog*innen, Wissenschafter*innen, Politiker*innen und Musiker*innen.

Der Deutsche Katholikentag entstand aus dem Bedürfnis, den Katholizismus in einer Zeit des Umbruchs zu stärken, die Lai*innenbeteiligung zu fördern und ein Forum für den Austausch und die Vertiefung des katholischen Glaubens in einer sich wandelnden Gesellschaft zu schaffen. Seit seiner Gründung im Jahr 1848 hat sich der Deutsche Katholikentag von einem Zusammenschluss engagierter Lai*innen zu einem bedeutenden Großereignis entwickelt, das heute vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken ausgerichtet wird. Er bleibt ein wichtiges Forum für den Austausch und die Vernetzung innerhalb der katholischen Gemeinschaft sowie die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen.