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Onlinekonferenzen in Gebärdensprache

Ein Interview mit Felicitas Merker

Die Projektleitung des possibiliTeam hat 2020 in Zeiten von COVID-19 zwei Gebärdensprachdolmetscherinnen für ein Online-Meeting des Teams eingesetzt. Das possibiliTeam besteht aus derzeitig an die 50 Volunteers mit- und ohne Beeinträchtigung, die auf Sportveranstaltungen zum Einsatz kommen sollen. Felicitas Merker ist gehörlos und berichtet als Teilnehmerin des inklusiven Teams von ihren Erfahrungen.

Felicitas, welchen beruflichen Hintergrund hast Du? Welche Verbindung besteht zum DJK-Sportverband?

Seit Januar 2020 bin ich Leistungssportreferentin beim Deutschen Gehörlosen-Sportverband und war vorher Leiterin eines von der Aktion Mensch geförderten und inklusiven Projekts in diesem Verband. In meiner aktiven Zeit als Leichtathletin war ich Mitglied bei der DJK Rheinkraft Neuss und war zudem auch Inklusionsbotschafterin beim DJK-Bundessportfest 2014 in Mainz.

Welche technischen Besonderheiten sollten bei Onlinekonferenzen berücksichtigt werden, wenn Gebärdensprache zum Einsatz kommt?

Eine sehr wichtige Voraussetzung bei Einblendung der Gebärdensprach-Dolmetscher ist vor allem die sehr gute Internetverbindung, die sowohl ich als Gehörlose als auch die Dolmetscher vorab sicherstellen müssen. Denn eine schlechte Internetverbindung wirkt sich auch auf die Dolmetschqualität aus und wäre für mich als Gehörlose auch visuell zu anstrengend, wenn die Dolmetscher ständig „eingefroren“ sind. Optimal ist es, wenn die Dolmetscher bei Online-Konferenzen dauerhaft eingeblendet werden, aber für mich ist es auch wichtig, dass ICH die Möglichkeit habe, für mich die Dolmetscherfenster zu fixieren. Glücklicherweise gibt es beim ZOOM die Option, dass ich für mich entscheiden kann, welches Fenster ich anpinnen möchte, ohne dass der Moderator sich extra darum kümmern muss. Der einzige Nachteil ist, dass so eine Online-Konferenz auch anstrengend für die Augen ist. Ich favorisiere bis heute noch die Präsenz der Dolmetscher. 

An welche Situation kannst Du Dich im Meeting mit dem possibiliTeam erinnern, in der die Gebärdensprache besonders hilfreich war?

Ich war sehr froh, dass vor allem die Projektleitung des possibiliTeam mir zwei Gebärdensprachdolmetscherinnen für ein Online-Meeting über die Nutzung der vielfältigen Möglichkeiten von ZOOM im vergangenen Jahr ermöglicht hatte. Ich habe oftmals das Problem, den Teilnehmern bei Gruppendiskussionen oder schlechter Internetverbindung und Audioqualität zu folgen. Da wird mir dank der Dolmetscher problemlos unter die Arme gegriffen und ich habe das Gefühl, wirklich alles mitbekommen zu können, ohne dass wichtige Hinweise oder Anmerkungen verloren gehen. Eine barrierefreie Kommunikation ist nicht immer selbstverständlich.

Wie empfindest Du die Zusammenarbeit im possibiliTeam, als Gebärdensprache erstmalig eingesetzt wurde? Wie war das Feedback aus dem Team?

Sehr bereichernd, denn ich bekomme alle Informationen und Hinweise zu 100% mit und kann mich dann auch wirklich sehr gut einbringen, als aufgrund der sprachlichen Barrieren ausgeschlossen zu werden. Durch die Dolmetscher wird es dem possibiliTeam auch bewusst, dass ich ein stark visueller Mensch bin und aus dem Grund auch face-to-face-Kommunikation brauche. Ich bin aber auch ein aufgeschlossener Mensch und versuche dem Team auch die Hemmungen im Umgang mit mir als einzige gehörlose Teilnehmerin zu nehmen. Bisher klappt es prima und ich habe auch so Brücken zu anderen Teammitgliedern aufbauen können. 

Was würdest Du Dir für die Zukunft wünschen, wenn es um den Einsatz von Gebärdensprache bei Online-Meetings geht? 

Dass die Bereitstellung von Gebärdensprach-Dolmetscherin eine Selbstverständlichkeit wird, auch wenn dies kostspielig ist. Sollte es mit der Finanzierung nicht klappen, fände ich es auch einfach schön, dass trotzdem irgendwie eine gemeinsame Lösung gefunden werden kann und mich auch hierbei einbezieht. 

Die Fragen stellte Alexandra Schüttler