Meditationen über den Sport und mehr...

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Meditationen über den Sport und mehr...

Geschenk der Stille
Vorweg eine kleine Erzählung von Margit Schneider:

Der kleine Nachtwächter eines unbedeutenden Dorfes findet im Mondschein ein vierblättriges Kleeblatt. Er weiß, dass dies Glück bedeutet. Aus Freude darüber bläst er in sein Horn, ruft die Dorfbewohner zusammen. Und der Poet, die Marktfrau, der Schmied, das Blumenmädchen und der Lausejunge kommen herbeigeeilt. "Das Glück besucht mich heute Nacht", verkündet der kleine Nachtwächter freudestrahlend. Und alles setzte sich nieder und wartete auf das Glück, das sich im Kleeblatt angekündigt hatte.

Es wird ganz ruhig, alle lauschen in die Nacht hinaus. Der Wind raschelt leise in den Blättern, die Nachtigall singt im nahen Wald, ab und zu schwirrt eine Fledermaus vorbei – sonst aber ist nichts zu vernehmen, die Nacht hat sich ausgebreitet mit ihrer tiefen Ruhe.

"Wann kommt endlich das Glück?", ruft der Lausejunge. Der Poet aber, die Marktfrau, der Nachtwächter und das Blumenmädchen – sie alle verstehen, dass das Glück bereits eingezogen ist. Sie sitzen da und hören und lauschen bis zur Morgendämmerung.

Der Sonntag, das Wochenende, die Ferien- oder Urlaubszeit sind für viele immer noch Tage oder Zeiten an denen es ruhiger zugeht. So wie das Training eine Trainingspause und der Spielbetrieb eine Spielpause, so benötigt auch der Mensch in seinen vielfältigen Aktivitäten Zeiten der Pause und der Ruhe.

In diesen Zeiten der Ruhe erfährt der Mensch nicht nur körperliche Ruhe und Erholung, sondern auch eine wohltuende Zeit für Geist und Seele.

Nicht nur für uns heute sind solche Zeiten wichtig. Auch die Bibel berichtet uns immer wieder davon. So ruhte Gott am siebten Tag, die Propheten zogen sich oft in die Stille und Einsamkeit zurück. Maria bleibt noch einige Zeit bei Elisabeth. So kann das Magnificat in diese Zeit nachklingen. Und Jesus selbst zieht sich immer wieder in Ruhe und Stille zurück.

Diese Zeiten beschenken den Menschen. Orte der Ruhe und Stille, wie Berge und Wüsten, werden zu bevorzugten Orten der Gotteserfahrung. In der Ruhe können wir uns aber auch selbst begegnen, über unser Leben tiefer nachdenken und vieles neu werten und einordnen.

Ich wünsche uns solche Zeiten der Ruhe und Stille, die uns gut tun an Leib und Seele. Vielleicht entdecken wir dann so manches Glück neu oder wieder.

Hans-Gerd Schütt


Ein anderes Bild ist nötig
Das Bild des Sports, das nicht nur durch die Medien momentan in der Öffentlichkeit gezeichnet wird, enthält zumindest im Spitzenbereich alles andere als helle Farben. In der hektischen Jagd nach dem Geld, das mit der Ware Sport zu verdienen ist, scheint die Seele des Sports verloren zu gehen.

Selbst positive Erscheinungen, wie die Erfolge der Skispringer, werden von negativen Schlagzeilen, die das Tagesgeschehen bestimmen, umrahmt. Das Dopinggespenst, das nicht mehr zu verscheuchen ist, stellt Fairness und Chancengleichheit im Sport in Frage und damit auch fundamentale Grundlagen des sportlichen Wettkampfs. Bei der Suche nach Sponsoren zählt zuweilen die nackte Haut der Athleten und Athletinnen mehr als ihre Leistung. Selbst die Idee Olympias von fairen und friedlichen Wettkämpfen wird durch den Korruptionsskandal um das Internationale Olympische Komitee massiv verdunkelt.

Wir müssen uns zunehmend kritischer mit dem momentanen Bild des Sports auseinandersetzen, denn dieses Bild beeinflusst die Öffentlichkeit, besonders die Sportdistanzierteren. Auch lässt es die kritische Distanz der Kirche zum Sport, z.B. bei vielen Pfarrern, wachsen. Sport wird gleichgesetzt mit Doping, Leistung und Erfolg um jeden Preis, und einem riesigen Geldgeschäft.

Dabei verengt sich das Bild des Sports. Darunter hat auch jeder Verein zu leiden, denn der Vereinssport wird unter demselben Blickwinkel betrachtet. Die sozialen Leistungen des Vereinssports fallen dabei unter den Tisch. Vereine haben es dadurch vor Ort schwerer, für sich Werbung zu machen.

Ein anderes Bild gilt es zu zeichnen und in der Vereinswirklichkeit vor Ort dagegen zu setzen. Ein Bild des menschengerechten, Menschen fördernden Sports, der nicht nach Quantität und Geld, sondern nach Qualität sucht.

Die Würde des Menschen umschreibt, was im Sport sinnvoll ist. Ein Bild eines verantwortungsvollen Sports, der seine Grenzen, auch seine finanziellen, und die Grenzen der Leistung erkennt. Ein Bild eines offenen Sports, der alle Gruppen der Bevölkerung umfasst. Ein Bild eines freudigen ungezwungenen Sports. Nur so findet er seine Seele wieder.

Dies ist eine besondere Aufgabe. Für dieses andere Bild des Sports haben wir eigentlich die richtigen Farben.

Nun gilt es, den Pinsel in die Hand zu nehmen und zu malen. Jeder und jede im eigenen Verein, in der Sporthalle, auf dem Platz, bei Spiel und Wettkampf. Der Sport hat dieses Engagement nötig, mehr denn je.

Michael Kühn


Frühbucherrabatt oder last-minute?
Rechtzeitige Planung ist oftmals schon der Schlüssel zum Erfolg. Im Rhythmus eines Jahres kommen immer wieder die Zeitpunkte, an denen Planungen und Entscheidungen anstehen. So auch die Zeit, zu der man mit den Urlaubsplanungen beginnt. Die großen Reiseveranstalter und die Reisebüros haben sich hierauf eingestellt. Wer die Angebote studiert, dem begegnet immer häufiger der Frühbucherrabatt. Wer sich früh genug entscheidet, erhält auf den sonst üblichen Preis einen Nachlass.

Dies kann für den Urlauber durchaus von Nutzen sein. Er erhält Planungssicherheit bezüglich Ziel und Zeit seiner Reise und, einmal festgelegt, entfällt das unsichere Schwanken zwischen verschiedenen Möglichkeiten. In aller Ruhe kann man sich nun auf das Ziel seiner Reise vorbereiten und zahlt zudem einen günstigeren Preis.

Die Alternative heißt ansonsten last-minute. Aber eben um den Preis, dass Zeit und Ziel der Reise erst kurzfristig festgelegt werden. Das kann durchaus ein Volltreffer sein aber auch ein fader Kompromiss.

Für unsere Arbeit und unser Miteinander in der DJK und im Sport könnte eine Art Frühbucherrabatt durchaus bedenkenswert sein. Erfahrungen der Vergangenheit beizeiten überdenken und sie in die Planungen einfließen lassen, kann sich auszahlen. Die Motivation für die Mitarbeit und das Übernehmen von Verantwortung nicht nur last-minute, wenn gerade etwas anliegt anzugehen, sondern als bleibende Aufgabe anzusehen, zahlt sich für alle aus.

In einem Bereich ist es ganz wichtig, früher das Ziel und die Rahmenbedingungen "zu buchen" – in unserer Kinder- und Jugendarbeit. Wenn die Verantwortlichen hier frühzeitig und nicht zuletzt durch ihr Vorbild beginnen, den Kindern und Jugendlichen nicht nur sachgerechten Sport zu vermitteln, sondern ihnen auch eine christliche Wertorientierung mit auf den Weg zu geben, dann werden die Zinsen eines solchen Bemühens in einem besseren menschlichen Miteinander und einem fairen Sport ausgezahlt. Gerade hier haben wir als Christen im Sport ein gutes Angebot zu machen, das auch für die Erwachsenen gilt.

Jesus wusste, dass wir Menschen für ein gelingendes Leben ein Ziel und Lebenshilfen brauchen. Er bietet sich uns als das Ziel und seine Worte als Wegweiser für unser Leben und Miteinander an. Auf Wegweiser sollte man schon früh achten, damit ein Weg nicht in die Irre führt.

"Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Felsen baute".

Dies sicher beizeiten – mit last-minute war Jesus für den Lebensweg eher zurückhaltender.

Hans-Gerd Schütt


Jesus - unser Zeugwart
Manche Vereine können sich glücklich schätzen, in ihren Reihen einen solchen Menschen zu haben, einen Zeugwart, eine Zeugwartin. Sorgt dieser Mensch doch dafür, dass im Verein gewisse Geräte und Sachen zur Verfügung stehen, ja nicht nur zur Verfügung stehen, sondern auch noch in gutem Zustand und gepflegt sind.

Den Zeugwart der Fußballbundesliga-Mannschaften kennt kaum ein Außenstehender. Er steht nicht im Rampenlicht und kann sich nicht im Glanz der Bundesliga sonnen. Und doch wird er gebraucht.

Er legt die Spielkleidung zurecht, kennt die Größe und Trikotnummer jedes Spielers. Er putzt die Schuhe, schraubt die Stollen an. Kurz und gut, er ist dafür verantwortlich, dass jeder Spieler gute Bedingungen, gutes "Arbeitsmaterial" vorfindet. Und hinterher räumt er wieder auf.

Ein Mensch im Hintergrund und doch wichtig, weil er dafür sorgt, dass die Sportler alles Nötige vorfinden.

Jesus - unser Zeugwart. Ich glaube zuerst ein komischer Vergleich. Aber trotzdem ein gutes Bild, um etwas von Jesus zu verstehen.

Auch Jesus ist im Leben oft unser Hintergrund. Er drängt sich nicht auf. Vieles lässt er für uns unmerklich geschehen, wir finden es einfach vor - die Welt, die Natur, die Menschen. Jesus begleitet uns mit seiner Sorge.

Und er rüstet uns aus. Nicht mit äußeren Dingen, sondern er rüstet uns innerlich aus, mit Kraft, mit Hoffnung, mit Liebe, oft unmerklich. Wer kennt nicht in seinem Leben Situationen, in denen er plötzlich all dies entdeckt. Geheimnisvoller Ursprung. Vom Glauben her verstanden - Geschenke.

Jesus - unser Zeugwart - er stattet uns aus - er legt vieles für uns zurecht, damit wir mit guten Voraussetzungen das "Spiel des Lebens" spielen können.

Jesus, der du uns Kraft schenkst,
erbarme dich unser.

Jesus, der du uns Liebe schenkst,
erbarme dich unser.

Jesus, der du uns Hoffnung schenkst,
erbarme dich unser.

Jesus, der du uns Mut machst,
erbarme dich unser.

Michael Kühn


Der richtige Schub
Jeden Tag beginnen wir auf´s Neue. Manchmal stehen neue Aufgaben an. Meistens jedoch gibt es immer wieder gleiche oder ähnliche Aufgaben anzugehen. Jeder Anfang, besonders aber bei neuen Herausforderungen, braucht einen gehörigen inneren Schub.

Anders als beim Kugelstoßer, der einen starken Schub am Anfang braucht und danach die Kugel nicht weiter beeinflussen kann, muss ich im Alltag ständig neu anschieben. So gleicht dieser Anfang mehr dem Start eines Langstreckenläufers, der seine Motivation durch manche Krisenpunkte hindurch aufrechterhalten muss. Die Kraft dafür wächst aus dem Bewusstsein, dass es Sinn macht, zu laufen.

Eine Wanderung mit Kindern zeigte mir, wie wichtig kleine Etappenziele sind. Sie fragten mich: "Wann machen wir Pause ?" Ich antwortete: "Noch eine Viertelstunde und dann sind wir da."

Ziele locken und mobilisieren die Kräfte. Ich wünsche allen, ein großes Ziel zu haben, aber genauso, die kleinen Etappenziele im Blick, die Tage mutig anzugehen.

Erich Schmucker


Messlatten
Schneller, weiter höher – Maxime sportlichen Strebens, die wohl auch in Zukunft die Sportszene bestimmen werden. Der Mensch selbst wird "Garant" für dieses Streben sein. Bilder vom Stabhochsprung mögen dies verdeutlichen.

Unter Einsatz enormer, langfristig antrainierter Schnell- und Muskelkräfte, systematisch geschulter technischer Fertigkeiten und koordinierter Bewegungsabläufe sowie mit Hilfe eines materialoptimierten Stabes meistern Sportlerinnen und Sportler gewaltige Höhen, die beim Publikum größte Bewunderung auslösen. Der Stab wird neben der sorgfältig aufgelegten Messlatte zur großen Herausforderung. Immer bessere, elastischere und härtere Stäbe versprechen ein Mehr an Höhe und an Rekorden.

Das Szenarium "Stabhochsprung" wird nicht selten zu einem Medienspektakel aufgebaut, das die aufwendigen Aktionen und gefühlsbetonten Reaktionen der Wettkämpferinnen und Wettkämpfer – eigene Vorteile erheischend – vermarktet. Menschen, die sich an Grenzen erproben, werden zur großen Attraktion.

Ansatzweise kann dem Betrachter- biblisch gedacht – das Bild vom Turmbau zu Babel in den Sinn kommen. Im Zweistromland wollte man in Gottes Sphären vordringen, wollte man Gott ebenbürtig sein – die Ursünde schlechthin. Menschliches Trachten darf sich aber keinesfalls die Ebenbürtigkeit mit Gott zum Ziel setzen, es muss sich beschränken. Seine "Schranke" aber auch seine Chance hat es in der Ebenbildlichkeit. Zum rechten "Wegzeichen" wird dabei die Kardinaltugend der Klugheit. Klugheit bedeutet, eigene Grenzen zu erkennen, eigene Stärken und Schwächen anzuerkennen und Maß zu halten. Natürlich hinkt der Vergleich. Doch gilt das, was für Menschen wichtig ist, für Sportlerinnen und Sportler allemal: Grenzen nicht unklug übersteigen. Hier liegt in der Tat die pädagogische und ethische Aufgabe des DJK-Sports, eine zutiefst christliche Aufgabe.

Die Botschaft ist wegweisend: Es hat Menschen noch nie geschadet, Messlatten nicht zu hoch zu legen, es sei denn, diese Messlatte heißt Gott.

Karl Grün


Einwurf
Es gibt Situationen beim Fußball, die bei Spielern wie Zuschauern für Aufregung sorgen: Ein im Strafraum begangenes Foul und der anschließende Elfmeter, ein Freistoß in der Nähe des Sechzehnmeterraums, eine gefährlich vor das Tor geschlagene Flanke.

Weniger aufregend geht es dagegen meistens zu, wenn ein Einwurf ausgeführt wird. So wird in der Nähe des eigenen Strafraums der Ball oft zum Torwart geworfen, um von hier das Spiel neu aufzubauen.

Anders sieht es allerdings aus, wenn der Einwurf in der Nähe des gegnerischen Tores ausgeführt wird. Der Ball wird dann oft nicht nur einfach ins Spiel gebracht. Ein weiter Einwurf kann vielmehr die gleiche Wirkung erzielen wie ein Eckball. Aus solchen Situationen heraus ist schon so manches Tor entstanden.

Einwürfe bei einem Fußballspiel, die je nach Situation geringe oder große Auswirkungen haben, könnten wir vergleichen mit "Einwürfen", das heißt Bemerkungen in Gesprächen oder Diskussionen, die ebenfalls sehr unterschiedliche Resonanzen hervorrufen können.

Wir alle kennen sicherlich Diskussionsrunden, in deren Verlauf viele Bemerkungen "hineingeworfen" werden, die aber keinen besonderen Einfluss auf das weitere Geschehen haben oder ganz untergehen.

Aber wir haben es bestimmt auch schon erlebt, dass jemand mit einem kurzen Beitrag, vielleicht mit einem einzigen Satz einem Gespräch eine neue, entscheidende Wendung gegeben hat.

Ein Mensch, der mit sicherem Gespür oft nur durch einen "Einwurf", einen einzigen Satz den Kernpunkt einer Situation ins Wort bringen konnte, war Jesus. Als ein Beispiel dafür mag die Erzählung von der Ehebrecherin (Joh 8) stehen.

Schriftgelehrte und Pharisäer bringen eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war, zu Jesus. Sie wollen ihm mit der Frage, wie seiner Meinung nach mit dieser Frau zu verfahren sei, eine Falle stellen. Jesus pariert alle Angriffe mit einem einzigen Satz: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie" (Joh 8, 7). Es bedarf keiner weiteren Kommentare; dieser "Einwurf" reicht völlig. Er trifft alle bis ins Innerste. Die Ankläger räumen einer nach dem Anderen das Feld.

So kann auch von einem Einwurf – und das auf mehrere Lebensbereiche bezogen – eine spürbare Wirkung ausgehen: Im sportlichen Wettkampf bereitet er ein Tor vor; einem Gespräch verleiht er eine ganz neue Richtung; im Bereich des Glaubens fordert er zu einer Antwort heraus.

Herbert Scholl


Festhalten
Im Zuge der erlebnispädagogischen Renaissance, aus der vor allem die Sozialpädagogik viel Gewinn zieht, sind Sportarten wie Kajak fahren oder Mountain-Biking wieder mehr in Mode gekommen. Dies gilt auch für das Bergsteigen, das Berg-Climbing oder für das Bergtouren. Immer kommt es darauf an, Selbsterfahrungen zu sammeln, meist in der Natur und in der Auseinandersetzung mit herausfordernden Situationen.

Gerade auch im Berg können Menschen eine Vielzahl von Erfahrungen machen, die viel Symbolkraft haben: Halt geben, Halt suchen, Anlehnung haben oder aufeinander angewiesen sein. Religiöse Bergfreizeiten können diesbezüglich aus dem Vollen schöpfen. Gleichzeitig können sie in besonderer Art Gotteserfahrungen vermitteln, indem Menschen ihrem Gott ein Stück näher kommen, ihm im Fels in sinnlicher Weise wirklich begegnen.

Von starker Symbolkraft ist auch das, was Menschen im Berg immer wieder als notwendig erleben: sich an Felsstücken festhalten. Hält sich der Bergsteiger am Felsen fest, so hält ihn dieser gleichzeitig ebenso fest. Wer dieses kantige Stückchen Erde nur berührt, kann nicht durch die Kraft des Felsens gehalten werden. Ein großartiges Wechselspiel läuft ab: Das, was einer ergreift, ergreift auch ihn! Erst in der Ergriffenheit fließen Kräfte: Jemand ergreift mit seiner Hand etwas, was stärker ist als er selbst. Dabei ist es oftmals nicht einfach, den Stein in den Griff zu bekommen.

Das Leben, auch das Vereinsleben, kennt ganz ähnliche Erfahrungen. Oft besteht große Unsicherheit, ob ich eine Sache in den Griff bekomme. In solchen Situationen ist es gut, wenn ich mich festhalten kann. Wer aber gibt Kraft und Halt? Die Frage ist uralt und doch immer wieder aktuell. Natürlich finden sich Menschen, die als gute Wegbegleiter mich stützen und beraten können. Doch hat die Frage unzweifelhaft auch eine religiöse Dimension. Die Bibel beantwortet sie. In Phil 4,13 schreibt sie: "Ich vermag alles durch ihn, der mir Kraft gibt"; in Dtn 30,20 berichtet sie: "Halte dich an ihm fest, denn er ist dein Leben". Also – Gott selbst ist der große Haltgeber! Sich darauf einzulassen und sich stets daran zu erinnern, dazu bedarf es der sinnlichen und gleichzeitig symbolhaften Erfahrung – wie eben im Berg.

Karl Grün


Immer schriller
Immer schneller,
immer schriller
Wohin soll das führen?
Welche Hürden,
Welche Bürden
Kann man da noch spüren?

Hermann Schulze-Bernd


Ranglisten
Die Einstufung von Sportlern oder Sportlerinnen nach ihren Leistungen wird entweder von Vereinen oder Verbänden vorgenommen. Andererseits kann sie auch in Ranglistenturnieren ausgespielt werden, wie z.B. beim Tischtennis. Das Ausspielen der Ranglisten ist sinnvoll, um zu bestimmen, wer innerhalb seiner Mannschaft auf welcher Position spielt. Nehmen bei einem solchen Turnier Spieler verschiedener Vereine teil, so berechtigt eine gute Platzierung oft zur Teilnahme an einem höherklassigen Turnier. Die Erstplazierten der Kreisliga etwa qualifizieren sich für das Ausspielen einer Bezirksrangliste. Egal auf welcher Leistungsebene Ranglistenturniere stattfinden, überall werden die Sportler und Sportlerinnen nach Kräften versuchen, eine gute Platzierung zu erreichen. Manch einer ist ganz darauf versessen, die "Nummer eins" zu sein.

Beim Verfolgen der Berichterstattung des internationalen Tennisgeschehens kann es einem mitunter unangenehm aufstoßen, welch große Bedeutung den Platzierungen in der Weltrangliste beigemessen wird.

Ähnliche Beobachtungen lassen sich auch in anderen Zusammenhängen machen. Verschiedene Stimmen versuchen uns einzureden, dass es vor allem darauf ankommt, der Erste oder die Beste, der Größte oder die Schönste zu sein. Daneben wird der Besitz von Macht und Geld entscheidend für die "Ranglisten" in der Gesellschaft. Diesem Streben hat sich vieles unterzuordnen.

In der Hl. Schrift finden wir dazu eine entsprechende Erzählung. So hat Jesus einmal beobachtet, wie seine Jünger sich streiten, wer wohl der Größte sei. Daraufhin rief er sie zu sich und sagte zu ihnen: "Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein." (vgl. MK 9,33-35). Jesus kehrt damit die weltlichen Verhältnisse um. Nicht auf die größere Macht und Bedeutung kommt es an. Gefragt ist vielmehr die Bereitschaft, sich selbst zurückzunehmen, um dem Guten Geltung zu verschaffen, um sich in den "Dienst" der anderen zu stellen.

Es gibt sicherlich viele Möglichkeiten, diese Sichtweise auch im Sport umzusetzen.

Hier nur drei Schlaglichter:

Diejenigen Spieler würden einen guten Rang einnehmen, die beispielsweise von Trainingsbeginn die Tischtennisplatten aufbauen oder sich ganz bewusst einmal Zeit nehmen, mit dem Schwächsten aus der Mannschaft zu trainieren.

Ein besonderer Rang könnte einem Verein zukommen, dem es gelingt, möglichst viele Ausländer oder behinderte Menschen in seinen Spielbetrieb zu integrieren .

Nach manchen Turnieren oder Meisterschaften wird bereits eine alternative Rangliste veröffentlicht, in der die fairste Mannschaft vorne steht.

Herbert Scholl


Gebet
Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Gott des Lebens, sondern um Kraft für den Alltag.

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte. Mach mich findig und erfinderisch, um im täglichen Vielerlei und Allerlei rechtzeitig meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren, von denen ich betroffen bin.

Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung. Schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.

Ich bitte um Kraft für Zucht und Maß, dass ich nicht durch das Leben rutsche, sondern den Tagesablauf vernünftig einteile, auf Lichtblicke und Höhepunkte achte, und wenigstens hin und wieder Zeit finde für einen kulturellen Genuss.

Lass mich erkennen, dass Träume nicht weiterhelfen, weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft. Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige Stunde als das Wichtigste zu erkennen.

Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge und Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.

Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt. Schick mir im rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen. Ich möchte Dich und die Anderen immer aussprechen lassen. Die Wahrheit sagt man nicht sich selbst, sie wird einem gesagt.

Ich weiß, dass viele Probleme sich dadurch lösen, dass man nichts tut; gib, dass ich warten kann.

Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschäft des Lebens gewachsen bin.

Verleihe mit die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben.

Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht, um auch die zu erreichen, die "unten" sind.

Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

Antoine Saint-Exypery


In der Bahn gehalten
Es ist keine angenehme Erfahrung, die der Rodler oder die Rodlerin macht, wenn er oder sie die Bande berührt. Es kann den einen oder anderen blauen Fleck mit sich bringen. Daneben bedeutet aber jeder Kontakt mit der Bande Zeitverlust und es dauert immer einen weiteren Moment, bis der Schlitten danach wieder die Ideallinie einnimmt. Entscheidende Momente, entscheidende Sekunden, die dabei in einem Lauf verloren werden können. Bei diesen Geschwindigkeiten ist es wirklich eine große Kunst den Schlitten in der Ideallinie, in der Bahn zu halten.

Trotzdem, kein Rodler und keine Rodlerin ist perfekt. Kleine Steuerfehler kommen immer wieder vor. Und wie gut, dass sie dann da ist, die Bande. Sie hält nämlich den Rodel samt Rodler in diesem Fall davon ab, von der Bahn abzukommen und in die Gegend zu fliegen. Sie wirft ihn, wenn auch manchmal unsanft, wieder in die Bahn zurück. Berühren will sie keiner. Aber gut, dass sie da ist. Sie hält in der Bahn, sie begrenzt die Bahn und zwischen den Banden findet der Rodler oder die Rodlerin ihren Weg.

Auch in meinem Leben sind solche Banden wichtig, die mich auffangen, wenn ich einmal von der Ideallinie abkomme, wenn ich mich versteuere oder durch Umstände, wie Krankheit, Streit oder Verlust eines Menschen aus der Bahn geworfen werde. Oft sind die Menschen aus meiner Familie und meiner Umgebung solche Banden, weil sie mich lieben, mir Mut machen, mich auffangen und mich halten. Das Wissen, dass ich in meinem Leben gehalten bin, gibt mir Sicherheit.

Die Überzeugung, dass ich in meinem Leben in der Bahn gehalten werde, bringt unser Glaube auch mit Gottes Gegenwart in Verbindung. Und diese haltende Gegenwart wird in Bildern und Texten immer wieder durch seine ausgebreiteten Hände angedeutet. Gottes Hände halten uns. Sie formen gleichsam eine Bande. Aber eine Berührung von ihnen ist nicht so schmerzhaft, wie die der Bande, sondern eher sacht, führend, schützend, liebend. Dieses Gehaltensein gibt mir Sicherheit für meinen Lebens"lauf". Auch dort, wo ich anecke, wo ich einen kleinen Schlenker oder Steuerfehler mache, Gott lässt mich nicht hinausfliegen.

Von dieser Überzeugung, dass ich von Gott in der Bahn des Lebens gehalten werde, spricht ein alter irischer Text. Gott breitet seine Hände vor, über, neben und hinter dem Menschen aus, wie eine Bande:

Gott sei vor mir heute und morgen,
um mir den neuen Tag zu öffnen.

Gott sei neben mir immer und ewig,
um mich wie ein guter Freund zu lieben.

Gott sei hinter mir,
um mich zu schützen, damit ich keine Angst habe.

Gott sei unter mir,
um mich zu tragen, wie die gute starke Erde.

Gott sei in mir, in meinem Herzen,
um mich zu trösten.

Gott sei bei mir,
um mich zu beschützen.

Gott sei mit mir auf allen Wegen,
dass ich nicht stolpere.

Gott sei über mir,
um mich zu segnen.

Diese Gewissheit, dass wir von Gott gehalten sind, möge uns begleiten.
Michael Kühn


Du führst mich hinaus ins Weite
Der November ist für viele Menschen ein ungeliebter Monat. Nach Sommer und Herbst geht es in den Spätherbst und bis zum Winter ist es nicht mehr weit. Zudem sagt man dem November eine triste Stimmung nach; geprägt von Nebel und Regen, feuchte Kälte und das Fallen der letzten Blätter.

Aber der spätherbstliche November kann durchaus seine Reize haben, und die hängen eigentümlicherweise mit dem Licht zusammen, das man gemeinhin in dieser Jahreszeit vermisst.

Wohl kaum eine Jahreszeit bietet so viele klare Tage mit grandiosen Fernsichten wie der Herbst und der Spätherbst. Bergwanderer können ein Lied davon singen. Vieles was in der Sommerhitze bestenfalls verschwommen zu sehen ist, scheint uns jetzt oft zum Greifen nahe. Vor unseren Augen tun sich neue Weiten auf.

So könnte man dem Spätherbst durchaus das alte Psalmwort: "Du hast mich hinausgeführt ins Weite......" als Überschrift geben.

Und Weite tut uns Menschen gut, will sie uns doch auf das Tragende unseres Lebens und die wirklichen Wahrheiten aufmerksam machen.

Denn seien wir ehrlich. Wie oft bestimmt nicht das Enge und Vordergründige unser Leben. Da ist der schnelle Erfolg wie die messbare Leistung. Da zählt das oberflächliche Glück und das Gewinnbringende. Man jagt von Event zu Event.

Aber wie arm wäre es um unser Leben bestellt, wenn nur dies zählen würde. Um sich dies vor Augen zu führen genügt ein Blick in das Leben unserer Vereine.

Was wäre unser Vereinsleben ärmer ohne die vielen Arbeiten im Hintergrund, die menschlichen Begegnungen und das gesellige Miteinander, den Idealismus und dem Dienst an einer größeren Sache.

Wenn das Vereinsleben nur aus der messbaren Leistung und dem Tabellenplatz bestehen würde, dann würde es bald nicht mehr bestehen.

So sind wir eingeladen, unseren Blick immer wieder zu weiten auf die tragenden Werte des Lebens, und auf das, was unser Vereinsleben wirklich trägt.

Im November gedenken wir unserer Verstorbenen, auch denen unserer Vereine. Das Gedenken an sie möchte unseren Blick lenken auch auf das, was wir ihnen zu verdanken haben, damit wir nicht beim Vordergründigen und Messbarem stehen bleiben sondern den Blick weiten für das Tragende unseres Lebens.

Hans-Gerd Schütt


Als die Zeit erfüllt war
Fabelzeit, Weltrekordzeit, Bestzeit: Zeit spielt im Sport eine enorme Rolle. Viele Sportarten leben davon, dass die Zeit genommen oder gemessen wird.

Welcher Läufer oder welche Läuferin, welcher Schwimmer oder welche Schwimmerin setzt nicht alles daran, ihre persönliche Bestzeit über eine Strecke durch das ständige Training zu verbessern.

Freude, Stolz und Zufriedenheit begleiten jede erreichte Verbesserung und liefern gleichzeitig Motivation für weiteres Training.

Zeit gilt als Maßstab für persönliche Leistung und Leistungsfähigkeit.

Spielzeit, Halbzeit, Auszeit: Zeit stellt einen vorgegebenen Rahmen dar. Bei einem Fußballspiel steht der einzelnen Mannschaft nur eine gewisse Zeit zur Verfügung, die sie nutzen kann, um das Spiel zu gewinnen.

Es kommt darauf an, aus der Spielzeit das Beste zu machen. Ähnliches gilt von der Halbzeitpause oder der Auszeit. Zeit wird für etwas Bestimmtes zur Verfügung gestellt – zur Erholung oder um taktische Anweisungen zu geben.

Zeitgefühl, Zeiteinteilung: Oft braucht ein Sportler oder eine Sportlerin das richtige Zeitgefühl. Wenn er oder sie ein Rennen beispielsweise zu schnell angeht, dann passiert es, dass zum Schluss die Kraft fehlt.

Die Einteilung eines Rennens oder eines Spieles ist oft entscheidend, besonders dann, wenn es um den richtigen Zeitpunkt des Angreifens oder das Anziehen des Spurts geht.

Meine Zeit, geschenkte Zeit, sinnvolle Zeit, sinnlose Zeit: Zeit ist etwas Persönliches. Menschen können Zeit unterschiedlich empfinden. Jeder Mensch besitzt seine eigene Zeit – die Lebenszeit. Und die Zeit schreitet voran. Sie kennt keinen Halt. Wir können sie nicht festhalten. Zeit will genutzt werden. Das gilt besonders für unsere Lebenszeit.

Es hängt von jedem Einzelnen ab, was er mit seiner Zeit anfängt, wozu er sie nutzt.

Weiß ich, wann die richtige Zeit ist, um das Gute zu tun, eine Entscheidung zu treffen? Der Umgang mit der Zeit will gelernt sein.

Erfüllte Zeit: Dennoch gibt es Momente, in denen ich meine, dass die Zeit stehen bleibt. Glücksmomente. Ein unerwarteter Sieg, eine besondere Leistung, ein persönlicher Erfolg. Meistens aber sind es die Momente, in denen mir der Sinn meines Lebens aufleuchtet, in denen ich mich angenommen und geliebt weiß. Dann habe ich das Gefühl, dass diese Zeit gefüllt – erfüllt ist.

Als die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn (Gal. 4,4-7)

Weihnachten – erfüllte Zeit! Gott sendet seinen Sohn in die Welt, damit uns in ihm der Sinn des Daseins aufleuchtet. Gott sendet seinen Sohn, damit wir in unserer Zeit Orientierung finden, damit sich in der Zeit erschließt, wie der Mensch seine Zeit sinnvoll und gut gestalten kann.

Gott füllt mit seinem Sohn die Zeit an. Mehr als diese Fülle kann es nicht geben. Wir leben in dieser Fülle, weil Gott uns auch in unserer Zeit nahe ist. Seine Nähe erfüllt unsere Zeit.

Am Weihnachtsfest nehmen wir uns die Zeit, uns daran zu erinnern. Gott sandte seinen Sohn, um uns nahe zu sein, um unsere Zeit und unser Leben zu erfüllen. Nutzen wir unsere Zeit, suchen wir ihn!

Michael Kühn


Über die Grenzen hinweg
"Der war aus", "das gibt eine Ecke", so oder ähnlich heißt es bei einem Fußballspiel. Grenzen müssen anerkannt werden, werden sogar oft genug zum Zankapfel bei einem Spiel. Auf der anderen Seite sind diese Begrenzungen wichtig, weil sie zum Spiel gehören. Ein Ball außerhalb der Linie im Tennis kann zur Katastrophe werden. Grenze als Spielraum.

Jedes Mal wenn ich vor 1989 an die Grenze zur damaligen DDR kam oder sonst eine Ostgrenze überqueren musste, schlug mir das Herz bis zum Hals: Du weißt nicht, was dir passiert, ob du Schikanen ausgeliefert bist: Grenze als Mauer des Ungeliebtseins.

Im Alltag erleben wir oft genug die eigenen, die menschlichen Grenzen. Da fällt uns das und jenes nicht ein, da bringen wir etwas nicht fertig, da werden wir langsamer: wir erleben unsere eigenen Grenzen.

Auf der anderen Seite überspringt einmal jemand die Grenze einer Bürokratie, drückt ein anderer "ein Auge zu", lässt jemand erkennen, dass er die Grenze nicht "ausnutzen" will, sondern alles tut, dass wir Menschen bleiben können.

Das nächste Bild: Europa soll "grenzenlos" werden: Das Vertrauen soll wachsen, die Angst (siehe Ostgrenze) ganz verschwinden. Wir brauchen keine Grenzen mehr, wir brauchen das Vertrauen zueinander. Es wird nicht leicht, aber es ist notwendig.

Unser Gott ist ein grenzenloser Gott: Über Rassen und Nationalismen, über Länder und Kontinente hinweg bejaht er den Menschen, der überall ist: hilfsbedürftig und Vertrauen brauchend. Über alle Grenzen hinweg sagt er sein Ja, so dass wir dann auch im Psalm beten können: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern, mit ihm erfahre ich, was es heißt: Vertrauen habe ich in Dich, dass auch Du ohne Angst Deinen Tag lebst.

Heinz Summerer


Der Absprung
Beim Weitsprung, Dreisprung oder Hochsprung ist er ganz wichtig: der Absprung. Es besteht die Gefahr, dass der Athlet, die Athletin zu früh weg springt, Zentimeter herschenkt oder eben übertritt. Andererseits kann ein gut getimter Absprung vieles herausholen. Ein guter Absprung führt zu einem schönen und weiten Sprung oder einer Höhe, die wir uns nicht vorgestellt hatten.

Im Leben ist es auch so. Wann ist der richtige Zeitpunkt für das Ende einer Tätigkeit? Ich habe mich dies öfter gefragt, als ich z.B. als Olympiapfarrer aufhörte oder mein Amt des Geistlichen Beirats der DJK auf Diözesanebene nach 31 Jahren in jüngere Hände legte. "Es ginge ja noch" flüsterte ich mir zu und " aber sei vernünftig – du bist alt genug" sagte die andere Stimme.

Ein pünktliches Treffen des Balken lässt meist auch einen guten Sprung nachfolgen und so denke ich auch an die Generationenfrage, die Arbeitsbelastung, an das Freiwerden für andere Ideen, andere Ansätze, neue Zielausrichtung, neues Gedankengut.

Solche Absprünge sind immer etwas schmerzhaft, besonders wenn man seine Arbeit geliebt hat und sich hineinbegeben hatte mit Herz und Seele. Aber es ist immer noch besser ein wenig Herzblut zu lassen als zu sagen "Gott sei Dank – das ist vorbei" oder zu hören "bei dem wird,s auch Zeit".

Mut gehört sicher dazu, ein wenig Wehmut ist immer dabei – aber es gehört zu unserem Leben, bestimmte Dinge aufzuhören, zu ändern, für die wir vielleicht schon ein wenig zu alt oder für die ein Wechsel auch von unserer Seite her nötig wäre. Den Zeitpunkt zu erkennen, das "Brett zu treffen" ist und bleibt auch ein Stück Selbsterkenntnis. Das sagten schon die alten Griechen mit ihrem "gnothi seauton", erkenne dich selbst, über dem Tempel. Gott gebe uns den Mut zum rechten Augenblick.

Heinz Summerer


Schule der Wünsche
Der Jahreswechsel ist die Zeit der Wünsche. Nicht das Wünsche sonst im Jahr nicht vorkommen – aber zu Beginn eines Neuen Jahres haben Wünsche Hochkonjunktur. Dies ist schön und hat etwas mit einer Ursehnsucht des Menschen zu tun, dass das Leben gelingen möge. Und es entspricht der Erfahrung, dass unser Leben nicht vollkommen ist und es immer Verbesserungswürdiges gibt.

Ich glaube, wir wären erstaunt über die Länge der Wunschliste, die wir in der Zeit von Weihnachten bis über den Jahreswechsel hinaus geäußert haben – an uns selbst und an andere gerichtet. Über manchen Wunsch würden wir uns vielleicht sogar wundern und feststellen: Mit dem Wünschen ist es so eine Sache, denn Wünschen will gelernt sein.

In der Schule des Wünschens könnte unser Kurs beginnen mit der Bedeutung des Wortes wünschen. Erstaunlich, dass das altgermanische Wort für Freund "wini" die gleiche sprachliche Wurzel hat wie wünschen. Ein guter Wunsch hat also zutiefst etwas mit Freundschaft zu tun.

Da ein Freund oder eine Freundin etwas sehr wertvolles ist, sollte man sich in der Wunschschule etwas Zeit nehmen zum Überlegen, was ich jemandem wünsche, was er wirklich braucht. Gut geeignet wären die ersten beiden Stunden am Morgen, wenn man noch fit und aufnahmefähig ist.

In unserem Leben gibt es aber auch die kurzen Begegnungen wie in den Schulpausen. Auch hierfür gibt es gute Wünsche. Einen guten Morgen oder einen guten Tag kann man dann ebenso gut wünschen wie ein bis demnächst.

Die späteren Schulstunden des Wünschens laden dann eher ein zum weniger konzentrierten Wünschen. Ski heil – Gut Holz – Immer eine handbreit Wasser unter dem Kiel – und viele andere kennen wir aus dem Sport und sie laden ein zu einem Gespräch über Sport, Hobby und Freizeit.

Fehlen sollten auf jeden Fall Verwünschungen, die mit lautem Knallen ins Schloss fallen, denn die haben alles andere als die sprachliche Wurzel der Freundschaft.

Jesus nennt uns im Evangelium nicht mehr Knechte, sondern Freunde. Und damit wünscht er uns, dass unser Leben gelingen möge, dass wir es in Fülle haben. In seinem Leben werden wir in die schönste Schule der Freundschaft und des Wünschens eingeschult.

Das wir für unser Leben in dieser seiner Schule vieles lernen mögen, um es für uns und andere als Lebensquelle sprudeln zu lassen, ist sicher einer der schönsten Neujahrswünsche für uns alle.

Hans-Gerd Schütt


Dem Himmel entgegen
Deutschlands Ski-Springer sind in aller Munde. Athleten wie Martin Schmitt und Sven Hannawald haben schon viele gute Wettkämpfe bestritten. Längst stehen sie im Licht der Öffentlichkeit und sind genauso populär wie Michael Schumacher oder Lothar Matthäus.

Die neue Faszination ihres Sports hat einerseits damit zu tun, dass deutsche Athleten in der Weltspitze mithalten, ja, dort sogar den Ton angeben. Zum Anderen spielt aber auch die besondere Eigenart des Ski-Springens eine Rolle. Es wirkt ungeheuer reizvoll, mit hoher Geschwindigkeit den Schanzentisch zu verlassen und einige Sekunden lang wie ein Vogel durch die Luft zu fliegen. Das Gefühl der Freiheit paart sich dabei mit der Eleganz kraftvoller Körperbeherrschung.

Für die Zuschauer, die vor Ort oder am Bildschirm dem Ereignis beiwohnen, sieht es einen Moment lang so aus, als flögen Martin Schmitt & Co dem Himmel entgegen. Zielstrebig scheinen sie in höhere Gefilde zu steuern, um dann doch dem Gesetz der Schwerkraft Tribut zu zollen. Ein Sinnbild für menschliches Leben übrigens, denn auch im Alltag folgt manchmal nach einem Höhenflug der Fall in die Tiefe. Und wie beim Ski-Springen kommt es dann darauf an, die Landung möglichst elegant hinzukriegen, damit man gut und sicher ankommt und womöglich zu einem neuen Anstieg ansetzen kann.

Was beim Ski-Sport den Springern zukommt, nämlich die Blicke der Menschen zum Himmel zu lenken, das obliegt in der Religion den Heiligen und natürlich Jesus, dem Überflieger schlechthin. Noch bevor er öffentlich auftritt, ebnet ihm einer den Weg: Johannes, genannt "der Täufer", Sohn des Zacharias und der Elisabeth.

Obwohl er viel von Buße redet und sich nur mit Kamelhaaren kleidet, findet der merkwürdige Mann jede Menge Anklang. Die Leute kommen in Scharen zum Jordan und wollen sich taufen lassen. Irgendwie scheinen die eindringlichen Auftritte des Bußpredigers etwas an sich zu haben, was überzeugend wirkt.

Johannes meint es ehrlich. Er gaukelt nichts vor. Wenn er den Menschen zur Umkehr rät und sie dadurch bittet, die Weisungen Gottes sorgfältig zu beachten, dann glaubt er selber fest daran, dass sein Rat zur rechten Zeit und am rechten Ort erfolgt. Johannes möchte, dass die Frauen und Männer, die zu ihm kommen, den Weg zurück zu Gott finden.

Ein Redner, dem die Menschen hinterherlaufen, als sei er der Messias höchstpersönlich, kann Gefahr laufen, größenwahnsinnig zu werden. Denn mit dem Erfolg wächst auch die Macht über die Menschen. Und eben diese birgt sowohl die Verführung zum eigenen Missbrauch als auch das Risiko der Selbstüberschätzung in sich.

Man muss dem Johannes hoch anrechnen, dass er dieser Gefahr nicht erliegt. Der Sohn des Zacharias bleibt standhaft. Er ist sich stets darüber im Klaren, dass die Messias-Rolle eine Nummer zu groß für ihn ist. Johannes weiß: "Ich bin zwar ein Prediger, aber kein Erlöser. Diese Aufgabe muss ein anderer übernehmen".

Der Auftrag, den Johannes und nach ihm andere Heilige übernommen haben, nämlich die Aufmerksamkeit der Menschen auf Gott und Jesus zu lenken, stellt kein Privileg für wenige dar. Im Grunde ist er ein Auftrag an alle, die "Christen" heißen. Um anderen auch nur einen Augenblick lang den Himmel zu öffnen, muss man kein Ski-Springer sein. Dazu genügen ein gutes Herz und viele gute Taten.

Hermann Schulze-Berndt


Der Griff zum richtigen Wachs
Auch ich gehöre inzwischen zu jenen Menschen, die den Skilanglauf entdeckt haben. Zwar spät, aber dafür freue ich mich jetzt über jede Möglichkeit mit den Skiern an den Füßen über den Schnee durch Wälder, Täler, Wiesen oder über Gletscher hinweg zu gleiten. Was den Skilanglauf unter anderem so faszinierend macht, ist das intensive Erleben des eigenen Körpers und der Natur.

In diesem Winter hatte ich das Glück für ein paar Tage an einem Lehrgang der Nationalmannschaft der Behinderten teilzunehmen, die sich auf ihre Weltmeisterschaft vorzubereiten hatten. Neben dem intensiven Training gehörte auch das allabendliche Wachsen der Skier zum täglichen Programm. Und mit dem Wachsen nehmen es die Sportler ganz genau. Die gute Vorbereitung der Skier kann im Wettkampf eine entscheidende Rolle spielen. Das richtige Wachs für den Schnee und die betreffenden Temperaturen erhöht die Gleitfähigkeit der Skier und damit die Schnelligkeit des Läufers. Der Griff zum falschen Wachs kann verheerend sein, denn dann gleitet der Skier nicht.

Eine gute Vorbereitung und die Wahl des richtigen Wachs – ein Erfolgsrezept für den Langläufer.

Eine gute Vorbereitung und der Griff zum richtigen Wachs – ein Hinweis für unseren Lebenslauf. Immer wieder stehen wir in unserem Leben vor Situationen, die eine Entscheidung erfordern. Immer wieder gilt es Herausforderungen anzunehmen. Immer wieder wird auch unser Durchhaltevermögen als Christen angefragt. Immer wieder ist unser Zeugnis für eine bessere, friedvolle Welt von Nöten.

Der Griff zu den richtigen "Mitteln", Wegen, Handlungen oder Worten kann uns schon einmal vor Probleme stellen. Das Schauen auf Jesu Handeln und Reden, auf seinen Umgang mit den Menschen, auf seine Offenheit und sein Beispiel kann sich zum richtigen Griff erweisen, damit unser Lebenslauf gelingt, damit wir in den Herausforderungen des Lebens richtig entscheiden. Ich glaube daran. Wenn ich mein Leben am Leben Jesu spiegle, mir Gedanken darüber mache, wie Jesus in einer solchen Situation handeln würde, dann kann ich eigentlich nicht "verwachsen".

Michael Kühn


Der Papierform nach...
Wir kennen das von manchen Pokalbegegnungen: Da treten zwei Mannschaften gegeneinander an, die aus ganz unterschiedlichen Spielklassen kommen. Nach der Papierform, d.h. nach den auf dem Papier festgehaltenen früheren Leistungen steht der Ausgang des Spiels im Grunde fest. Man diskutiert vielleicht noch über die Höhe des Ergebnisses. Und meistens verlässt die favorisierte Mannschaft wie erwartet als Sieger den Platz.

Aber es gibt auch Spiele, wo ein so genannter "Kleiner" einem "Großen" ein Bein stellt. Die favorisierte Mannschaft erwischt nicht ihren besten Tag, der unterklassige Gegner wächst über sich hinaus, die Sensation ist perfekt. Gut, dass es eben nicht immer nur nach der Papierform geht.

Solche Siege eines "Kleinen" über einen "Großen" bleiben natürlich die Ausnahme. Und damit ist der Sport ein Spiegelbild dessen, was auch für andere Lebensbereiche gilt. Wer gesund, reich, erfolgreich ist, zählt in unserer Gesellschaft gemeinhin zu den "Gewinnern". Kranke, Behinderte, sozial Schwache gehören zu den "Verlierern".

Eine andere Bewertung würde sich ergeben, wenn wir die Dinge auf der Grundlage biblischer Aussagen betrachten. Geradezu sprichwörtlich geworden ist der Sieg des David über Goliath. Der Riese Goliath, der, mit Schwert und Speer bewaffnet, ganz auf seine eigenen Kräfte vertraut, unterliegt dem Jüngling David, welcher, nur mit Schleuder und fünf Steinen ausgerüstet, im Namen Gottes in den Kampf zieht (vgl.1 Sam 17).

Ähnliche Umkehrungen der "normalen" Kräfteverhältnisse belegen auch andere Schriftstellen. So sind es nicht die Mächtigen des Landes, sondern einfache Hirten, die in dem Kind in der Krippe den Sohn Gottes zu erkennen vermögen (vgl. MK 2). Und in der Bergpredigt verheißt Jesus das Heil nicht den Erfolgreichen und Rücksichtslosen, sondern denen, die für Gerechtigkeit eintreten und Frieden stiften (vgl. Mt 5, Mt 5,1-12). Bei Gott werden die Mächtigen vom Thron gestürzt und die Niedrigen erhöht (vgl. Lk 1,52). Er hat das Schwache erwählt, um das Starke zuschanden zu machen (vgl. 1 Kor 1,27).

Wenn wir bei einem sportlichen Wettkampf dem von der Papierform her Schwächeren die Daumen drücken und uns über einen Sieg eines Außenseiters freuen, dann deutet sich hier etwas an, was im Licht des Glaubens betrachtet Wirklichkeit wird: Bei Gott haben die von der "Papierform" her Unterlegenen gute Gewinnchancen.

Herbert Scholl


Manche Menschen wissen nicht,
wie wichtig es ist,
dass sie einfach da sind.
Manche Menschen wissen nicht,
wie gut es tut,
sie nur zu sehen.
Manche Menschen wissen nicht,
wie tröstlich ihr gütiges Lächeln wirkt.
Manche Menschen wissen nicht,
wie wohltuend ihre Nähe ist.
Manche Menschen wissen nicht,
wie viel ärmer wir ohne sie wären.
Manche Menschen wissen nicht,
dass sie ein Geschenk
des Himmels sind.
Sie wüssten es,
würden wir es ihnen sagen!


"Articolo religioso"
"Articoli religiosi" zeigt eine Leuchtschrift über einem Laden in Rom an, der unweit des Petersplatzes in einer Seitenstraße liegt. Unter der Leuchtschrift hängen Fußballtrikots von Inter, Lazio Rom, Bayern München...

"Articoli religiosi": wie wahr: in diesen Tagen sind solche "religiösen Artikel" bei der Fußball-Europameisterschaft in unseren Nachbarländern Belgien und den Niederlanden zu sehen wie überhaupt bei großen Fußball-Ereignissen.

Viele fühlen sich wohl im Stadion, genießen die Atmosphäre, den Ablauf von quasi-religiösen Riten:

Musik aus den Stadion-Lautsprechern und Informationen auf der Anzeigentafel,
der Dialog Stadionsprecher und Fans bei Bekanntgabe der Aufstellung:

Nr. 1 - Oliver....
Nr. 2 - Markus....
Nr. 3 -  ......

unter Jubel erscheinen die Spieler in ihren Trikots, die vor allem nach erfolgreichem Spiel begehrt sind wie im Mittelalter die Reliquien,
die musikalische Fanfare unmittelbar nach dem Tor,
wieder der Dialog Sprecher – Zuschauer:
Deutschland....eins, England....null – Danke – Bitte!"
die Gesänge der Fans,
die oft ritualisierten Freudentänze der Spieler,
der Schiedsrichter als Wächter der Regeln, als "Zeremonienmeister".


Ein Fußballspiel wird oft zum Event: bei aller Gegnerschaft zweier Mannschaften, der Fans und der Konkurrenz der Medien bringen sich alle ein in das Geschehen: mitunter unterschiedlich erfolgreich, mitunter mit unfairen Mitteln auf dem Platz, den Rängen und der Tribüne, auch mit verschiedenen Konsequenzen. Aber eines ist das entscheidende: das runde, weiße Leder. Das ist der Mittelpunkt, das Objekt der Begierde, der eigentliche "articolo religioso". Der Ball – er verbindet alle, auch wenn mitunter der gegenteilige Eindruck – "Der Ball trennt" – vordergründig entsteht. Der ist Mittelpunkt, ist Brennpunkt, ist Focus. Es ist erstaunlich, wenn sich die unterschiedlichsten Menschen und Interessen so "fokussieren" lassen, wenn ein Gegenstand eine derartige Faszination besitzt und ausübt, wenn das "runde Leder" die Rollen Tausender, ja von Millionen Menschen festlegt.

"Brannte uns nicht das Herz, als er mit uns unterwegs war?" (Lk 24,32). Diese Frage der beiden Emmaus-Jünger kommt mir dabei in den Sinn: der Auferstandene, Jesus Christus kann in Menschen "fokussieren", kann Herzen, kann den Menschen faszinieren, kann seine Rolle im Leben bestimmen.

Zusammenkommen, miteinander in den Dialog kommen, miteinander Lieder singen – weil mich Christus fasziniert, weil er mein "articolo religioso" ist. In dem römischen Laden gab es daher auch anderes zu kaufen als Trikots: Kreuze, Rosenkränze, Pilger-Gebetbücher....

90 Minuten dauert ein Match im Fußball, bei der Europameisterschaft vielleicht manchmal wegen einer Verlängerung eine halbe Stunde länger; Vorfreude und Siegesfeier, An- und Abmarsch sind auch noch anzurechnen. Aber irgendwann ist jedes Spiel zu Ende.

Wie lange die beiden Emmaus-Jünger mit Christus gesprochen und gegessen haben, ist nicht bekannt, wie lange sie gebraucht haben, um nach Emmaus und dann auch wieder nach Jerusalem zu kommen, wird nicht gesagt. Eines aber gilt: das Spiel fing damals an und es ist bis heute – Gott sei Dank und hoffentlich – noch nicht zu Ende.

P. Dominik Kitta OPraem


König Fußball
"Endlich! Endlich bin ich fertig!", denke ich, als ich in der Fabrik verpackt werde. "Bald bin ich im Geschäft und bei meiner Schönheit, meinem dezenten Aussehen kann es nicht lange dauern, bis mich jemand kauft. An mir kann man doch nicht vorbei gehen."

Und wirklich! Kaum liege ich im Regal, höre ich einen Kunden. "Dort der zweite von rechts, in der mittleren Reihe – der ist genau der richtige für uns." Und schon spüre ich seine Hände: zart und liebevoll fahren sie über mich. Ich werde in die Höhe geworfen: das macht Spaß! Doch dann "Aua!" Was war das, hat der mich etwa getreten? Ich habe ihm doch gar nichts getan? Das war bestimmt ein Versehen! "Den nehme ich. Am nächsten Sonntag werden wir ihn gut brauchen können." "Klar", bestätige ich mir schnell, "ich bin wichtig für jeden. Gebrauchen, ja gebrauchen kann man mich. Aber noch viel mehr, man muss mich einfach mögen." Und schon verschwinde ich im Dunkeln und ab geht’s. "Komisch ist das hier" und ein seltsames Gefühl befällt mich. "Dunkel ist es hier. Und kalt. Auch riecht’s recht streng." So etwas habe ich noch nicht erlebt. "Wo ist bloß dieser Mann, der mich gestreichelt hat. Der mich wollte. Am Sonntag braucht er mich."

"Langsam wird’s aber Zeit." Kaum schießt mir dieser Gedanke durch den Kopf, als ein grelles Licht mich blendet und ohrenbetäubender Lärm mich zu verunsichern beginnt. Dutzende von aufgeregten Stimmen sind zu hören, alle scheinen gleichzeitig miteinander zu reden. "Aber mit mir, mit mir – da redet niemand!" Mir wird noch kälter.

Dann werde ich von dem Mann genommen. Er hält mich fest unter seinem Arm geklemmt. Es drückt, aber es tut nicht weh. "Er braucht mich ja", tröste ich mich. Und plötzlich bin ich draußen, die Sonne wärmt mich auf. Ich liege sehr weich. Die anderen Menschen jubeln, als sie mich in meiner faszinierenden Schönheit sehen. "Das ist ein Empfang. Wie einen König empfangen sie mich. Die brauchen mich." Doch dann treten sie mich. Überall hin. Es tut weh. Die wollen ihren Spaß haben: denn je mehr sie mich treten, um so lauter jubeln die anderen. "Können die sich nicht denken, dass es meiner Schönheit alles andere als gut tut wenn sie mich traktieren", beschwere ich mich lautlos.

"Was ist jetzt? Wo ist der weiche Untergrund? Die brauchen mich doch? Oder?" Denn ich finde mich im Arm eines kleinen Jungen wieder. Er hält mich fest; würdigt mich aber keines Blickes, geschweige denn, dass er mich zärtlich streicheln würde – wie damals der Mann. Noch ein paar Minuten bin ich an der frischen Luft, dann finde ich mich in diesem muffigen Schrank wieder. Alles tut mir weh, keiner kümmert sich darum, dass ich Verletzungen habe. Niemand tröstet mich. Überhaupt ist es sehr still um mich herum, der Geräuschpegel ist auch deutlich niedriger.

Ich verstehe das alles nicht, "König Fußball!" haben sie mich in der Fabrik genannt. Umgegangen sind sie mit mir jedoch – wie mit einem Menschen!

P. Dominik Kitta OPraem


Sommerpause
Während die eine Gruppe von Athletinnen und Athleten zur Zeit schwitzen, trainieren und Wettkämpfe bestreiten, um sich z.B. für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, rollt und fliegt der Ball in vielen Mannschaftssportarten zur Zeit nicht. Die Saison hat in vielen Klassen noch nicht begonnen. Der Ball ruht. Es ist Sommerpause.

Manchem Fußballfan mag die Sommerpause wie eine lange Fastenzeit vorkommen. Keine Spiele am Wochenende. Keine Abwechslung vom Alltag. Kein Mitfiebern. Keine Aufregung. Und dennoch. Es ist gut, dass der Ball einmal ruht. Denn wenn der Ball nicht rollt oder fliegt, wenn der Sport einmal Pause macht, kommen andere Elemente des Lebens wieder ins Bewusstsein.

Endlich einmal kein Spiel am Wochenende. So braucht auch die Familie nicht mehr Rücksicht auf den Spielplan zu nehmen. Ein paar Wochen ohne Training direkt nach der Arbeit. Da kann es der einzelne etwas langsamer angehen lassen und neue Kräfte nach einer anstrengenden Saison sammeln. Die Sommerpause bringt also etwas nicht nur für den Profisportler, sondern für jeden Sportler, jede Sportlerin, egal auf welchem Niveau. Deshalb freut sich auch der eine oder die andere über die Sommerpause.

Pausen sind nicht zu unterschätzen, denn sie schenken uns Menschen einen Moment Zeit. Zeit, um Kräfte zu sammeln; Zeit zur Erholung; Zeit zum Atemholen; Zeit zum Ausspannen; Zeit zur Ruhe; Zeit zur Besinnung.

In der Umtriebigkeit des Alltags machen nämlich viele Menschen die Erfahrung, dass vieles, zu vieles auf sie einstürzt; dass sie in vielen Bereichen gefordert sind und dass sie sich in vielen Aktivitäten verlieren oder zerstückeln. Mal hier, mal dort. Überall und nirgends.

Deshalb brauchen wir immer wieder Pausen, damit wir uns eben nicht verlieren. Deshalb brauchen wir Zeiten, in denen wir uns sammeln und alles einholen, was wir erlebt und erfahren haben. Deshalb brauchen wir Zeiten, in denen wir zu uns kommen und Kräfte für die anstehenden Aufgaben sammeln.

"Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt, ich werde euch Ruhe verschaffen." (Mt 11, 28)

Eine Einladung Jesu ebenfalls einmal Pause zu machen. Das Besondere an dieser Pause ist, dass es eine Pause mit Jesus und bei ihm sein soll. Mit Jesus Atem holen, bei Jesus ausruhen, sich bei ihm stärken. Eigentlich etwas Selbstverständliches für den, der aus dem Glauben, der aus der persönlichen Beziehung mit Jesus lebt.

Also, machen wir mal Pause! Und danach geht’s weiter, frisch, mutig, erholt, auf ein Neues. Wie nach der Sommerpause, wenn der Ball wieder rollt und fliegt.

Michael Kühn


Nimm dir Zeit zu spielen
das ist das Geheimnis ewiger Jugend.

Nimm dir Zeit zu denken –
das ist die Quelle der Macht.

Nimm dir Zeit zu arbeiten –
das ist der Preis des Erfolgs.


Nimm dir Zeit zu lesen –
das ist die Grundlage der Weisheit.

Nimm dir Zeit, freundlich zu sein –
das ist der Weg zum Glück.

Nimm dir Zeit zu träumen –
das trägt dein Gefährt zu den Sternen.

Nimm dir Zeit, dich umzusehen –
der Tag ist zu kurz, um selbstsüchtig zu sein.

Nimm dir Zeit zu lachen –
das ist die Musik der Seele.


Gefunden in der Bibliothek von
P.Norbert Shadegh, SVD, Bali



Vom Applaus getragen
Es ist schon ein Wahnsinnsgefühl. Du bist im Wettkampf. Du strengst dich an. Und, es läuft gut. Du nimmst den Applaus von den Rängen, von den Zuschauern wahr, der dir entgegenkommt. Du wirst angefeuert. Der Applaus unterstützt. Eine solche Anfeuerung setzt noch einmal Kräfte frei. Kräfte für den Endspurt oder den entscheidenden Moment. Es ist, als ob der Applaus trägt, wie eine Woge, die dich weiter trägt, die dich mitreißt, dem Ziel entgegen.

Der Applaus der Zuschauer ist nicht nur das Brot des Künstlers, sondern auch das des Sportlers, der Sportlerin. Anfeuerung und Applaus tun einfach gut.

Vom Applaus getragen – doch leider verhallt der Applaus und im Alltag schlägt mir kaum Applaus entgegen. Was reißt mich dann mit? Was trägt mich dann? Was trägt mich dann vorwärts zum Ziel?

Mein Wille, meine Einstellung, mein Freund, meine Freundin, meine Familie, mein Trainer?

Es tut gut Menschen um sich zu haben, die mein Leben mittragen, besonders in den Momenten, in denen ich kaum mehr vorwärts komme, in denen mir selbst die Kraft fehlt.

Was trägt mich? Vielleicht auch mein Glaube. Der Glaube, der mir sagt, dass Gott mir applaudiert, weil er "ja" zu mir als Mensch, als Sportler, Sportlerin sagt. Dieser Gott, der mir applaudiert, wenn ich aus mir das Beste und das Gute heraushole, auch wenn es nicht immer zum Sieg im Sport, im Alltag reicht.

Dieser Gott, der nahe ist, gerade dann, wenn ich Kraft brauche und der Orientierung schenkt durch sein Wort.

Dieser Gott trägt. Und das ist auch gut.

Michael Kühn


Für wen läufst du?
In der Stadt Ropschitz wohnen die reichen Leute einsam am Rande der Stadt. Sie bestellen Männer zum Schutz gegen Diebe. In dieser Stadt Wohnt auch Rabbi Naphtali.

Er geht eines Tages am Rand des Waldes spazieren. Dabei stößt er auf einen solchen Wächter auf seinem Patrouillengang. "Für wen gehst du?" fragt er den Wächter. Der gibt ihm Bescheid, stellt jedoch die Gegenfrage: "Und für wen geht ihr, Rabbi?"

Das Wort trifft den Rabbi wie ein Pfeil.

"Noch gehe ich für niemand," bringt er mühsam hervor und geht lange schweigend zusammen mit dem Wächter auf und ab. Schließlich fragt der Rabbi unvermittelt: "Willst du mein Diener sein?"

"Das will ich gern", erwidert der Wächter, "aber was ist meine Aufgabe, was habe ich zu tun?" "Mich zu erinnern", sagt Rabbi Naphtali und geht heim.

Für wen läufst du? Für wen wirfst du? Für wen spielst du?

Wenn diese Frage ein Reporter sofort nach dem Wettkampf stellen würde, würden die Sportler verdutzt drein schauen. Nach einem Moment des Nachdenkens aber würden ihnen sicherlich einige Antworten einfallen: Für mich, für meine Anerkennung, für mein Selbstwertgefühl, für mein Land, für den Erfolg, für Geld.

Für wen läufst du? Für wen betreibst du deinen Sport? Diese Frage holt aus der Selbstverständlichkeit heraus und provoziert zum Nachdenken über den Sinn des eigenen Tuns. Was ist denn wirklich mein Ziel?

"Wer nicht weiß wo er hin will, braucht sich nicht zu wundern, wenn er dort heraus kommt, wo er eigentlich nicht hinwollte".

Nichts ist schlimmer als kein Ziel mehr vor Augen zu haben. Nichts ist schlimmer, als wenn alles sinnlos erscheint. Es ist gut, wenn der Sport mit Freude, Selbstentfaltung, Selbsterfahrung, mit positiven Erlebnissen, persönlicher und menschlicher Reife verbunden ist.

Für wen läufst du? Auch mein Lebensweg hat erst Sinn, wenn ich Ziele vor Augen habe. Kann auf diese Frage meines Lebens die Antwort nicht heißen: Ich laufe für eine bessere Welt, für eine Idee von einem menschlichen Leben, wie Jesus sie verkündet hat. Bei dieser Art von Laufen können wir die Welt um uns herum gestalten und Wege entdecken: Wege der Menschlichkeit, Wege zum Licht durch die Nacht, Wege der Liebe und des Friedens, Wege auf denen die Freude aufblüht, wie ein Regenbogen, Wege auf denen Gott mitgeht.

Ich laufe dafür. Ich bin froh, wenn einer mitläuft. Läufst du mit?

Michael Kühn


Wie ein Drachen
Viele nutzen den Herbst mit seinen stürmischen Winden gerne zum Drachensteigen. Manchmal sieht man schon Vorschulkinder, denen dann allerdings die Eltern zur Hand gehen müssen, meistens natürlich Jugendliche, aber auch Erwachsene mit ihren Drachen.

Drachen zeigen sich in unterschiedlichster Farbe, Form und Größe; manchmal sind mehrere Teile kunstvoll hintereinander angeordnet. Viele einfache Drachen sind vom Piloten, d.h. demjenigen, der sie fliegen lässt, mit einer Hand zu halten; große Drachen sind bei starkem Wind nur noch zu bändigen, wenn man sich rücklings auf den Boden legt.

Es ist faszinierend, dem Flugverhalten eines Drachens eine Weile zuzusehen. Steht er gerade noch ruhig am Himmel, so wird er plötzlich von einer Windböe erfasst, fliegt weite Schleifen, berührt dabei fast den Boden, um sofort danach wieder ruhig am Himmel zu stehen. Hier kommt es sehr auf das Geschick des Piloten an, den Drachen je nach Windverhältnissen durch wechselweises Ziehen und Nachgeben, dem so genannten "Pumpen", gut zu lenken.

Der Drachen im Wind – ein Bild für unser Leben:
Wie ein Drachen im Wind möchten wir uns frei bewegen und entfalten können.
Wie ein Drachen im Wind brauchen wir eine Hand, die uns hält und uns Orientierung verschafft.
Wie ein Drachen im Wind werfen uns die "Stürme unseres Lebens" manchmal hin und her.

Der im Wind vom Piloten gehaltene Drachen kann schließlich ein Bild sein für den Menschen, der sich von Gott gehalten weiß. Mit vielen Möglichkeiten und Freiheiten ausgestattet, dürfen wir uns im Glauben einem Gott anvertrauen, der die Verbindung zum Menschen nicht abreißen lässt. Die Leine, die den Drachen mit dem Piloten verbindet, wäre übertragen die Liebe, die uns mit Gott verbindet. Wenn wir uns von dieser Liebe "lenken" lassen, werden wir letztlich auch in den "Stürmen unseres Lebens" nicht "abstürzen".

Herbert Scholl


Die alte Stadionuhr
Ohne eine präzise Messung der Zeit können wir uns wohl alle unser Leben und damit auch den Sport nicht mehr vorstellen. Immer wieder sind wir auf genaue Zeitangaben angewiesen. Und was für unser Leben gilt, gilt ebenso für die Sporthalle oder das Stadion. Wir sind in gewisser Weise zu Zeitmenschen geworden.

Die zu Ende gegangenen Spiele in Sydney haben uns täglich gezeigt, wie wichtig präzise Zeitmessungen sind. In diesem Zusammenhang wundert es nicht, dass die alten Stadionuhren mit ihren großen Zeigern zunehmend von ihren digitalen Vettern mit Zeitsteuerung per Funksignal verdrängt werden. Hinzu kommt, dass eine digitale Tafel vielseitiger verwendbar ist.

Trotzdem bitte ich die gute alte Stadionuhr nochmals auf die Bühne, denn mit ihren Zeigern vermittelt sie uns eine Botschaft für unser Leben. Im Wort "Zeiger" steckt das Wort "zeigen". Da gibt es den Stunden-, den Minuten- und den Sekundenzeiger und alle drei zeigen auf ihre Weise auch auf den Betrachter. "Auch du bist gemeint", scheinen sie zu sagen.

Der Sekundenzeiger zeigt uns, wie schnell die Zeit vergeht und wie schnelllebig wir oft sind. Oft leben wir nur im Augenblick, aber auch der ist wichtig. Wie viele schnelle und kurze Begegnungen gibt es jeden Tag?

Der Minutenzeiger zeigt auf uns und sagt: "Mensch, lebe nicht nur aus dem Augenblick. Dein Leben braucht einen Rhythmus, braucht Zeit zum Verweilen können, braucht Zeit für Freundschaft und Gemeinschaft. Und dies geht nicht im Augenblick".

Im Hintergrund hält sich der Stundenzeiger – allein durch seine Größe. Seine Botschaft ist dezenter: "Mensch, deine Lebenszeit ist dir anvertraut". Oft erfahren wir das wirklich tragende unseres Lebens aus einer größeren Gesamtschau der Dinge. Wie vieles davon wird uns durch das Vorbild anderer mit auf den Weg gegeben, wie viel können wir selbst entdecken und einbringen.

Wenn wir als Christen in diesen Novembertagen an unsere Verstorbenen denken und für sie beten, dann wird uns auch vieles mit Hoffnung und Dankbarkeit erfüllen. Und vielleicht gibt es doch noch mehr alte "Stadionuhren" als wir denken und die uns einladen über unsere Lebenszeit nachzudenken.

Hans-Gerd Schütt


Weihnachten
– mehr als eine Ausstellung
Wer die Gelegenheit hatte, die Ausstellung "Der Ball ist rund" anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des DFB im Oberhausener Gasometer zu besuchen, der konnte bei vielen Fußballfans und Interessierten schöne Beobachtungen machen. Vor manchem Ausstellungsstück schienen sich Gesichter zu verändern und begannen Augen zu funkeln.

Dies kennen wir aus anderen Ausstellungen ebenso und bei so manchem Erinnerungsstück zu Hause könnte einem warm ums Herz werden.

Darum sei die Frage erlaubt, was da geschieht, wenn ein Gegenstand einen Betrachter verändert. Denn der gleiche Gegenstand kann einen anderen völlig cool lassen.

Es kommt ganz entscheidend auf die Augen des Betrachters an und seine innere Sicht der Dinge. Ein Gegenstand, z.B. ein Fanartikel, ein Originalticket, eine Eintrittskarte, eine Medaille usw. rufen in mir Erinnerungen wach, wecken Gefühle der Freude und der Faszination. Und dies ganz persönlich zunächst einmal bei mir.

Die Zeit des Advent und der Weihnacht sind für viele auch eine Zeit, die Gesichter verändern und wo Augen zu funkeln beginnen. Die Lichter in den Straßen und Häusern lassen Erinnerungen wach werden und Hoffnungen aufleben.

Weihnachten will jedoch mehr sein als eine Ausstellung. Dabei hat es fast wie eine solche angefangen. Als die Hirten und die Könige sich auf den Weg machten und die Krippe erreichten, staunten sie über das Bild, das sich ihnen zeigte. Sie begannen zu erahnen, dass sich Gott ihnen und der Welt darstellte. Und noch viele erahnten und erfuhren dies auf dem weiteren Weg dieses Kindes und für manche wurde es zur Gewissheit, die ihr Leben verändern sollte: Hier ist Gott Mensch geworden. Und diese Botschaft lebt weiter in der Menschheit. Darum ist Weihnachten mehr als eine Ausstellung.

Denn was ein Weiser des Alten Testaments einige hundert Jahre vorher ahnend ausgesprochen hat, gilt von diesem Kind:

Als tiefes Schweigen das ganze All umfing und als die Nacht in der Mitte hielt ihre Bahn, da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel hernieder auf die Erde......

Darum wünsche ich uns zur Weihnacht dieses Fest mit den Augen des Glaubens zu sehen. Nicht das es keine Erinnerung und Gefühle geben sollte. Sie sind wichtig und gehören dazu.

Aber die Augen des Glaubens lassen uns nicht wie in einer Ausstellung stehen bleiben und Vergangenes betrachten, sondern sie wollen uns auf den Weg des Glaubens führen, der in die Zukunft führt und die Botschaft der Weihnacht in uns weiterleben lässt.

Hans-Gerd Schütt


Wisst ihr nicht?...
"Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib".

(1. Korintherbrief 6, 19-20)

Herr, ich habe meinen Körper trainiert, ich bin fit für den Wettkampf. Meine persönliche Bestleistung will ich steigern, vielleicht schaffe ich es sogar, der Sieger zu sein. Das ist mein Ziel. – Ob ich es erreiche?

Da macht mich das Wort des heiligen Paulus stutzig: "Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist? .....Ihr gehört nicht euch selbst."

Ein merkwürdiger Gedanke, Herr, ich gehöre nicht mir selbst? Ich bin doch Ich. Aber es stimmt, ich habe mich nicht selbst gemacht. Meine Eltern haben mir das Leben geschenkt. Du hast mich durch sie gewollt – so wie ich bin – mit meinen körperlichen und seelischen Fähigkeiten, mit meinem sportlichen Können, - aber auch mit meinen Grenzen und Schwächen. Ja, ich bin mir geschenkt. Jetzt bin ich mir selbst in meine Verantwortung gegeben. Und ich darf mich ausprobieren – meine Fähigkeiten einsetzen – meinen Leib trainieren – bis an die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit gehen.

Herr, ich danke dir, dass ich meinen Leib erleben darf, dass ich gesunde Gliedmaßen habe, dass ich laufen, springen, schwimmen, mich bewegen kann. Es ist schön, meine Fähigkeiten und Grenzen zu erfahren.

Und du willst in mir wohnen, du der Geist Gottes, du, die Kraft und Liebe in mir. Du Geist, der die durch Furcht gelähmten Menschen in Bewegung brachte, du Geist, der Sprachlose zum Sprechen brachte, der Menschen zueinander führte und Verständnis füreinander schaffte, du Geist, der die mutlosen Jünger ermutigte.

Du Gottes Geist in mir, du hast viele Namen: Fairness, Mut zum Einsatz, Offenheit, Zivilcourage, Achtung vor dem Anderen, Wahrheit.

Ist das in mir lebendig, Herr? – Ist dein Geist in mir lebendig?

dein Geist der Fairness?
dein Geist der Achtung vor dem Wettkampfpartner?
dein Geist der Wahrheit, der mich abhält, unlautere Tricks und Mittel beim sportlichen Wettkampf einzusetzen?


Ich danke dir, Herr, dass du mir deinen Geist schenkst, der mich ermutigt, ein fairer Wettkampfpartner zu sein.

Aber da ist noch ein Satz, Herr, über den ich stolpere: "Verherrlicht Gott in eurem Leib." Wie kann das sein, dass du durch mich, durch und in meinem Leib verherrlicht wirst?

Dich verherrlichen doch die frommen Beter und die, die dir Loblieder singen in den Gottesdiensten – oder?

Ach ja, ich glaube, ich habe etwas übersehen: du hast meinen Leib geschaffen; er ist dein herrliches Werk, du hast ihn wunderbar erschaffen. Darum Herr, es macht mir Freude und es fordert mich heraus, wenn ich meinen Leib und meine körperlichen Kräfte trainiere und bei Spiel und Sport gebrauche, wenn ich mich mit anderen im Wettkampf messe, wenn ich Siege erringe durch meine Leistung, wenn ich mit Freude und Ausdauer Spiel und Sport treibe. Das, Herr, ehrt auch dich, dadurch verherrliche ich dich in meinem Leib, ich ahne etwas von deiner Größe und Schönheit.

Helmut Kusche


Bei Gott ist jeder ein Gewinner
Was haben Michael Schumacher, Nils Schumann und Heike Drechsler gemeinsam? Alle drei haben im letzten Jahr in ihrer Sportart gewonnen. Der erste in der Formel 1, die anderen beiden bei den Olympischen Spielen. Es ist schon interessant. An Gewinner erinnert sich jeder. Die Verlierer aber werden vergessen.

Eine kleine Begebenheit. Mein Neffe schmiss sich heulend auf sein Bett und war kaum zu beruhigen. Er hatte gerade beim Fußball spielen auf der Straße gegen seinen Bruder verloren. Verlieren ist hart. Verlieren kann ganz schön weh tun.

Im Sport geben wir alles, um zu gewinnen. Jeder Sieg ist gleichzeitig auch eine Bestätigung. Eine Bestätigung dafür, dass ich etwas besonders gut kann. Besser sogar als andere. Über einen Sieg darf ich mich freuen und stolz sein. Gewinnen tut gut.

Doch gewinnen ist keineswegs einfach und Siege fallen nicht vom Himmel. Vorher gehören viel Training, Fleiß, Ausdauer, Disziplin und Durchhaltevermögen dazu. Wer gewinnt, sollte aber nicht gleich abheben oder meinen, dass er ein besserer Mensch sei. Bei Siegen spielt oft der Moment und das Glück eine Rolle. Das Glück aber kann sich schnell wenden und beim nächsten Spiel oder Wettkampf ist ein anderer oder eine andere besser.

Ehrlich gesagt, meistens sind wir doch öfters Zweite als Erste oder Verlierer als Gewinner. Wenn ich im Sport verliere, dann ärgert mich das jedes Mal. Verlieren wurmt, verlieren ist einfach ärgerlich. "Verlieren will gelernt sein" Das sagt sich so einfach. Doch leicht ist es nicht. Die Schuld für Niederlagen aber bei anderen, dem fehlenden Glück zu suchen oder auf äußere Umstände zu schieben, ist unfair. Es gehört auch zum Sport, die Leistungen eines anderen anzuerkennen. Jede Niederlage aber kann Ansporn sein, es noch einmal zu versuchen und besser zu machen.

Gewinnen und verlieren, zwei Seiten des Sports. Gewinner und Verlierer, zwei Seiten im Menschenleben. Klar ist aber, auf welcher Seite wir lieber stehen.

"By God – all are winners" – "Bei Gott sind wir alle Gewinner".

Diesen Satz habe ich während der Olympischen Spiele in Sydney auf einem Plakat gelesen. Ein toller Satz und eine wichtige Erkenntnis. Bei Gott sind wir alle Gewinner, denn er will uns jeden Tag neu begegnen mit seiner Liebe. Und wenn wir uns dazu aufmachen, ihm zu begegnen, können wir nur gewinnen an Kraft, Orientierung und Geborgenheit. Wer sein Leben auf Gott setzt, gewinnt. Das Angebot Gottes gilt jedem, ohne Ausnahme. Egal ob groß oder klein, arm oder reich, alt oder jung, sportlich oder weniger sportlich, erfolgreich oder weniger erfolgreich.

Bei Gott sind wir alle Gewinner, wenn wir uns für das Gute entscheiden. Und anders als im Sport, darf dabei schon einmal etwas schief gehen, ohne dass er uns als Verlierer abhakt.

Mit Gott verlieren wir nicht. Mit Gott gewinnen wir das Leben.

Michael Kühn


Es liegt in eurer Hand
Es war einmal ein weiser Mann, der immer zur rechten Zeit die richtigen Ratschläge gab. Darum wurde er auch viel befragt und genoss großes Ansehen bei der Bevölkerung. Dies ärgerte die Oberen des Landes sehr und sie überlegten, wie sie dem weisen Mann eine Falle stellen könnten.

Nach langem Überlegen hatten sie eine Idee: Einer der ihren sollte mit einer Maus in der geschlossenen Hand vor den weisen Mann treten und ihn fragen, was er in der Hand verberge. Sollte der weise Mann wider erwarten die richtige Antwort geben, so könnte er durch die Zusatzfrage: - Ist das, was sich in der Hand befindet, lebend oder tot -– in die Falle gelockt werden. Lautete die Antwort tot, würde die Hand geöffnet mit der lebenden Maus. Lautete die Antwort lebend, könnte die Maus durch schnelles Zudrücken der Hand getötet werden.

Die Oberen gingen also zu dem weisen Mann und befragten ihn. Was ist in meiner Hand? Der weise Mann antwortete: "Eine Maus".

Ist das in meiner Hand lebend oder tot? Darauf antwortete der weise Mann: "Ob das, was in eurer Hand liegt, lebt oder tot ist, liegt in eurer Hand".

Es liegt in eurer Hand: In welcher Weise Tod und Zerstörung in der Hand von Menschen liegt, haben uns in einer brutalen Weise die Terroranschläge in den USA wieder vor Augen geführt. Durch die Hand von Menschen wurde unschuldiges Leben beendet und unsägliches Leid über viele Familien gebracht.

Sprachlos, betroffen und erschüttert haben wir die Bilder gesehen und die Nachrichten vernommen. Sprachlos und stumm suchen wir nach Erklärungen und spüren, wie Ängste in uns hochkommen. Denn es liegt wiederum in der Hand von Menschen, welche Konsequenzen folgen.

Die Ereignisse stellen uns immer wieder die Zerbrechlichkeit und Verwundbarkeit menschlichen Lebens und seine Grenzen vor Augen. Dennoch, es ist nicht angesagt in einer Lähmung zu verharren, denn dann hätten die lebensfeindlichen Kräfte gesiegt, dann behielte der Tod das letzte Wort.

Unser Glaube aber blickt in aller Sinnlosigkeit und Erschütterung weiter, weil er auf Gott verweist, der dem Tod und der Sinnlosigkeit letztlich seine Liebe und Nähe entgegenstellt und die Hoffnung auf die Auferstehung.

Es liegt in unserer Hand, was wir aus diesen Ereignissen mitnehmen. Es liegt in unserer Hand, ob wir zu einer lebenswerten Welt beitragen, in der Terror, Gewalt, Hass und Menschenverachtung keinen Platz haben.

Es liegt in unserer Hand, auch in unseren Vereinen. Es liegt in unserer Hand welche Geisteshaltung wir mit tragen oder fördern. Es liegt in unserer Hand, ob wir uns für einen menschlichen Umgang einsetzen, der keine Ausgrenzung oder Benachteiligung, Missachtung, Rassismus oder Gewalt aufkommen lässt. Denn diese sind Bausteine für Hass.

Es liegt an uns, ob Worte wie Respekt, Menschenwürde, friedliches Zusammenleben nur leere Worthülsen sind, oder ob sie mit Leben gefüllt werden.

Es liegt an uns, ob wir uns im Sport dafür einsetzen. Denn automatisch passiert nichts.

Sicherlich, wir, unsere Vereine und der Sport verändern nicht die große Welt. Aber es liegt an uns, ob wir unsere Umgebung und unsere kleine Welt verändern. Jeder kleine Schritt ist ein Schritt. Und wer weiß, was passiert, wenn alle mitmachen!

Es liegt viel mehr an uns, als wir glauben. Denn dafür hat Gott uns unsere Fähigkeiten geschenkt.

Michael Kühn


Wahre Größe
In allen Lebensbereichen gibt es Männer und Frauen, die sich aufgrund ihrer Leistungen, Künste oder Stellung einen Namen gemacht haben. So spricht man beispielsweise auch von so genannten Sportgrößen, von denen einer sogar behauptete: "Ich bin der Größte!" Das war der amerikanische Boxweltmeister Cassius Clay, der sich später Muhammad Ali nannte. Im Volk bezeichnete man ihn auch als das Großmaul. Aber: Steckt dieses Groß-sein-Wollen nicht auch in uns? Jeder möchte doch gerne gut dastehen; vor sich selber, vor anderen und auch vor Gott! Davon ist wohl niemand ganz frei. Doch wie ist wahre menschliche Größe messbar?

Gerade aus dem Sport stammt auch ein ganz anderes Beispiel von "Größe": Vor Jahren war es, bei der berühmten "Tour de France", dem größten Radrennen der Welt. Der Rennfahrer Forestier, Liebling der Franzosen, lag in Führung weit an der Spitze des Teilnehmerfeldes. Er war damit der heißeste Anwärter auf das "Gelbe Trikot" des Spitzenreiters. Nur einer, nämlich der Italiener Ricardo, machte ihm ernsthaft Konkurrenz. Und genau der überholte ihn bei einer Abfahrt! Doch plötzlich waren Mann und Rad verschwunden; wie vom Erdboden verschluckt. Der Italiener war von der Straße abgekommen und einen Abhang hinuntergestürzt. Was keiner mitbekommen hatte, nur Forestier. Der zögerte kurz, bremste dann ab, stieg vom Rad und kroch den Abhang hinunter. Mit großer Mühe schleppte er den verunglückten Konkurrenten hinauf auf den Straßenrand, wo ihn bald Sanitäter versorgten. Forestier selbst hatte kostbare Minuten verloren – und damit den sicheren Sieg! Doch als der kleine Franzose weit hinter dem Ersten über die Ziellinie fuhr, toste ein nicht enden wollender Beifall der Zuschauer auf. Hier war der Besiegte der eigentliche Sieger. Oder wie Jesus, unser größtes Beispiel, es nennt: Der Diener war der Größte! Denn vor Gott ist nur derjenige groß, der sich selbst zurücknimmt, um sich ganz für andere einzusetzen.

Bei der Tour de France ist es wie im "richtigen Leben": Ein Gewinner muss nicht automatisch auch der "Größte" sein.

Karl H. Gries (aus: Paulinus)


Auffangnetze
Maschendraht hinter Fußballtoren, ganze Fronten und gewaltig in den Ausmaßen – ein Bild, das viele Sportplätze prägt. Sie sind nicht besonders schön anzusehen, kosten den Sportverein viel Geld und bedürfen von Zeit zu Zeit einer arbeitsaufwendigen Wartung. Die Fertigung ist einfach, der Zweck verständlich: Die Zäune sollen Bälle, die über das Tor fliegen, aufhalten – auffangen.

Lohnt es überhaupt, über Maschendrahtzäune nachzudenken? Ihre Bedeutung ist doch im Vergleich mit dem Spielgerät "Ball" oder dem Einrichtungsgegenstand "Tor" eher gering!

Oft sind es aber nebensächliche und gering scheinende Dinge, die bei näherer Betrachtung an Wert gewinnen. So auch das Auffangnetz hinter einem Tor, seine Funktion ist vielfältig und umfassend. Es trägt nicht nur dazu bei, den Ball aufzuhalten, es hilft auch mit, Zeit zu gewinnen, Zeit, das dem Spiel insgesamt und der Bewegung des einzelnen Sportlers zugute kommt. Das Auffangnetz führt also zum Wesentlichen, nämlich das Spiel in Fluss halten. Es erhöht die Spielfreude und eröffnet Chancen. Braucht der Sport nicht auch an anderen Stellen als hinter Toren "Auffangnetze", die verhindern können, dass er sich vom Wesentlichen entfernt? Wären nicht auch den Sportlern oftmals "Auffangnetze" recht, wenn sie einen Elfmeter verschossen haben, selbst nicht die normale Leistung bringen oder vor einer entscheidenden Niederlage stehen? Und – sucht nicht jeder Mensch im Alltag, im Beruf oder in der Familie immer wieder einmal nach "Auffangnetzen", wenn er das Gefühl hat, "Torauslinien" zu überschreiten?

Maschendrähte freilich können dann nicht weiter helfen. Der Sportler braucht das Verständnis der Mitspieler und die Ermutigung des Trainers, er braucht die Anfeuerung der Zuschauer und eine Vorstandschaft, die fair bewertet und neue Chancen gibt. Auch der Sport bedarf geeigneter "Auffangnetze", etwa in Regeln und Übereinkünften, die den Spielgedanken des Sportes schützen, die Kommerzialisierung verhindern oder den Gesundheitswert der Bewegung erhalten.

Und der Mensch an sich – wer eigentlich vermag ihn aufzufangen? – Halt gibt die Orientierung an ethischen Grundsätzen, Unterstützung gibt der Mitbruder und die Mitschwester. Darüber hinaus ist es "der logos", der trägt, wenn menschliche Kräfte nicht mehr ausreichen, das Spiel des Lebens in Fluss und im Gleichgewicht zu halten.

Regeln und Grundsätze, Mitspieler und Mitmenschen aber bedürfen immer auch der Wartung. Nichts anderes erwartet auch der Schöpfergott. Auffangnetze und ihre Pflege sind notwendig, dies gilt für den Bereich des Sports ebenso wie für das Spiel des Lebens.

Karl Grün


Jeder Mensch braucht einen Brunnen

Jeder Mensch braucht einen Brunnen,
aus dem er schöpfen kann,
eine heilsame Quelle,
die nie versiegen kann.

Diese Welt braucht eine Sehnsucht,
die Herzen füllen kann,
eine reichliche Hoffnung,
die tief bewegen kann.

Unser Gott schenkt, was wir brauchen,
durch seinen starken Geist.
Er wirkt tägliche Wunder,
indem er Hoffnung speist.

Gottes Sohn kämpft für die Liebe,
für Frieden in der Welt.
Wer das glaubt, wird gerettet,
weil Gott dann zu ihm hält.

Hermann Schulze-Berndt


Begegnung braucht Bewegung
Punktspiel. Wie jeden Samstag. Die Mannschaften gehen auf das Spielfeld. Begrüßen sich höflich. Das Spiel beginnt. Am Ende wieder shake hands. Die Spieler oder Spielerinnen verschwinden in den Umkleideräumen. Und das nennen wir Spielbegegnung.

Acht Athletinnen auf der Bahn. Der Startschuss fällt. Jede rennt ihr Rennen. Zieleinlauf. Ein kurzer Blick auf die Zeiten. Ein kurzer Händedruck für die Mitläuferinnen. Dann zurück zum Auslaufen.

Merkwürdige Begegnungen. Wirklich menschliche Begegnungen?

Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr begegnen sich Millionen von Menschen auf den Sportplätzen und in den Hallen. Menschen, die sich meistens fremd sind und eigentlich auch nach dem Wettkampf fremd bleiben, obwohl sie doch, zumindest für einen kurzen Moment, das Leben, ihr Leben, teilen und diesen Moment gemeinsam leben und erleben.

Wer ist eigentlich der Mensch, mit dem ich Sport treibe? Was bewegt ihn? Diese Frage können wir wohl manchmal nur im Hinblick auf die eigenen Mannschaftskameraden oder die eigenen Trainingspartner und –partnerinnen beantworten. Vielleicht oft sogar noch nicht einmal in diesem Fall.

Wer ist eigentlich dieser Mensch? Ist es nicht schade, wenn ich bei dieser Frage kapitulieren muss? Wir leben mit Menschen zusammen, wir teilen mit ihnen im Sport Gemeinsamkeiten, Leidenschaften, Freuden und Erfolge und wissen oft gar nicht, wer sie sind.

Begegnungen sind Chancen. Begegnungen sind Bereicherungen. Begegnungen schaffen Beziehungen. Begegnungen ermöglichen Freundschaften. In jeder Begegnung überwinde ich Grenzen, überwinde ich mich selbst. Ohne Begegnungen würde jeder von uns isoliert leben. Viele Begegnungen sind oft leider zu oberflächlich, wie das alltägliche Aneinander-vorbeigehen. Erst, wenn ich den anderen Menschen wirklich wahrnehme, mich ihm zuwende, mich für ihn interessiere, erreicht die Begegnung eine ungeahnte Tiefe.

Begegnung braucht Bewegung. Die Bewegung aufeinander zu, die Bewegung heraus aus der Oberflächlichkeit, aus dem Desinteresse. Die Bewegung einmal über seinen eigenen Schatten zu springen.

Wie wäre es, wenn wir uns in unserem Verein mehr füreinander interessieren würden? Wenn wir die Chancen der Begegnung nutzen würden, die sich ergeben? Auf diese Weise wird der Verein Heimat und erhält ein menschliches Angesicht. Auf diese Weise wird der oder die, die mit mir spielt, rennt, trainiert mehr als ein Trainingspartner. Auf diese Weise wird er oder sie für mich Mensch. Ein Mensch, an den ich mich halten kann.

Welche Tiefe Begegnungen erreichen können, davon erzählt immer wieder die Bibel. Jedes Mal wenn Jesus sich auf die Menschen zu bewegt, entsteht etwas großartiges: Gemeinschaft, Freundschaft, menschliche Beziehung. Jede Begegnung mit ihm bewegt die Menschen. Lassen wir uns von seinem Geist bewegen und begeistern, damit wir uns bewegt auf den Weg machen, Menschen in unserem Leben und im Sport zu begegnen, damit Großes entsteht.

"Wichtig im Leben ist die Begegnung. Wir sehen einander in die Augen; wir tauschen unsere Erfahrungen aus. Das ist für mich von größter Bedeutung. Der Sinn des eigenen Lebens wird mir klarer, wenn ich dem Leben anderer Menschen begegne. In solchem Begegnen liegt Freude". (M.A. Thomas)

Michael Kühn


Ist Gott ein Bayer?
Es geschehen doch noch Zeichen und Wunder. Das dramatische Finale der Fußballsaison reichte aus für eine Renaissance der Götter. Zumindest der "Fußballgott" hatte Hochkonjunktur. Während die einen ihm huldigten: "Gott ist ein Bayer" (Münchener Abendzeitung) oder um seinen Beistand flehten: "Fußballgott zieh die Lederhosen an!" (Bildzeitung), kehrten sich die anderen von ihm ab: "Ich glaube nicht mehr an den Fußballgott!" (Rudi Assauer).

Das Ende einer Saison schien in den Händen eines Gottes zu liegen, der nach Lust und Laune seine Gunst verteilte. Einfach so, wie er will und dabei nicht nach verdient oder unverdient, sympathisch oder weniger sympathisch oder nach der Meinung des Fußballvolkes fragt. Wer gewinnen will, muss sich also die Gunst dieses Fußballgottes sichern. Haben etwa die Schalker Anhänger zu wenig Kerzen angezündet?

Sieg und Niederlage, der Mensch, der Sport als Spielball der Götter. Das würde ja bedeuten, dass im Sport nur die Sportler, Sportlerinnen oder die Mannschaft gewinnt, die fromm sind, die am meisten beten, die so eine Art "Religio-Doping" praktizieren.

Vielleicht ist es doch ratsam, mit religiöser Sprache und religiösen Vorstellungen im Sport behutsam umzugehen, um nicht bei solchen Vorstellungen zu landen.

Über Sieg und Niederlage entscheidet nicht Gott, sondern die Leistung, die Form des einzelnen Sportlers, der einzelnen Sportlerin. Und genau diese Leistung wird geschmälert, wenn sie einem "Gott" in die Schuhe geschoben wird. Es ist und bleibt die Leistung des Menschen im Sport, die wir bewundern. Es sind seine Fähigkeiten und Möglichkeiten, seine Kreativität und Eleganz, die sich im Sport zeigen.

In den Ausgang eines Wettkampfes mischt sich, zumindest nach christlichem Verständnis, Gott nicht ein, denn dann würde das Spannende und Fesselnde sportlicher Wettkämpfe verschwinden, das doch gerade darin besteht, dass ihr Ausgang trotz allem Training und aller Vorbereitung letztlich nicht vorhersehbar ist.

Im Sport gibt es viele gläubige Christen, die sich und ihre Sportlerkarriere unter den Schutz Gottes stellen. Aber dieser Glaube ist geprägt von der Überzeugung, dass der Körper, seine Fähigkeiten und die Möglichkeit, Sport zu treiben ein Geschenk Gottes sind. Dass Gott Kraft schenkt für das Leben mit Siegen und Niederlagen und dass der Wert des einzelnen Menschen nicht an seinen sportlichen Siegen oder Niederlagen hängt.

Genervt antwortete übrigens Oliver Kahn: "Es gibt keinen Fußballgott, sondern nur einen Gott. Und der gibt uns Kraft für Siege und auch Kraft Enttäuschungen wegzustecken".

Diese Überzeugung verdient Respekt und Anerkennung. Und da kann das Gerede von "Fußballgöttern", der "Hand Gottes" oder der Gebrauch religiöser Sprache in der Berichterstattung fehl am Platze sein, irreführen und nerven. Also, immer schön den Ball flach halten und auf dem grünen Rasen lassen oder in Abwandlung eines Bibelzitates: "Gebt dem Sport, was des Sportes ist; und Gott, was Gottes ist".

Michael Kühn


Kleider machen Leute – und Christen?
Für viele ist die Zeit des Karnevals und des Faschings eine lang ersehnte Zeit. Es wird gefeiert und gelacht, gesungen und getanzt. Und nicht wenige haben eine große Freude an der Kostümierung. Manche Kostüme sind wahre Kunstwerke und ganz bestimmt besteht ein Reiz auch darin, einmal in die Rolle eines anderen zu schlüpfen oder den Sprung in eine andere Zeit zu wagen. Kleider machen nicht nur Leute sondern stehen auch für die Mode einer bestimmten Zeit.

Ähnliches kann man auch bei einem der zahlreichen Vereinsjubiläen erleben. Nicht selten werden in der Festschrift oder am Festabend Bilder aus den Gründerjahren gezeigt. Und man ist erstaunt und schmunzelt bisweilen wie einmal ein Trikot einer bestimmten Sportart vor sagen wir 50 Jahren ausgesehen hat und wie es sich dann bis heute wandelte. Neue Trikots sehen so ganz anders aus und sind sogar aus besserem Material hergestellt obwohl sie für die gleiche Sportart getragen wurden und werden.

In seinem Brief an die Kolosser beschreibt der Apostel Paulus ein solches Trikot für uns Christen: "Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld!"

Vielleicht würde er heute an uns Christen im Sport dieses Trikot so beschreiben: "Bekleidet euch mit Fairness und Rücksichtnahme im Sport, mit gesundem Ehrgeiz und dem rechten Maß, pflegt einen guten Gemeinschaftssinn unter euch und lasst euren Glauben nicht außen vor!"

In diesem übertragenen Sinne machen Kleider nicht nur Leute sondern auch Christen. Und so wie sich die Trikots im Laufe der Zeit ändern, obwohl die Sportart die gleiche geblieben ist, so liegt es an uns das Trikot des Glaubens und damit die christliche Botschaft zeitgemäß zu leben und sie zu verkünden obwohl die Botschaft seit zweitausend Jahren die gleiche ist.

Möge die frohe Zeit des Karnevals und die Vorbereitungszeit auf das Osterfest uns ermutigen, das Trikot des Glaubens auch in der Welt des Sports anzuziehen. Denn Kleider machen nicht nur Leute sondern auch Christen.

Hans-Gerd Schütt


Schalke, der Herbst und wir
Wer einmal die Gelegenheit haben sollte, die neue Schalke-Arena besuchen zu können, der sollte diese nutzen.

Interessant ist das neue, multifunktionale Bauwerk allemal, mit seiner Architektur, seinen modernen technischen Möglichkeiten, seinen vielen Räumen – auch einer kleinen Kapelle. Und wer sich fragt, wo er denn sei, die Bestuhlung kann ihm helfen. Das Blau und das Weiß spiegeln die Vereinsfarben wieder. Farbe ist hier mehr als nur bunt, Farbe bedeutet Identität für die Fans und Wiedererkennung.

So haben Vereine ihre Farben, Länder ihre Nationalfahnen und selbst Firmen und Unternehmen legen Wert auf eine bestimmte Farbgebung. Und Farben an den Zügen in unserem Land klären uns darüber auf, ob es sich um einen IC oder einen gemächlichen Nahverkehrszug handelt. Farben begleiten unser Leben.

Es scheint so, als habe sich die Natur hier einiges abgeschaut oder wir bei ihr. Die Farben der Natur zeigen uns die Jahreszeit an und begleiten so den Jahreslauf. Gerade jetzt im Herbst zeigt sie sich von ihrer farbigsten Seite, so als wollte sie die ganzen Farben des Jahres zu einem grandiosen Gemälde vereinen. Und so stellt sich dem stillen Betrachter bisweilen die Frage, wie bunt war dein Leben in diesem Jahr eigentlich? Welche Farben waren dominierend, welche eher verhalten? Und die Frage: "Habe ich bei allen Farben überhaupt noch eine Orientierung und kenne ich mich wieder"?

In der Liturgie, beim Feiern unserer Gottesdienste, bieten sich uns Christen einige Farben als Orientierung an:

Violett - die Farbe der Umkehr und Besinnung und der freudigen Erwartung.
Grün - die Farbe des Lebens und des vom Glauben geprägten Alltags.
Rot - die Farbe der Liebe und der Hingabe und des Leben spendenden Geistes Gottes.
Schwarz - die Farbe der Trauer, die aber eine Hoffnung kennt, und schließlich,
Weiß - die Farbe der Freude, der Auferstehung und des Ostermorgens.

Diese Farben wollen nicht nur Schmuck sein, sondern vielmehr unserem Leben Orientierung und Hilfe bieten, unser Leben mit den Farben des Glaubens zu sehen.

So könnte der Herbst mit seiner Farbenpracht eine Einladung an uns sein, als Christen die Farben des langsam zu Ende gehenden Jahres zu betrachten. Es wäre schön, wenn wir dabei die Glaubensfarben hier und da wieder erkennen, in unserem persönlichen und familiären Leben und eingewoben in den Trikots und in das Leben unserer Vereine.

Das wäre eine schöne Wiederentdeckung unseres Glaubens und unserer Hoffnung. Und es gäbe uns und unserem Handeln Orientierung – das wir dies immer neu benötigen, zeigen uns die schrecklichen Ereignisse der jüngsten Vergangenheit.

Hans-Gerd Schütt


Beitrag
Traditionell lassen meine Kameraden aus der Tischtennismannschaft und ich das Jahr mit einem gemeinsamen Kegelabend ausklingen. Bei dieser Gelegenheit kümmert sich unser Kassenwart darum, dass die fehlenden Beiträge entrichtet werden, damit "die Kasse stimmt". Unser Beitrag wird u.a. für die Hallenbenutzung und für die Anschaffung von Bällen, Netzen und Platten verwendet.

Wichtig neben diesem finanziellen Beitrag ist selbstverständlich der persönliche Beitrag jedes Einzelnen, um unser Vereinsleben intakt zu halten. Dazu einige Beispiele:

Da ist unser Mannschaftskapitän, der sich um die Verteilung der Spielpläne kümmert, die Mannschaft aufstellt und bei manchmal auftretenden Unstimmigkeiten vermittelt.

Da ist ein Mitspieler, der meistens früher als die anderen in der Halle eintrifft und dann die Platten für das Training aufbaut.

Da ist unser Spitzenspieler, der auch mit dem Schwächsten aus der Mannschaft trainiert und seine Erfahrung weitergibt.

Da ist ein älterer Spielkamerad, der wegen gesundheitlicher Probleme bei Meisterschaftsspielen nicht mehr zum Einsatz kommt, uns aber nach Kräften anfeuert und motiviert.

Da ist nicht zuletzt der Kassenwart, der seit Jahren treu und zuverlässig die Kasse führt.

Die Aufzählung könnte fortgesetzt werden. Jeder versucht sich nach seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten einzubringen, damit unser Verein unter sportlichen und kameradschaftlichen Gesichtspunkten gut leben kann.

Das, was für den sportlichen Bereich gilt, ist auch in anderen Lebenszusammenhängen bedeutsam. Ohne finanzielle Beiträge, z.B. Steuern, könnten vielfältige, gesellschaftliche Anliegen nicht realisiert werden. Mindestens genau so wichtig ist aber der persönliche Beitrag, das Engagement jedes Einzelnen in Schule und Beruf, in Familie und Freundeskreis, in Gesellschaft, Politik und Kirche.

Als Christen dürfen wir uns durch Gottes Gaben beschenkt wissen, wenn wir anfangen, die verschiedenen Lebensbereiche mitzugestalten. Aus der Zusage Gottes, jede und jeden mit Gaben und Fähigkeiten auszustatten, erwächst zugleich der Anspruch, diese Gaben und Fähigkeiten zum Nutzen der anderen einzubringen. Dies wird und darf sich auf ganz unterschiedliche Weise zeigen (vgl. 1 Kor 12, 1-11).

Nicht jeder kann alles, aber jeder kann etwas!

Wie sieht mein persönlicher Beitrag aus? Was kann ich im Neuen Jahr dazu beitragen, dass diese Welt, meine Welt ein wenig menschlicher wird? Welche meiner Gaben kann ich in den Sport einbringen, damit im Sport Freude und Gemeinschaft nicht zu kurz kommen?

Lebenswerte Fragen für eine gute Zukunft.

Herbert Scholl


Einwechslung
Das Spiel läuft nicht so, wie es soll. Irgendwie fehlt der Schwung. Die Mannschaft wirkt müde und ratlos. Die eintrainierten Spielzüge führen nicht zum Erfolg. Immer wieder verrennt man sich in der Abwehr des Gegners. Man schaut sich gegenseitig an. Aber es scheint keiner da zu sein, der die anderen mitreißt, der ein Mittel zum Erfolg kennt. Das Spiel scheint der Mannschaft aus der Hand zu gleiten. Ratlosigkeit macht sich breit. Hilflos schauen einige Spieler zum Trainer.

Der Trainer merkt, dass er reagieren muss. So kann es nicht weitergehen. Die Mannschaft braucht Hilfe. In einer solchen Situation ist es Zeit für eine Einwechslung. Ein neuer Spieler soll neuen Schwung in die Mannschaft bringen. Ein neuer Spieler, dem er ausführlich Anweisungen erteilt, wie das Spiel anders aufzuziehen ist. Ein Spieler, dem er es zutraut, die anderen mit zu reißen.

Der Trainer reagiert. Er wechselt ein, in der Hoffnung, dass sich das Spiel seiner Mannschaft zum Besseren verändert.

Das Leben läuft auch nicht immer so, wie es soll. Wir erleben Höhen und Tiefen. Und hin und wieder haben wir doch auch das Gefühl, dass uns manches aus dem Ruder läuft. Wir suchen dann händeringend nach einem Menschen, der uns mitreißt und die Richtung zeigt, in die unser Leben gehen soll.

Neuer Schwung, neue Ideen, eine tief greifende Orientierung, Aufmunterung. Wir können sie an vielen Stellen in unserem Leben gebrauchen.

So ungewohnt es klingt, auch Weihnachten hat etwas mit Einwechseln zu tun.

Gott wechselt seinen Sohn ein. In unsere Welt. Er wechselt ihn ein, damit durch seine Gegenwart wir einen Menschen haben, der uns gangbare und sinnvolle Wege des Menschen zeigt. Keine außergewöhnlichen Wege, sondern menschliche Wege. Er wechselt ihn in unsere Welt ein, damit er uns Mut macht unser Leben mit ihm in die Hand zu nehmen. Er wechselt ihn ein, damit wir die Worte der Aufmunterung und der Orientierung hören können. Nicht in unverständlicher, sondern in unserer Sprache. Er wechselt ihn ein, damit Jesus durch sein Mitleben und Mitspielen uns wieder neuen Schwung gibt, wenn uns das Leben, die Welt aus der Hand zu gleiten scheint.

Im Sport muss jemand ausgewechselt werden, um dem anderen Spieler, der anderen Spielerin Platz zu machen. Die Einzigen, die an Weihnachten ausgewechselt werden, sind nicht wir Menschen, sondern die Orientierungslosigkeit, die Sinnlosigkeit, die Resignation und die Hoffnungslosigkeit. Denn sie weichen der Hoffnung, dem Glauben und der Liebe, die Jesus durch seine Einwechslung in unsere Welt und unser Leben mitbringt. Als neuen Schwung für uns; als gewinnbringende Züge; als sinnvolle Perspektiven.

Jede Einwechslung verschafft der Mannschaft einen Moment Pause, einen Moment Ruhe. Gott wechselt seinen Sohn ein in unsere Welt. Nutzen wir den Moment der Ruhe, um dann mit ihm richtig loszulegen.

Michael Kühn

Ich glaube

Ich glaube nicht
an das Recht des Stärkeren,
an die Sprache der Waffen,
an die Macht der Mächtigen.

Doch ich will glauben
an das Recht des Menschen,
an die offene Hand,
an die Gewaltlosigkeit.

Ich will nicht glauben an Rasse oder Reichtum,
an Vorrecht und Privilegien,
an feststehende Ordnungen.

Doch ich will glauben,
dass alle Menschen wirklich Menschen sind
und dass die Ordnung des Unrechts
wirklich Unordnung ist.

Ich glaube nicht, dass ich Unterdrückung bekämpfen kann,
wenn ich irgendein Unglück bestehen lasse.

Doch ich will glauben,
dass das Recht ungeteilt ist,
hier und dort
und dass ich nicht frei bin,
solange noch irgendein Mensch Sklave ist.

Ich glaube nicht
,
dass Liebe Selbstbetrug,
Freundschaft unzuverlässig und alle Worte Lügen sind.

Doch ich will glauben an die Liebe,
die erträgt, an die Offenheit und das Vertrauen zueinander
und an ein Wort,
das wirklich sagt, was es sagt.



Immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!
Seit nunmehr 35 Jahren versieht die St. Nikolaus im Duisburger Hafen und auf dem Rhein ihren Dienst. Das kleine Boot dient der Binnenschifferseelsorge als schwimmende Kirche und Begegnungsort. Im vergangenen Jahr musste St. Nikolaus zur Überholung und Reparatur auf die Werft. Nun ist sie wieder im Einsatz.

Ich erkundigte mich letztlich bei einem Treffen mit dem zuständigen Pfarrer: "Na, wie geht’s denn der kleinen St. Nikolaus!" Er antwortete sinngemäß etwa so: "Nun, sie ist wieder von der Werft und im Einsatz. Für sie gibt es als Kleinfahrzeug kaum Vorschriften, auch etwas Schönes. Für die heutige Zeit ist sie für ihre Aufgaben doch etwas in die Jahre gekommen. Ihr Motor ist etwas schwach. Den modernen, schnellen Rheinschiffen halten wir kaum bei. Und da sie nur eine Schraube hat, kann eine sich verheddernde Plastiktasche schon arge Folgen haben. Und du glaubst ja nicht, was so alles in den Rhein geworfen wird. Und anlegen an Gefahrgutschiffe dürfen wir auch nicht. Es fehlt dem alten kleinen Boot halt die nötige Ausrüstung."

Dieses Gespräch fand in der Adventszeit statt. Ich musste oft an die kleine St. Nikolaus denken. Sie erinnerte mich nicht nur an das adventliche Lied: "Es kommt ein Schiff geladen", sondern auch an unser Kirchenschiff in der heutigen Zeit.

Längst ist die Zeit vergangen, wo scheinbar ein stolzes Passagierschiff des Glaubens seinen Weg durch das Meer des Lebens zurücklegte, von vielen bewundert und zahlreiche Schiffe ihm folgend. Der Kurs schien festgelegt und kaum in Frage gestellt. Heute ist dieses Schiff kleiner geworden und sucht oft mühsam Kurs und Weg in der aufgewühlten See heutiger Zeit.

Auch scheint unser Kirchenschiff oft mit seinem zwar robusten und bewährten Antrieb des Gottvertrauens arge Schwierigkeiten zu haben mit den modernen Antriebsweisen unserer schnelllebigen Zeit. Und oft scheint ein Anlegen mit der Botschaft des Glaubens kaum noch möglich, weil schon einfachste Kommunikationsmöglichkeiten nicht mehr zu greifen scheinen oder die Botschaft nicht mehr zu interessieren scheint.

Da nun wieder der Lebensalltag des neuen Jahres mit all seinen Herausforderungen beginnt und damit auch mit aller Härte und Unruhe, lohnt sich die Frage, ob hier und da nicht auch uns ein kleiner Werftaufenthalt gut tun würde, um einmal der Frage nachzugehen, was uns so antreibt?

Denn sind wir nicht auch manchmal mit schnellen, großen und geschäftigen Frachtern zu vergleichen, die ihres Weges fahren, ohne zu bemerken, dass Gott uns mit einem kleinen Boot einmal besuchen möchte, mitten im Alltag? Und sind wir noch willens, unser Lebenstempo hin und wieder zu drosseln, um Ruhe und Stille zu erfahren, in die er zu uns sprechen kann und wir über das Fragende unseres Lebens nachdenken können. Und wie oft werfen wir so manches an Unrat achtlos in den Fluss des Lebens und wundern uns, dass dann der Antrieb streikt, bei uns oder bei den anderen.

Mit diesem kleinen Blick in den Duisburger Hafen darf ich uns allen im Neuen Jahr viele gute Begegnungen wünschen:

mit uns selbst, indem wir das rechte Lebenstempo zur rechten Zeit erkennen,
miteinander, indem wir uns im sauberen Lebenswasser untereinander bemühen,
mit Gott, der wie die kleine St. Nikolaus auch heute noch unverzagt Wege und Begegnung mit uns sucht. Und das Schöne ist, er lässt sich hierbei nicht durch allzu viele Vorschriften einengen.

In diesem Sinne für das neue Jahr 2003 immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und allzeit gute Fahrt.

Hans-Gerd Schütt


Die Ideallinie finden
Wer Spitzenleistungssport betreibt, will natürlich in seiner Sportart ein Könner sein. Wer jahrelang Körper, Seele und Geist durch Übungen und Trainingsfleiß zur Höchstform gebracht hat, der möchte auch in seiner Disziplin vorne dabei sein. Freude an Leistung und Bewegung, Lohn für Mühen und Verzicht bedeuten dann, seine Sache "par exellence" zu beherrschen. Diese vollendete Sportlichkeit kommt in der Beherrschung von Ski, Kufen, Bob und Rodel treffend im Begriff "die Ideallinie finden" zum Ausdruck: eine geglückte Symbiose von Geschwindigkeit, Streckenprofil und Körperspannung, um die größte Beschleunigung zu erreichen. Wer nicht "die Ideallinie findet" und ohne Fehler durchkommt, hat keine Siegeschance.

"Die Ideallinie finden" ist ein ganzheitlicher Vorgang. Man muss alles an körperlichen und seelischen Kräften mobilisieren und doch seinem Glück vertrauen. Glück ist ein zerbrechliches Geschenk, gefüllt mit Selbstvertrauen, positiver Lebenseinstellung und vor allem Gottvertrauen. Gott lässt unsere Kräfte wachsen, wie wir unser Urvertrauen pflegen: er lässt uns mit unseren Fehlern und Misserfolgen nicht aus seiner Liebe und seinem Schutz herausfallen. Unser Zutun dabei, dem Glück auf die Sprünge verhelfen, kann bedeuten: den Berg, den Eiskanal oder die Herausforderung einfach anzunehmen und zu lieben. Je freier und unabhängiger wir aber werden, das Glück und "die Ideallinie" zu erzwingen, um so stabiler und selbstbewusster nähern wir uns "der Ideallinie": man muss es laufen lassen können und seinen Rhythmus im Einklang mit der Natur finden.

Das Bild des Sports ist auf unseren Alltag übertragbar: Die Kunst, "die Ideallinie zu finden", bedeutet nicht, sich einfach anzupassen und widerstandslos alles zu akzeptieren. Wer hofft, keine Erschütterungen zu erleiden, hat von den Spuren des Lebens wenig verstanden; kaum einer gelangt locker und leicht ans Ziel. Aufgaben und Belastungen fordern uns heraus, da sind unser Gottvertrauen und unser Engagement, eigene Entscheidungen zu treffen und durchzustehen, gefragt. Wege und Menschen, die wir nicht ändern können, sollten wir liebend akzeptieren. Kein einfacher Weg, aber wie viel Eis würde durch solche Sonnenstrahlen des Herzens auftauen.

Oft wünsche ich mir, "die Ideallinie zu finden": in meinen Beziehungen zu meiner Familie, meinem Freundeskreis, zu anderen Menschen und zu Gott. Wie gerne hätte ich öfters das richtige Material (die richtigen Worte, Gesten und Erlebnisse), das geeignete Wachs (die richtige Stimmung und Situation zum Gespräch), eben die richtigen Einstellungen und Übereinstimmungen, ohne die es nicht geht. Im Sport geht es um Bruchteile von Sekunden, doch im Alltag lohnt sich Langsamkeit. Menschen und Entscheidungen brauchen Zeit zum Wachsen und Reifen. Gott schenkt uns seine "Ideallinie", unseren eigenen Rhythmus und er liebt uns als mutige, phantasievolle Menschen – so wie wir sind, nicht perfekt und nicht ideal.

Klaus-Peter Weinhold


"Wegzeichen für die DJK"

"Achte auf die Zeichen!"
Ein Satz, der mir immer wieder durch den Sinn geht. Er ging mir zu Herzen, als ich das Buch "Der Alchimist" von Paulo Coelho las: Da macht sich ein junger Schafhirt auf einen weiten Weg ins Unbekannte. Er folgt einem Traum, nach dem er einen Schatz bei den Pyramiden finden sollte. Ein alter weiser Mann gibt ihm den letzten Anstoß das Wagnis des Weges einzugehen. Sein Rat: "Achte auf die Zeichen!"

Noch nie zuvor war mir so bewusst, wie wichtig es ist auf Zeichen zu achten, wie auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Immer wieder sucht das Auge nach den Wegmarkierungen und Pfeilen, die sagen: "Da geht’s lang! Das ist der richtige Weg." Und wenn du einmal unaufmerksam warst und ein Zeichen übersehen hast oder wenn du gescheiter sein wolltest als die Zeichengeber, dann hatte dies langes Suchen und Irrwege über Stock und Stein zur Folge. In Wüsteneien kann das Übersehen der Zeichen das Leben kosten. Mensch, achte auf die Zeichen!

Wir sind umgeben von Zeichen. Sie prägen uns und bestimmen unseren Weg. Es gilt, auf sie zu achten und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Im Buch der Bücher, der Bibel, dem Zeichenbuch überhaupt, steht beim Evangelisten Lukas unter der Überschrift "Von den Zeichen der Zeit" folgendes Wort Jesu:

"Sobald ihr im Westen Wolken aufsteigen seht, sagt ihr: Es gibt Regen. Und es kommt so. Und wenn der Südwind weht, dann sagt ihr: Es wird heiß. Und es trifft ein. Ihr Heuchler (=darüber Hinwegseher)! Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten? Warum findet ihr nicht schon von selbst das rechte Urteil?" (Lk 12, 54-56)

Die Zeichen der Zeit sehen und richtig deuten, das ist entscheidend – für unser Wohlbefinden beziehungsweise, unser Heil, für das Gelingen des Lebens und Zusammenlebens, für das Erreichen des Ziels. Dafür drei Beispiele, die Menschen, die mit dem Sport verbunden sind einigermaßen nahe liegen dürften.

Wintersport, Riesenslalom: In möglichst kurzer Zeit soll eine durch Fahnen markierte Abfahrtsstrecke zurückgelegt werden. Die kleinste Unachtsamkeit und das Rennen ist gelaufen. Der Skiläufer am Start, in sich gekehrt, voll auf die Strecke mit ihren Markierungen konzentriert: Symbol für den Menschen, der nur im Achten auf die Zeichen sein Ziel erreichen wird.

Der Hexenkessel eines Fußballstadions: Im Toben der Menge dringt der Ruf des Trainers nicht mehr durch. Die Mannschaft muss schnellstens ihre Spielweise umstellen. Nur noch durch Zeichen kann der Trainer mitteilen, was das Gebot des Augenblicks ist.

Irgendetwas stimmt nicht mit Ihrem Körper: Seit einiger Zeit schlafen Sie schlecht, haben Schweißausbrüche und Schwindelanfälle. Alarmzeichen des Körpers: Tu was! Geh zum Arzt! Stell dein Leben um! So geht’s nicht mehr weiter! Du hast noch eine Chance, aber achte auf die Zeichen!

Achte auf die Zeichen
, das gilt auch für eine Sportgemeinschaft wie die DJK auf ihrem Weg in die Zukunft, damit sie nicht eines Tages ausgebrannt zusammenbricht.

DJK – drei Buchstaben, deshalb möchte ich auf drei Zeichen für einen guten Weg der DJK in dieser Zeit hinweisen.

Zuvor noch ein Hinweis: die Aufforderung "Achte auf die Zeichen!", von der ich mir wünsche, dass jede/r von Ihnen wenigstens diese vier Worte aus meinen vielen Worten mit nach Hause nimmt, hat eine doppelte Bedeutung. Zum einen: "Sei aufmerksam auf die Zeichen, beachte sie und handle dementsprechend richtig!" Zum anderen: "Pflege Zeichen, setze gute Zeichen, um andern auf einen guten Weg zu helfen." Auf diese zweite Bedeutung möchte ich im Folgenden den Schwerpunkt setzen.

DJK, achte auf die Zeichen!

Erstes Zeichen: Ehrenzeichen
Wen ehrt ein Sportverband? Er ehrt leistungsstarke Mitglieder, er ehrt verdiente Mitglieder und er ehrt – ich sage mal – altgediente Mitglieder.

Die leistungsstarken Mitglieder sind diejenigen, die einen Sportverein über die örtlichen Grenzen hinaus bekannt machen.

Der moderne Mensch wird über Leistung aufmerksam. Ein Verein, der erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler aufweisen kann, darf auch mit einem guten Image rechnen – dank der Leistung. Das ist der Ehrung wert.

Die verdienten Mitglieder, das sind die, die mehr oder weniger im Hintergrund jahre- und jahrzehntelang Zeit und Kraft in den Verein investieren – gewöhnlich ohne finanziellen Ausgleich. Das geht an bei den Mitgliedern der Vorstandschaft bis hin zu den vielen Helfern, die die Sportanlagen pflegen, bei Baumaßnahmen zupacken oder bei den zahlreichen Festen einen Dienst übernehmen. Ohne diese Bereitschaft, in irgendeiner Weise mitzuhelfen, kann ein Verein nicht bestehen. Das ist der Ehrung wert.

Die altgedienten Mitglieder, die so richtig erst zum Zug kommen, wenn ein Verein 50 Jahre und länger besteht, sind die, die man leicht übersieht und zu wenig schätzt. Sie sind oft nicht mehr so im Vereinsleben präsent, sie können nicht mehr zupacken. Ja, und dann ist man auch schnell vergessen. Aber sie tragen den Verein mit – über Jahrzehnte schon, sie sind die Treuen, die nicht bloß Mitglieder wurden, weil sie für eine befristete Zeit eine günstige Gelegenheit zum Sporttreiben gesucht haben. Für sie ist der Verein Teil ihres Lebens, drum bleiben sie dabei. Das ist der Ehrung wert.

Und was ist bei all dem das Zeichen in die Zeit hinein? So mancher fragt sich ja, vor allem unter den Jüngeren, was denn der Sinn von Ehrungen sei. Durch eine Ehrung sagt die Vereinsgemeinschaft: Wir schätzen dich. Du bist für uns wertvoll. Und zwar so, wie du bist, wie du jetzt bist – als Leistungsstarker und Verdienter genauso wie als Altgedienter. Damit liebe DJK-ler, bin ich bei der Botschaft, die gerade ein DJK-Verein mit seinen Ehrungen in die Öffentlichkeit sendet, nämlich: bei uns zählt der Mensch als Mensch; uns ist die Achtung der Generationen voreinander wichtig; für uns bedeutet der leistungsstarke junge Mensch genauso viel wie der seine Freizeit Opfernde in den so genannten besten Jahren, aber auch der treu Gebliebene, der für den kühlen Rechner weder dem Verein Nutzen bringt noch vom Verein Nutzen hat. Ehrenzeichen setzen bei der DJK soll ein Signal sein: Der Mensch hat Wert für uns. Nicht nur nach seiner Leistungskraft und seinem Nutzen, sondern durch sein Dasein. Drum DJK, achte auf diese Zeichen!

Zweites Zeichen: Ich nenne sie "personale Zeichen", oder einfacher gesagt Vorbilder.

Hier denken wir natürlich zuerst daran, dass Kinder und Jugendliche in den Erwachsenen gute Vorbilder haben sollen, aber auch Erwachsene können einander gegenseitig Vorbild sein, einander Signale und Hinweise geben für ein gelingendes Leben, das seine Erfüllung nicht nur darin sucht, den eigenen schnellen Vorteil herauszuschlagen. In einem Sportverein wie der DJK geschieht sehr viel auf der zwischenmenschlichen Ebene, vor allem auch zwischen den Generationen. Erwachsene trainieren und begleiten junge Menschen, sie setzen Zeichen und beeinflussen, ob sie es beabsichtigen oder nicht, positiv oder negativ.

Drei Schlagworte für die personalen Zeichen: Fairness, Vergebung, Solidarität.

Fairness
Wo um Erfolg und Sieg gerungen wird, kommen immer auch die Mittel dazu ins Spiel. Geben wir die Botschaft weiter: "Wenn dir einer in die Hacke tritt, dann zahle es ihm bei nächster Gelegenheit genauso zurück – und zwar am besten so geschickt, dass es der Schiri nicht merkt?" Oder bestärken wir unsere Sportler nicht doch lieber darin, durch Können und faire Aktionen den Gegner zu verblüffen? Gehört es zu unserem Stolz im positiven Sinn, dass wir eine Hand, die zur Entschuldigung ausgestreckt wird, ergreifen und einander den Sportlergruß bieten, auch wenn wir eine hohe Niederlage einstecken mussten? Es gibt verschiedene Arten des Sieges; der höchste Sieg ist der Sieg über sich selbst. Oder wie geht es am Rand unserer Sportplätze zu – und ich betone, ich rede nicht nur vom Fußball. Mit welchen Augen sehen wir den sportlichen Gegner – den Aktiven und den Zuschauer – an, wie begegnen wir ihnen, welche Ausdrücke haben wir auf der Zunge? Anfeuern ist fair, niedermachen durch Worte und Zeichen allemal unwürdig.

Vergebung
Wo Menschen miteinander zu tun haben, kommt es zu Meinungsverschiedenheiten, Konflikten und Verletzungen. Das ist nun mal so – auch bei der DJK. Tragisch und kontraproduktiv wird es, wenn man ständig in alten Wunden rührt und sich nicht mehr weiter bewegt. Dann können sich die negativen Kräfte und Gefühle ausbreiten. Wenn der eine schimpft und nörgelt, schließen sich andere nur zu gerne an. In der Leichtathletik gibt es die Disziplin des Weitsprungs. Acht Meter und mehr schaffen nicht viele. Aber den weitesten Sprung könnte eigentlich jeder schaffen – es ist der Sprung über den eigenen Schatten. Es einmal wieder gut sein lassen, wieder miteinander reden oder einander grüßen, das sind Aufbauzeichen und Vorbildzeichen, die ich mir auch bei der DJK wünsche. Und dieser Zeichen – wenn es Ihnen gelingt, sie zu setzen – dürfen Sie sich wahrhaftig rühmen. Denn auch vergeben können kann ansteckend sein.

Solidarität
Der größte Feind jeder Gemeinschaft ist der hemmungslose Individualismus: Es ist nicht zu leugnen und wir können froh darüber sein: wir leben in einer Gesellschaft, wo der Einzelne große Freiheiten hat, sich zu entfalten und sein Leben zu gestalten. Nur kann dabei der Blickwinkel sehr verengt werden, so dass man nur noch das Eigeninteresse und nicht mehr das Gemeinwohl im Auge hat. Aber es ist wahr: nur wo eine Gemeinschaft intakt ist, bleibt der Freiraum für den Einzelnen. Und vom Beitrag des Einzelnen hängt das Funktionieren der Gemeinschaft ab. Deshalb, DJK-ler, achtet auf die Zeichen der Solidarität. Respekt vor all denen, denen der Verein so am Herzen liegt, dass sie sich über den Mitgliedsbeitrag hinaus im Verein einbringen. Sie setzen die entscheidenden Zeichen dafür, dass die DJK leben kann.

Ich komme zum dritten Zeichen:
Es ist das Kreuz. Schauen Sie sich das DJK-Logo einmal genau an: Drei Buchstaben! Durch den Mittelbuchstaben "J" geht ein Strich, der "D" und "K" verbindet; der gehört da von der Rechtschreibung her nicht hin. Aber er weist hin auf das Grundzeichen, unter dem DJK-ler Sport treiben und Gemeinschaft pflegen wollen – auf das Kreuz Jesu Christi. Das Kreuz ist kein Zeichen für Duckmäuser und Loser, für Weltfremde und Ewiggestrige, sondern es steht für die Kraft der Liebe. Es steht dafür, dass der Mensch nur alle Bereiche der Erde gut gestalten kann, wenn er sich im spirituellen Bereich verankert. Es steht dafür, dass der Weg in die Zukunft nur nach dem Modell dessen gehen kann, der sich ans Kreuz heften ließ: Jesus Christus. Sport wird nicht nur mit einem starken, fitten Körper getrieben, sondern jeder Sport, soll er human sein, braucht Inspiration, Geisterfülltheit. Und auch der Sport ist hineingewoben ins gesamte Weltgeschehen. Deshalb setzt die Grundmotivation, aus der heraus Menschen Sport treiben, prägende Zeichen ins Gesamtgefüge der Menschheit. Sport treiben als DJK-ler, im Zeichen des Kreuzes bedeutet deshalb: sich der Liebe verschreiben wie es Jesus Christus tat – und so mitarbeiten, dass die Menschheit auf einem Weg zu einem guten Ziel findet. Denn ohne Zeichen sind wir verloren.

Also: Achtet auf die Zeichen!

Pfr. Georg Brenner,
Geistlicher Beirat der DJK Abenberg
(Anm.d.Red.: leicht gekürzt)


Der Herr gewähre dir die Zeit,
du selber zu werden.
Er gebe, dass dir gelingt, dich selber zu finden,
nicht eigenwillig, sondern einwilligend
in seinen guten Willen für dich.
Er gebe, dass du begreifst, was er für dich plant,
und Ja sagen kannst dazu, damit du frei wirst
für die Fülle des Lebens.

Der Herr gewähre dir Zeit,
zu den anderen zu finden.
Er gebe, dass es dir gelingt, Freunde zu finden,
nicht eigennützig, sondern im Vertrauen,
dass, wer gibt, auch empfängt.
Er gebe, dass du begreifst,
was Gemeinschaft bedeutet,
und Ja sagen kannst zu den anderen
und niemals allein bist.

Der Herr gewähre dir die Zeit, ihn zu finden.
Er gebe, dass es dir gelingt, dich für ihn zu öffnen.
Er gebe, dass du ihn spürst in der Liebe der anderen.
Er gebe, dass du ihm begegnest im eigenen Herzen.
Er gebe, dass dein Glaube immer größer sei
als deine Angst, als Fragen und Zweifel.

Er lasse nicht zu, dass du ihn verlierst.

Er halte dich in seiner Hand.


Die Luft ist raus...
Wir alle kennen aus eigener Erfahrung diese sprichwörtliche Redensart. Ein Spiel, aus dem die "Luft raus ist", kann man im Grunde schon vergessen. Keine Dynamik, keine neuen und begeisternden Spielzüge mehr – bestenfalls ein Hindümpeln zum ersehnten Schlusspfiff.

Wenn aus einer Feier die "Luft raus ist", dann machen sich Langeweile und Aufbruchstimmung breit. Denn wo bleibt die Freude und die festliche Stimmung?

Wenn aus einem selbst die "Luft raus ist", dann lehrt uns die eigene Erfahrung, dass in einer solchen Zeit von uns nicht viel zu erwarten ist – bisweilen legt sich eine Art Grauschleier über unser Seelenempfinden.

Wenn aus einem Radreifen oder einem Ball die "Luft raus ist", dann wissen wir, dass er zu seinem eigentlichen Zweck nicht mehr taugt. Aber wir wissen einen schnellen Rat – flicken – aufpumpen und es kann weitergehen.

Aber wenn der Mensch betroffen ist, dann hilft schnelles Flicken und Aufpumpen nicht weiter – wie soll es denn auch gehen?

Vor nicht allzu langer Zeit feierten wir Christen das Pfingstfest und beendeten damit den Osterfestkreis. Die Sendung des Heiligen Geistes kann man nur schwer beschreiben. Die Apostelgeschichte versucht dies, indem sie von einem plötzlichen Brausen spricht, der Evangelist Johannes lässt Jesus die Jünger anhauchen, als er zu ihnen sprach: "Empfangt den Heiligen Geist!"

Das Bild der in Bewegung geratenen Luft soll dazu dienen, zu beschreiben, dass aus den Jüngern nicht die "Luft raus ist" – wozu das Bild der verschlossenen Tür dient – sondern dass sie erfüllt sind vom Hauch Gottes, von seiner Luft, dem Heiligen Geist.

Diesen Beistand hatte Jesus den Jüngern zugesagt und bezeichnete ihn als den Parakleten.

Unter einem Parakleten verstand man im Altertum einen Menschen, den man herbei rief, wenn man ratlos oder verzweifelt war. Es war ein Mensch, von dem man sich Hilfe erhoffte oder dem man vertraute, einen mit neuem Mut und Zuversicht zu erfüllen.

Trainerinnen und Trainer sind z.B. in diesem Sinne öfters Parakleten als sie denken.

"Wenn die Luft raus ist" – das lehrt die Erfahrung, dann hilft am wenigsten passives Verharren. Man muss sich wieder aufrappeln, nach Wegen zum Neubeginn suchen oder auch um Hilfe und zur Motivation einen Beistand herbeirufen.

Diese so menschliche Erfahrung auf den Geist Gottes zu übertragen, fällt uns Menschen in der heutigen Zeit sehr schwer. Aber dieser Geist Gottes, sein Heiliger Geist hat immer wieder dafür gesorgt, dass uns Christen nicht die Luft ausgeht – sicher oft auch so, dass wir es in den alltäglichen Dingen nicht sofort merkten.

Wir sollten als Christen im Sport immer wieder um diesen Heiligen Geist bitten, ihn herbeirufen, damit uns nicht die Luft ausgeht.

Hans-Gerd Schütt


Atemholen ...
Atmen muss jedem Menschen wie ein großes Geschenk vorkommen. Atemzüge sind lebenswichtig. Sie liefern die Luft, die am Leben hält. Wem die Luft dagegen ausgeht, ist mehr als arm dran. Ja, Atemholen können ist ein wirkliches Geschenk.

Im Sport gibt es viele vergleichbare Situationen, in denen es auf das Atemholen ankommt. Ein typisches Beispiel liefert der Schwimmsport. Wem es nicht gelingt, rechtzeitig den Kopf aus dem Wasser zu recken, dem fehlt die Luft für die kräftigen, oftmals entscheidenden Armzüge. In anderen Sportarten ist "Atemholen" mit "Anlauf nehmen" gleich zu setzen. Weit-, Hoch- oder Stabhochspringer und –springerinnen nehmen Anlauf, um die Geschwindigkeit zu erreichen, die Voraussetzung für klasse Weiten oder Höhen ist. Gelingt der Anlauf, ist der erste Schritt zum sportlichen Erfolg gemacht. Im Stadion oder vor dem Bildschirm ist oft zu beobachten, wie dem Anlauf ein tiefes Atemholen voraus geht. Es sind Bilder mit hohem Symbolwert für christliches Handeln. Da ist zunächst das Beten zu nennen. Beten ist wie Atemholen. Wer betet, der holt sich gleichsam Gott. Gott kommt auf den Beter zu. Oder die Zeit des Advents! Advent heißt Anlauf nehmen und Atemholen. Adventliches Beten, das ist eine große Hilfe für das Atemholen des Herzens. Und wie das Atemholen im Sport einen festen Rhythmus braucht, den es einzuhalten gilt, braucht auch das Gebet seine Festzeiten. So wird auch das Beten zu einem großartigen Geschenk für den Menschen. Hoffentlich lassen sich viele Sportler und Sportlerinnen zum Gebet anregen. Die Gebetsformen können ganz verschieden sein. In letzter Zeit fällt vor allem bei südamerikanischen Fußballspielern auf, dass sie nach einem geschossenen Tor ein Trikot mit christlichen Botschaften präsentieren. So holen sie tief Atem! Diese Sportler sind ernst zu nehmen, weil davon auszugehen ist, dass sie andere damit anstecken wollen. Was ihnen wichtig ist, kann auch für andere bedeutsam sein.

Atemholen im Sport – eine Selbstverständlichkeit! Warum nicht auch das Beten?

Karl Grün


Beim Namen genannt
Wo guter Sport geboten oder über herausragende Sportereignisse berichtet wird, fallen automatisch die Namen von Sportlern. Dazu einige Beispiele:

Ein Leichtathletiksportfest steht bevor; der Veranstalter wirbt mit klangvollen Namen, um möglichst viele Zuschauer anzulocken.

Bei großen Basketballspielen, besonders in den USA, stellt der Hallensprecher die aufs Spielfeld laufenden Akteure namentlich vor.

In einigen Stadien ist es bei Fußballbundesligaspielen üblich, dass der Stadionsprecher bei der Vorstellung der Mannschaften nur die Vornamen nennt. Die Fans rufen dann im Chor die jeweils dazu gehörenden Nachnamen.

Die Namen mancher Sportler, die durch besondere Leistungen oder aufgrund vorbildlicher Einstellung von sich reden gemacht haben, sind uns auch nach Jahren oder Jahrzehnten noch geläufig, beispielsweise das Eiskunstlaufpaar Marika Kilius / Hans-Jürgen Bäumler, das Boxidol Max Schmeling oder der Langstreckenläufer Emil Zatopek.

Manchmal bleibt ein besonderes Ereignis untrennbar mit den Namen bestimmter Sportgrößen verbunden; wer über den Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 1954 spricht, denkt sofort an Namen wie Fritz Walter, Helmut Rahn und Toni Turek.

In einigen Sportarten tragen Elemente oder Übungsteile den Namen ihres "Erfinders"; beim Eiskunstlauf ist es die "Biellemann-Pirouette", beim Kunstturnen der "Gienger-Salto".

Aber nicht nur auf nationaler oder internationaler Ebene spielen Namen eine Rolle. Auch aus dem Bereich des Freizeit- bzw. Breitensports lassen sich Beispiele anführen:

Da ist jemand über Jahre als Stammspieler Rückhalt seiner Mannschaft; sein Name steht für Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft.

Da wird jemand für seine langjährige ehrenamtliche Betreuertätigkeit geehrt; in einer Vereinschronik wird er namentlich erwähnt.

Da siegt jemand in einem Pokalwettbewerb; sein Name wird auf dem Pokal eingraviert.

Im sportlichen Bereich wird es auf die große Masse hin gesehen sicherlich nur wenigen gelingen, sich durch besondere Leistungen oder Verdienste einen Namen zu machen. Die Sehnsucht, nicht in Vergessenheit zu geraten, ist aber in einer tieferen, nämlich religiösen Dimension wohl in jedem Menschen verwurzelt. Als Christen gehen wir mit dieser Hoffnung nicht ins Leere. Wenn es beim Propheten Jesaja heißt: "Fürchte dich nicht, .....ich habe dich beim Namen gerufen, mein bist du", (Jes 43,1) dann dürfen wir diese an das Volk Israel gerichtete Zusage auf uns heute beziehen. Gott ruft jeden von uns beim Namen, vor ihm sind wir einmalig und unverwechselbar. Das, was uns im sportlichen Bereich gelingen mag oder auch versagt bleibt, ist uns als Christen von Gott her – sogar über den Tod hinaus – fest versprochen: bei ihm geraten unsere Namen nicht in Vergessenheit.

Herbert Scholl


Unsterbliche Partie
Gehören Sie auch zu denen, die gerne eine Partie Schach spielen? Sollte Ihnen der passende Partner fehlen, so besitzen Sie vielleicht einen Schachcomputer, oder Sie erfreuen sich daran, Meisterpartien bekannter Schachgrößen, die die Literatur in hoher Zahl anbietet, nachzuspielen. Ich lade Sie ein, sich die Schachfiguren aufzustellen und die folgende Partie nachzuspielen:

1. e2 – e4 e7 – e5 2. f2 – f4 exf4 3. Lf1 – c4 Dd8 – h4+
4. Ke1 – f1 b7 – b5 5. Lc4xb5 Sg8 – f6 6. Sg1 – f3 Dh4 – h6
7. d2 – d3 Sf6 – h5 8. Sf3 – h4 c7 – c6 9. Sh4 – f5 Dh6 – g5
10. g2 – g4 Sh5 – f6 11. Th1 – g1 c6xb5 12. h2 – h4 Dg5 – g6
13. h4 – h5 Dg6 – g5 14. Dd1 – f3 Sf6 – g8 15. Lc1xf4 Dg5 – f6
16. Sb1 – c3 Lf8 – c5 17. Sc3 – d5 Df6xb2 18. Lf4 – d6 Db2xa1+
19. Kf1 – e2 Lc5xg1 20. e4 – e5 Sb8 – a6 21. Sf5 – g7+Ke8 – d8
22. Df3 – f6+ Sg8xf6 23. Ld6 – e7=

Wer sich mit Schach intensiver beschäftigt, wird es erkannt haben: Es handelt sich hier um eine 1851 in London gespielte Partie zwischen Anderssen und Kieseritzky. In die Schachgeschichte ist sie wegen ihrer Eleganz und ihres verblüffenden Verlaufs als die "unsterbliche Partie" eingegangen. Mit dieser Partie ist etwas geschaffen worden, was der (Schach-) Welt erhalten geblieben ist. Die Namen der beiden Kontrahenten werden wohl für immer mit diesem denkwürdigen Spiel verbunden bleiben.

In den meisten von uns steckt der Wunsch, auf die eine oder andere Weise etwas Bleibendes zu schaffen. Unsere Namen, d.h. wir selbst, sollen nicht in Vergessenheit geraten. Das, was wir tun, die Art, wie wir leben und für andere bedeutsam sind, soll im Idealfall auch über unseren Tod hinaus wirken. Geprägt von dem Wissen, dass für jeden das irdische Leben einmal zu Ende geht, hoffen viele darauf, über den Tod hinaus "leben" zu können.

In kirchlichen Festen (Ostern, Christi Himmelfahrt, Allerheiligen, Allerseelen) wird immer wieder die Überzeugung gefeiert, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. Hier drückt sich vielmehr die Hoffnung aus, dass wir – jeder in seiner Individualität – von Gott gesehen werden und er unser Leben in wunderbarer Weise zur Vollendung führt. Das, was uns oft vielleicht nur unvollkommen gelingt, ja, unser ganzes Leben, hat vor Gott Bestand und darf in unvergänglichem Licht erstrahlen.

In diesem Sinne wäre unser Leben, vom Glauben her gedeutet, eine "unsterbliche Partie"

Herbert Scholl


Auszeit
"Ich brauche eine Auszeit" – wie oft hören wir diese Aussage im Laufe eines Jahres oder verwenden sie für uns selbst? Oft scheint sie sogar für viele zu einem kleinen Lebensgut geworden zu sein. "Ich genehmige mir eine Auszeit", heißt es dann fast schon entschuldigend. In der Tat scheint in unserer so schnelllebigen Zeit die Auszeit es immer schwerer zu haben. Immer schneller überwinden wir Distanzen, in Bruchteilen von Sekunden ist eine Kommunikation hergestellt und Informationen erreichen uns mit moderner Technik problemlos an fast jedem Ort der Erde. Was uns einerseits das Leben erleichtert, hat uns andererseits schnell im Griff.

Zeit ist kostbar geworden und in immer kürzerer Zeit muss mehr Leistung und Aktivität eingebracht werden. Dann wundert es nicht, dass die Auszeit kostbar geworden ist, aber keinesfalls auf der Strecke bleiben darf.

Gerade im Sport wissen wir um die Bedeutung der Auszeit. Wir kennen sie im laufenden Spiel ebenso wie als Unterbrechung einer sonst endlosen Spielsaison. Und für die meisten ist die sportliche Betätigung eine Auszeit im Alltag.

Der Monat November lädt uns Jahr für Jahr auf seine Weise ein, die Bedeutung der Auszeit neu zu entdecken. Im November sind die Felder abgeerntet und die Ernte des Jahres ist eingebracht. In früheren Zeiten war es die Zeit der Entlohnung und die Zeit, Pacht und Steuern zu zahlen. Dann fällt einem schnell der Satz Jesu ein: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist".

Wenn wir uns ehrlich fragen, geben wir dann nicht oft schnell und gerne den Kaisern unserer Tage, was ihnen ist. Und sie kommen oft in schönen Gewändern daher. Kaiser wie Macht, Besitz, Einfluss, Geld oder der so genannte Zeitgeist und kein Kaiser wechselt sein Gewand so schnell wie letzterer.

Aber geben wir auch Gott was Gottes ist?

Diese Frage sollten wir uns immer wieder stellen und sie zu beantworten suchen.

Auch hier ist der November ein besonderer Monat, denn wir gedenken unserer Verstorbenen und vertrauen sie und ihre Lebensernte Gott an.

Und der November sagt uns so leise ins Ohr: "Lieber Mensch, denke daran, das Leben ist nicht alles, es ist begrenzt. Dahinter gibt es noch eine andere Wirklichkeit: Nimm dir eine Auszeit und denke, für dich und dein Leben darüber nach und gebe Gott, was Gottes ist".

Hans-Gerd Schütt


Akkreditierung
Bei großen Sportereignissen läuft ohne eine Akkreditierung gar nichts. Erst wenn sie dir vom Hals baumelt oder du sie vorzeigen kannst, erhältst du Zugang.

Dabei ist‘s oft nur ein kleines Plastikkärtchen mit deinem Bild, deinem Namen und Zahlen oder Symbolen, die anzeigen, zu welchen bestimmten Bereichen du Zutritt hast.

Wie oft habe ich während Olympischer Spiele gedacht, ohne die Akkreditierung bist du hier gar nichts, zählst du nichts. Manchmal habe ich auch die beneidet, die mit ihrer Akkreditierung viel weiter kamen und in andere Zonen gehen durften.

Die Akkreditierung hat natürlich ihren Sinn und ihre Aufgabe. Ohne sie würde manches Sportereignis in einem Chaos enden. Denn, wenn jeder hin könnte, wo er hin will, dann würde z.B. im Olympischen Dorf jeder herumlaufen und die Sportlerinnen und Sportler hätten keine Ruhe mehr. Oder die Journalisten würden quer über das Spielfeld laufen, nur um das schnellste Interview zu bekommen.

Die Akkreditierung zeigt an, die Person, die sie trägt, darf hier hin. Sie hat eine bestimmte Aufgabe und deshalb darf sie diese Zone oder dieses Gebäude betreten. Eben, ohne Akkreditierung läuft nichts.

Wie gut, dass wir, wenn wir zu Gott wollen, keine Akkreditierung brauchen. Für Gott ist jeder Mensch zugangsberechtigt, egal ob groß, klein, alt oder jung. Das ist es, was ich immer wieder erahne, wenn ich mir an Weihnachten die Krippen in den Kirchen oder in den Häusern anschaue, besonders jene Krippen, bei denen sich viele unterschiedliche Figuren um den Stall scharen.

Und dann verstehe ich: Um zum Kind zu kommen, um das Lächeln der Liebe und die Wärme der Zuneigung Gottes zu erfahren, braucht es keine Akkreditierung mit Bild, Namen, Zahlen und Symbolen. Der Zugang zum Kind ist frei.

Der Zugang ist frei. Frei zur Liebe Gottes. Frei zur Begegnung mit ihm. Frei zu seinem Herz. Ohne Akkreditierung. Ohne Beschränkung. Einfach frei.

Der Zugang ist frei. Frei zu unseren Herzen. Frei zu unserer Zuneigung. Frei, damit Menschen sich bei mir, in unseren Vereinen geborgen und getragen wissen, ohne Akkreditierung, ohne Ausweis, einfach weil sie da sind. Wenn es bei uns so ist, dann weht ein Hauch von Weihnachten.

Michael Kühn


Aufmunterung
Der Wettkampf ist im Gange. Auszeit. Der Trainer versammelt seine Mannschaft um sich. Es läuft nicht so, wie es soll. Jetzt muss der Trainer etwas sagen. Aber wie? Anschreien? Sachlich nüchtern die Fehler analysieren? Fordernd Tipps geben? Oder aufmunternd Vertrauen einflößen?

Der Wettkampf ist gelaufen. Aus. Der Athlet hängt an der Schulter des Trainers. Das Ergebnis ist unbefriedigend. Er ist den Tränen nahe. Der Trainer ist gefordert. Aber wie? Ärgerlich und enttäuscht kommentieren? Zur Tagesordnung übergehen? Einen billigen Trostsatz loslassen? Den Wettkampf sporttechnisch aufbereiten? Oder von Herzen aufmuntern?

Unsere Antworten würden wahrscheinlich gleich ausfallen. Der Trainer sollte verständlich, menschlich und aufmunternd reagieren. Es zeichnet einen guten Trainer aus, dass er zur richtigen Zeit die aufmunternden Worte sagt und so seinem Athleten, seiner Athletin oder seiner Mannschaft hilft, Ziele zu erreichen, Mut und Vertrauen zu fassen sowie Niederlagen und Enttäuschungen wegzustecken.

Wir bevorzugen diese Variante, weil wir in unserem Leben oft genug erfahren haben, wie gut und wohltuend Aufmunterungen sind, die Menschen schenken, die uns nahe stehen. Aufmunterungen sind kleine Geschenke im Alltag. Jede Aufmunterung setzt Vertrauen in uns. Sie erinnern uns an die eigenen Fähigkeiten, aber auch daran, dass andere Menschen uns gut wollen, in dem sie uns begleiten und helfen, den richtigen Weg im Alltag zu finden.

Aufmunterungen sind kleine zärtliche und liebenswerte Stupser, nicht zu früh aufzugeben und auch bei Enttäuschungen oder Niederlagen nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Denn das Leben hält noch genug Spannendes und Erfüllendes parat.

Aufmunterungen schenken ist ein wichtiger menschlicher Zug.

Viele Aufmunterungen schenkt uns immer wieder unser Glaube. Jesus hat den Menschen, die ihm begegneten, Aufmunterungen geschenkt. Kleine göttliche, zärtliche, liebende Lichtblicke.

Schlagen wir gerade im Jahr der Bibel wieder seine Worte auf und entdecken den Reichtum seiner Aufmunterungen für unseren Alltag. Sie tun gut, gerade am Anfang eines Jahres:

"Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen".
(Mt 5,7-8)

"Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt".
(Mt 5,13-14)

"Sorgt euch also nicht um morgen;
denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen."
(Mt 6,34)

"Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden;
klopft an, dann wird euch geöffnet".
(Mt 7,7)

"Hab keine Angst, dein Glaube hat dir geholfen".
(Mt 9,22)

"Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt.
Ich werde euch Ruhe verschaffen".
(Mt 11,28)

"Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt".
(Mt 28,20)

"Euer Herz lasse sich nicht verwirren.
Glaubt an Gott und glaubt an mich!"
(Joh 14,1)

Michael Kühn


Kommt und seht
Manchmal kann man schon fasziniert sein von einer Trainerin oder einem Trainer. Da ist nicht nur die Fachkompetenz, die überzeugt, sondern ebenso die menschliche Qualifikation.

Wir wissen selbstverständlich, dass für eine gute sportliche Leistung ein entsprechendes Training unabdingbar ist und hierzu eine entsprechende Hilfe und Anleitung unersetzlich ist. Aber im Innern spüren wir auch, dass zum Gelingen menschlichen Lebens noch mehr dazugehört. Da ist z.B. das Vertrauen, das ich einem Menschen entgegenbringe oder die Wertschätzung, die ich von jemandem erfahre. Da ist jemand, der mir mit seiner Lebenserfahrung weiterhilft oder mich auf den Glaubensweg einlädt oder für mich ein Vorbild darstellt.

Jesus muss ein solcher Mensch gewesen sein. Als Johannes zwei seiner Jünger zu ihm schickt und sie ihn fragen, ob er der erhoffte Messias sei, antwortet Jesus mit einer Einladung: "Kommt und seht".

Von Jesus muss für diese beiden etwas ausgegangen sein, dass sie dieser Einladung folgten. Was Jesus ihnen gesagt hat, wissen wir nicht. Auf jeden Fall muss er ihnen mit seiner Person und seinem Wort die Augen geöffnet haben für den Anbruch des Reiches Gottes. Denn beide geben die Einladung Jesu weiter und so wächst der Jüngerkreis.

Was hinter dieser Einladung: "Kommt und seht" und dem Gespräch Jesu mit seinen ersten Jüngern steht, können wir in den Evangelien entdecken. Denn die Einladung "Kommt und seht" ergeht auch an uns heute. Die Bibel ist dafür eine wahre Fundgrube der Geschichte Gottes mit uns Menschen.

Die christlichen Kirchen haben das gerade begonnene Jahr 2003 zum Jahr der Bibel erklärt um auf die Bedeutung der Heiligen Schrift für unser Leben hinzuweisen. Warum nicht persönlich oder in Gemeinschaft wie in unseren Gruppen und Vereinen einmal die Bibel zur Hand nehmen und hören, was sie uns von Gott, von Jesus und seiner Beziehung zu uns Menschen zu sagen hat.

"Kommt und seht" – eine Einladung auch für uns heute.

Hans-Gerd Schütt


Gedanken über die Kindheit
Jeder Mensch gedenke immer seiner Kindheit! – Das ist möglich. Denn er hat ein Gedächtnis. Die Kindheit ist das stille, reine Licht, das aus der eigenen Vergangenheit tröstlich in die Gegenwart und Zukunft hinüberleuchtet. Sich der Kindheit wahrhaft erinnern, das heißt: plötzlich und ohne langes Überlegen wieder wissen, was echt und falsch, was gut und böse ist. Die meisten vergessen ihre Kindheit wie einen Schirm und lassen sie irgendwo in der Vergangenheit stehen. Und doch können nicht vierzig, nicht fünfzig spätere Jahre des Lernens und Erfahrens den seelischen Feingehalt des ersten Jahrzehnts aufwiegen. Die Kindheit ist unser Leuchtturm.

Erhardt Kästner


Der Heilige Geist und die Daube
Zu den Wettkämpfen unserer DJK-Winterspiele gehört eine Sportart, die in weiten Teilen unseres Landes eher unbekannt ist oder die man nur vom Hörensagen kennt: das Eisstockschießen. Man spielt es auf zugefrorenen Seen, auf einfach präparierten Eisflächen oder wettkampfmäßig bevorzugt in Eissporthallen. Bei dieser Sportart betritt man auf jeden Fall eisglattes Parkett und das durchaus auch im übertragenen Sinne.

Es verwundert nicht, dass ein Rheinländer nicht wie selbstverständlich die gängigen Fachausdrücke des Eisstockschießens beherrscht. So verwendete ich für das schwarze Hartgummi, das der Schütze als Ziel vor Augen hat, im geistlichen Wort zu Beginn der Wettkämpfe, wie selbstverständlich, die aus dem Eishockey bekannte Formulierung "Puck". Im Laufe des Tages wurde ich neben weiteren wichtigen Informationen zum Eisstockschießen auch dezent darüber aufgeklärt, dass es sich nicht um einen Puck sondern um eine Daube handle. Im frohen Lärm der Wettkämpfe in der Halle versteht der Rheinländer natürlich nicht Daube sondern Taube. Und das war das Stichwort! Denkt ein Pfarrer doch bei Taube sofort an den Heiligen Geist. Das Thema für das geistliche Wort am kommenden Tag war gefunden.

So diente das Sportgerät – die vermeintliche Taube – als Aufhänger für Gedanken über den Geist Gottes unter uns und in der Welt. Doch der Traum vermeintlicher Kompetenz in Sachen Eisstockschießen platzte schnell wie eine Seifenblase, als Ludwig Grau mich kurz danach am Ärmel zupfte und sagte: "Was redest du da. Das ist eine Daube und keine Taube. Das Ding hat mit einer Taube gar nichts zu tun."

Ich musste in den letzten Tagen oft über diese Begebenheit schmunzeln. Und dann kam mir ein Gedanke. Wie oft reden wir wie selbstverständlich über den Heiligen Geist Gottes und verwenden für ihn alle möglichen Bilder, ohne uns nähere Gedanken über ihn zu machen. Und wie oft hören wir nicht richtig hin, wenn Gott zu uns Menschen sprechen will? Und was geben wir oft vorschnell für das Wirken des Heiligen Geistes aus, obwohl es kaum etwas mit ihm zu tun hat. Und haben wir noch ein Gehör für die Sprache Gottes und verstehen wir ihn noch?

All diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Aber ich glaube schon, dass etwas vom Geist Gottes spürbar ist, wenn Menschen sich im fairen Geist zu sportlichem Wettkampf treffen, wenn viel haupt- und ehrenamtliches Engagement dies erst möglich macht, Gemeinschaft und Freude erlebt wird und Menschen Gott im Gottesdienst dafür danken und um Kraft für den weiteren Weg bitten – wie wir es bei den Winterspielen erleben durften. Sein Geist ist erfahrbar, wenn er uns auf dezente und humorvolle Weise – wie geschehen – einlädt, etwas genauer über ihn nachzudenken.

So war für mich diese zum Schmunzeln einladende Begebenheit ein kleines, vorgezogenes Pfingsten – die Einladung über seinen Geist immer wieder neu nachzudenken und sich von ihm beschenken zu lassen.

Hans-Gerd Schütt


Das Auge isst mit – eine österliche Erfahrung
"Das Auge isst mit" – wer hat nicht schon des Öfteren diese Erfahrung gemacht. Die moderne Werbung macht sich die Lebensweisheit dieses Sprichwortes zu Eigen und auch wir wissen darum.

Wie schön ist ein liebevoll gedeckter und dekorierter Tisch und was trägt nicht ein dezent mit etwas Beiwerk versehenes Essen zur Atmosphäre bei Tisch bei. Als Gast sieht man auch an diesen Dingen, wie willkommen man ist. Und auch das kennen wir. Noch so gutes Essen, lieblos serviert, büßt mindestens die Hälfte seiner Güte ein und ganz einfache Speisen, durch die das Herz des Gastgebers spricht, verwandeln sich in ein "Festmenue".

"Das Auge isst halt mit"

Wie mag es um das Sehen der Emmaus-Jünger bestellt gewesen sein, an jenem denkwürdigen Tag, als sie sich wieder auf den Weg in ihre Heimat machten. Allein, desillusioniert und ohne rechte Zukunft auf einem staubigen Feldweg, irgendwo hinter Jerusalem. Nicht, dass sie nicht viel gesehen, gehört und erlebt hätten mit Jesus von Nazareth. Wie hat er zu ihnen und den anderen über das Reich Gottes gesprochen und sie hatten ihm vertraut. Hatten sie nicht erlebt, wie sich für viele Menschen durch ihn das Leben neu öffnete. Und hatten sie nicht mit eigenen Augen gesehen, wie er "Armen die gute Nachricht brachte, Gefangenen die Entlassung verkündete und Blinden das Augenlicht. Wie er Zerschlagene in Freiheit setzte und ein Gnadenjahr des Herrn ausrief". (vgl. Lk 4,18-19)

Aber sie hatten auch gesehen, wie man ihn auf Golgatha hinauftrieb und wie er am Kreuz endete – von weitem zwar aus Angst – aber das reichte schon. Einen Blick ins leere Grab werfen – wozu die Frauen des Ostermorgens sie aufforderten? Das lohnte nicht – hier gab es nach menschlicher Erfahrung nichts mehr zu sehen. Tot ist tot.

Und so waren sie unterwegs. "Wie mit Blindheit geschlagen" – so beschreibt es der Evangelist Lukas. So hatten sie keinen Blick mehr, weder für sich noch für Brot und Wein – die Jesus ihnen als letzten Dienst beim Abendmahl gereicht hatte – und erst recht nicht für jenen Fremden, der sich ihnen zugesellte und den Weg mit ihnen geht.

Irgendwie jedoch beginnen sie im Gespräch etwas zu spüren. Und als es am Abend dunkel wurde, also die Zeit beginnt, wo man nichts mehr sieht, bitten sie ihn doch zu bleiben.

Und sie erlebten an diesem Abend das Festmahl des Ostermorgens. Keiner kann die einfachen Alltagsspeisen – Brot und Wein – so reichen wie er. Dekoriert mit seiner Botschaft und seiner Liebe zu uns Menschen, verwandeln sie sich vor den Augen des Glaubens, in das Festmahl der Auferstehung und Erlösung.

"Dann gingen ihnen die Augen auf", berichtet Lukas. Bitten wir, dass auch uns immer wieder Augen des Ostermorgens geschenkt werden.

Dann sehen wir die Welt als Schöpfung Gottes und uns als Christen mit Verantwortung für den Auftrag Jesu. Und wir sehen die Gaben von Brot und Wein, mit den Augen der Emmaus Jünger. Denn auch hier gilt: "Das Auge isst mit".

Hans-Gerd Schütt


Ansporn
Über Gründe, warum Menschen Sport treiben, wird immer wieder berichtet und geschrieben. Es gibt viele verschiedene Antworten.

Den Profisportler reizen Verdienst und Prämien, auch wenn – wie meist versichert wird – der Gedanke an Geld während des Wettkampfes in den Hintergrund tritt. Ultra-Ausdauersportler fühlen sich herausgefordert, in ihre körperlichen und mentalen Grenzbereiche vorzustoßen.

Leistungssportler finden bei organisierten Wettkämpfen und Meisterschaften Gefallen an sportlichen Erfolgen, die ihnen Medaillenränge und viel Ruhm einbringen und öffentliche Anerkennung – sozialer und materieller Art – sichern.

Breiten- und Freizeitsportler bekunden stets, wie gut ihnen Sport tut, wie dieser das körperliche Wohlbefinden steigert, sie für den beruflichen und familiären Alltag fit macht, wie er den Kopf von Ballast befreit und somit ganz toll für die Gesundheit förderlich ist.

Der Kranke weiß zu berichten, wie viel Lebensqualität der Sport ihm gibt. Anforderungen standardisierter Art an sich selbst, an Körper und Geist erfüllen wollen und erfüllen können, motiviert Menschen für die Ablegung des Sportabzeichens, wofür sie übers Jahr etwas zu tun bereit sind. Und es sind nicht wenige, die – unabhängig von Alter und Geschlecht – der sozialen Einbindung wegen "sporteln", finden sie doch vielleicht nur noch im und durch Sport Zugang zu Gruppen und Gemeinschaften, die festen Halt im ansonsten brüchigen, weil eintönigen, isolierten Alltag bieten.

Antworten genug auf eine wichtige Frage. Die genannten Gründe sind wirklich bedeutsam für die Individuation und die Sozialisation des Einzelnen, egal wie sie in einer Werteskala der Beweggründe anzusiedeln sind. Natürlich ist auch anzuerkennen, dass die Zusammenhänge seltenst monokausaler Natur sind, wobei sich zweckgerichtete und zweckfreie Antriebe geradezu lustvoll miteinander verbinden.

Ein über 60 Jahre alter evangelischer Theologe, der seit früher Jugend jährlich und regelmäßig das Sportabzeichen ablegt, hat kürzlich seinen Beweggrund Preis gegeben, warum er es immer noch mit der Stoppuhr, den Weiten und den Höhen aufnimmt. Es ist ein Bibelwort aus dem Psalm 84, Vers 3, das ihm wesentlich, ohne den gesundheitlichen Aspekt aus dem Auge verloren zu haben, Kraft gibt, wöchentliche Waldläufe zu machen und sich auf Laufbahnen zu bewegen: "Mein Leib und meine Seele freuen sich in dem lebendigen Gott!"

Psalmworte als sportlicher Antrieb, eine eher seltene Antwort auf den Sinn sportlichen Tuns! Psalmworte, die aber auch deutlich machen, dass Sport und christliche Religion durchaus miteinander zu tun haben. Der christliche Gott ist ja ein Gott des Lebens und nicht des Todes, ein Gott des Aktivseins und nicht des Nichtstuns. Im übertragenen Sinne mag das heißen: Der Mensch soll seine Füße bewegen und nicht nur hoch legen. Das Sportabzeichen wird somit, wie jede andere Form des Sportes, des Spielens und der Bewegung, zu einem Stück Lebendigkeit, das der lebendige Gott zulässt und bei dem er sich dem Menschen offenbart, wenn es dieser nur wahrhaben will. Für jeden Sportler bleibt genug Ansporn, um Freude für Leib und Seele zu finden. Dazu muss er offen sein. Viktor Josef Dammertz, Bischof von Augsburg, drückte dies im Festgottesdienst bei den Bundeswinterspielen im Oberallgäu so aus: "Schaut dahin, wo etwas lebt, dahin, wo sich etwas regt. Schaut auf das Lebendige in nächster Nähe und das fängt fast immer klein an!"

Karl Grün


Fels in der Brandung
Wir kennen das aus manchen Fußballspielen: Da wird eine Mannschaft in der eigenen Hälfte eingeschnürt; ein gegnerischer Angriff nach dem anderen rollt auf das Tor an. Die Mannschaft muss mit "Mann und Maus" verteidigen. Kaum einmal kann ein Angriff für Entlastung sorgen. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis ein Fehler; eine Unaufmerksamkeit zu einem Gegentor führt.

In dieser prekären Situation erweist sich ein bestimmter Spieler als "Fels in der Brandung": Obwohl die Mannschaft gehörig unter Druck steht, behält er die Ruhe und Übersicht; er dirigiert und organisiert mit klaren Anweisungen die Abwehr. Wird ein Mitspieler einmal überlaufen, ist er zur Stelle und bereinigt die Situation. Seinem Spielverhalten und gesamten Auftreten ist es zu verdanken, dass man die Drangperiode des Gegners schadlos übersteht.

Davon, dass sich jemand als "Fels in der Brandung" erweist bzw. erweisen soll, spricht schon die Heilige Schrift. Im Alten Testament ist es Gott selber, der als "Felsen Israels" bezeichnet wird (2 Sam 23,3). Gott wird als Fels angesprochen, weil er ein solides Fundament für Treue und Gerechtigkeit darstellt (Dtn 32,4; Ps 92,16). Im Neuen Testament sieht Jesus in Petrus den Felsen, auf den er seine Kirche bauen will (Mt 16,18). An jeden von uns ergeht das Wort Jesu, das Haus des Lebens auf Felsen zu bauen, indem wir auf sein Wort hören und es befolgen (vgl. Mt 7, 24-27).

Es gibt sicherlich viele Situationen und Lebensbereiche, wo es gut tut bzw. notwendig ist, wenn da Menschen sind, die sich als "Fels in der Brandung" erweisen. Hier nur einige Beispiele:

Da vertritt ein Politiker in einer schwierigen Frage eine am Wohl der Menschen orientierte Position, obwohl er sich damit bei vielen unbeliebt macht.

Da bekennt sich jemand am Arbeitsplatz zu seinem Christsein, obwohl ihn seine Kollegen dafür als rückständig ansehen.

Da engagiert sich jemand in seinem Urlaub als umsichtiger Betreuer bei einer turbulenten Kinderfreizeit, obwohl er diese Zeit auch ruhiger verbringen könnte.

Da lässt sich jemand bei einem Streit nicht zu verletzenden Äußerungen hinreißen, sondern trägt durch besonnene Worte zu einer Klärung und Versöhnung bei.


Um uns in den unterschiedlichen Lebenstagen als "Fels in der Brandung" zu erweisen, sollten wir uns immer neu an dem orientieren, der für uns der "Fels in der Brandung" sein will.

Herbert Scholl


Der du die Welt in Händen hältst



Als ich diese Jesusstatue, die im Fuldaer Priesterseminar steht, zum ersten Mal sah, musste ich unwillkürlich an einen Fußballtorwart denken. Körperhaltung und Körpersprache legen diesen Vergleich auch nahe. Sie erinnern an einen Torwart, der Gelassenheit und Ruhe ausstrahlt. Er hält den Ball sicher in seinen Händen und mit der Geste der anderen Hand scheint er seinen Mitspielern zu signalisieren, macht langsam, immer mit der Ruhe, ich habe die Situation im Griff, lasst uns ruhig aufbauen. Gerade in hektischen Spielmomenten oder wenn das Spiel auf des Messers Schneide steht, gibt ein gelassener, ruhiger und sicherer Torwart seiner Mannschaft einen enormen Rückhalt und sie gewinnt an Sicherheit.

In vielen Begebenheiten des persönlichen Alltags haben wir sicher ähnliche Erfahrungen gemacht. Mit Ruhe und Gelassenheit sind knifflige und heikle Situationen besser zu bewältigen. Und wir wissen ebenso was es bedeutet, wenn in einer hektischen Situation jemand den Überblick behält. Seine Ruhe wirkt sich gut auf die anderen Menschen aus.

Dass jeder von uns nicht nur ruhige Tage im seinem Leben erlebt, ist klar. Es gibt viele Ängste und Unsicherheiten, die unser Leben immer wieder kennzeichnen. Die Angst vor dem persönlichen Scheitern, die Angst zu versagen, Menschen zu verlieren, nicht geliebt und geachtet zu werden und die Angst vor Enttäuschung, die Angst vor Krieg, die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Die Unsicherheit wächst. Wie mag es weitergehen? Sind die Entscheidungen, die ich treffe richtig? Bringen sie mich und die Menschen, die ich liebe, die mir anvertraut sind voran?

Wir können von uns selbst wirklich nicht immer sagen, dass wir das Gefühl haben, alles im Griff zu haben. Der eine oder die andere neigt dann zur Panik und zur Hektik. Hauptsache irgend etwas tun und machen. Andere schauen ziellos aus nach Menschen und Personen, die ihnen Sicherheit geben können. Auf dem Markt des Angebotes tummeln sich viele, die scheinbar gute Lösungen und Konzepte parat haben.

Mein Blick und meine Gedanken wandern wieder zurück zu dieser Jesusstatue.

Mich beruhigt dieses Bild und ich spüre, dass darin eine Botschaft liegt, die mich viele Momente meines Lebens anders angehen lässt. Denn es ist kein Spielball, den Jesus in den Händen hält, sondern die Welt, mein Lebensraum. Bei allem was passiert, was sich ändert, ist es gut zu wissen, dass Gott selbst die Welt in den Händen hält. Er garantiert ihren Lauf, ihre Existenz. Da können wir Menschen uns noch so dämlich anstellen. Wir können zwar das Angesicht und die Art und Weise des Zusammenlebens verändern, zum Guten, wie zum Schlechten verändern, aber in ihren Grundfesten können wir die Welt nicht erschüttern und sie aus Gottes Händen schlagen. Er ist ihr Halt. Und er bleibt es auch, damit die Welt ist, was sie ist, Ort der Begegnung mit und der Erfahrung von Gott.

Wer gehalten sein will, wie die Welt, der braucht sich nur in Gottes Hand begeben. Das bedeutet, sich auf ihn einzulassen. Die Sicht Gottes vom Menschen, von der Welt und vom geglückten und guten Leben annehmen. Damit mache ich wirklich die Erfahrung, dass ich trotz aller Bewegung und Veränderung getragen bin und zur Ruhe komme. "Unruhig ist mein Herz, bis es ruht in dir" (hl. Augustinus).

Das kann mich gelassen machen. Ich brauche nicht jedem neuen Trend, der Glück verheißt, hinterher laufen, weil ich weiß, dass Gott sich um mich sorgt. "Macht euch keine Sorgen um euer Leben, ob ihr etwas zu essen habt, und um euren Leib, ob ihr etwas anzuziehen habt! Wenn Gott sogar die Feldblumen so ausstattet, die heute blühen und morgen verbrannt werden, dann wird er sich erst recht um euch kümmern." (Lk 12,22.28)

Gerade, wenn das ein oder andere nicht so läuft, wie ich mir es vorstelle, wenn ich in meinem Leben Scherben und Schwierigkeiten entdecke oder die möglichen Veränderungen mich verunsichern, dann sollten mir die Verheißungen Jesu " wer an mich glaubt, wird leben auch wenn er stirbt" (Joh 11,25) und "ich bin bei euch alle Tage" (Mt 28,20) im Ohr klingen.

Michael Kühn


Segen
Rabbi Nachman und Rabbi Jitzchak saßen bei Tisch. Als sie sich voneinander verabschiedeten, bat ersterer "Meister, segne mich!" Dieser erwiderte: "Lass mich dir ein Gleichnis erzählen: Einst wanderte jemand durch die Wüste. Er war hungrig, durstig und müde. Da stieß er auf einen Baum mit süßen Früchten, angenehmem Schatten und einem darunter verlaufenden Wassergraben. Der Mann aß von den Früchten, trank vom Wasser und ruhte sich im Schatten aus. Als er weiterziehen wollte, wandte er sich an den Baum und sprach: "Womit soll ich dich segnen? Dass deine Früchte süß sein mögen? Sie sind schon süß. Dass dein Schatten angenehm sein soll? Er ist schon angenehm. Dass unter dir ein Wassergraben laufen möge? Unter dir läuft schon ein Wassergraben. Vielmehr lautet mein Segen: Möge es Gottes Wille sein, dass alle Setzlinge, die von dir stammen und gepflanzt werden, so sein mögen wie du! So verhält es sich mit dir. Womit soll ich dich segnen? Mit Gelehrsamkeit? Die besitzt du. Mit Reichtum? Den hast du. Mit Kindern? Die hast du.

Vielmehr lautet mein Segen: Möge es Gottes Wille sein, dass deine Nachkommen so sein mögen wie du."

Babylonischer Talmud, Ta’anit 5b


"Wo, bitte, bleibt die Menschlichkeit?"
Morgengedanken des scheidenden DJK-Landesbeirates
Pater Albrecht Herrmann OSA
anlässlich des DJK Landesverbandstages/Bayern
am 20. Juli 2003 in Eichstätt.

Uns allen bekannt ist das Gleichnis vom "Barmherzigen Samariter" – Lukas 10,25-37

"............Jesus sagte zum Gesetzeslehrer (der ihn gefragt hatte: "Und wer ist mein Nächster?"):

Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn – und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn – und ging weiter! Schließlich kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war; als er ihn sah, hatte er Mitleid. Er ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und pflegte ihn. Am anderen Tag holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: "Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn verbrauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme."

Was meinst du: "Wer von diesen Dreien hat den Mann, der von den Räubern überfallen wurde, wie seinen Nächsten behandelt?"

Der Gesetzeslehrer antwortete: "Der, der barmherzig war und ihm geholfen hat."

Da sagte Jesus zu ihm: "Dann geh und handle genauso!"

Vielleicht habe ich Sie jetzt mit dem ausgewählten Abschnitt aus dem Lukasevangelium geschockt. Wenn ja, dann war das durchaus meine Absicht.

Möglicherweise sind Sie noch mehr verunsichert, wenn ich mit meinen Morgengedanken an eine Szene anknüpfen will, die mich seit dem letzten Montag persönlich beschäftigt und die mich zutiefst geschockt hat. Sie bietet, wie ich meine, einen adäquaten Anknüpfungspunkt an das gehörte Evangelium, an das Gleichnis Jesu. Und ich denke, gerade diese Szene sollte eine DJK-spezifische Herausforderung in unserer Einstellung zur Botschaft Christi sein, auf die wir ja laut unserer Satzung verpflichtet und in die wir eingebunden sind.

Nun wollen Sie natürlich wissen, welche Szene ich denn meine. Es ist der folgenschwere, furchtbare Sturz des spanischen Radfahrer-Profis Joseba Beloki, bei der Tour de France 2003 am letzten Montag, 14. Juli, auf der Etappe von Bourg d‘ Oisans nach Gap.

Was sich da abgespielt hat, war in meinen Augen eine schwere Niederlage für die Menschlichkeit im Profi-Sport unserer Tage!

"Sie sahen ihn am Straßenrand liegen – und fuhren vorüber!"

Ich habe den Sturz und was damit zusammenhing am Fernsehen life verfolgt, der sich 6 km vor dem Ziel ereignet hatte: "unmittelbar hinter Beloki fuhr Lance Armstrong. Er konnte gerade noch ausweichen, fuhr daraufhin querfeldein und dann nach einer Biegung wieder auf die Straße". Der Fernsehkommentator sagte sinngemäß: "Armstrong hat die Situation sportlich gemeistert."

Es steht mir nicht zu, zu richten.

Aber menschlich?

War da auch menschlich die Situation gemeistert?

Ich denke, Sie erahnen, was ich meine.

"Sie sahen ihn am Boden liegen – und fuhren weiter!"

Auch wenn es um Sekunden und damit auch um sehr viel Geld geht, so muss der Mensch immer noch den Vorrang haben.

Die Jury hat danach entschieden: ".........Es wird keine Zeitstrafe für Armstrong verhängt" – obwohl Artikel 18 des Tourreglements bestimmt: "Die Fahrer müssen immer der offiziellen Streckenführung folgen. Das Fahren auf anderen Routen, insbesondere Abkürzungen, hat eine Strafe zur Folge."

Man hat das Reglement ausgesetzt. Das ist die eine Sache. Eine andere Sache ist: Warum hat man das nicht auch getan, als der Teamkollege von Beloki, der Deutsche Jörg Jaksche vom Rad stieg und sich um den Schwerverletzten kümmerte?

Nein, ihm wurden die Minuten, die er der Menschlichkeit im Sport zur Verfügung gestellt hat, nicht gut geschrieben, sondern voll angelastet. Dadurch rangierte Jaksche nicht mehr unter den so genannten Top Ten. Ich warte darauf, dass Jaksche wenigsten nachträglich den Fairness-Preis der Tour de France 2003 bekommt.

"Die anderen sahen ihn – und fuhren weiter!"

Ich war unendlich traurig und zutiefst erschüttert. Denn immer noch hätte der Mensch Beloki an erster Stelle stehen müssen, und dann erst die Zeit und das Geld!


Liebe DJK-Freundinnen und –freunde!
Unser Verband hat sich dem Sport und der Gemeinschaft verschrieben. Wo immer wir in unseren Vereinen dem Sport verpflichtet sind, da müssen wir aufpassen, dass dabei der Mensch im Sport nicht zu kurz kommt und eben nicht an zweiter Stelle steht.

Die Menschlichkeit muss auch und gerade in unserer Zeit ein Wert sein und bleiben, den wir niemals zur Disposition stellen dürfen.

Und eben dieser Wert ruht auf der dritten Säule unserer DJK-Satzung, auf der Botschaft Jesu Christi!

Wie hat Jesus dem Gesetzeslehrer gesagt? "Geh, und handle genauso!"


Poesie im Alltag
Erzählen die kleinen Dinge des Lebens nicht nur von sich selbst, sondern auch von den großen im Hintergrund? Viele unserer Alltagserfahrungen tragen das Etikett "Fragment" auf sich. Wir können sie nur schwer einordnen, sehen kaum, wie das eine mit dem anderen zusammenhängt. Aber tief in uns steckt doch die Sehnsucht, das Ganze und das Große im Fragment wenigsten zu erahnen.

Vielleicht ist es gut, dass wir das "kostbare Muster" hinter allem noch nicht kennen. Ein Stück Geheimnis gehört zum Leben. Und Überraschungen erst recht. Alles Lebendige braucht eine gewisse Spannung, damit es wachsen und gedeihen kann. Verstehen oder gar Weisheit ist eine Frage der geistigen Entfaltung. Wir sind dazu auf dem Weg, hoffentlich.

Dieser Weg hat einzelne Tage als Abschnitt. Auf einen Tag kann ich mich ganz einlassen. Der Wechsel von Tag und Nacht, das ist ein gutes Maß für uns Menschen. Vieles ist vorgegeben, ich versuche, meine Tagesaufgabe zu erfüllen. Aber auch im ganz gewöhnlichen Arbeitstag sind Überraschungen verborgen. Ein Moment der Poesie vielleicht, einen Atemzug lang. Es kann mich etwas berühren und es ist, wie wenn ich einen ganz kurzen Blick auf das "kostbare Muster" geworfen hätte.

Allerdings ist auf diesem Weg eines nötig, die Achtsamkeit.

Bruno Dörig


Abseits des Centrecourts
Bei großen Tennisturnieren gilt das allgemeine Interesse in erster Linie den Spielen, die auf dem Centrecourt ausgetragen werden. Hier ist die Zuschauerzahl am größten, hier stehen die meisten Fernsehkameras. Denn auf dem Centrecourt spielen hauptsächlich die "gesetzten" Spieler, die Favoriten.

Anders ist die Situation auf den "Nebenplätzen", wo die weniger bekannten Spieler antreten. Das Zuschauerinteresse ist geringer, es gibt weniger Fernsehkameras. Bei einem großen Turnier auf den Nebenplätzen spielen zu dürfen, ist selbstverständlich schon ein Riesenerfolg. Wie viele träumen vergeblich davon, es bis dahin zu schaffen.

Außerhalb des Tennisplatzes sind es auch nur wenige, die im Rampenlicht stehen. Von den meisten Menschen nimmt die breite Öffentlichkeit kam Notiz; sie spielen, um im Bild zu bleiben, auf den "Nebenplätzen" des Lebens. Wenn man genauer hinschaut, wird man feststellen müssen, dass sich auch auf diesen "Nebenplätzen" Menschen nach Kräften einbringen, um in vielfältiger Weise das Leben zu gestalten und etwas zu bewirken. Dass jemand "seinen" Platz gut ausfüllt, hängt ja nicht davon ab, ob sein Name in den Medien eine Rolle spielt.

Auf diesem Hintergrund könnte man das Fest Allerheiligen als ein Fest ansehen, dass die Menschen auf den "Nebenplätzen" in den Blick nimmt. Es gedenkt all derer, die – oft im Verborgenen – im Vertrauen auf Gott ihr Leben vollendet haben. Dieses Fest macht deutlich, dass der Weg zur Heiligkeit auf unterschiedliche Weise möglich ist, immer da, wo Menschen aus dem Glauben heraus ihr Leben gestalten: in der Familie, im Beruf, in der Gemeinde, im (Sport-) Verein.

Allerheiligen richtet an uns die Botschaft: Es ist nicht entscheidend, auf welchem Platz du spielst, entscheidend ist vielmehr, dass du dich da, wo du bist, nach besten Kräften und Möglichkeiten einbringst – im Vertrauen darauf, dass Gottes Interesse auch und gerade den Menschen auf den "Nebenplätzen" gilt.

Herbert Scholl


Trainingsplan
Beschriebene Blätter Papier. Beschrieben mit Anweisungen, Hinweisen und Zeiten. Für einen Außenstehenden ein Buch mit sieben Siegeln. Für den Sportler oder die Sportlerin, die den Trainingsplan benutzt, ist er enorm wichtig. Denn er entscheidet oftmals über den Fortschritt oder den erfolgreichen Verlauf einer Saison.

Der Trainingsplan, den ein Sportler oder eine Sportlerin vom Trainer oder der Trainerin aufgestellt bekommt, spielt eine wichtige Rolle. Er ist die Wegbeschreibung durch die Saison. Er ist eine Orientierungshilfe, damit der Sportler oder die Sportlerin nicht einfach drauf los trainiert, sondern sinnvoll das eigene Talent einsetzt und fördert, mit den eigenen Kräften richtig umgeht, damit am Ende nicht Frust oder Verletzungen stehen, sondern Verbesserung und Erfolg. Ein erfolgversprechender Trainingsplan ist abwechslungsreich und kennt intensive und weniger intensive Phasen. Die Mischung macht es.

Natürlich ist der Trainingsplan nur ein Stück Papier mit Buchstaben, Anweisungen, Zahlen, Zeiten und Daten. Wirkung zeigt er nämlich erst dann, wenn der Sportler oder die Sportlerin ihn eifrig und kontinuierlich in die Tat umsetzt und ihn befolgt. Und dies selbst dann, wenn die dort aufgestellten und verlangten Forderungen hart sind, Überwindung und Beständigkeit verlangen. Der beste Trainingsplan taugt nichts, wenn er nicht ernst genommen wird. Nur der Trainingsfleiß. Der Eifer, der Wille und der Einsatz des Sportlers oder der Sportlerin bringt letztlich den erwünschten Erfolg. Der Trainingsplan sorgt dafür, dass Eifer, Wille und Einsatz nicht in die Leere gehen.

Ob wir es glauben oder nicht, auch die Bibel enthält für uns Christen Trainingspläne. Worte Jesu, die uns Wegbeschreibung und Orientierungshilfen sind. Natürlich nicht nur für eine Saison, sondern für jeden Tag unseres Lebens. Und diese Trainingspläne sind ebenso nicht geschrieben, damit wir gegängelt werden, sondern damit unsere menschlichen Fähigkeiten und Kräfte, damit unser Einsatz nicht verpufft und ins Leere geht, sondern gute Ergebnisse erzielt. Diese guten Ergebnisse sind sicherlich keine ersten Plätze, aber dafür eine friedvollere Welt und ein menschlicheres Miteinander.

Aber mit den Trainingsplänen Jesu ist es wie mit den Trainingsplänen im Sport. Sie zeigen erst Wirkung, wenn wir sie in die Tat umsetzen. Und dieses Umsetzen liegt an uns. Es ist eine Herausforderung dies zu tun und Beständigkeit zu zeigen. Immer im Vertrauen darauf, dass Gott weiß, wo es lang geht. Denn auch die Sportler vertrauen ihrem Trainer, dass er für sie das Beste will. Gott will für uns das Beste, darum stellt er uns diese Trainingspläne auf und er glaubt an uns und unseren Erfolg. Wir können mit ihm eine Zivilisation der Liebe und der Gerechtigkeit aufbauen und das Ziel, das ewige Leben erreichen.

Gottes Trainingspläne sind so ausgewogen, dass sie nicht alles auf einmal verlangen, mit langen Anlaufphasen und Erschöpfungen rechnen. Aber sie führen uns stetig voran. Wenn das nicht Grund genug ist, Gottes Trainingsplan in die Tat umzusetzen. Gott steht als ermunternder Trainer an unserer Seite.

Und hier ist einer seiner Trainingspläne:

"Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu Essen gegeben, ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben, ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen, ich war nackt und ihr habt mich bekleidet, ich war krank und ihr habt mich besucht, ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. .. Wahrlich ich sage euch, was immer ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." (Matthäus 25, 35-36.40)

Michael Kühn


Sinn
Eine alte englische Legende weiß zu berichten:

Als die ersten Glaubensboten nach England kamen, mussten sie beim König um Erlaubnis zum Predigen nachsuchen. Der König versammelte seine Ratgeber in der Königshalle. Beim offenen Feuer unterhielten sich die Männer bis spät in die Nacht. Da kam aus der Dunkelheit ein Vogel in die Halle geflogen, irrte eine Zeitlang im Gebälk umher und flog wieder auf der anderen Seite hinaus in die Nacht. Daraufhin sagte einer der Männer: "War das nicht ein Zeichen des Himmels? So ist es doch mit uns Menschen! Wir kommen aus der Dunkelheit in die helle Halle des Lebens, fliegen eine Zeitlang darin herum, verlassen diese Halle wieder und fliegen hinaus in die Nacht. Woher kommen wir? Wozu leben wir? Wohin ziehen wir? Das sind die großen Fragen des Lebens. Wenn uns diese fremden Männer darauf eine gute Antwort geben können, wollen wir sie hören".

Wir kennen die Antwort der ersten Glaubensboten in England nicht. Darüber schweigt sich die alte englische Legende aus. Aber die Fragen, die der unbekannte Teilnehmer der Gesprächsrunde spät in der Nacht in den Raum stellte und den anderen in der Runde vorlegte kennen wir. Es sind Fragen, die immer wieder den Menschen in seinem Innersten beschäftigen und die er sich Zeit seines Lebens von neuem stellt.

Woher komme ich?
Wozu lebe ich?
Wohin ziehe ich?

Zahlreiche DJK-Vereine und Diözesanverbände haben im nun zu Ende gehenden Jahr ein rundes Jubiläum gefeiert oder werden es im kommenden Jahr begehen. Und anlässlich dieser Feste sind sie diesen aktuellen Fragen für sich nachgegangen. Woher kommt unser Verein- unser Diözesanverband? Wozu sind wir in der heutigen Zeit und wohin und womit gehen wir in die Zukunft?

Viele Antwortversuche wird es gegeben haben und wird es geben. Dabei wird die eigene Geschichte betrachtet und damit auch die Traditionen und Werte in unseren Vereinen und im Verband. Darauf stehen wir und bauen wir auf. Jubiläen sind Momente des Innehaltens die uns bewusst werden lassen, dass der Boden des Heute ohne das Fundament der Geschichte Treibsand ist.

Auch die Halle des Lebens unserer Vereine und unseres Verbandes wird bei Jubiläen entsprechend erfahren. Da ist das Erleben von Gemeinschaft und festlicher Freude. Sportliche Leistungen werden gewürdigt und große Ereignisse im Verein und Verband werden gegenwärtig. Und nicht zuletzt leuchten viele diese Halle tagtäglich aus mit ihrem Engagement, sei es ehren- oder hauptamtlich.

Und wir wagen einen Blick in die Zukunft. Wohin ziehen wir? Jubiläen sind auch Momente der Aufbruchstimmung. Die Zukunft verlangt nach Gestaltung. So setzen wir uns gerne neue Ziele in gemeinschaftlicher und sportlicher Hinsicht. Wir lassen – oftmals durchaus auch selbstkritisch – die Frage zu, wie wir für andere attraktiv sein können, ob es sich lohnt, für unsere Ideen und Anliegen in der DJK auch in Zukunft auf dem Markt der Möglichkeiten zu werben und einzutreten?

So wie jedoch das Heute ohne Geschichte auf Treibsand steht, so droht sich die Zukunft ohne das Womit? in Beliebigkeit zu verlieren.

Dieses Womit? wird uns auch emotional wie kaum in einer anderen Jahreszeit so gewissermaßen in die Krippe unserer Häuser und Kirchen gelegt, wie im Festkreis der Weihnacht.

Denn von diesem Kind in der Krippe gilt, was ein Weiser des Alten Testaments einige hundert Jahre vorher ahnend ausgesprochen hat:

"Als tiefes Schweigen das ganze All umfing,
und als die Nacht in der Mitte hielt ihre Bahn,
da sprang dein allmächtiges Wort
vom Himmel hernieder auf die Erde......."

Wir beginnen zu erkennen und zu spüren, wie sehr die Botschaft von der Menschwerdung Gottes, wie das Evangelium von Geburt, Leben, Tod und Auferstehung Jesu auch die Menschen in der Geschichte unserer Vereine und unseres Verbandes bewegt und geprägt hat. Und wir stehen vor der Aufgabe als Christen in Kirche und Sport, dieses Vermächtnis in die heutige Zeit zu übersetzen und erfahrbar zu machen. Diese Aufgabe ist nicht leicht. Denn unser christlicher Glaube ist nicht Verzierung, sondern Anspruch und Aufgabe. Aber er erfüllt die Halle des Lebens mit Licht und Hoffnung.

Dabei steht er nicht isoliert, sondern will eingewoben sein in unser Handeln und Tun. Und wenn wir genau hinschauen, werden wir viele Beispiele im Alltag unserer Vereine und unseres Verbandes finden. Denn unser christlicher Glaube ist für das Leben und das Anliegen unserer Vereine und unseres Verbandes so nebensächlich nicht wie es manchmal auch scheinen mag oder behauptet wird.

Schließlich ist der Glaube das Womit? unserer Zukunft.

Die ersten Glaubensboten hatten wohl auf diese drei entscheidenden Fragen des Menschen eine persönliche Antwort des Glaubens.

Ich wünsche uns, dass die Botschaft der Weihnacht für uns eine Glaubensantwort für unseren weiteren Weg wird".

Hans-Gerd Schütt


Einmaleins des Sports
(Kommt und seht!)
Spieltag in der Fußball-Bundesliga und die Medien sind dabei. Millionen beobachten die eingeblendeten Trainer, die wohl Spielzüge und taktische Manöver der eigenen wie auch der gegnerischen Mannschaft auf einem Notizblock aufzeichnen. Wahrscheinlich stehen auf dem Zettel auch Hinweise über Fehlleistungen einzelner Spieler oder deren Großchancen, die sie sich herausgespielt und oder auch nicht in Toren verwertet haben. Manchmal fragen die Reporter nach, was der Trainer aufgeschrieben habe, meist bleibt dies jedoch ein Geheimnis des Übungsleiters. Nicht nur im Fußballsport gibt es den Notizblock, es gibt ihn insbesondere bei Mannschaftssportarten. Sicher werden die Erkenntnisse in Spielpausen, Trainingseinheiten oder Mannschaftsbesprechungen weitergegeben. Auf Lehrtafeln entstehen dann für Außenstehende oftmals bizarre Skizzen, hinter denen sich aber fachliche Einsichten, spieltaktische Selbstverständlichkeiten oder überraschende Spielplanungen verbergen. Geklärt werden Laufwege, Erfolg versprechende Spielzüge und Formen des Zusammenspiels. Es ist die Geschichte vom Einmaleins des Sports.

"Kommt und seht!", so oder so ähnlich mag der Trainer sagen, wenn er seine Mannschaft um die Lehrtafel versammelt. Die Spieler sind bereit für eine Taktikschulung. Ja, sie merken, dass es Sinn macht, sich auf das, was der Trainer zeichnet, spricht, deutet und erklärt, einzulassen. Sie hören etwas über Grundlagen des Erfolgs.

"Kommt und seht!", so antwortete der Lehrer und Rabbi aus Nazareth – Jesus, der Christus – auf die Frage der Jünger, wo er denn wohne. Es geht aber nur vordergründig um Zimmer, Keller oder Speicher. "Kommt und seht!", das ist eine Einladung, ihm nach zu tun, wie er lebt, wie er denkt, wie er glaubt.

"Kommt und seht!", diese Einladung können auch Christen aussprechen, wenn sie Menschen begegnen, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind. Solche Menschen sind auch Mitglieder in Sportvereinen. Was liegt näher, als die "Lehrtafel christlicher Lebensgestaltung" aufzustellen und Laufwege oder Formen des Zusammenlebens zu erklären. Der Sportverein – eine Lebensschule? So abseitig ist dieser Gedanke nicht. Das Sportfeld, die Turnhalle oder die Schwimmhalle werden zu Erprobungsräumen, wie Menschen zusammenleben sollen, wie sie miteinander umgehen, welche Chancen sie den Schwächeren lassen oder wie sie mit Sieg und Niederlage umgehen sollen. Manche haben den Einstieg in eine rechte Lebensgestaltung bereits gefunden, andere brauchen die Hilfe derer, die bereits "gekommen sind und gesehen haben."

"Kommt und seht", das ist auch die Botschaft der Bibel, die unendlich viele gute Hilfen parat hält. Die Heilige Schrift ist eine großartige "Lehrtafel", deren Worte freilich jeder für sich oder mit Hilfe anderer entschlüsseln und verinnerlichen muss, sind es doch Worte vom Auffangen und Geborgensein, von rechten Laufwegen und vom rechten Zusammenspiel. Was doch alles in einem Sportverein möglich sein kann!

Karl Grün


Einwechselspieler
(Nehmt Neuland unter den Pflug!)

Sie sind mit ihrer Rolle oftmals nicht so recht zufrieden – die Auswechselspieler und die Einwechselspieler. Beide zählen nicht unbedingt zum so genannten Stamm der Mannschaft, sie zählen zum derzeitigen Stand zu den Ergänzungsspielern. Die Gründe sind vielfach: Es fehlt ihnen die Form, sie sind nach Verletzungen im Aufbautraining, sie haben einen Mitspieler, der das Spielkonzept besser umsetzen kann, es sind einfach junge Nachwuchsspieler, deren Zeit noch kommen soll. Es bleibt nicht aus, dass sich Auswechsel- oder Einwechselspieler benachteiligt oder gar verkannt fühlen. Nicht selten – die Medien berichten wöchentlich darüber – kritisieren sie den Trainer oder den Manager, die ihnen keine Chance geben. Sie bringen Vereinswechsel ins Gespräch oder tauschen die "Farben" ein und nehmen in anderen Vereinen eine neue Herausforderung an.

Zugegeben, es ist ein Unterschied, ausgewechselt oder in der Schlussphase eines Spiels eingewechselt zu werden. Die Reaktionen zeigen es: Auswechselspieler verlassen häufig eher zögerlich das Spielfeld, in den Gesichtern steht Enttäuschung geschrieben. Dem Trainer gegenüber können sie unwirsch reagieren, weil ihnen das Verständnis für die Maßnahme fehlt. Ihr Weg führt direkt in die Umkleidekabinen – sie verschwinden von der Bildfläche. Einwechselspieler zeigen meist eine ganz andere Körpersprache. Ungeduldig warten sie am Spielfeldrand auf ihren Einsatz, müssen vom Schiedsrichter auf Regularien hingewiesen werden. Sie sprinten dynamisch auf das Spielfeld, geben gesten- und wortreich Anweisungen des Trainers weiter und nehmen – sichtbar motiviert – ihre Positionen im Mannschaftsgefüge ein.

Dies ist auch im Leben außerhalb des Sports zu beobachten. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob einem "das Ruder aus der Hand genommen wird" oder "jemand neu zum Zug kommt", beispielsweise ob bei Auflösung einer Betriebsabteilung der Arbeitsplatz verloren geht oder ob eine Stelle in einer anderen Abteilung zur Verfügung gestellt wird.

Das Aus- bzw. Einwechselspiel ist – bei aller Unterschiedlichkeit – meist mit negativen Erfahrungen verbunden. Ganz anders ist dies bei Gott. Von Gott wird ein jeder angenommen und geliebt, so wie er ist, mit allen Ungereimtheiten und Mängeln. Bei Gott kommt es darauf an, dass es den Menschen gibt. Er hat und braucht keine Auswechselspieler, allerhöchstens Einwechselspieler, die sich ein Ziel setzen, eine Mitte haben, die Schwung entwickeln für die Sache Gottes. Beim Propheten Hosea im Alten Testament heißt es: "Nehmt Neuland unter den Pflug!" Die Menschen sollen alles Neue mutig wahrnehmen, Aufgaben in Kirche, in Gesellschaft oder auch im Sport. Sie sollen sich einwechseln lassen für Christus und damit für die Menschen. Jeder wird gebraucht! Jeder kann zum Zuge kommen! Im Mannschaftsgefüge Gottes sind immer Plätze frei. Die Jünger Jesu waren solche Einwechselspieler, wie bekannt mit Ösen und Haken, aber auf ein Ziel ausgerichtet.

Karl Grün


Motto, Block und Kugelschreiber
Wer die Veranstaltungen unseres Diözesanverbandes besucht, der findet meistens auf seinem Platz eine kleine Aufmerksamkeit vor: einen Schreibblock und einen Kugelschreiber. Nützlich, um sich die ein oder andere Anregung aufzuschreiben oder ein wenig die Zeit durch Malen zu vertreiben.

Wer sich den Block genau anschaut, dem fällt natürlich sofort das Motto auf, dass ihn prägt: "DJK – unser Sport: der Mensch geht vor". Gerade dieses Motto ist in den vergangenen Jahren immer ein treuer Begleiter gewesen und daneben ein Hinweis dafür, was die Arbeit der DJK motiviert und ausmacht.

Motto, Block und Kugelschreiber. Das weiße Blatt des Blockes lädt doch geradezu ein, sich ein paar Stichworte aufzuschreiben, die das Motto griffiger machen können. Was braucht es denn für Haltungen, Orientierungen und Ansichten, damit der Mensch in unserem Sport wirklich vorgeht?

Respekt, Verständnis für den Einzelnen, Anerkennung, Unterstützung, gute Worte, Hilfestellung, Gemeinschaft, Freude am Sport, an der Bewegung, an den Menschen und am Miteinander, Fairness, Großzügigkeit, Botschaft Christi als Orientierung, keinen übertriebenen Ehrgeiz, Wissen um Leistungsgrenzen, usw. usw. Ich glaube, wir könnten den ganzen Block mit Stichworten und Ideen füllen.

Motto, Block und Kugelschreiber: nützlich, um alles, was mir zur DJK einfällt zu Papier zu bringen.

Doch letztlich bleiben es nur geschriebene Worte, wenn nicht etwas dazukommt. Nämlich der eigene Einsatz, das eigene Handeln und die Begeisterung für die DJK. Worte und Motti wollen leben. Die DJK will lebendig sein. Und das geht wirklich nur, wenn sie nicht eine geschriebene tolle Idee und ein griffiges Motto bleibt, sondern wenn wir selbst sie durch unsere Kraft, unsere Phantasie und unsere Liebe konkret werden lassen. Wenn die DJK in unserem Gesicht ein menschliches Gesicht bekommt.

Wir sind die lebendigen Worte und die besten Worte, die "DJK – der Mensch geht vor", immer wieder buchstabieren.

Und das gelingt uns deshalb, weil wir auf eine Kraft bauen dürfen, die uns trägt, nämlich die Kraft unseres Gottes, auf den wir bauen und vertrauen. Denn auch er hat uns ein lebendiges Wort gesandt, damit wir daran ablesen können, wie menschliches Leben gelingt und seinen tiefen Sinn findet: Jesus Christus, seinen Sohn. Wenn wir uns von ihm immer wieder inspirieren, ermutigen und tragen lassen, dann kann eigentlich nichts schief gehen, um der DJK Lebendigkeit zu verleihen, zum Wohl der Menschen in unserem Verband.

Michael Kühn


Wie "neugeboren"
Wir alle kennen es aus eigener Erfahrung oder vom Zuschauen. Nach einem harten ausdauernden Wettkampf, am Ende des Joggings, wenn man nach einer anstrengenden Bergwanderung endlich den Gipfel erreicht hat oder die Mannschaft alles gegeben hat: "Endlich Wasser zur Erfrischung". Da wird der Durst gestillt und der Wasserhaushalt des Körpers ausgeglichen und eine Dusche weckt die Lebensgeister. Kein Wunder, dass diese Erfahrung auch Einzug in unsere Sprichwörter gefunden hat. "Wie neugeboren", sagen wir dann und damit bringen wir ein höchst beglückendes Lebensgefühl zum Ausdruck. Es wundert also nicht, dass das Wasser in allen Kulturen eine bedeutende Rolle spielt. Denn Wasser garantiert das Überleben. Nicht nur als Lebensmittel oder unerlässlich zur körperlichen Pflege, sondern ohne das Wasser wäre kein Leben möglich. Die Pflanzen transportieren mit seiner Hilfe Nährstoffe bis in die äußersten Verästelungen und der Körper von Mensch und Tier besteht nicht zu einem unerheblichen Teil aus Wasser. Für uns Menschen in den gemäßigten Breiten ist Wasser selbstverständlich geworden. Ich werde die Antwort nie vergessen, die mir ein afrikanischer Freund gab. Auf meine Frage, was ihn denn als Erstes in Europa beeindruckt habe, gab er mir zur Anwort: "Mich hat als Erstes nicht der Verkehr, die fremde Kultur und der Bau der Städte beeindruckt, sondern die schlichte Tatsache, dass man zu einem Wasserhahn gehen kann und hat Wasser in Hülle und Fülle. In meiner Kindheit waren 3 Stunden des Tages reserviert, um an einem entfernt gelegenen Brunnen Wasser für die Familie zu holen".

Wasser - eine Selbstverständlichkeit und zugleich ein kostbares Geschenk. Dessen sollten wir uns immer wieder bewusst sein. So lädt uns auch das Osterfest ein, über die tiefere Bedeutung des Wassers nachzudenken. Auch in der heiligen Schrift begegnet uns das Wasser auf vielfältige Weise. Es garantierte den Israeliten das Überleben in der Wüste als Mose mit seinem Stab auf den Felsen schlug und zugleich Wasser hervorsprudelte. In den Liedern und Gebeten der Psalmen ist immer wieder die Rede davon, dass die Seele nach Gott dürstet. Gemeint ist u.a. die tiefe Sehnsucht nach dem Leben das von Gott ausgeht.

So wundert es nicht, dass auch Jesus immer wieder das Bild des Wassers heranzieht, um seinen Vater im Himmel zu beschreiben. Für Ihn gießt er sich immer wieder aus, wie lebendiges Wasser. Und das Wasser ist schließlich Symbol des Geistes. So kann Jesus im Hinblick auf den Geist sagen: "Wer dürstet soll aus mir trinken. Aus seinem Innern werden Ströme des lebendigen Wassers hervorfließen" (Joh. 7,39). Und das Hineinwachsen in das göttliche Leben hat Jesus als Neugeburt aus Wasser und Geist bezeichnet (Joh. 3,5). Und so kann Paulus später die Gegenwart des göttlichen Geistes als das Ausgießen der Liebe in unsere Herzen bezeichnen (Röm. 5,5). Die Botschaft des Ostermorgens, die Botschaft der Auferstehung Jesu, ist somit auch eine Botschaft des lebendigen Wassers. Und so endet das Matthäus Evangelium mit dem Taufauftrag Jesu und damit mit dem Wasser der Taufe. "Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern. Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt. 28,19-20).

Als Christen sollten wir, wenn wir in unserem Alltag das Erfrischende und Belebende des Wassers immer wieder geschenkt bekommen und entdecken, auch an unsere eigene Taufe denken. Und es wäre ein großes Geschenk des Osterfestes, wenn wir aus tiefem Herzen heraus sagen könnten: "Wir sind wie neugeboren".

Hans-Gerd Schütt


Eine Murmel
Ein kleiner Gegenstand aus unserer Kindheit begegnet uns in dieser Meditation:
Eine Murmel.

Wahrscheinlich haben wir die einfache Schönheit der Murmel schon vergessen und entdecken sie jetzt erst wieder, weil wir darauf aufmerksam gemacht werden. Die Murmel ist ein kleines Ding, nicht groß und doch bringt sie seit Generationen immer wieder Kinder zum Staunen. Gerade die kleinen Dinge erfreuen uns manchmal viel mehr als die Großen. Gerade die einfachen Dinge zeigen oftmals mehr Wirkung als die Großen. Warum wollen wir Menschen immer die Großen sein? Warum wollen wir immer die großen Dinge tun. Es sind die Kleinen, die eigentlich viel mehr zählen. Die kleinen unscheinbaren Dinge und Taten bauen diese Welt auf und bringen die beständige kleine Freude.

Es sind doch Spaß und Freude, die die kleine Murmel in den Händen der Kinder weckt. Spaß am Spiel, Freude am gemeinsamen Spiel. Entdecken wir immer wieder die Freude, die die kleinen, einfachen Dinge in unserem Umfeld erzeugen. Wir besprechen und beraten uns täglich, wir suchen nach neuen Wegen und probieren neue Bahnen aus. Vergessen wir dabei das Einfache, Menschliche nicht. Wenn wir auf dem Kleinen aufbauen, bauen wir das Große.

Spaß und Freude machen die Murmeln besonders dann, wenn sie rollen, sich gegenseitig anstoßen und die eine die andere in Bewegung setzt. Eine Murmel muss rollen, muss andere anstoßen. Auch wenn sie sich dabei Macken einfängt. Wenn eine Murmeln aus Angst davor, dass sie Macken bekommen könnte nur als Anschauungsobjekt zurückgehalten wird, dann kann man sie vielleicht betrachten, aber die Möglichkeit des Spieles und des Miteinanders wird verpasst. Nur das Risiko zur Macke bringt das Spiel in Bewegung.

Wer keine Macken riskiert, kann nichts in Bewegung setzen. Riskieren wir einfach Macken für unsere Überzeugung, stoßen und ecken wir an, denn dann werden wir etwas in Bewegung setzen. Dieses In-Bewegung-setzen lässt Spuren zurück, Spuren der Menschlichkeit, Spuren des Respektes, des Einsatzes, der Kreativität, Spuren der Solidarität und der persönlichen Entfaltung.

Doch die Murmeln geraten nicht von sich allein in Bewegung. Sie müssen immer wieder angestoßen werden. Wer stößt uns an? Wer setzt uns in Bewegung? Lassen wir es zu, dass Gott uns anstößt. Durch sein Wort. Durch Jesus, der für viele ein Stein des Anstoßes war (1 Petr 2,7-8). Seine Anstöße haben die Menschen verändert, wenn sie sich anstoßen ließen. Ich wünsche uns, dass auch wir angestoßen werden, denn in den göttlichen Anstößen liegt eine enorme Kraft.

Herr, lass mich eine Murmel in deinen Händen sein. Nicht die Schönste und nicht die Glatteste, sondern eine Murmel die rollt und andere anstößt.

Auch wenn ich dabei die eine oder andere Macke einfahre, soll es mir nichts ausmachen. Auch wenn das Anstoßen manchmal mühsam oder schmerzhaft ist. Lass meine Energie nicht in die Leere gehen. Lass mich nicht allein rollen, sondern lass mich anstoßen für Mitmenschlichkeit, Frieden, Verständigung unter den Menschen, Kulturen, Rassen und Geschlechtern, damit jeder Mensch, Alt und Jung, Frau und Mann letztlich ins Ziel rollt.

Michael Kühn


Christ sein – echt stark
(Wenn ich schwach bin, bin ich stark. – Die Freude an Gott ist unsere Stärke!)

"Echt stark"
– so drücken sich Menschen aus, wenn sie von einer Sache, von einem Vorgang oder einem Ereignis positiv überrascht und total angetan sind. Von Sportlerinnen und Sportlern ist dieser Ausdruck oft zu hören.

Es sollte wohl auch erlaubt sein, dieses "Echt stark" auf Sportlerinnen und Sportler anzuwenden, die Spiel, Sport und Bewegung im Lichte eines christlichen Geistes zu sehen bereit sind. "Echt stark" – das möchte DJK-Sport demzufolge sein. Nicht als ob Christsein das einzige Modell für eine sinnvolle und erfüllte Lebensgestaltung, zumal für eine leibbezogene Lebensweise wäre, aber sicher doch ein gutes Angebot. Nicht weil Christen zeigen müssten, wer im Blick auf Schwächen anderer stark ist, aber doch, weil ein Angebot des Schöpfergottes stark macht: Jesus Christus. Nicht weil sich ein christlicher Sportverband bemüht, durch perfekt organisierte Shows und Sportveranstaltungen oder perfekt geplante Medienpräsens auf sich aufmerksam zu machen und Menschen anzuziehen, aber doch, weil Menschen in der sportlichen Begegnung Kraft tanken können, indem sie Ihn entdecken. Und schon gar nicht, weil Christen im Sport immer stark sein müssten und keine Fehler machen dürften, aber doch, weil sie die eigenen Schwächen richtig einordnen können. Im Grunde geht es nämlich nicht um stark sein, sondern um schwach sein, denn in der menschlichen Schwachheit wird die Kraft Gottes erkennbar. Der Völkerapostel Paulus sagt dazu: "Wenn ich schwach bin, bin ich stark".

Kraft, die aus dem Glauben kommt, ist stark. Sie trägt, wo andere längst resignieren, sie gibt nicht auf, sondern fängt immer neu an. Die Freude an Gott setzt Kräfte frei. Wenn Menschen etwas gerne und mit Freude tun, da wachsen neue Kräfte. Gilt das nicht für die vielen Ehrenamtlichen im Sport, die sich bisweilen ausgenutzt fühlen, ohne Dank und Anerkennung bleiben, aber die Kraft haben, weiter zu machen! – Das ist echt stark! Gilt das nicht für behinderte und kranke Sportlerinnen und Sportler, die sich eigentlich schwach fühlen, aber Zuversicht und Einsatzwillen zum Training oder Wettbewerb mitbringen! – Das ist echt stark! Gilt das nicht auch für die Verantwortlichen in der Vereinsführung, die selbst nach Halt suchen, aber dennoch anderen Heimat und Geborgenheit bereiten, indem sie die Türen und Tore der Vereinsheime und Sportplätze für jede Frau und jeder Mann offen halten und Vereinsleben als Einladung zu Gemeinschaftserleben verstehen! – Das ist echt stark! Gilt es nicht auch für sieg- und erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler, die im Blitzgewitter der Öffentlichkeit und der Medien stehen, und doch die Verlierer ernst nehmen, zu ihnen stehen, obwohl sie eigentlich abgeschrieben sind! – Das ist echt stark!

Manchmal sind Dinge zu schaffen, die niemand dem Anderen zutraut. Manchmal wachsen Menschen mit Gottes Kraft über sich hinaus und nehmen dies dankbar zur Kenntnis. – Echt stark! Mögen sich auch Sportlerinnen und Sportler stets von der Frohen Botschaft, vom Wort Gottes anstecken lassen, denn – so steht es in der Bibel – "die Freude an Gott ist unsere Stärke!"

Karl Grün


Umsetzen
Als Bergläufer weiß ich, es geht nicht nur bergauf, sondern es gibt auch Passagen im Wettkampf, bei denen es zwischendurch bergab geht.

An der Schwelle vom Bergauf zum Bergab muss ich möglichst schnell vom kraftvoll-stampfenden, in den leichten, flüssigen Temposchritt umstellen, sonst sind die Chancen auf eine gute Platzierung dahin.

An diesem Punkt werden viele Wettkämpfe entschieden. Wem die Umstellung gut gelingt, der hat gute Aussichten auf einen Erfolg.

Ähnlich ist es im Leben. Vom erfolgreichen und glücklichen Bergauf geht es oftmals ganz schnell bergab. Wer nicht genügend umstellen kann, hat viel verspielt.

Dabei gehört das Bergauf und das Bergab unabdingbar zum Leben und muss trainiert werden. Aus der Erfahrung weiß ich, dass das Laufen bergab wesentlich anstrengender ist als das Bergauf.

Ein treffsicheres Beispiel bietet uns die Bibel an. Petrus, ganz im Mittelpunkt der Apostelschar, der so oft den Mund voll genommen hat, verleugnet den Herrn auf einmal. Welch ein Abstieg muss das für ihn gewesen sein?

Aber er verliert dennoch das Ziel nicht aus den Augen. Er rappelt sich wieder auf und wird zum kraftvollen Verkünder der göttlichen Liebesbotschaft.

Umsetzen im wechselvollen Auf und Ab ist nirgends besser zu beobachten und auch zu üben, als im Sport. Und das Ziel nicht zu verlieren auch, genauso wie im alltäglichen Leben.

Hans Klee


Erfrischung
(Das Wasser, das ich dir geben werde, wird zur sprudelnden Quelle)

Wasser. Was ist nicht schon alles über das Wasser geschrieben worden. Immer gibt es einen guten Anlass über das nasse Element nachzudenken. "Vom Wasser haben wir’s gelernt", heißt es in einem alten (fast vergessenen) Wanderlied. Wandern – ein typischer Freizeitsport – ist zwar nicht "out", singende Wandergruppen sind aber seltener geworden. Vom Wasser lernen dagegen, ist unverändert "in".

Wasser sprudelt und fließt, Wasser erfrischt, Wasser lässt sich kaum aufhalten, Wasser bedroht, Wasser ist Lebensraum für Tiere, Wasser hat Kraft, Wasser ist klar, Wasser trägt – erstaunlich viele Bilder tun sich auf.

Natürlich kann der Sport vom Wasser lernen, der Sport, der dieses Element für sich nutzt beim Rudern, Segeln, Schwimmen, Wasserspringen, Tauchen, Kanu fahren, Wasserball, um nur einige Sportarten zu nennen. Eine Rolle spielt Wasser im Sport, wenn Sportler und Sportlerinnen eine Erfrischung nötig haben. Es ist beliebt als Pausengetränk und wird in Schwämmen den Triathleten oder Marathonläufern – nicht nur bei großer Hitze – gereicht. Es ist lebenswichtig, es weckt die müden Geister und gibt den Körperzellen Frische, es spendet Kraft.

Symbol für Frische und Leben ist die Wasserquelle. Sie wird nicht selten in Brunnen gefasst und liefert klares Nass. Für die Wüstenbewohner gibt es nichts Wichtigeres als Wasserquellen oder Wasserbrunnen. Sie machen Menschen zufrieden und gelassen. In der Bibel ist auch von einem Brunnen die Rede. Jesus wandte sich an die Samariterin am Jakobsbrunnen und sagte: "Das Wasser, das ich dir geben werde, wird zur sprudelnden Quelle." Wieder einmal verspricht Jesus Menschen seiner Region so etwas wie das Heil. Er selbst wird zur Quelle, die sich dem Menschen anbietet, aber nicht aufdrängt. Diesem ist es aufgetragen, an die eigenen Quellen zu kommen, an die Quellen, die sprudeln, Leben spenden, Kühlung bringen, Durst stillen und Frische geben. Wie aber kommt der Mensch an die eigenen Quellen? Der große Tiefenpsychologe C.G. Jung sagt dazu, dass ein erfolgreiches Leben der sichere Garant sei, nicht an die eigenen Quellen zu kommen. Wie eigenartig klingt dieser Satz für den aufgeklärten, mit Erfolg verwöhnten, auf das eigene Ich bezogenen Menschen! Die Antwort Jungs muss mehrmals gelesen werden: Der Weg geht nur über Dunkelheiten des Lebens, ja über Ängste, die zur menschlichen Existenz nun mal dazu gehören, auch wenn die "Take – it – easy – Mentalität" unserer Zeit etwas anderes glauben machen möchte. Das heißt doch, dass alles seinen Sinn hat und das, was menschliches Leben von Zeit zu Zeit durchkreuzt, erst in Berührung mit dem wirklichen Sein bringt.

So gesehen wird Wasser zum Ritual, das heilt, es wird zum Heilszeichen für Gottes Gegenwart. Wasser – das ist eine Spur Gottes. Wasser wird zum Urlaub für Leib und Seele. Wenn der Sportler nach der Wasserflasche greift, dann erfrischt er sicher zunächst seinen Körper, die Flüssigkeit bringt ihn aber zurück zu seiner eigenen Aufgabe, zu seiner eigenen Sendung, die ihm für das Training oder den Wettkampf aufgetragen ist. Um die persönliche Sendung geht es, um Lebensmuster, die zufrieden machen, um ein Leben aus der Quelle des Heiligen Geistes.

Karl Grün


Laufen
Der Marathonlauf gleicht wohl dem Tagesablauf, weil sich in seinem langen Verlauf ein gesamter Tag wieder spiegeln kann.

Der Morgen steht für den Start. Da ist das Gruppengefühl, da ist eine Euphorie, eine Vorfreude und nicht zuletzt das "Wir-Gefühl". Wir kennen dies vom Tagesbeginn, den wir oftmals voller Freude und mit viel Optimismus angehen.

Im Laufe des Tages erleben wir aber auch, wie wir in uns hineinhorchen müssen. Auch dies erlebt man beim Marathonlauf. Man hört hinein in den Körper, spürt die Muskeln, die Füße, die Luft. Auch dies ist ein Bild für unseren Tagesablauf. Was trägt mich, welche Energie brauche ich um durch den Tag zu kommen?

Und dann gibt es beim Marathonlauf jenen kritischen Kilometer, den alle Marathonläuferinnen und –läufer kennen. Der Marathon wird nun als Kampf empfunden. Nur ankommen, reicht die Kraft, schaffe ich es in der Zeit? Auch dies erleben wir im Tagesablauf, dass wir glauben an unseren Leistungsgrenzen, am Ende unserer Möglichkeiten zu sein, dass uns etwas lähmt oder dass wir nur noch versuchen anzukommen. Dann gilt es, diesen kritischen Punkt zu überwinden, wo man am liebsten alles hinschmeißen würde.

Und dann das Ziel, es ist der Abend, ich habe es geschafft. Im Ziel fällt alles von mir ab. Tränen haben durchaus ihren Platz, eine zufriedene Leere stellt sich ein und wenn man dann ins Gehen kommt, ist kein neues Laufen mehr möglich.

Der Abend lädt zur Ruhe und Stille ein. Am Abend dürfen wir sagen, ich habe es geschafft, ich darf nun alles auch einmal ein Stück loslassen, so dass von mir abfällt, was ich am Tage erlebt habe. Und genau wie bei einem Marathonlauf blicke ich zurück, wie ich durch das Anfeuern der Zuschauer, dass heißt der Menschen denen ich begegnet bin, oft getragen und unterstützt wurde. Wie wichtig die zwischenmenschliche Atmosphäre im Laufe eines Tages ist. Beim Marathonlauf haben alle Geschlechter, alle Altersstufen und Leistungsklassen, alle Völker und Nationen einen Platz. Wie schön wäre es, wenn wir dies beim Marathonlauf so Selbstverständliche auch in unseren normalen Lebensalltag übertragen würden. Vielleicht ein guter Vorsatz für den morgigen Tag?

Hans-Gerd Schütt


Die Hauptsache
Die Tiere stritten sich einmal darum, was wohl die Hauptsache an Weihnachten sei. "Das ist doch klar", sagte der Fuchs, "der Gänsebraten. Was wäre Weihnachten ohne Gänsebraten?" Der Eisbär widersprach: "Schnee muss sein, viel Schnee! Weiße Weihnachten, das ist es!" Das Reh aber sagte: "Der Tannenbaum ist es! Ohne Tannenbaum gibt es kein ordentliches Weihnachtsfest." "Aber nicht mit so vielen Kerzen", heulte die Eule, "schummerig und gemütlich muss es sein. Die Weihnachtsstimmung ist die Hauptsache."

"Und ein neues Kleid? Wenn ich kein neues Kleid kriege, ist Weihnachten nichts", rief der Pfau. Und die Elster krächzte dazu: "Jawohl, und Schmuck, viel Schmuck. Ein Ring, ein Armband, eine Brosche, eine Kette, ein Diamant. Dann ist Weihnachten."

"Und der Stollen? Und die Kekse?" brummte der Bär. "Das ist doch die Hauptsache und die anderen schönen Honigsachen. Ohne das verzichte ich auf Weihnachten." Der Dachs aber erklärte: "Macht’s wie ich. Pennen, pennen, pennen. Das ist das einzig Wahre. Weihnachten heißt für mich, mal richtig ausschlafen!" "Und saufen", dröhnte der Ochse, "mal richtig saufen und dann schlafen, schlafen."

Aber dann schrie er plötzlich: "Au!" Der Esel hatte dem Ochsen einen kräftigen Huftritt verpasst: "Du, Ochse, denkst du denn gar nicht an das Kind?" Da senkte der Ochse beschämt den Kopf und sagte: "Das Kind, ja richtig, das Kind, das ist doch die Hauptsache." Nach einer Weile fragt er den Esel: "Du, Esel, wissen das die Menschen eigentlich?"

Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.

(Jesaja 9,5)

Hauptsache gewonnen – sagt mancher Sportler erleichtert nach einem mühsamen Sieg ohne Glanz oder mit viel Glück.

Hauptsache nichts passiert – stößt so mancher Mensch hervor, wenn er selbst Fehler gemacht hat und einiges anders gelaufen ist, als er erhoffte.

Hauptsache gesund – antworten werdende Eltern auf die Frage nach dem Geschlecht des zu erwartenden Kindes.

Hauptsache gewonnen – auch wenn das Spiel schlecht war. Hauptsache nichts passiert – wenn ich Fehler gemacht habe. Hauptsache gesund – Wunsch werdender Eltern.

Es gibt viele Momente, in denen uns sofort klar ist, was das Wesentliche und das Wichtige ist. An diesem Wesentlichen und Wichtigen richten wir uns aus und versuchen es zu verwirklichen. Wer das Wesentliche kennt, hat es leichter sich zu orientieren und zu entscheiden. Ich weiß einfach, woran ich mich zu halten habe.

Wenn es doch immer so klar wäre, das Wesentliche und das Wichtige. Oft sind wir danach auf der Suche. Weihnachten setzt uns auf die Spur.

Wir schauen auf das kleine Kind. Es ist die Hauptsache. Dieses Kind wird das Wesentliche für uns sagen, tun und darstellen. Dieses Kind wird vom Sinn, der Tiefe und dem Ziel erzählen. In diesem Kind begegnet uns die Liebe Gottes. Hauptsache – Begegnung mit Gott und den Menschen. Hauptsache – das Kind.

Michael Kühn