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DJK Anti-Doping-Lehrgang

DJK Anti-Doping-Lehrgang vom 28.-29.10.2017 in Kloster Oberzell – Ein Seminar mit Tiefgang

Ins malerische Kloster Oberzell bei Würzburg hatte der DJK Bundesverband seine Anti-Doping-Beauftragten der Diözesanverbände zu einem Refresher-Kurs und neue Interessenten zu einer Erstschulung zum Thema Doping-Prävention eingeladen.

22 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet konnte Dr. Jörg Schmeck, der Dopingbeauftragte des DJK Sportverbandes, dann auch begrüßen. Er freue sich, dass dieses wichtige Thema auf immer breiteres Interesse stoße und dass vor allem auch junge Menschen bereit seien, sich auf das Thema einzulassen. Er sprach damit direkt die vier Teilnehmer der DJK Spandau Berlin an, von denen drei gerade 18 Jahre alt sind und die mit dem Seminarwochenende ihre Übungsleiterausbildung unterstützen wollten. 

Auch aus dem Diözesanverband Würzburg, der bis jetzt noch keinen Anti-Doping-Beauftragten hat, nahmen mit Rainer Weberbauer (DJK Gänheim), Peter Carl (DJK Riedenheim) und dem DV-Vorsitzenden Edgar Lang gleich drei DJK`ler teil.
Bereits zu Beginn wurde klar, wie ernst das Thema ist und was Doping mit Menschen machen kann. So referierte zunächst der ehemalige Weltklasse Dreispringer Peter Bouschen (5. Platz bei den Olympischen Spielen in Los Angeles) über die sportlichen Aspekte aus der Sicht eines Profisportlers. Dabei erzählte er vor allem auch von seinem Weg als Hochleistungssportler, über die Verführungen zu Dopingmitteln zu greifen, aber auch über seinen Weg, bewusst auf leistungssteigernde Mittel zu verzichten. „Letztendlich hat jeder Sportler die Möglichkeit „Nein“ zu sagen“, merkte er zum Ende hin an. Zu diesem Zeitpunkt war die Welt für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch einigermaßen in Ordnung – so hatte man es ja in etwa erwartet. Was dann folgte, ging dann doch allen sehr unter die Haut.

Andreas Krieger, ehemaliger Spitzenleichtathlet in der DDR erzählte seine sportliche Lebensgeschichte.
Bereits als Kind trainierte er viermal die Woche. Sein Talent für die Werfer-Disziplinen wurde dabei entdeckt der Weg in eine Elitesportschule geebnet. Er war da gerade 14 Jahre alt. Dort ging es dann natürlich um die ganz große Leistung, die auch „zielgerichtet gefördert“ wurde. Dazu gehörte die Einnahme von Vitamintabletten und ab dem 16. Lebensjahr kamen dann die „blauen Pillen“, wie sie genannt wurden, dazu. Ganz gezielt wurden leistungssteigernden Mittel verabreicht, ohne dass die Sportlerinnen und Sportler, wie auch die Eltern, um die Gefährlichkeit dieser Mittel wussten. „Das System war halt so“, meinte er, „alle bekamen ihre Pillen und man sah ja auch, dass es im Zusammenspiel mit dem Training erfolgreich wirkte“. „Das System war perfekt und du kamst gar nicht auf die Idee groß nachzufragen“.
1986 dann der Lohn des jahrelangen Trainings: Heidi Krieger gewinnt die Goldmedaille im Kugelstoßen bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Stuttgart. Nein, es handelt sich nicht um einen Schreibfehler. Andreas Krieger hieß zu diesem Zeitpunkt Heidi Krieger und war eine Frau. 1989, im Alter von 26 Jahren, beendet sie ihre Karriere als Hochleistungssportlerin. Der Grund: Ihr Körper war vom dopinggestützten Training kaputt.
Die jahrelange gezielte Manipulation mit männlichen Hormonen (Anabolika) hat aber auch dazu geführt, dass sie nicht mehr so recht wusste, wer sie eigentlich ist. Ein Freund und Kollege führt sie 1995 auf den richtigen Weg – Transsexualität.
1998 wird aus Heidi Krieger dann endgültig Andreas Krieger. „Die Entscheidung, als Mann weiterzuleben, hat mir damals das Leben gerettet“, sagt er abschließend.

Wie schon angedeutet: Diese Situationsbeschreibung berührte wirklich alle und sensibilisierte so für die folgenden Themen.
Dr. Jörg Schmeck erläuterte zunächst die Strukturen des Anti-Doping-Kampfes und hier besonders die Aufgaben der Nationalen und der internationalen Anti Doping Agentur (NADA und WADA).
In diesem Zusammenhang sah er es als äußerst wichtiges Projekt der DJK, dass gerade sie als werteorientierter Sportverband mit besonderer Zielstrebigkeit vor allem in den Bereich Doping-Prävention investiert. Dabei ging er auch auf die doch immer wieder einmal kritisierten Dopingkontrollen bei Diözesanverbands- oder Bundesmeisterschaften ein. Sie sind wichtig, ist seine feste Überzeugung und das gelte u. a. aus juristischer Sicht auch für die Erklärungen, die jeder Sportler immer wieder ausfüllen muss. „Doping fängt früh und oft unbemerkt an. Es ist bei weitem nicht alleiniges Thema des Leistungssportes, sondern betrifft den Breiten- und Amateursport genauso.“ Dafür wolle er durch das aktuelle Seminar sensibilisieren.

Dr. Jürgen Fritsch, Sportarzt des DJK Sportverbandes, führte dann in die Geschichte des Dopings ein, nannte spektakuläre Fälle aus den letzten Jahren und erläuterte, wie es dazu kam und was jeder für sich als Sportler daraus lernen kann. Auf die praktische Umsetzung von Präventionsmaßnahmen in den Vereinen und Sportgruppen ging dann der Anti-Doping-Juniorbotschafter Lukas Monnerjahn ein. In Theorie und Praxis gab er Tipps, wie man als Anti-Doping-Beauftragter dort Interesse für die Problematik erzeugen und präventiv tätig werden kann.

Hochinteressant waren dann die Ausführungen der DJK Sportwartin Monika Bertram, die selbst im Auftrag einer Firma Dopingkontrollen bei Sportlerinnen in ganz Europa durchführt. Nach der Schilderung des Ablaufs einer Dopingkontrolle, die mit höchsten Sicherheitsmerkmalen nur so gespickt ist, konnte eigentlich keiner der Anwesenden mehr glauben, dass selbst dieses System noch zu manipulieren versucht wird.

Anti Doping Seminar

Ans Eingemachte ging es dann am zweiten Tag noch einmal, als wiederum Dr. Fritsch auf die Wirkung der heute eingesetzten Substanzen, über Medikamentenmissbrauch und über die Nebenwirkungen zu sprechen kam. Hier wurde auch deutlich, wie nah doch jeder Sportler diesem Thema ist. Ganz „normale“ Schmerztabletten oder auch Hustensäfte entpuppen sich plötzlich als Mittel, die auf der sogenannten Kölner Liste stehen. In dieser sind alle Medikamente aufgeführt, die verbotene Substanzen erhalten und nachgewiesen werden können. Er rät jedem Sportler, der an Wettkämpfen teilnimmt, dass er, sofern er aus irgendeinem Grund Medikamente einnehmen muss, diese mit der Kölner Liste abgleicht. Sollten bei einer Dopingkontrolle unerlaubte Substanzen festgestellt werden, drohen empfindliche Strafen. Beim Bundessportfest 2018 in Meppen werden auf jeden Fall Dopingkontrollen durchgeführt und es ist wichtig, dass jeder Sportlerin und jedem Sportler das Thema präsent ist. Darauf wies am Ende vor allem Peter Bouschen noch einmal hin.

Bei der Reflexion war die einhellige Meinung, dass zwei höchst interessante Tage hinter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern liegen, die vollgepackt waren mit allesamt wichtigen Themen und Informationen. Der persönliche Erfahrungsaustausch kam dabei fast ein wenig zu kurz, was beim nächsten Seminar jedoch auf jeden Fall beachtet werden soll.

Was nehmen wir mit, war die abschließende Frage: Meine persönliche Antwort darauf: „Alles zwischen Ohnmacht und dem Wissen, dass Prävention wichtig ist, auch wenn wir dadurch nicht die ganze (Sport-) Welt retten können.
Andreas Krieger brachte es so auf den Punkt: „Je höher du kommst, desto mehr wird geblockt. Da kommst du irgendwann nicht mehr dran. Umso wichtiger ist Prävention bereits im Kindesalter. Sprecht mit ihnen und nehmt vor allem die Eltern mit ins Boot. Das ist etwas, was wir alle tun können.“

Bericht und Bilder
Edgar Lang