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DJK TC Büchlberg: Rollstuhltennis auf sportlichem Weltniveau

- Thomas Flax gewinnt Einzel- und Doppel-Krimi – Lokalmatador Peter Seidl im Doppelfinale besiegt – gigantische Leistungen mit Symbolkraft

Wenn jemand von Inklusion spricht, dann braucht er nur zum DJK TC Büchlberg zu gehen, dort kann er diese hautnah erleben. Da tummeln sich Tennisspieler mit erheblichen körperlichen Einschränkungen Seit an Seit mit dem Nachwuchs und den Ligaspielern des Vereins. Dieses Miteinander hat mit Peter Seidl auch einen Namen. Der Lokalmatador betreut das ganze Jahr über die Rolli-Akteure, insbesondere von der Don Bosco K-Schule in Passau Grubweg.

Höhepunkt sind alljährlich die Büchlberg Open, die heuer zum 18. Mal in Szene gingen. Bei diesem Weltranglistenturnier der Rollstuhltennisspieler boten 20 Akteure aus sechs Nationen hochklassiges Tennis. Die Veranstaltung war auch eine Station der ITF Wheelchair Tennis Tour für Rollstuhltennis. Aktive aus Österreich, Tschechien, Holland, der Slowakei, Kroatien und Deutschland setzten dabei ein Zeichen für den Sport mit Handicap. Aber auch eine Gruppe Breitensportler tummelte sich auf den Courts.
In einer wunderbar freundschaftlichen Atmosphäre wurde unter den Augen des Schirmherrn Staatsminister a. D. Erwin Huber um Weltranglistenpunkte gekämpft, stets fair aber mit letztem Einsatz. Huber lobte dann auch die spannenden Endspiele mit spektakulären Ballwechseln, bei denen die Akteure psychisch und physisch an ihre Grenzen gingen. „Am liebsten wäre mir gewesen, wenn alle diese dramatischen Spiele unentschieden geendet hätten“, meinte der ehemalige Minister. Huber, der bei allen 18 bisherigen Turnieren die Schirmherrschaft hatte und immer am Schlusstag auch mit seiner Frau Helma anwesend war, dankte insbesondere den ausländischen Startern, denn nur durch sie sei die Internationalität des Turniers gewährleistet.
Nicht nur die Aktiven, sondern auch der Schiedsrichter Alexander Grabner brachte eine hervorragende Leistung, musste er doch am Schlusstag bei den Finals über fünf Stunden bei voller Konzentration von seinem Stuhl aus das Geschehen beobachten und werten. Der Schirmherr dankte Bezirksrat Josef Heisl jun., der auf seinen Vorschlag hin im Bezirkstag erreicht habe, dass heuer erstmals auch der Bezirk einen Zuschuss zum Turnier gewähre. Heisl, selbst ein aktiver Sportler, zeigte sich in seinem Grußwort begeistert von den Leistungen, insbesondere in den grandiosen Finals. Er schilderte, wie der Bezirk im Bereich des Sozialen und der Förderung des Sports präsent ist. Der Bezirksrat lobte Peter Seidl, der als Botschafter für die K-Schule ein Aushängeschild für Inklusion sei.
„Der Landkreis sagt Danke für dieses Turnier“, meinte Vizelandrat Klaus Jeggle. Er habe gigantische Leistungen gesehen bei einem Turniere, das Symbolkraft habe. Hier sehe man, welch großartige Leistungen auch im Rollstuhl möglich sind. Das sei eben eine Frage der Grundhaltung. Der Landrat lobte auch das große ehrenamtliche Engagement im DJK TC Büchlberg und überreichte eine Spende. Für die Gemeinde grüßte 2. Bürgermeister Albert Petzi die Sportler aus Nah und Fern. Drei Stunden haben die Einzel-Finalisten alles gegeben und dann noch fast zwei Stunden das Doppel gespielt.
Vier Tage lang war alles geboten, was das Tennisherz höher schlagen lässt. Variantenreiches Spiel, tolle Ballwechsel mit kräftigen Volleys, raffinierte Returns, ausgefeilte Technik, aber auch kraftvolles Spiel faszinierten die Zuschauer. Eindrucksvoll war dabei, wie beweglich die Rollstuhlfahrer sind, vor allem bei den Doppelpartien, bei denen sie ein beeindruckendes Stellungsspiel aufziehen.
Doch auch für Geselligkeit war in dieser hochkarätigen Tennisfamilie gesorgt, weil die Veranstalter am Freitag zu einem bayerischen Abend einluden. Vorstand Helmut Schenk zeigte sich in seinem Resümee zufrieden über den Ablauf und machte den Gästen ein Kompliment. Sie hätten wieder einmal gezeigt, die Rolli-Tennisspieler seien weltweit eine große Familie. Den Rolliakteur Guido Nespethal aus Eschwege bei Kassel, der die Trostrunde gewann, zeichnete der Vorsitzende für 18 Jahre Mitarbeit aus.
Zum sportlichen, am Ende siegte nach großartigen Leistungen in einem Wimpernschlagfinale nach drei Stunden der Vorarlberger Thomas Flax gegen seinen Landsmann, den Niederösterreicher Joseph Riegler knapp mit 7:6, 4:6 und 7:5. Dabei hatte Riegler bereits Matchball, den er aber versemmelte. Mit grandiosen Ballwechseln zeigten die zwei besten Spieler des Turniers einen unglaublichen letzten Satz, der nicht enden wollte. Das Doppel gewannen nach einem ebenfalls begeisternden Endspiel die Finalisten des Einzelwettbewerbes Thomas Flax und Josef Riegler gegen Lokalmatador Peter Seidl und seinen slowakischen Partner Marek Gergely mit 6:4 und 6:4. Eine physische und psychische Meisterleistung, fanden die Zuschauer und spendeten stehend lang anhaltenden Beifall.
Das Turnier, das unter der bewährten Leitung von Oberschiedsrichter Gerhard Seidlmann aus Wien stand und bei dem Schiri Alexander Grabner bei stundenlanger voller Konzentration eine tadellose Leistung bot, war eine echte Werbung für das Rollstuhltennis. Staatsminister a. D. Erwin Huber versprach, auch im nächsten Jahr wieder dabei zu sein und die Schirmherrschaft über diese glanzvolle Veranstaltung zu übernehmen. .

Titelbild: Sie waren die Besten, vorne v.li. Marek Gergely, Peter Seidl, Joseph Riegler, Thomas Flax und Guido Nespethal, es gratulierten v.li. Vorstand Helmut Schenk, Herbert Beinbauer, Oberschiedsrichter Gerhard Seidlmann, Brigitte Beinbauer, Helma und Schirmherr, Staatsminister a. D. Erwin Huber, Vizelandrat Klaus Jeggle, Bezirksrat Josef Heisl jun. und 2. Bürgermeister Albert Petzi. (Fotos Heisl)

Bild: Staatsminister a.D. Erwin Huber übergibt den großen Löwen aus Nymphenburger Porzellan an Thomas Flax.
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Von Josef Heisl