Meditationen über den Sport
und mehr...
Geschenk der Stille
Vorweg eine kleine Erzählung von Margit Schneider:
Der kleine Nachtwächter eines unbedeutenden Dorfes findet im Mondschein ein
vierblättriges Kleeblatt. Er weiß, dass dies Glück bedeutet. Aus Freude darüber
bläst er in sein Horn, ruft die Dorfbewohner zusammen. Und der Poet, die
Marktfrau, der Schmied, das Blumenmädchen und der Lausejunge kommen
herbeigeeilt. "Das Glück besucht mich heute Nacht", verkündet der kleine
Nachtwächter freudestrahlend. Und alles setzte sich nieder und wartete auf das
Glück, das sich im Kleeblatt angekündigt hatte.
Es wird ganz ruhig, alle lauschen in die Nacht hinaus. Der Wind raschelt leise
in den Blättern, die Nachtigall singt im nahen Wald, ab und zu schwirrt eine
Fledermaus vorbei – sonst aber ist nichts zu vernehmen, die Nacht hat sich
ausgebreitet mit ihrer tiefen Ruhe.
"Wann kommt endlich das Glück?", ruft der Lausejunge. Der Poet aber, die
Marktfrau, der Nachtwächter und das Blumenmädchen – sie alle verstehen, dass das
Glück bereits eingezogen ist. Sie sitzen da und hören und lauschen bis zur
Morgendämmerung.
Der Sonntag, das Wochenende, die Ferien- oder Urlaubszeit sind für viele
immer noch Tage oder Zeiten an denen es ruhiger zugeht. So wie das Training eine
Trainingspause und der Spielbetrieb eine Spielpause, so benötigt auch der Mensch
in seinen vielfältigen Aktivitäten Zeiten der Pause und der Ruhe.
In diesen Zeiten der Ruhe erfährt der Mensch nicht nur körperliche Ruhe und
Erholung, sondern auch eine wohltuende Zeit für Geist und Seele.
Nicht nur für uns heute sind solche Zeiten wichtig. Auch die Bibel berichtet uns
immer wieder davon. So ruhte Gott am siebten Tag, die Propheten zogen sich oft
in die Stille und Einsamkeit zurück. Maria bleibt noch einige Zeit bei
Elisabeth. So kann das Magnificat in diese Zeit nachklingen. Und Jesus selbst
zieht sich immer wieder in Ruhe und Stille zurück.
Diese Zeiten beschenken den Menschen. Orte der Ruhe und Stille, wie Berge und
Wüsten, werden zu bevorzugten Orten der Gotteserfahrung. In der Ruhe können wir
uns aber auch selbst begegnen, über unser Leben tiefer nachdenken und vieles neu
werten und einordnen.
Ich wünsche uns solche Zeiten der Ruhe und Stille, die uns gut tun an Leib und
Seele. Vielleicht entdecken wir dann so manches Glück neu oder wieder.
Hans-Gerd Schütt
Ein anderes Bild ist nötig
Das Bild des Sports, das nicht nur durch die Medien momentan in der
Öffentlichkeit gezeichnet wird, enthält zumindest im Spitzenbereich alles andere
als helle Farben. In der hektischen Jagd nach dem Geld, das mit der Ware Sport
zu verdienen ist, scheint die Seele des Sports verloren zu gehen.
Selbst positive Erscheinungen, wie die Erfolge der Skispringer, werden von
negativen Schlagzeilen, die das Tagesgeschehen bestimmen, umrahmt. Das
Dopinggespenst, das nicht mehr zu verscheuchen ist, stellt Fairness und
Chancengleichheit im Sport in Frage und damit auch fundamentale Grundlagen des
sportlichen Wettkampfs. Bei der Suche nach Sponsoren zählt zuweilen die nackte
Haut der Athleten und Athletinnen mehr als ihre Leistung. Selbst die Idee
Olympias von fairen und friedlichen Wettkämpfen wird durch den
Korruptionsskandal um das Internationale Olympische Komitee massiv verdunkelt.
Wir müssen uns zunehmend kritischer mit dem momentanen Bild des Sports
auseinandersetzen, denn dieses Bild beeinflusst die Öffentlichkeit, besonders
die Sportdistanzierteren. Auch lässt es die kritische Distanz der Kirche zum
Sport, z.B. bei vielen Pfarrern, wachsen. Sport wird gleichgesetzt mit Doping,
Leistung und Erfolg um jeden Preis, und einem riesigen Geldgeschäft.
Dabei verengt sich das Bild des Sports. Darunter hat auch jeder Verein zu
leiden, denn der Vereinssport wird unter demselben Blickwinkel betrachtet. Die
sozialen Leistungen des Vereinssports fallen dabei unter den Tisch. Vereine
haben es dadurch vor Ort schwerer, für sich Werbung zu machen.
Ein anderes Bild gilt es zu zeichnen und in der Vereinswirklichkeit vor Ort
dagegen zu setzen. Ein Bild des menschengerechten, Menschen fördernden Sports,
der nicht nach Quantität und Geld, sondern nach Qualität sucht.
Die Würde des Menschen umschreibt, was im Sport sinnvoll ist. Ein Bild eines
verantwortungsvollen Sports, der seine Grenzen, auch seine finanziellen, und die
Grenzen der Leistung erkennt. Ein Bild eines offenen Sports, der alle Gruppen
der Bevölkerung umfasst. Ein Bild eines freudigen ungezwungenen Sports. Nur so
findet er seine Seele wieder.
Dies ist eine besondere Aufgabe. Für dieses andere Bild des Sports haben wir
eigentlich die richtigen Farben.
Nun gilt es, den Pinsel in die Hand zu nehmen und zu malen. Jeder und jede im
eigenen Verein, in der Sporthalle, auf dem Platz, bei Spiel und Wettkampf. Der
Sport hat dieses Engagement nötig, mehr denn je.
Michael Kühn
Frühbucherrabatt oder last-minute?
Rechtzeitige Planung ist oftmals schon der Schlüssel zum Erfolg. Im Rhythmus
eines Jahres kommen immer wieder die Zeitpunkte, an denen Planungen und
Entscheidungen anstehen. So auch die Zeit, zu der man mit den Urlaubsplanungen
beginnt. Die großen Reiseveranstalter und die Reisebüros haben sich hierauf
eingestellt. Wer die Angebote studiert, dem begegnet immer häufiger der
Frühbucherrabatt. Wer sich früh genug entscheidet, erhält auf den sonst üblichen
Preis einen Nachlass.
Dies kann für den Urlauber durchaus von Nutzen sein. Er erhält
Planungssicherheit bezüglich Ziel und Zeit seiner Reise und, einmal festgelegt,
entfällt das unsichere Schwanken zwischen verschiedenen Möglichkeiten. In aller
Ruhe kann man sich nun auf das Ziel seiner Reise vorbereiten und zahlt zudem
einen günstigeren Preis.
Die Alternative heißt ansonsten last-minute. Aber eben um den Preis, dass Zeit
und Ziel der Reise erst kurzfristig festgelegt werden. Das kann durchaus ein
Volltreffer sein aber auch ein fader Kompromiss.
Für unsere Arbeit und unser Miteinander in der DJK und im Sport könnte eine Art
Frühbucherrabatt durchaus bedenkenswert sein. Erfahrungen der Vergangenheit
beizeiten überdenken und sie in die Planungen einfließen lassen, kann sich
auszahlen. Die Motivation für die Mitarbeit und das Übernehmen von Verantwortung
nicht nur last-minute, wenn gerade etwas anliegt anzugehen, sondern als
bleibende Aufgabe anzusehen, zahlt sich für alle aus.
In einem Bereich ist es ganz wichtig, früher das Ziel und die Rahmenbedingungen
"zu buchen" – in unserer Kinder- und Jugendarbeit. Wenn die Verantwortlichen
hier frühzeitig und nicht zuletzt durch ihr Vorbild beginnen, den Kindern und
Jugendlichen nicht nur sachgerechten Sport zu vermitteln, sondern ihnen auch
eine christliche Wertorientierung mit auf den Weg zu geben, dann werden die
Zinsen eines solchen Bemühens in einem besseren menschlichen Miteinander und
einem fairen Sport ausgezahlt. Gerade hier haben wir als Christen im Sport ein
gutes Angebot zu machen, das auch für die Erwachsenen gilt.
Jesus wusste, dass wir Menschen für ein gelingendes Leben ein Ziel und
Lebenshilfen brauchen. Er bietet sich uns als das Ziel und seine Worte als
Wegweiser für unser Leben und Miteinander an. Auf Wegweiser sollte man schon
früh achten, damit ein Weg nicht in die Irre führt.
"Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der
sein Haus auf Felsen baute".
Dies sicher beizeiten – mit last-minute war Jesus für den Lebensweg eher
zurückhaltender.
Hans-Gerd Schütt
Jesus - unser Zeugwart
Manche Vereine können sich glücklich schätzen, in ihren Reihen einen solchen
Menschen zu haben, einen Zeugwart, eine Zeugwartin. Sorgt dieser Mensch doch
dafür, dass im Verein gewisse Geräte und Sachen zur Verfügung stehen, ja nicht
nur zur Verfügung stehen, sondern auch noch in gutem Zustand und gepflegt sind.
Den Zeugwart der Fußballbundesliga-Mannschaften kennt kaum ein Außenstehender.
Er steht nicht im Rampenlicht und kann sich nicht im Glanz der Bundesliga
sonnen. Und doch wird er gebraucht.
Er legt die Spielkleidung zurecht, kennt die Größe und Trikotnummer jedes
Spielers. Er putzt die Schuhe, schraubt die Stollen an. Kurz und gut, er ist
dafür verantwortlich, dass jeder Spieler gute Bedingungen, gutes
"Arbeitsmaterial" vorfindet. Und hinterher räumt er wieder auf.
Ein Mensch im Hintergrund und doch wichtig, weil er dafür sorgt, dass die
Sportler alles Nötige vorfinden.
Jesus - unser Zeugwart. Ich glaube zuerst ein komischer Vergleich. Aber trotzdem
ein gutes Bild, um etwas von Jesus zu verstehen.
Auch Jesus ist im Leben oft unser Hintergrund. Er drängt sich nicht auf. Vieles
lässt er für uns unmerklich geschehen, wir finden es einfach vor - die Welt, die
Natur, die Menschen. Jesus begleitet uns mit seiner Sorge.
Und er rüstet uns aus. Nicht mit äußeren Dingen, sondern er rüstet uns innerlich
aus, mit Kraft, mit Hoffnung, mit Liebe, oft unmerklich. Wer kennt nicht in
seinem Leben Situationen, in denen er plötzlich all dies entdeckt.
Geheimnisvoller Ursprung. Vom Glauben her verstanden - Geschenke.
Jesus - unser Zeugwart - er stattet uns aus - er legt vieles für uns zurecht,
damit wir mit guten Voraussetzungen das "Spiel des Lebens" spielen können.
Jesus, der du uns Kraft schenkst,
erbarme dich unser.
Jesus, der du uns Liebe schenkst,
erbarme dich unser.
Jesus, der du uns Hoffnung schenkst,
erbarme dich unser.
Jesus, der du uns Mut machst,
erbarme dich unser.
Michael Kühn
Der richtige Schub
Jeden Tag beginnen wir auf´s Neue. Manchmal stehen neue Aufgaben an.
Meistens jedoch gibt es immer wieder gleiche oder ähnliche Aufgaben anzugehen.
Jeder Anfang, besonders aber bei neuen Herausforderungen, braucht einen
gehörigen inneren Schub.
Anders als beim Kugelstoßer, der einen starken Schub am Anfang braucht und
danach die Kugel nicht weiter beeinflussen kann, muss ich im Alltag ständig neu
anschieben. So gleicht dieser Anfang mehr dem Start eines Langstreckenläufers,
der seine Motivation durch manche Krisenpunkte hindurch aufrechterhalten muss.
Die Kraft dafür wächst aus dem Bewusstsein, dass es Sinn macht, zu laufen.
Eine Wanderung mit Kindern zeigte mir, wie wichtig kleine Etappenziele sind. Sie
fragten mich: "Wann machen wir Pause ?" Ich antwortete: "Noch eine Viertelstunde
und dann sind wir da."
Ziele locken und mobilisieren die Kräfte. Ich wünsche allen, ein großes Ziel zu
haben, aber genauso, die kleinen Etappenziele im Blick, die Tage mutig
anzugehen.
Erich Schmucker
Messlatten
Schneller, weiter höher – Maxime sportlichen Strebens, die wohl auch in
Zukunft die Sportszene bestimmen werden. Der Mensch selbst wird "Garant" für
dieses Streben sein. Bilder vom Stabhochsprung mögen dies verdeutlichen.
Unter Einsatz enormer, langfristig antrainierter Schnell- und Muskelkräfte,
systematisch geschulter technischer Fertigkeiten und koordinierter
Bewegungsabläufe sowie mit Hilfe eines materialoptimierten Stabes meistern
Sportlerinnen und Sportler gewaltige Höhen, die beim Publikum größte Bewunderung
auslösen. Der Stab wird neben der sorgfältig aufgelegten Messlatte zur großen
Herausforderung. Immer bessere, elastischere und härtere Stäbe versprechen ein
Mehr an Höhe und an Rekorden.
Das Szenarium "Stabhochsprung" wird nicht selten zu einem Medienspektakel
aufgebaut, das die aufwendigen Aktionen und gefühlsbetonten Reaktionen der
Wettkämpferinnen und Wettkämpfer – eigene Vorteile erheischend – vermarktet.
Menschen, die sich an Grenzen erproben, werden zur großen Attraktion.
Ansatzweise kann dem Betrachter- biblisch gedacht – das Bild vom Turmbau zu
Babel in den Sinn kommen. Im Zweistromland wollte man in Gottes Sphären
vordringen, wollte man Gott ebenbürtig sein – die Ursünde schlechthin.
Menschliches Trachten darf sich aber keinesfalls die Ebenbürtigkeit mit Gott zum
Ziel setzen, es muss sich beschränken. Seine "Schranke" aber auch seine Chance
hat es in der Ebenbildlichkeit. Zum rechten "Wegzeichen" wird dabei die
Kardinaltugend der Klugheit. Klugheit bedeutet, eigene Grenzen zu erkennen,
eigene Stärken und Schwächen anzuerkennen und Maß zu halten. Natürlich hinkt der
Vergleich. Doch gilt das, was für Menschen wichtig ist, für Sportlerinnen und
Sportler allemal: Grenzen nicht unklug übersteigen. Hier liegt in der Tat die
pädagogische und ethische Aufgabe des DJK-Sports, eine zutiefst christliche
Aufgabe.
Die Botschaft ist wegweisend: Es hat Menschen noch nie geschadet, Messlatten
nicht zu hoch zu legen, es sei denn, diese Messlatte heißt Gott.
Karl Grün
Einwurf
Es gibt Situationen beim Fußball, die bei Spielern wie Zuschauern für
Aufregung sorgen: Ein im Strafraum begangenes Foul und der anschließende
Elfmeter, ein Freistoß in der Nähe des Sechzehnmeterraums, eine gefährlich vor
das Tor geschlagene Flanke.
Weniger aufregend geht es dagegen meistens zu, wenn ein Einwurf ausgeführt wird.
So wird in der Nähe des eigenen Strafraums der Ball oft zum Torwart geworfen, um
von hier das Spiel neu aufzubauen.
Anders sieht es allerdings aus, wenn der Einwurf in der Nähe des gegnerischen
Tores ausgeführt wird. Der Ball wird dann oft nicht nur einfach ins Spiel
gebracht. Ein weiter Einwurf kann vielmehr die gleiche Wirkung erzielen wie ein
Eckball. Aus solchen Situationen heraus ist schon so manches Tor entstanden.
Einwürfe bei einem Fußballspiel, die je nach Situation geringe oder große
Auswirkungen haben, könnten wir vergleichen mit "Einwürfen", das heißt
Bemerkungen in Gesprächen oder Diskussionen, die ebenfalls sehr unterschiedliche
Resonanzen hervorrufen können.
Wir alle kennen sicherlich Diskussionsrunden, in deren Verlauf viele Bemerkungen
"hineingeworfen" werden, die aber keinen besonderen Einfluss auf das weitere
Geschehen haben oder ganz untergehen.
Aber wir haben es bestimmt auch schon erlebt, dass jemand mit einem kurzen
Beitrag, vielleicht mit einem einzigen Satz einem Gespräch eine neue,
entscheidende Wendung gegeben hat.
Ein Mensch, der mit sicherem Gespür oft nur durch einen "Einwurf", einen
einzigen Satz den Kernpunkt einer Situation ins Wort bringen konnte, war Jesus.
Als ein Beispiel dafür mag die Erzählung von der Ehebrecherin (Joh 8) stehen.
Schriftgelehrte und Pharisäer bringen eine Frau, die beim Ehebruch ertappt
worden war, zu Jesus. Sie wollen ihm mit der Frage, wie seiner Meinung nach mit
dieser Frau zu verfahren sei, eine Falle stellen. Jesus pariert alle Angriffe
mit einem einzigen Satz: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen
Stein auf sie" (Joh 8, 7). Es bedarf keiner weiteren Kommentare; dieser
"Einwurf" reicht völlig. Er trifft alle bis ins Innerste. Die Ankläger räumen
einer nach dem Anderen das Feld.
So kann auch von einem Einwurf – und das auf mehrere Lebensbereiche bezogen –
eine spürbare Wirkung ausgehen: Im sportlichen Wettkampf bereitet er ein Tor
vor; einem Gespräch verleiht er eine ganz neue Richtung; im Bereich des Glaubens
fordert er zu einer Antwort heraus.
Herbert Scholl
Festhalten
Im Zuge der erlebnispädagogischen Renaissance, aus der vor allem die
Sozialpädagogik viel Gewinn zieht, sind Sportarten wie Kajak fahren oder
Mountain-Biking wieder mehr in Mode gekommen. Dies gilt auch für das
Bergsteigen, das Berg-Climbing oder für das Bergtouren. Immer kommt es darauf
an, Selbsterfahrungen zu sammeln, meist in der Natur und in der
Auseinandersetzung mit herausfordernden Situationen.
Gerade auch im Berg können Menschen eine Vielzahl von Erfahrungen machen, die
viel Symbolkraft haben: Halt geben, Halt suchen, Anlehnung haben oder
aufeinander angewiesen sein. Religiöse Bergfreizeiten können diesbezüglich aus
dem Vollen schöpfen. Gleichzeitig können sie in besonderer Art Gotteserfahrungen
vermitteln, indem Menschen ihrem Gott ein Stück näher kommen, ihm im Fels in
sinnlicher Weise wirklich begegnen.
Von starker Symbolkraft ist auch das, was Menschen im Berg immer wieder als
notwendig erleben: sich an Felsstücken festhalten. Hält sich der Bergsteiger am
Felsen fest, so hält ihn dieser gleichzeitig ebenso fest. Wer dieses kantige
Stückchen Erde nur berührt, kann nicht durch die Kraft des Felsens gehalten
werden. Ein großartiges Wechselspiel läuft ab: Das, was einer ergreift, ergreift
auch ihn! Erst in der Ergriffenheit fließen Kräfte: Jemand ergreift mit seiner
Hand etwas, was stärker ist als er selbst. Dabei ist es oftmals nicht einfach,
den Stein in den Griff zu bekommen.
Das Leben, auch das Vereinsleben, kennt ganz ähnliche Erfahrungen. Oft besteht
große Unsicherheit, ob ich eine Sache in den Griff bekomme. In solchen
Situationen ist es gut, wenn ich mich festhalten kann. Wer aber gibt Kraft und
Halt? Die Frage ist uralt und doch immer wieder aktuell. Natürlich finden sich
Menschen, die als gute Wegbegleiter mich stützen und beraten können. Doch hat
die Frage unzweifelhaft auch eine religiöse Dimension. Die Bibel beantwortet
sie. In Phil 4,13 schreibt sie: "Ich vermag alles durch ihn, der mir Kraft
gibt"; in Dtn 30,20 berichtet sie: "Halte dich an ihm fest, denn er ist dein
Leben". Also – Gott selbst ist der große Haltgeber! Sich darauf einzulassen und
sich stets daran zu erinnern, dazu bedarf es der sinnlichen und gleichzeitig
symbolhaften Erfahrung – wie eben im Berg.
Karl Grün
Immer schriller
Immer schneller,
immer schriller
Wohin soll das führen?
Welche Hürden,
Welche Bürden
Kann man da noch spüren?
Hermann Schulze-Bernd
Ranglisten
Die Einstufung von Sportlern oder Sportlerinnen nach ihren Leistungen wird
entweder von Vereinen oder Verbänden vorgenommen. Andererseits kann sie auch in
Ranglistenturnieren ausgespielt werden, wie z.B. beim Tischtennis. Das
Ausspielen der Ranglisten ist sinnvoll, um zu bestimmen, wer innerhalb seiner
Mannschaft auf welcher Position spielt. Nehmen bei einem solchen Turnier Spieler
verschiedener Vereine teil, so berechtigt eine gute Platzierung oft zur
Teilnahme an einem höherklassigen Turnier. Die Erstplazierten der Kreisliga etwa
qualifizieren sich für das Ausspielen einer Bezirksrangliste. Egal auf welcher
Leistungsebene Ranglistenturniere stattfinden, überall werden die Sportler und
Sportlerinnen nach Kräften versuchen, eine gute Platzierung zu erreichen. Manch
einer ist ganz darauf versessen, die "Nummer eins" zu sein.
Beim Verfolgen der Berichterstattung des internationalen Tennisgeschehens kann
es einem mitunter unangenehm aufstoßen, welch große Bedeutung den Platzierungen
in der Weltrangliste beigemessen wird.
Ähnliche Beobachtungen lassen sich auch in anderen Zusammenhängen machen.
Verschiedene Stimmen versuchen uns einzureden, dass es vor allem darauf ankommt,
der Erste oder die Beste, der Größte oder die Schönste zu sein. Daneben wird der
Besitz von Macht und Geld entscheidend für die "Ranglisten" in der Gesellschaft.
Diesem Streben hat sich vieles unterzuordnen.
In der Hl. Schrift finden wir dazu eine entsprechende Erzählung. So hat Jesus
einmal beobachtet, wie seine Jünger sich streiten, wer wohl der Größte sei.
Daraufhin rief er sie zu sich und sagte zu ihnen: "Wer der Erste sein will, soll
der Letzte von allen und der Diener aller sein." (vgl. MK 9,33-35). Jesus kehrt
damit die weltlichen Verhältnisse um. Nicht auf die größere Macht und Bedeutung
kommt es an. Gefragt ist vielmehr die Bereitschaft, sich selbst zurückzunehmen,
um dem Guten Geltung zu verschaffen, um sich in den "Dienst" der anderen zu
stellen.
Es gibt sicherlich viele Möglichkeiten, diese Sichtweise auch im Sport
umzusetzen.
Hier nur drei Schlaglichter:
Diejenigen Spieler würden einen guten Rang einnehmen, die beispielsweise von
Trainingsbeginn die Tischtennisplatten aufbauen oder sich ganz bewusst einmal
Zeit nehmen, mit dem Schwächsten aus der Mannschaft zu trainieren.
Ein besonderer Rang könnte einem Verein zukommen, dem es gelingt, möglichst
viele Ausländer oder behinderte Menschen in seinen Spielbetrieb zu integrieren .
Nach manchen Turnieren oder Meisterschaften wird bereits eine alternative
Rangliste veröffentlicht, in der die fairste Mannschaft vorne steht.
Herbert Scholl
Gebet
Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Gott des Lebens, sondern um Kraft
für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte. Mach mich findig und erfinderisch, um
im täglichen Vielerlei und Allerlei rechtzeitig meine Erkenntnisse und
Erfahrungen zu notieren, von denen ich betroffen bin.
Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung. Schenke mir das
Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.
Ich bitte um Kraft für Zucht und Maß, dass ich nicht durch das Leben rutsche,
sondern den Tagesablauf vernünftig einteile, auf Lichtblicke und Höhepunkte
achte, und wenigstens hin und wieder Zeit finde für einen kulturellen Genuss.
Lass mich erkennen, dass Träume nicht weiterhelfen, weder über die Vergangenheit
noch über die Zukunft. Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun und die
jetzige Stunde als das Wichtigste zu erkennen.
Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glatt gehen.
Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen,
Misserfolge und Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind,
durch die wir wachsen und reifen.
Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt. Schick mir im
rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Ich möchte Dich und die Anderen immer aussprechen lassen. Die Wahrheit sagt man
nicht sich selbst, sie wird einem gesagt.
Ich weiß, dass viele Probleme sich dadurch lösen, dass man nichts tut; gib, dass
ich warten kann.
Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem
schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschäft des Lebens
gewachsen bin.
Verleihe mit die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit
oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben.
Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht, um auch die
zu erreichen, die "unten" sind.
Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nicht, was
ich mir wünsche, sondern was ich brauche. Lehre mich die Kunst der kleinen
Schritte.
Antoine Saint-Exypery
In der Bahn gehalten
Es ist keine angenehme Erfahrung, die der Rodler oder die Rodlerin macht,
wenn er oder sie die Bande berührt. Es kann den einen oder anderen blauen Fleck
mit sich bringen. Daneben bedeutet aber jeder Kontakt mit der Bande Zeitverlust
und es dauert immer einen weiteren Moment, bis der Schlitten danach wieder die
Ideallinie einnimmt. Entscheidende Momente, entscheidende Sekunden, die dabei in
einem Lauf verloren werden können. Bei diesen Geschwindigkeiten ist es wirklich
eine große Kunst den Schlitten in der Ideallinie, in der Bahn zu halten.
Trotzdem, kein Rodler und keine Rodlerin ist perfekt. Kleine Steuerfehler kommen
immer wieder vor. Und wie gut, dass sie dann da ist, die Bande. Sie hält nämlich
den Rodel samt Rodler in diesem Fall davon ab, von der Bahn abzukommen und in
die Gegend zu fliegen. Sie wirft ihn, wenn auch manchmal unsanft, wieder in die
Bahn zurück. Berühren will sie keiner. Aber gut, dass sie da ist. Sie hält in
der Bahn, sie begrenzt die Bahn und zwischen den Banden findet der Rodler oder
die Rodlerin ihren Weg.
Auch in meinem Leben sind solche Banden wichtig, die mich auffangen, wenn ich
einmal von der Ideallinie abkomme, wenn ich mich versteuere oder durch Umstände,
wie Krankheit, Streit oder Verlust eines Menschen aus der Bahn geworfen werde.
Oft sind die Menschen aus meiner Familie und meiner Umgebung solche Banden, weil
sie mich lieben, mir Mut machen, mich auffangen und mich halten. Das Wissen,
dass ich in meinem Leben gehalten bin, gibt mir Sicherheit.
Die Überzeugung, dass ich in meinem Leben in der Bahn gehalten werde, bringt
unser Glaube auch mit Gottes Gegenwart in Verbindung. Und diese haltende
Gegenwart wird in Bildern und Texten immer wieder durch seine ausgebreiteten
Hände angedeutet. Gottes Hände halten uns. Sie formen gleichsam eine Bande. Aber
eine Berührung von ihnen ist nicht so schmerzhaft, wie die der Bande, sondern
eher sacht, führend, schützend, liebend. Dieses Gehaltensein gibt mir Sicherheit
für meinen Lebens"lauf". Auch dort, wo ich anecke, wo ich einen kleinen
Schlenker oder Steuerfehler mache, Gott lässt mich nicht hinausfliegen.
Von dieser Überzeugung, dass ich von Gott in der Bahn des Lebens gehalten werde,
spricht ein alter irischer Text. Gott breitet seine Hände vor, über, neben und
hinter dem Menschen aus, wie eine Bande:
Gott sei vor mir heute und morgen,
um mir den neuen Tag zu öffnen.
Gott sei neben mir immer und ewig,
um mich wie ein guter Freund zu lieben.
Gott sei hinter mir,
um mich zu schützen, damit ich keine Angst habe.
Gott sei unter mir,
um mich zu tragen, wie die gute starke Erde.
Gott sei in mir, in meinem Herzen,
um mich zu trösten.
Gott sei bei mir,
um mich zu beschützen.
Gott sei mit mir auf allen Wegen,
dass ich nicht stolpere.
Gott sei über mir,
um mich zu segnen.
Diese Gewissheit, dass wir von Gott gehalten sind, möge uns begleiten.
Michael Kühn
Du führst mich hinaus ins Weite
Der November ist für viele Menschen ein ungeliebter Monat. Nach Sommer und
Herbst geht es in den Spätherbst und bis zum Winter ist es nicht mehr weit.
Zudem sagt man dem November eine triste Stimmung nach; geprägt von Nebel und
Regen, feuchte Kälte und das Fallen der letzten Blätter.
Aber der spätherbstliche November kann durchaus seine Reize haben, und die
hängen eigentümlicherweise mit dem Licht zusammen, das man gemeinhin in dieser
Jahreszeit vermisst.
Wohl kaum eine Jahreszeit bietet so viele klare Tage mit grandiosen Fernsichten
wie der Herbst und der Spätherbst. Bergwanderer können ein Lied davon singen.
Vieles was in der Sommerhitze bestenfalls verschwommen zu sehen ist, scheint uns
jetzt oft zum Greifen nahe. Vor unseren Augen tun sich neue Weiten auf.
So könnte man dem Spätherbst durchaus das alte Psalmwort: "Du hast mich
hinausgeführt ins Weite......" als Überschrift geben.
Und Weite tut uns Menschen gut, will sie uns doch auf das Tragende unseres
Lebens und die wirklichen Wahrheiten aufmerksam machen.
Denn seien wir ehrlich. Wie oft bestimmt nicht das Enge und Vordergründige unser
Leben. Da ist der schnelle Erfolg wie die messbare Leistung. Da zählt das
oberflächliche Glück und das Gewinnbringende. Man jagt von Event zu Event.
Aber wie arm wäre es um unser Leben bestellt, wenn nur dies zählen würde. Um
sich dies vor Augen zu führen genügt ein Blick in das Leben unserer Vereine.
Was wäre unser Vereinsleben ärmer ohne die vielen Arbeiten im Hintergrund, die
menschlichen Begegnungen und das gesellige Miteinander, den Idealismus und dem
Dienst an einer größeren Sache.
Wenn das Vereinsleben nur aus der messbaren Leistung und dem Tabellenplatz
bestehen würde, dann würde es bald nicht mehr bestehen.
So sind wir eingeladen, unseren Blick immer wieder zu weiten auf die tragenden
Werte des Lebens, und auf das, was unser Vereinsleben wirklich trägt.
Im November gedenken wir unserer Verstorbenen, auch denen unserer Vereine. Das
Gedenken an sie möchte unseren Blick lenken auch auf das, was wir ihnen zu
verdanken haben, damit wir nicht beim Vordergründigen und Messbarem stehen
bleiben sondern den Blick weiten für das Tragende unseres Lebens.
Hans-Gerd Schütt
Als die Zeit erfüllt war
Fabelzeit, Weltrekordzeit, Bestzeit: Zeit spielt im Sport eine enorme Rolle.
Viele Sportarten leben davon, dass die Zeit genommen oder gemessen wird.
Welcher Läufer oder welche Läuferin, welcher Schwimmer oder welche Schwimmerin
setzt nicht alles daran, ihre persönliche Bestzeit über eine Strecke durch das
ständige Training zu verbessern.
Freude, Stolz und Zufriedenheit begleiten jede erreichte Verbesserung und
liefern gleichzeitig Motivation für weiteres Training.
Zeit gilt als Maßstab für persönliche Leistung und Leistungsfähigkeit.
Spielzeit, Halbzeit, Auszeit: Zeit stellt einen vorgegebenen Rahmen dar. Bei
einem Fußballspiel steht der einzelnen Mannschaft nur eine gewisse Zeit zur
Verfügung, die sie nutzen kann, um das Spiel zu gewinnen.
Es kommt darauf an, aus der Spielzeit das Beste zu machen. Ähnliches gilt von
der Halbzeitpause oder der Auszeit. Zeit wird für etwas Bestimmtes zur Verfügung
gestellt – zur Erholung oder um taktische Anweisungen zu geben.
Zeitgefühl, Zeiteinteilung: Oft braucht ein Sportler oder eine Sportlerin das
richtige Zeitgefühl. Wenn er oder sie ein Rennen beispielsweise zu schnell
angeht, dann passiert es, dass zum Schluss die Kraft fehlt.
Die Einteilung eines Rennens oder eines Spieles ist oft entscheidend, besonders
dann, wenn es um den richtigen Zeitpunkt des Angreifens oder das Anziehen des
Spurts geht.
Meine Zeit, geschenkte Zeit, sinnvolle Zeit, sinnlose Zeit: Zeit ist etwas
Persönliches. Menschen können Zeit unterschiedlich empfinden. Jeder Mensch
besitzt seine eigene Zeit – die Lebenszeit. Und die Zeit schreitet voran. Sie
kennt keinen Halt. Wir können sie nicht festhalten. Zeit will genutzt werden.
Das gilt besonders für unsere Lebenszeit.
Es hängt von jedem Einzelnen ab, was er mit seiner Zeit anfängt, wozu er sie
nutzt.
Weiß ich, wann die richtige Zeit ist, um das Gute zu tun, eine Entscheidung zu
treffen? Der Umgang mit der Zeit will gelernt sein.
Erfüllte Zeit: Dennoch gibt es Momente, in denen ich meine, dass die Zeit stehen
bleibt. Glücksmomente. Ein unerwarteter Sieg, eine besondere Leistung, ein
persönlicher Erfolg. Meistens aber sind es die Momente, in denen mir der Sinn
meines Lebens aufleuchtet, in denen ich mich angenommen und geliebt weiß. Dann
habe ich das Gefühl, dass diese Zeit gefüllt – erfüllt ist.
Als die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn (Gal. 4,4-7)
Weihnachten – erfüllte Zeit! Gott sendet seinen Sohn in die Welt, damit uns in
ihm der Sinn des Daseins aufleuchtet. Gott sendet seinen Sohn, damit wir in
unserer Zeit Orientierung finden, damit sich in der Zeit erschließt, wie der
Mensch seine Zeit sinnvoll und gut gestalten kann.
Gott füllt mit seinem Sohn die Zeit an. Mehr als diese Fülle kann es nicht
geben. Wir leben in dieser Fülle, weil Gott uns auch in unserer Zeit nahe ist.
Seine Nähe erfüllt unsere Zeit.
Am Weihnachtsfest nehmen wir uns die Zeit, uns daran zu erinnern. Gott sandte
seinen Sohn, um uns nahe zu sein, um unsere Zeit und unser Leben zu erfüllen.
Nutzen wir unsere Zeit, suchen wir ihn!
Michael Kühn
Über die Grenzen hinweg
"Der war aus", "das gibt eine Ecke", so oder ähnlich heißt es bei einem
Fußballspiel. Grenzen müssen anerkannt werden, werden sogar oft genug zum
Zankapfel bei einem Spiel. Auf der anderen Seite sind diese Begrenzungen
wichtig, weil sie zum Spiel gehören. Ein Ball außerhalb der Linie im Tennis kann
zur Katastrophe werden. Grenze als Spielraum.
Jedes Mal wenn ich vor 1989 an die Grenze zur damaligen DDR kam oder sonst eine
Ostgrenze überqueren musste, schlug mir das Herz bis zum Hals: Du weißt nicht,
was dir passiert, ob du Schikanen ausgeliefert bist: Grenze als Mauer des
Ungeliebtseins.
Im Alltag erleben wir oft genug die eigenen, die menschlichen Grenzen. Da fällt
uns das und jenes nicht ein, da bringen wir etwas nicht fertig, da werden wir
langsamer: wir erleben unsere eigenen Grenzen.
Auf der anderen Seite überspringt einmal jemand die Grenze einer Bürokratie,
drückt ein anderer "ein Auge zu", lässt jemand erkennen, dass er die Grenze
nicht "ausnutzen" will, sondern alles tut, dass wir Menschen bleiben können.
Das nächste Bild: Europa soll "grenzenlos" werden: Das Vertrauen soll wachsen,
die Angst (siehe Ostgrenze) ganz verschwinden. Wir brauchen keine Grenzen mehr,
wir brauchen das Vertrauen zueinander. Es wird nicht leicht, aber es ist
notwendig.
Unser Gott ist ein grenzenloser Gott: Über Rassen und Nationalismen, über Länder
und Kontinente hinweg bejaht er den Menschen, der überall ist: hilfsbedürftig
und Vertrauen brauchend. Über alle Grenzen hinweg sagt er sein Ja, so dass wir
dann auch im Psalm beten können: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern, mit ihm
erfahre ich, was es heißt: Vertrauen habe ich in Dich, dass auch Du ohne Angst
Deinen Tag lebst.
Heinz Summerer
Der Absprung
Beim Weitsprung, Dreisprung oder Hochsprung ist er ganz wichtig: der
Absprung. Es besteht die Gefahr, dass der Athlet, die Athletin zu früh
weg springt, Zentimeter herschenkt oder eben übertritt. Andererseits kann ein gut
getimter Absprung vieles herausholen. Ein guter Absprung führt zu einem schönen
und weiten Sprung oder einer Höhe, die wir uns nicht vorgestellt hatten.
Im Leben ist es auch so. Wann ist der richtige Zeitpunkt für das Ende einer
Tätigkeit? Ich habe mich dies öfter gefragt, als ich z.B. als Olympiapfarrer
aufhörte oder mein Amt des Geistlichen Beirats der DJK auf Diözesanebene nach 31
Jahren in jüngere Hände legte. "Es ginge ja noch" flüsterte ich mir zu und "
aber sei vernünftig – du bist alt genug" sagte die andere Stimme.
Ein pünktliches Treffen des Balken lässt meist auch einen guten Sprung
nachfolgen und so denke ich auch an die Generationenfrage, die Arbeitsbelastung,
an das Freiwerden für andere Ideen, andere Ansätze, neue Zielausrichtung, neues
Gedankengut.
Solche Absprünge sind immer etwas schmerzhaft, besonders wenn man seine Arbeit
geliebt hat und sich hineinbegeben hatte mit Herz und Seele. Aber es ist immer
noch besser ein wenig Herzblut zu lassen als zu sagen "Gott sei Dank – das ist
vorbei" oder zu hören "bei dem wird,s auch Zeit".
Mut gehört sicher dazu, ein wenig Wehmut ist immer dabei – aber es gehört zu
unserem Leben, bestimmte Dinge aufzuhören, zu ändern, für die wir vielleicht
schon ein wenig zu alt oder für die ein Wechsel auch von unserer Seite her nötig
wäre. Den Zeitpunkt zu erkennen, das "Brett zu treffen" ist und bleibt auch ein
Stück Selbsterkenntnis. Das sagten schon die alten Griechen mit ihrem "gnothi
seauton", erkenne dich selbst, über dem Tempel. Gott gebe uns den Mut zum
rechten Augenblick.
Heinz Summerer
Schule der Wünsche
Der Jahreswechsel ist die Zeit der Wünsche. Nicht das Wünsche sonst im Jahr
nicht vorkommen – aber zu Beginn eines Neuen Jahres haben Wünsche
Hochkonjunktur. Dies ist schön und hat etwas mit einer Ursehnsucht des Menschen
zu tun, dass das Leben gelingen möge. Und es entspricht der Erfahrung, dass
unser Leben nicht vollkommen ist und es immer Verbesserungswürdiges gibt.
Ich glaube, wir wären erstaunt über die Länge der Wunschliste, die wir in der
Zeit von Weihnachten bis über den Jahreswechsel hinaus geäußert haben – an uns
selbst und an andere gerichtet. Über manchen Wunsch würden wir uns vielleicht
sogar wundern und feststellen: Mit dem Wünschen ist es so eine Sache, denn
Wünschen will gelernt sein.
In der Schule des Wünschens könnte unser Kurs beginnen mit der Bedeutung des
Wortes wünschen. Erstaunlich, dass das altgermanische Wort für Freund "wini" die
gleiche sprachliche Wurzel hat wie wünschen. Ein guter Wunsch hat also zutiefst
etwas mit Freundschaft zu tun.
Da ein Freund oder eine Freundin etwas sehr wertvolles ist, sollte man sich in
der Wunschschule etwas Zeit nehmen zum Überlegen, was ich jemandem wünsche, was
er wirklich braucht. Gut geeignet wären die ersten beiden Stunden am Morgen,
wenn man noch fit und aufnahmefähig ist.
In unserem Leben gibt es aber auch die kurzen Begegnungen wie in den
Schulpausen. Auch hierfür gibt es gute Wünsche. Einen guten Morgen oder einen
guten Tag kann man dann ebenso gut wünschen wie ein bis demnächst.
Die späteren Schulstunden des Wünschens laden dann eher ein zum weniger
konzentrierten Wünschen. Ski heil – Gut Holz – Immer eine handbreit Wasser unter
dem Kiel – und viele andere kennen wir aus dem Sport und sie laden ein zu einem
Gespräch über Sport, Hobby und Freizeit.
Fehlen sollten auf jeden Fall Verwünschungen, die mit lautem Knallen ins Schloss
fallen, denn die haben alles andere als die sprachliche Wurzel der Freundschaft.
Jesus nennt uns im Evangelium nicht mehr Knechte, sondern Freunde. Und damit
wünscht er uns, dass unser Leben gelingen möge, dass wir es in Fülle haben. In
seinem Leben werden wir in die schönste Schule der Freundschaft und des
Wünschens eingeschult.
Das wir für unser Leben in dieser seiner Schule vieles lernen mögen, um es für
uns und andere als Lebensquelle sprudeln zu lassen, ist sicher einer der
schönsten Neujahrswünsche für uns alle.
Hans-Gerd Schütt
Dem Himmel entgegen
Deutschlands Ski-Springer sind in aller Munde. Athleten wie Martin Schmitt
und Sven Hannawald haben schon viele gute Wettkämpfe bestritten. Längst stehen
sie im Licht der Öffentlichkeit und sind genauso populär wie Michael Schumacher
oder Lothar Matthäus.
Die neue Faszination ihres Sports hat einerseits damit zu tun, dass deutsche
Athleten in der Weltspitze mithalten, ja, dort sogar den Ton angeben. Zum
Anderen spielt aber auch die besondere Eigenart des Ski-Springens eine Rolle. Es
wirkt ungeheuer reizvoll, mit hoher Geschwindigkeit den Schanzentisch zu
verlassen und einige Sekunden lang wie ein Vogel durch die Luft zu fliegen. Das
Gefühl der Freiheit paart sich dabei mit der Eleganz kraftvoller
Körperbeherrschung.
Für die Zuschauer, die vor Ort oder am Bildschirm dem Ereignis beiwohnen, sieht
es einen Moment lang so aus, als flögen Martin Schmitt & Co dem Himmel entgegen.
Zielstrebig scheinen sie in höhere Gefilde zu steuern, um dann doch dem Gesetz
der Schwerkraft Tribut zu zollen. Ein Sinnbild für menschliches Leben übrigens,
denn auch im Alltag folgt manchmal nach einem Höhenflug der Fall in die Tiefe.
Und wie beim Ski-Springen kommt es dann darauf an, die Landung möglichst elegant
hinzukriegen, damit man gut und sicher ankommt und womöglich zu einem neuen
Anstieg ansetzen kann.
Was beim Ski-Sport den Springern zukommt, nämlich die Blicke der Menschen zum
Himmel zu lenken, das obliegt in der Religion den Heiligen und natürlich Jesus,
dem Überflieger schlechthin. Noch bevor er öffentlich auftritt, ebnet ihm einer
den Weg: Johannes, genannt "der Täufer", Sohn des Zacharias und der Elisabeth.
Obwohl er viel von Buße redet und sich nur mit Kamelhaaren kleidet, findet der
merkwürdige Mann jede Menge Anklang. Die Leute kommen in Scharen zum Jordan und
wollen sich taufen lassen. Irgendwie scheinen die eindringlichen Auftritte des
Bußpredigers etwas an sich zu haben, was überzeugend wirkt.
Johannes meint es ehrlich. Er gaukelt nichts vor. Wenn er den Menschen zur
Umkehr rät und sie dadurch bittet, die Weisungen Gottes sorgfältig zu beachten,
dann glaubt er selber fest daran, dass sein Rat zur rechten Zeit und am rechten
Ort erfolgt. Johannes möchte, dass die Frauen und Männer, die zu ihm kommen, den
Weg zurück zu Gott finden.
Ein Redner, dem die Menschen hinterherlaufen, als sei er der Messias
höchstpersönlich, kann Gefahr laufen, größenwahnsinnig zu werden. Denn mit dem
Erfolg wächst auch die Macht über die Menschen. Und eben diese birgt sowohl die
Verführung zum eigenen Missbrauch als auch das Risiko der Selbstüberschätzung in
sich.
Man muss dem Johannes hoch anrechnen, dass er dieser Gefahr nicht erliegt. Der
Sohn des Zacharias bleibt standhaft. Er ist sich stets darüber im Klaren, dass
die Messias-Rolle eine Nummer zu groß für ihn ist. Johannes weiß: "Ich bin zwar
ein Prediger, aber kein Erlöser. Diese Aufgabe muss ein anderer übernehmen".
Der Auftrag, den Johannes und nach ihm andere Heilige übernommen haben, nämlich
die Aufmerksamkeit der Menschen auf Gott und Jesus zu lenken, stellt kein
Privileg für wenige dar. Im Grunde ist er ein Auftrag an alle, die "Christen"
heißen. Um anderen auch nur einen Augenblick lang den Himmel zu öffnen, muss man
kein Ski-Springer sein. Dazu genügen ein gutes Herz und viele gute Taten.
Hermann Schulze-Berndt
Der Griff zum richtigen Wachs
Auch ich gehöre inzwischen zu jenen Menschen, die den Skilanglauf entdeckt
haben. Zwar spät, aber dafür freue ich mich jetzt über jede Möglichkeit mit den
Skiern an den Füßen über den Schnee durch Wälder, Täler, Wiesen oder über
Gletscher hinweg zu gleiten. Was den Skilanglauf unter anderem so faszinierend
macht, ist das intensive Erleben des eigenen Körpers und der Natur.
In diesem Winter hatte ich das Glück für ein paar Tage an einem Lehrgang der
Nationalmannschaft der Behinderten teilzunehmen, die sich auf ihre
Weltmeisterschaft vorzubereiten hatten. Neben dem intensiven Training gehörte
auch das allabendliche Wachsen der Skier zum täglichen Programm. Und mit dem
Wachsen nehmen es die Sportler ganz genau. Die gute Vorbereitung der Skier kann
im Wettkampf eine entscheidende Rolle spielen. Das richtige Wachs für den Schnee
und die betreffenden Temperaturen erhöht die Gleitfähigkeit der Skier und damit
die Schnelligkeit des Läufers. Der Griff zum falschen Wachs kann verheerend
sein, denn dann gleitet der Skier nicht.
Eine gute Vorbereitung und die Wahl des richtigen Wachs – ein Erfolgsrezept für
den Langläufer.
Eine gute Vorbereitung und der Griff zum richtigen Wachs – ein Hinweis für
unseren Lebenslauf. Immer wieder stehen wir in unserem Leben vor Situationen,
die eine Entscheidung erfordern. Immer wieder gilt es Herausforderungen
anzunehmen. Immer wieder wird auch unser Durchhaltevermögen als Christen
angefragt. Immer wieder ist unser Zeugnis für eine bessere, friedvolle Welt von
Nöten.
Der Griff zu den richtigen "Mitteln", Wegen, Handlungen oder Worten kann uns
schon einmal vor Probleme stellen. Das Schauen auf Jesu Handeln und Reden, auf
seinen Umgang mit den Menschen, auf seine Offenheit und sein Beispiel kann sich
zum richtigen Griff erweisen, damit unser Lebenslauf gelingt, damit wir in den
Herausforderungen des Lebens richtig entscheiden. Ich glaube daran. Wenn ich
mein Leben am Leben Jesu spiegle, mir Gedanken darüber mache, wie Jesus in einer
solchen Situation handeln würde, dann kann ich eigentlich nicht "verwachsen".
Michael Kühn
Der Papierform nach...
Wir kennen das von manchen Pokalbegegnungen: Da treten zwei Mannschaften
gegeneinander an, die aus ganz unterschiedlichen Spielklassen kommen. Nach der
Papierform, d.h. nach den auf dem Papier festgehaltenen früheren Leistungen
steht der Ausgang des Spiels im Grunde fest. Man diskutiert vielleicht noch über
die Höhe des Ergebnisses. Und meistens verlässt die favorisierte Mannschaft wie
erwartet als Sieger den Platz.
Aber es gibt auch Spiele, wo ein so genannter "Kleiner" einem "Großen" ein Bein
stellt. Die favorisierte Mannschaft erwischt nicht ihren besten Tag, der
unterklassige Gegner wächst über sich hinaus, die Sensation ist perfekt. Gut,
dass es eben nicht immer nur nach der Papierform geht.
Solche Siege eines "Kleinen" über einen "Großen" bleiben natürlich die Ausnahme.
Und damit ist der Sport ein Spiegelbild dessen, was auch für andere
Lebensbereiche gilt. Wer gesund, reich, erfolgreich ist, zählt in unserer
Gesellschaft gemeinhin zu den "Gewinnern". Kranke, Behinderte, sozial Schwache
gehören zu den "Verlierern".
Eine andere Bewertung würde sich ergeben, wenn wir die Dinge auf der Grundlage
biblischer Aussagen betrachten. Geradezu sprichwörtlich geworden ist der Sieg
des David über Goliath. Der Riese Goliath, der, mit Schwert und Speer bewaffnet,
ganz auf seine eigenen Kräfte vertraut, unterliegt dem Jüngling David, welcher,
nur mit Schleuder und fünf Steinen ausgerüstet, im Namen Gottes in den Kampf
zieht (vgl.1 Sam 17).
Ähnliche Umkehrungen der "normalen" Kräfteverhältnisse belegen auch andere
Schriftstellen. So sind es nicht die Mächtigen des Landes, sondern einfache
Hirten, die in dem Kind in der Krippe den Sohn Gottes zu erkennen vermögen (vgl.
MK 2). Und in der Bergpredigt verheißt Jesus das Heil nicht den Erfolgreichen
und Rücksichtslosen, sondern denen, die für Gerechtigkeit eintreten und Frieden
stiften (vgl. Mt 5, Mt 5,1-12). Bei Gott werden die Mächtigen vom Thron gestürzt
und die Niedrigen erhöht (vgl. Lk 1,52). Er hat das Schwache erwählt, um das
Starke zuschanden zu machen (vgl. 1 Kor 1,27).
Wenn wir bei einem sportlichen Wettkampf dem von der Papierform her Schwächeren
die Daumen drücken und uns über einen Sieg eines Außenseiters freuen, dann
deutet sich hier etwas an, was im Licht des Glaubens betrachtet Wirklichkeit
wird: Bei Gott haben die von der "Papierform" her Unterlegenen gute
Gewinnchancen.
Herbert Scholl
Manche Menschen wissen nicht,
wie wichtig es ist,
dass sie einfach da sind.
Manche Menschen wissen nicht,
wie gut es tut,
sie nur zu sehen.
Manche Menschen wissen nicht,
wie tröstlich ihr gütiges Lächeln wirkt.
Manche Menschen wissen nicht,
wie wohltuend ihre Nähe ist.
Manche Menschen wissen nicht,
wie viel ärmer wir ohne sie wären.
Manche Menschen wissen nicht,
dass sie ein Geschenk
des Himmels sind.
Sie wüssten es,
würden wir es ihnen sagen!
"Articolo religioso"
"Articoli religiosi" zeigt eine Leuchtschrift über einem Laden in Rom an,
der unweit des Petersplatzes in einer Seitenstraße liegt. Unter der
Leuchtschrift hängen Fußballtrikots von Inter, Lazio Rom, Bayern München...
"Articoli religiosi": wie wahr: in diesen Tagen sind solche "religiösen Artikel"
bei der Fußball-Europameisterschaft in unseren Nachbarländern Belgien und den
Niederlanden zu sehen wie überhaupt bei großen Fußball-Ereignissen.
Viele fühlen sich wohl im Stadion, genießen die Atmosphäre, den Ablauf von
quasi-religiösen Riten:
Musik aus den Stadion-Lautsprechern und Informationen auf der
Anzeigentafel,
der Dialog Stadionsprecher und Fans bei Bekanntgabe der Aufstellung:
Nr. 1 - Oliver....
Nr. 2 - Markus....
Nr. 3 - ......
unter Jubel erscheinen die Spieler in ihren Trikots, die
vor allem nach erfolgreichem Spiel begehrt sind wie im Mittelalter die
Reliquien,
die musikalische Fanfare unmittelbar nach dem Tor,
wieder der Dialog Sprecher – Zuschauer:
Deutschland....eins, England....null – Danke – Bitte!"
die Gesänge der Fans,
die oft ritualisierten Freudentänze der Spieler,
der Schiedsrichter als Wächter der Regeln, als "Zeremonienmeister".
Ein Fußballspiel wird oft zum Event: bei aller Gegnerschaft
zweier Mannschaften, der Fans und der Konkurrenz der Medien bringen sich alle
ein in das Geschehen: mitunter unterschiedlich erfolgreich, mitunter mit
unfairen Mitteln auf dem Platz, den Rängen und der Tribüne, auch mit
verschiedenen Konsequenzen. Aber eines ist das entscheidende: das runde, weiße
Leder. Das ist der Mittelpunkt, das Objekt der Begierde, der eigentliche "articolo
religioso". Der Ball – er verbindet alle, auch wenn mitunter der gegenteilige
Eindruck – "Der Ball trennt" – vordergründig entsteht. Der ist Mittelpunkt, ist
Brennpunkt, ist Focus. Es ist erstaunlich, wenn sich die unterschiedlichsten
Menschen und Interessen so "fokussieren" lassen, wenn ein Gegenstand eine
derartige Faszination besitzt und ausübt, wenn das "runde Leder" die Rollen
Tausender, ja von Millionen Menschen festlegt.
"Brannte uns nicht das Herz, als er mit uns unterwegs war?" (Lk 24,32). Diese
Frage der beiden Emmaus-Jünger kommt mir dabei in den Sinn: der Auferstandene,
Jesus Christus kann in Menschen "fokussieren", kann Herzen, kann den Menschen
faszinieren, kann seine Rolle im Leben bestimmen.
Zusammenkommen, miteinander in den Dialog kommen, miteinander Lieder singen –
weil mich Christus fasziniert, weil er mein "articolo religioso" ist. In dem
römischen Laden gab es daher auch anderes zu kaufen als Trikots: Kreuze,
Rosenkränze, Pilger-Gebetbücher....
90 Minuten dauert ein Match im Fußball, bei der Europameisterschaft vielleicht
manchmal wegen einer Verlängerung eine halbe Stunde länger; Vorfreude und
Siegesfeier, An- und Abmarsch sind auch noch anzurechnen. Aber irgendwann ist
jedes Spiel zu Ende.
Wie lange die beiden Emmaus-Jünger mit Christus gesprochen und gegessen haben,
ist nicht bekannt, wie lange sie gebraucht haben, um nach Emmaus und dann auch
wieder nach Jerusalem zu kommen, wird nicht gesagt. Eines aber gilt: das Spiel
fing damals an und es ist bis heute – Gott sei Dank und hoffentlich – noch nicht
zu Ende.
P. Dominik Kitta OPraem
König Fußball
"Endlich! Endlich bin ich fertig!", denke ich, als ich in der Fabrik
verpackt werde. "Bald bin ich im Geschäft und bei meiner Schönheit, meinem
dezenten Aussehen kann es nicht lange dauern, bis mich jemand kauft. An mir kann
man doch nicht vorbei gehen."
Und wirklich! Kaum liege ich im Regal, höre ich einen Kunden. "Dort der zweite
von rechts, in der mittleren Reihe – der ist genau der richtige für uns." Und
schon spüre ich seine Hände: zart und liebevoll fahren sie über mich. Ich werde
in die Höhe geworfen: das macht Spaß! Doch dann "Aua!" Was war das, hat der mich
etwa getreten? Ich habe ihm doch gar nichts getan? Das war bestimmt ein
Versehen! "Den nehme ich. Am nächsten Sonntag werden wir ihn gut brauchen
können." "Klar", bestätige ich mir schnell, "ich bin wichtig für jeden.
Gebrauchen, ja gebrauchen kann man mich. Aber noch viel mehr, man muss mich
einfach mögen." Und schon verschwinde ich im Dunkeln und ab geht’s. "Komisch ist
das hier" und ein seltsames Gefühl befällt mich. "Dunkel ist es hier. Und kalt.
Auch riecht’s recht streng." So etwas habe ich noch nicht erlebt. "Wo ist bloß
dieser Mann, der mich gestreichelt hat. Der mich wollte. Am Sonntag braucht er
mich."
"Langsam wird’s aber Zeit." Kaum schießt mir dieser Gedanke durch den Kopf, als
ein grelles Licht mich blendet und ohrenbetäubender Lärm mich zu verunsichern
beginnt. Dutzende von aufgeregten Stimmen sind zu hören, alle scheinen
gleichzeitig miteinander zu reden. "Aber mit mir, mit mir – da redet niemand!"
Mir wird noch kälter.
Dann werde ich von dem Mann genommen. Er hält mich fest unter seinem Arm
geklemmt. Es drückt, aber es tut nicht weh. "Er braucht mich ja", tröste ich
mich. Und plötzlich bin ich draußen, die Sonne wärmt mich auf. Ich liege sehr
weich. Die anderen Menschen jubeln, als sie mich in meiner faszinierenden
Schönheit sehen. "Das ist ein Empfang. Wie einen König empfangen sie mich. Die
brauchen mich." Doch dann treten sie mich. Überall hin. Es tut weh. Die wollen
ihren Spaß haben: denn je mehr sie mich treten, um so lauter jubeln die anderen.
"Können die sich nicht denken, dass es meiner Schönheit alles andere als gut tut
wenn sie mich traktieren", beschwere ich mich lautlos.
"Was ist jetzt? Wo ist der weiche Untergrund? Die brauchen mich doch? Oder?"
Denn ich finde mich im Arm eines kleinen Jungen wieder. Er hält mich fest;
würdigt mich aber keines Blickes, geschweige denn, dass er mich zärtlich
streicheln würde – wie damals der Mann. Noch ein paar Minuten bin ich an der
frischen Luft, dann finde ich mich in diesem muffigen Schrank wieder. Alles tut
mir weh, keiner kümmert sich darum, dass ich Verletzungen habe. Niemand tröstet
mich. Überhaupt ist es sehr still um mich herum, der Geräuschpegel ist auch
deutlich niedriger.
Ich verstehe das alles nicht, "König Fußball!" haben sie mich in der Fabrik
genannt. Umgegangen sind sie mit mir jedoch – wie mit einem Menschen!
P. Dominik Kitta OPraem
Sommerpause
Während die eine Gruppe von Athletinnen und Athleten zur Zeit schwitzen,
trainieren und Wettkämpfe bestreiten, um sich z.B. für die Olympischen Spiele zu
qualifizieren, rollt und fliegt der Ball in vielen Mannschaftssportarten zur
Zeit nicht. Die Saison hat in vielen Klassen noch nicht begonnen. Der Ball ruht.
Es ist Sommerpause.
Manchem Fußballfan mag die Sommerpause wie eine lange Fastenzeit vorkommen.
Keine Spiele am Wochenende. Keine Abwechslung vom Alltag. Kein Mitfiebern. Keine
Aufregung. Und dennoch. Es ist gut, dass der Ball einmal ruht. Denn wenn der
Ball nicht rollt oder fliegt, wenn der Sport einmal Pause macht, kommen andere
Elemente des Lebens wieder ins Bewusstsein.
Endlich einmal kein Spiel am Wochenende. So braucht auch die Familie nicht mehr
Rücksicht auf den Spielplan zu nehmen. Ein paar Wochen ohne Training direkt nach
der Arbeit. Da kann es der einzelne etwas langsamer angehen lassen und neue
Kräfte nach einer anstrengenden Saison sammeln. Die Sommerpause bringt also
etwas nicht nur für den Profisportler, sondern für jeden Sportler, jede
Sportlerin, egal auf welchem Niveau. Deshalb freut sich auch der eine oder die
andere über die Sommerpause.
Pausen sind nicht zu unterschätzen, denn sie schenken uns Menschen einen Moment
Zeit. Zeit, um Kräfte zu sammeln; Zeit zur Erholung; Zeit zum Atemholen; Zeit
zum Ausspannen; Zeit zur Ruhe; Zeit zur Besinnung.
In der Umtriebigkeit des Alltags machen nämlich viele Menschen die Erfahrung,
dass vieles, zu vieles auf sie einstürzt; dass sie in vielen Bereichen gefordert
sind und dass sie sich in vielen Aktivitäten verlieren oder zerstückeln. Mal
hier, mal dort. Überall und nirgends.
Deshalb brauchen wir immer wieder Pausen, damit wir uns eben nicht verlieren.
Deshalb brauchen wir Zeiten, in denen wir uns sammeln und alles einholen, was
wir erlebt und erfahren haben. Deshalb brauchen wir Zeiten, in denen wir zu uns
kommen und Kräfte für die anstehenden Aufgaben sammeln.
"Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt, ich
werde euch Ruhe verschaffen." (Mt 11, 28)
Eine Einladung Jesu ebenfalls einmal Pause zu machen. Das Besondere an dieser
Pause ist, dass es eine Pause mit Jesus und bei ihm sein soll. Mit Jesus Atem
holen, bei Jesus ausruhen, sich bei ihm stärken. Eigentlich etwas
Selbstverständliches für den, der aus dem Glauben, der aus der persönlichen
Beziehung mit Jesus lebt.
Also, machen wir mal Pause! Und danach geht’s weiter, frisch, mutig, erholt, auf
ein Neues. Wie nach der Sommerpause, wenn der Ball wieder rollt und fliegt.
Michael Kühn
Nimm dir Zeit zu spielen –
das ist das Geheimnis ewiger Jugend.
Nimm dir Zeit zu denken –
das ist die Quelle der Macht.
Nimm dir Zeit zu arbeiten –
das ist der Preis des Erfolgs.
Nimm dir Zeit zu lesen –
das ist die Grundlage der Weisheit.
Nimm dir Zeit, freundlich zu sein –
das ist der Weg zum Glück.
Nimm dir Zeit zu träumen –
das trägt dein Gefährt zu den Sternen.
Nimm dir Zeit, dich umzusehen –
der Tag ist zu kurz, um selbstsüchtig zu sein.
Nimm dir Zeit zu lachen –
das ist die Musik der Seele.
Gefunden in der Bibliothek von
P.Norbert Shadegh, SVD, Bali
Vom Applaus getragen
Es ist schon ein Wahnsinnsgefühl. Du bist im Wettkampf. Du strengst dich an.
Und, es läuft gut. Du nimmst den Applaus von den Rängen, von den Zuschauern
wahr, der dir entgegenkommt. Du wirst angefeuert. Der Applaus unterstützt. Eine
solche Anfeuerung setzt noch einmal Kräfte frei. Kräfte für den Endspurt oder
den entscheidenden Moment. Es ist, als ob der Applaus trägt, wie eine Woge, die
dich weiter trägt, die dich mitreißt, dem Ziel entgegen.
Der Applaus der Zuschauer ist nicht nur das Brot des Künstlers, sondern auch das
des Sportlers, der Sportlerin. Anfeuerung und Applaus tun einfach gut.
Vom Applaus getragen – doch leider verhallt der Applaus und im Alltag schlägt
mir kaum Applaus entgegen. Was reißt mich dann mit? Was trägt mich dann? Was
trägt mich dann vorwärts zum Ziel?
Mein Wille, meine Einstellung, mein Freund, meine Freundin, meine Familie, mein
Trainer?
Es tut gut Menschen um sich zu haben, die mein Leben mittragen, besonders in den
Momenten, in denen ich kaum mehr vorwärts komme, in denen mir selbst die Kraft
fehlt.
Was trägt mich? Vielleicht auch mein Glaube. Der Glaube, der mir sagt, dass Gott
mir applaudiert, weil er "ja" zu mir als Mensch, als Sportler, Sportlerin sagt.
Dieser Gott, der mir applaudiert, wenn ich aus mir das Beste und das Gute
heraushole, auch wenn es nicht immer zum Sieg im Sport, im Alltag reicht.
Dieser Gott, der nahe ist, gerade dann, wenn ich Kraft brauche und der
Orientierung schenkt durch sein Wort.
Dieser Gott trägt. Und das ist auch gut.
Michael Kühn
Für wen läufst du?
In der Stadt Ropschitz wohnen die reichen Leute einsam am Rande der
Stadt. Sie bestellen Männer zum Schutz gegen Diebe. In dieser Stadt Wohnt auch
Rabbi Naphtali.
Er geht eines Tages am Rand des Waldes spazieren. Dabei stößt er auf einen
solchen Wächter auf seinem Patrouillengang. "Für wen gehst du?" fragt er den
Wächter. Der gibt ihm Bescheid, stellt jedoch die Gegenfrage: "Und für wen geht
ihr, Rabbi?"
Das Wort trifft den Rabbi wie ein Pfeil.
"Noch gehe ich für niemand," bringt er mühsam hervor und geht lange schweigend
zusammen mit dem Wächter auf und ab. Schließlich fragt der Rabbi unvermittelt:
"Willst du mein Diener sein?"
"Das will ich gern", erwidert der Wächter, "aber was ist meine Aufgabe, was habe
ich zu tun?" "Mich zu erinnern", sagt Rabbi Naphtali und geht heim.
Für wen läufst du? Für wen wirfst du? Für wen spielst du?
Wenn diese Frage ein Reporter sofort nach dem Wettkampf stellen würde, würden
die Sportler verdutzt drein schauen. Nach einem Moment des Nachdenkens aber
würden ihnen sicherlich einige Antworten einfallen: Für mich, für meine
Anerkennung, für mein Selbstwertgefühl, für mein Land, für den Erfolg, für Geld.
Für wen läufst du? Für wen betreibst du deinen Sport? Diese Frage holt aus der
Selbstverständlichkeit heraus und provoziert zum Nachdenken über den Sinn des
eigenen Tuns. Was ist denn wirklich mein Ziel?
"Wer nicht weiß wo er hin will, braucht sich nicht zu wundern, wenn er dort
heraus kommt, wo er eigentlich nicht hinwollte".
Nichts ist schlimmer als kein Ziel mehr vor Augen zu haben. Nichts ist
schlimmer, als wenn alles sinnlos erscheint. Es ist gut, wenn der Sport mit
Freude, Selbstentfaltung, Selbsterfahrung, mit positiven Erlebnissen,
persönlicher und menschlicher Reife verbunden ist.
Für wen läufst du? Auch mein Lebensweg hat erst Sinn, wenn ich Ziele vor Augen
habe. Kann auf diese Frage meines Lebens die Antwort nicht heißen: Ich laufe für
eine bessere Welt, für eine Idee von einem menschlichen Leben, wie Jesus sie
verkündet hat. Bei dieser Art von Laufen können wir die Welt um uns herum
gestalten und Wege entdecken: Wege der Menschlichkeit, Wege zum Licht durch die
Nacht, Wege der Liebe und des Friedens, Wege auf denen die Freude aufblüht, wie
ein Regenbogen, Wege auf denen Gott mitgeht.
Ich laufe dafür. Ich bin froh, wenn einer mitläuft. Läufst du mit?
Michael Kühn
Wie ein Drachen
Viele nutzen den Herbst mit seinen stürmischen Winden gerne zum
Drachensteigen. Manchmal sieht man schon Vorschulkinder, denen dann allerdings
die Eltern zur Hand gehen müssen, meistens natürlich Jugendliche, aber auch
Erwachsene mit ihren Drachen.
Drachen zeigen sich in unterschiedlichster Farbe, Form und Größe; manchmal sind
mehrere Teile kunstvoll hintereinander angeordnet. Viele einfache Drachen sind
vom Piloten, d.h. demjenigen, der sie fliegen lässt, mit einer Hand zu halten;
große Drachen sind bei starkem Wind nur noch zu bändigen, wenn man sich
rücklings auf den Boden legt.
Es ist faszinierend, dem Flugverhalten eines Drachens eine Weile zuzusehen.
Steht er gerade noch ruhig am Himmel, so wird er plötzlich von einer Windböe
erfasst, fliegt weite Schleifen, berührt dabei fast den Boden, um sofort danach
wieder ruhig am Himmel zu stehen. Hier kommt es sehr auf das Geschick des
Piloten an, den Drachen je nach Windverhältnissen durch wechselweises Ziehen und
Nachgeben, dem so genannten "Pumpen", gut zu lenken.
Der Drachen im Wind – ein Bild für unser Leben:
Wie ein Drachen im Wind möchten wir uns frei bewegen und entfalten können.
Wie ein Drachen im Wind brauchen wir eine Hand, die uns hält und uns
Orientierung verschafft.
Wie ein Drachen im Wind werfen uns die "Stürme unseres Lebens" manchmal
hin und her.
Der im Wind vom Piloten gehaltene Drachen kann schließlich
ein Bild sein für den Menschen, der sich von Gott gehalten weiß. Mit vielen
Möglichkeiten und Freiheiten ausgestattet, dürfen wir uns im Glauben einem Gott
anvertrauen, der die Verbindung zum Menschen nicht abreißen lässt. Die Leine,
die den Drachen mit dem Piloten verbindet, wäre übertragen die Liebe, die uns
mit Gott verbindet. Wenn wir uns von dieser Liebe "lenken" lassen, werden
wir letztlich auch in den "Stürmen unseres Lebens" nicht "abstürzen".
Herbert Scholl
Die alte Stadionuhr
Ohne eine präzise Messung der Zeit können wir uns wohl alle unser Leben und
damit auch den Sport nicht mehr vorstellen. Immer wieder sind wir auf genaue
Zeitangaben angewiesen. Und was für unser Leben gilt, gilt ebenso für die
Sporthalle oder das Stadion. Wir sind in gewisser Weise zu Zeitmenschen
geworden.
Die zu Ende gegangenen Spiele in Sydney haben uns täglich gezeigt, wie wichtig
präzise Zeitmessungen sind. In diesem Zusammenhang wundert es nicht, dass die
alten Stadionuhren mit ihren großen Zeigern zunehmend von ihren digitalen
Vettern mit Zeitsteuerung per Funksignal verdrängt werden. Hinzu kommt, dass
eine digitale Tafel vielseitiger verwendbar ist.
Trotzdem bitte ich die gute alte Stadionuhr nochmals auf die Bühne, denn mit
ihren Zeigern vermittelt sie uns eine Botschaft für unser Leben. Im Wort
"Zeiger" steckt das Wort "zeigen". Da gibt es den Stunden-, den
Minuten- und den Sekundenzeiger und alle drei zeigen auf ihre Weise auch auf den
Betrachter. "Auch du bist gemeint", scheinen sie zu sagen.
Der Sekundenzeiger zeigt uns, wie schnell die Zeit vergeht und wie schnelllebig
wir oft sind. Oft leben wir nur im Augenblick, aber auch der ist wichtig. Wie
viele schnelle und kurze Begegnungen gibt es jeden Tag?
Der Minutenzeiger zeigt auf uns und sagt: "Mensch, lebe nicht nur aus
dem Augenblick. Dein Leben braucht einen Rhythmus, braucht Zeit
zum Verweilen können, braucht Zeit für Freundschaft und Gemeinschaft. Und dies
geht nicht im Augenblick".
Im Hintergrund hält sich der Stundenzeiger – allein durch seine Größe. Seine
Botschaft ist dezenter: "Mensch, deine Lebenszeit ist dir anvertraut".
Oft erfahren wir das wirklich tragende unseres Lebens aus einer größeren
Gesamtschau der Dinge. Wie vieles davon wird uns durch das Vorbild anderer mit
auf den Weg gegeben, wie viel können wir selbst entdecken und einbringen.
Wenn wir als Christen in diesen Novembertagen an unsere Verstorbenen denken und
für sie beten, dann wird uns auch vieles mit Hoffnung und Dankbarkeit erfüllen.
Und vielleicht gibt es doch noch mehr alte "Stadionuhren" als wir denken
und die uns einladen über unsere Lebenszeit nachzudenken.
Hans-Gerd Schütt
Weihnachten – mehr als eine
Ausstellung
Wer die Gelegenheit hatte, die Ausstellung "Der Ball ist rund"
anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des DFB im Oberhausener Gasometer zu
besuchen, der konnte bei vielen Fußballfans und Interessierten schöne
Beobachtungen machen. Vor manchem Ausstellungsstück schienen sich Gesichter zu
verändern und begannen Augen zu funkeln.
Dies kennen wir aus anderen Ausstellungen ebenso und bei so manchem
Erinnerungsstück zu Hause könnte einem warm ums Herz werden.
Darum sei die Frage erlaubt, was da geschieht, wenn ein Gegenstand einen
Betrachter verändert. Denn der gleiche Gegenstand kann einen anderen völlig cool
lassen.
Es kommt ganz entscheidend auf die Augen des Betrachters an und seine innere
Sicht der Dinge. Ein Gegenstand, z.B. ein Fanartikel, ein Originalticket, eine
Eintrittskarte, eine Medaille usw. rufen in mir Erinnerungen wach, wecken
Gefühle der Freude und der Faszination. Und dies ganz persönlich zunächst einmal
bei mir.
Die Zeit des Advent und der Weihnacht sind für viele auch eine Zeit, die
Gesichter verändern und wo Augen zu funkeln beginnen. Die Lichter in den Straßen
und Häusern lassen Erinnerungen wach werden und Hoffnungen aufleben.
Weihnachten will jedoch mehr sein als eine Ausstellung. Dabei hat es fast wie
eine solche angefangen. Als die Hirten und die Könige sich auf den Weg machten
und die Krippe erreichten, staunten sie über das Bild, das sich ihnen zeigte.
Sie begannen zu erahnen, dass sich Gott ihnen und der Welt darstellte. Und noch
viele erahnten und erfuhren dies auf dem weiteren Weg dieses Kindes und für
manche wurde es zur Gewissheit, die ihr Leben verändern sollte: Hier ist Gott
Mensch geworden. Und diese Botschaft lebt weiter in der Menschheit. Darum
ist Weihnachten mehr als eine Ausstellung.
Denn was ein Weiser des Alten Testaments einige hundert Jahre vorher ahnend
ausgesprochen hat, gilt von diesem Kind:
Als tiefes Schweigen das ganze All umfing und als die Nacht in der Mitte
hielt ihre Bahn, da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel hernieder auf die
Erde......
Darum wünsche ich uns zur Weihnacht dieses Fest mit den Augen des Glaubens zu
sehen. Nicht das es keine Erinnerung und Gefühle geben sollte. Sie sind wichtig
und gehören dazu.
Aber die Augen des Glaubens lassen uns nicht wie in einer Ausstellung stehen
bleiben und Vergangenes betrachten, sondern sie wollen uns auf den Weg des
Glaubens führen, der in die Zukunft führt und die Botschaft der Weihnacht in uns
weiterleben lässt.
Hans-Gerd Schütt
Wisst ihr nicht?...
"Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes
ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst;
denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in
eurem Leib".
(1. Korintherbrief 6, 19-20)
Herr, ich habe meinen Körper trainiert, ich bin fit für den Wettkampf. Meine
persönliche Bestleistung will ich steigern, vielleicht schaffe ich es sogar, der
Sieger zu sein. Das ist mein Ziel. – Ob ich es erreiche?
Da macht mich das Wort des heiligen Paulus stutzig: "Wisst ihr nicht, dass euer
Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist? .....Ihr gehört nicht euch selbst."
Ein merkwürdiger Gedanke, Herr, ich gehöre nicht mir selbst? Ich bin doch Ich.
Aber es stimmt, ich habe mich nicht selbst gemacht. Meine Eltern haben mir das
Leben geschenkt. Du hast mich durch sie gewollt – so wie ich bin – mit meinen
körperlichen und seelischen Fähigkeiten, mit meinem sportlichen Können, - aber
auch mit meinen Grenzen und Schwächen. Ja, ich bin mir geschenkt. Jetzt bin ich
mir selbst in meine Verantwortung gegeben. Und ich darf mich ausprobieren –
meine Fähigkeiten einsetzen – meinen Leib trainieren – bis an die Grenzen meiner
Leistungsfähigkeit gehen.
Herr, ich danke dir, dass ich meinen Leib erleben darf, dass ich gesunde
Gliedmaßen habe, dass ich laufen, springen, schwimmen, mich bewegen kann. Es ist
schön, meine Fähigkeiten und Grenzen zu erfahren.
Und du willst in mir wohnen, du der Geist Gottes, du, die Kraft und Liebe in
mir. Du Geist, der die durch Furcht gelähmten Menschen in Bewegung brachte, du
Geist, der Sprachlose zum Sprechen brachte, der Menschen zueinander führte und
Verständnis füreinander schaffte, du Geist, der die mutlosen Jünger ermutigte.
Du Gottes Geist in mir, du hast viele Namen: Fairness, Mut zum Einsatz,
Offenheit, Zivilcourage, Achtung vor dem Anderen, Wahrheit.
Ist das in mir lebendig, Herr? – Ist dein Geist in mir lebendig?
dein Geist der Fairness?
dein Geist der Achtung vor dem Wettkampfpartner?
dein Geist der Wahrheit, der mich abhält, unlautere Tricks und Mittel beim
sportlichen Wettkampf einzusetzen?
Ich danke dir, Herr, dass du mir deinen Geist schenkst, der
mich ermutigt, ein fairer Wettkampfpartner zu sein.
Aber da ist noch ein Satz, Herr, über den ich stolpere: "Verherrlicht Gott in
eurem Leib." Wie kann das sein, dass du durch mich, durch und in meinem Leib
verherrlicht wirst?
Dich verherrlichen doch die frommen Beter und die, die dir Loblieder singen in
den Gottesdiensten – oder?
Ach ja, ich glaube, ich habe etwas übersehen: du hast meinen Leib geschaffen; er
ist dein herrliches Werk, du hast ihn wunderbar erschaffen. Darum Herr, es macht
mir Freude und es fordert mich heraus, wenn ich meinen Leib und meine
körperlichen Kräfte trainiere und bei Spiel und Sport gebrauche, wenn ich mich
mit anderen im Wettkampf messe, wenn ich Siege erringe durch meine Leistung,
wenn ich mit Freude und Ausdauer Spiel und Sport treibe. Das, Herr, ehrt auch
dich, dadurch verherrliche ich dich in meinem Leib, ich ahne etwas von deiner
Größe und Schönheit.
Helmut Kusche
Bei Gott ist jeder ein Gewinner
Was haben Michael Schumacher, Nils Schumann und Heike Drechsler gemeinsam?
Alle drei haben im letzten Jahr in ihrer Sportart gewonnen. Der erste in der
Formel 1, die anderen beiden bei den Olympischen Spielen. Es ist schon
interessant. An Gewinner erinnert sich jeder. Die Verlierer aber werden
vergessen.
Eine kleine Begebenheit. Mein Neffe schmiss sich heulend auf sein Bett und war
kaum zu beruhigen. Er hatte gerade beim Fußball spielen auf der Straße gegen
seinen Bruder verloren. Verlieren ist hart. Verlieren kann ganz schön weh tun.
Im Sport geben wir alles, um zu gewinnen. Jeder Sieg ist gleichzeitig auch eine
Bestätigung. Eine Bestätigung dafür, dass ich etwas besonders gut kann. Besser
sogar als andere. Über einen Sieg darf ich mich freuen und stolz sein. Gewinnen
tut gut.
Doch gewinnen ist keineswegs einfach und Siege fallen nicht vom Himmel. Vorher
gehören viel Training, Fleiß, Ausdauer, Disziplin und Durchhaltevermögen dazu.
Wer gewinnt, sollte aber nicht gleich abheben oder meinen, dass er ein besserer
Mensch sei. Bei Siegen spielt oft der Moment und das Glück eine Rolle. Das Glück
aber kann sich schnell wenden und beim nächsten Spiel oder Wettkampf ist ein
anderer oder eine andere besser.
Ehrlich gesagt, meistens sind wir doch öfters Zweite als Erste oder Verlierer
als Gewinner. Wenn ich im Sport verliere, dann ärgert mich das jedes Mal.
Verlieren wurmt, verlieren ist einfach ärgerlich. "Verlieren will gelernt sein"
Das sagt sich so einfach. Doch leicht ist es nicht. Die Schuld für Niederlagen
aber bei anderen, dem fehlenden Glück zu suchen oder auf äußere Umstände zu
schieben, ist unfair. Es gehört auch zum Sport, die Leistungen eines anderen
anzuerkennen. Jede Niederlage aber kann Ansporn sein, es noch einmal zu
versuchen und besser zu machen.
Gewinnen und verlieren, zwei Seiten des Sports. Gewinner und Verlierer, zwei
Seiten im Menschenleben. Klar ist aber, auf welcher Seite wir lieber stehen.
"By God – all are winners" – "Bei Gott sind wir alle Gewinner".
Diesen Satz habe ich während der Olympischen Spiele in Sydney auf einem
Plakat gelesen. Ein toller Satz und eine wichtige Erkenntnis. Bei Gott sind wir
alle Gewinner, denn er will uns jeden Tag neu begegnen mit seiner Liebe. Und
wenn wir uns dazu aufmachen, ihm zu begegnen, können wir nur gewinnen an Kraft,
Orientierung und Geborgenheit. Wer sein Leben auf Gott setzt, gewinnt. Das
Angebot Gottes gilt jedem, ohne Ausnahme. Egal ob groß oder klein, arm oder
reich, alt oder jung, sportlich oder weniger sportlich, erfolgreich oder weniger
erfolgreich.
Bei Gott sind wir alle Gewinner, wenn wir uns für das Gute entscheiden. Und
anders als im Sport, darf dabei schon einmal etwas schief gehen, ohne dass er
uns als Verlierer abhakt.
Mit Gott verlieren wir nicht. Mit Gott gewinnen wir das Leben.
Michael Kühn
Es liegt in eurer Hand
Es war einmal ein weiser Mann, der immer zur rechten Zeit die richtigen
Ratschläge gab. Darum wurde er auch viel befragt und genoss großes Ansehen bei
der Bevölkerung. Dies ärgerte die Oberen des Landes sehr und sie überlegten, wie
sie dem weisen Mann eine Falle stellen könnten.
Nach langem Überlegen hatten sie eine Idee: Einer der ihren sollte mit einer
Maus in der geschlossenen Hand vor den weisen Mann treten und ihn fragen, was er
in der Hand verberge. Sollte der weise Mann wider erwarten die richtige Antwort
geben, so könnte er durch die Zusatzfrage: - Ist das, was sich in der Hand
befindet, lebend oder tot -– in die Falle gelockt werden. Lautete die Antwort
tot, würde die Hand geöffnet mit der lebenden Maus. Lautete die Antwort lebend,
könnte die Maus durch schnelles Zudrücken der Hand getötet werden.
Die Oberen gingen also zu dem weisen Mann und befragten ihn. Was ist in meiner
Hand? Der weise Mann antwortete: "Eine Maus".
Ist das in meiner Hand lebend oder tot? Darauf antwortete der weise Mann: "Ob
das, was in eurer Hand liegt, lebt oder tot ist, liegt in eurer Hand".
Es liegt in eurer Hand: In welcher Weise Tod und Zerstörung in der Hand von
Menschen liegt, haben uns in einer brutalen Weise die Terroranschläge in den USA
wieder vor Augen geführt. Durch die Hand von Menschen wurde unschuldiges Leben
beendet und unsägliches Leid über viele Familien gebracht.
Sprachlos, betroffen und erschüttert haben wir die Bilder gesehen und die
Nachrichten vernommen. Sprachlos und stumm suchen wir nach Erklärungen und
spüren, wie Ängste in uns hochkommen. Denn es liegt wiederum in der Hand von
Menschen, welche Konsequenzen folgen.
Die Ereignisse stellen uns immer wieder die Zerbrechlichkeit und Verwundbarkeit
menschlichen Lebens und seine Grenzen vor Augen. Dennoch, es ist nicht angesagt
in einer Lähmung zu verharren, denn dann hätten die lebensfeindlichen Kräfte
gesiegt, dann behielte der Tod das letzte Wort.
Unser Glaube aber blickt in aller Sinnlosigkeit und Erschütterung weiter, weil
er auf Gott verweist, der dem Tod und der Sinnlosigkeit letztlich seine Liebe
und Nähe entgegenstellt und die Hoffnung auf die Auferstehung.
Es liegt in unserer Hand, was wir aus diesen Ereignissen mitnehmen. Es liegt in
unserer Hand, ob wir zu einer lebenswerten Welt beitragen, in der Terror,
Gewalt, Hass und Menschenverachtung keinen Platz haben.
Es liegt in unserer Hand, auch in unseren Vereinen. Es liegt in unserer Hand
welche Geisteshaltung wir mit tragen oder fördern. Es liegt in unserer Hand, ob
wir uns für einen menschlichen Umgang einsetzen, der keine Ausgrenzung oder
Benachteiligung, Missachtung, Rassismus oder Gewalt aufkommen lässt. Denn diese
sind Bausteine für Hass.
Es liegt an uns, ob Worte wie Respekt, Menschenwürde, friedliches Zusammenleben
nur leere Worthülsen sind, oder ob sie mit Leben gefüllt werden.
Es liegt an uns, ob wir uns im Sport dafür einsetzen. Denn automatisch passiert
nichts.
Sicherlich, wir, unsere Vereine und der Sport verändern nicht die große Welt.
Aber es liegt an uns, ob wir unsere Umgebung und unsere kleine Welt verändern.
Jeder kleine Schritt ist ein Schritt. Und wer weiß, was passiert, wenn alle
mitmachen!
Es liegt viel mehr an uns, als wir glauben. Denn dafür hat Gott uns unsere
Fähigkeiten geschenkt.
Michael Kühn
Wahre Größe
In allen Lebensbereichen gibt es Männer und Frauen, die sich aufgrund ihrer
Leistungen, Künste oder Stellung einen Namen gemacht haben. So spricht man
beispielsweise auch von so genannten Sportgrößen, von denen einer sogar
behauptete: "Ich bin der Größte!" Das war der amerikanische
Boxweltmeister Cassius Clay, der sich später Muhammad Ali nannte. Im Volk
bezeichnete man ihn auch als das Großmaul. Aber: Steckt dieses Groß-sein-Wollen
nicht auch in uns? Jeder möchte doch gerne gut dastehen; vor sich selber, vor
anderen und auch vor Gott! Davon ist wohl niemand ganz frei. Doch wie ist wahre
menschliche Größe messbar?
Gerade aus dem Sport stammt auch ein ganz anderes Beispiel von "Größe":
Vor Jahren war es, bei der berühmten "Tour de France", dem größten
Radrennen der Welt. Der Rennfahrer Forestier, Liebling der Franzosen, lag in
Führung weit an der Spitze des Teilnehmerfeldes. Er war damit der heißeste
Anwärter auf das "Gelbe Trikot" des Spitzenreiters. Nur einer, nämlich
der Italiener Ricardo, machte ihm ernsthaft Konkurrenz. Und genau der überholte
ihn bei einer Abfahrt! Doch plötzlich waren Mann und Rad verschwunden; wie vom
Erdboden verschluckt. Der Italiener war von der Straße abgekommen und einen
Abhang hinuntergestürzt. Was keiner mitbekommen hatte, nur Forestier. Der
zögerte kurz, bremste dann ab, stieg vom Rad und kroch den Abhang hinunter. Mit
großer Mühe schleppte er den verunglückten Konkurrenten hinauf auf den
Straßenrand, wo ihn bald Sanitäter versorgten. Forestier selbst hatte kostbare
Minuten verloren – und damit den sicheren Sieg! Doch als der kleine Franzose
weit hinter dem Ersten über die Ziellinie fuhr, toste ein nicht enden wollender
Beifall der Zuschauer auf. Hier war der Besiegte der eigentliche Sieger. Oder
wie Jesus, unser größtes Beispiel, es nennt: Der Diener war der Größte!
Denn vor Gott ist nur derjenige groß, der sich selbst zurücknimmt, um sich ganz
für andere einzusetzen.
Bei der Tour de France ist es wie im "richtigen Leben": Ein Gewinner muss nicht
automatisch auch der "Größte" sein.
Karl H. Gries (aus: Paulinus)
Auffangnetze
Maschendraht hinter Fußballtoren, ganze Fronten und gewaltig in den Ausmaßen
– ein Bild, das viele Sportplätze prägt. Sie sind nicht besonders schön
anzusehen, kosten den Sportverein viel Geld und bedürfen von Zeit zu Zeit einer
arbeitsaufwendigen Wartung. Die Fertigung ist einfach, der Zweck verständlich:
Die Zäune sollen Bälle, die über das Tor fliegen, aufhalten – auffangen.
Lohnt es überhaupt, über Maschendrahtzäune nachzudenken? Ihre Bedeutung ist doch
im Vergleich mit dem Spielgerät "Ball" oder dem Einrichtungsgegenstand "Tor"
eher gering!
Oft sind es aber nebensächliche und gering scheinende Dinge, die bei näherer
Betrachtung an Wert gewinnen. So auch das Auffangnetz hinter einem Tor, seine
Funktion ist vielfältig und umfassend. Es trägt nicht nur dazu bei, den Ball
aufzuhalten, es hilft auch mit, Zeit zu gewinnen, Zeit, das dem Spiel insgesamt
und der Bewegung des einzelnen Sportlers zugute kommt. Das Auffangnetz führt
also zum Wesentlichen, nämlich das Spiel in Fluss halten. Es erhöht die
Spielfreude und eröffnet Chancen. Braucht der Sport nicht auch an anderen
Stellen als hinter Toren "Auffangnetze", die verhindern können, dass er sich vom
Wesentlichen entfernt? Wären nicht auch den Sportlern oftmals "Auffangnetze"
recht, wenn sie einen Elfmeter verschossen haben, selbst nicht die normale
Leistung bringen oder vor einer entscheidenden Niederlage stehen? Und – sucht
nicht jeder Mensch im Alltag, im Beruf oder in der Familie immer wieder einmal
nach "Auffangnetzen", wenn er das Gefühl hat, "Torauslinien" zu überschreiten?
Maschendrähte freilich können dann nicht weiter helfen. Der Sportler braucht das
Verständnis der Mitspieler und die Ermutigung des Trainers, er braucht die
Anfeuerung der Zuschauer und eine Vorstandschaft, die fair bewertet und neue
Chancen gibt. Auch der Sport bedarf geeigneter "Auffangnetze", etwa in Regeln
und Übereinkünften, die den Spielgedanken des Sportes schützen, die
Kommerzialisierung verhindern oder den Gesundheitswert der Bewegung erhalten.
Und der Mensch an sich – wer eigentlich vermag ihn aufzufangen? – Halt gibt die
Orientierung an ethischen Grundsätzen, Unterstützung gibt der Mitbruder und die
Mitschwester. Darüber hinaus ist es "der logos", der trägt, wenn menschliche
Kräfte nicht mehr ausreichen, das Spiel des Lebens in Fluss und im Gleichgewicht
zu halten.
Regeln und Grundsätze, Mitspieler und Mitmenschen aber bedürfen immer auch der
Wartung. Nichts anderes erwartet auch der Schöpfergott. Auffangnetze und ihre
Pflege sind notwendig, dies gilt für den Bereich des Sports ebenso wie für das
Spiel des Lebens.
Karl Grün
Jeder Mensch braucht einen Brunnen
Jeder Mensch braucht einen Brunnen,
aus dem er schöpfen kann,
eine heilsame Quelle,
die nie versiegen kann.
Diese Welt braucht eine Sehnsucht,
die Herzen füllen kann,
eine reichliche Hoffnung,
die tief bewegen kann.
Unser Gott schenkt, was wir brauchen,
durch seinen starken Geist.
Er wirkt tägliche Wunder,
indem er Hoffnung speist.
Gottes Sohn kämpft für die Liebe,
für Frieden in der Welt.
Wer das glaubt, wird gerettet,
weil Gott dann zu ihm hält.
Hermann Schulze-Berndt
Begegnung braucht Bewegung
Punktspiel. Wie jeden Samstag. Die Mannschaften gehen auf das Spielfeld.
Begrüßen sich höflich. Das Spiel beginnt. Am Ende wieder shake hands. Die
Spieler oder Spielerinnen verschwinden in den Umkleideräumen. Und das nennen wir
Spielbegegnung.
Acht Athletinnen auf der Bahn. Der Startschuss fällt. Jede rennt ihr Rennen.
Zieleinlauf. Ein kurzer Blick auf die Zeiten. Ein kurzer Händedruck für die
Mitläuferinnen. Dann zurück zum Auslaufen.
Merkwürdige Begegnungen. Wirklich menschliche Begegnungen?
Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr begegnen sich Millionen von Menschen
auf den Sportplätzen und in den Hallen. Menschen, die sich meistens fremd sind
und eigentlich auch nach dem Wettkampf fremd bleiben, obwohl sie doch, zumindest
für einen kurzen Moment, das Leben, ihr Leben, teilen und diesen Moment
gemeinsam leben und erleben.
Wer ist eigentlich der Mensch, mit dem ich Sport treibe? Was bewegt ihn? Diese
Frage können wir wohl manchmal nur im Hinblick auf die eigenen
Mannschaftskameraden oder die eigenen Trainingspartner und –partnerinnen
beantworten. Vielleicht oft sogar noch nicht einmal in diesem Fall.
Wer ist eigentlich dieser Mensch? Ist es nicht schade, wenn ich bei dieser Frage
kapitulieren muss? Wir leben mit Menschen zusammen, wir teilen mit ihnen im
Sport Gemeinsamkeiten, Leidenschaften, Freuden und Erfolge und wissen oft gar
nicht, wer sie sind.
Begegnungen sind Chancen. Begegnungen sind Bereicherungen. Begegnungen schaffen
Beziehungen. Begegnungen ermöglichen Freundschaften. In jeder Begegnung
überwinde ich Grenzen, überwinde ich mich selbst. Ohne Begegnungen würde jeder
von uns isoliert leben. Viele Begegnungen sind oft leider zu oberflächlich, wie
das alltägliche Aneinander-vorbeigehen. Erst, wenn ich den anderen Menschen
wirklich wahrnehme, mich ihm zuwende, mich für ihn interessiere, erreicht die
Begegnung eine ungeahnte Tiefe.
Begegnung braucht Bewegung. Die Bewegung aufeinander zu, die Bewegung heraus aus
der Oberflächlichkeit, aus dem Desinteresse. Die Bewegung einmal über seinen
eigenen Schatten zu springen.
Wie wäre es, wenn wir uns in unserem Verein mehr füreinander interessieren
würden? Wenn wir die Chancen der Begegnung nutzen würden, die sich ergeben? Auf
diese Weise wird der Verein Heimat und erhält ein menschliches Angesicht. Auf
diese Weise wird der oder die, die mit mir spielt, rennt, trainiert mehr als ein
Trainingspartner. Auf diese Weise wird er oder sie für mich Mensch. Ein Mensch,
an den ich mich halten kann.
Welche Tiefe Begegnungen erreichen können, davon erzählt immer wieder die Bibel.
Jedes Mal wenn Jesus sich auf die Menschen zu bewegt, entsteht etwas
großartiges: Gemeinschaft, Freundschaft, menschliche Beziehung. Jede Begegnung
mit ihm bewegt die Menschen. Lassen wir uns von seinem Geist bewegen und
begeistern, damit wir uns bewegt auf den Weg machen, Menschen in unserem Leben
und im Sport zu begegnen, damit Großes entsteht.
"Wichtig im Leben ist die Begegnung. Wir sehen einander in die Augen; wir
tauschen unsere Erfahrungen aus. Das ist für mich von größter Bedeutung. Der
Sinn des eigenen Lebens wird mir klarer, wenn ich dem Leben anderer Menschen
begegne. In solchem Begegnen liegt Freude". (M.A. Thomas)
Michael Kühn
Ist Gott ein Bayer?
Es geschehen doch noch Zeichen und Wunder. Das dramatische Finale der
Fußballsaison reichte aus für eine Renaissance der Götter. Zumindest der
"Fußballgott" hatte Hochkonjunktur. Während die einen ihm huldigten:
"Gott ist ein Bayer" (Münchener Abendzeitung) oder um seinen Beistand
flehten: "Fußballgott zieh die Lederhosen an!" (Bildzeitung), kehrten
sich die anderen von ihm ab: "Ich glaube nicht mehr an den
Fußballgott!" (Rudi Assauer).
Das Ende einer Saison schien in den Händen eines Gottes zu liegen, der nach Lust
und Laune seine Gunst verteilte. Einfach so, wie er will und dabei nicht nach
verdient oder unverdient, sympathisch oder weniger sympathisch oder nach der
Meinung des Fußballvolkes fragt. Wer gewinnen will, muss sich also die Gunst
dieses Fußballgottes sichern. Haben etwa die Schalker Anhänger zu wenig Kerzen
angezündet?
Sieg und Niederlage, der Mensch, der Sport als Spielball der Götter. Das würde
ja bedeuten, dass im Sport nur die Sportler, Sportlerinnen oder die Mannschaft
gewinnt, die fromm sind, die am meisten beten, die so eine Art "Religio-Doping"
praktizieren.
Vielleicht ist es doch ratsam, mit religiöser Sprache und religiösen
Vorstellungen im Sport behutsam umzugehen, um nicht bei solchen Vorstellungen zu
landen.
Über Sieg und Niederlage entscheidet nicht Gott, sondern die Leistung, die Form
des einzelnen Sportlers, der einzelnen Sportlerin. Und genau diese Leistung wird
geschmälert, wenn sie einem "Gott" in die Schuhe geschoben wird. Es ist
und bleibt die Leistung des Menschen im Sport, die wir bewundern. Es sind seine
Fähigkeiten und Möglichkeiten, seine Kreativität und Eleganz, die sich im Sport
zeigen.
In den Ausgang eines Wettkampfes mischt sich, zumindest nach christlichem
Verständnis, Gott nicht ein, denn dann würde das Spannende und Fesselnde
sportlicher Wettkämpfe verschwinden, das doch gerade darin besteht, dass ihr
Ausgang trotz allem Training und aller Vorbereitung letztlich nicht vorhersehbar
ist.
Im Sport gibt es viele gläubige Christen, die sich und ihre Sportlerkarriere
unter den Schutz Gottes stellen. Aber dieser Glaube ist geprägt von der
Überzeugung, dass der Körper, seine Fähigkeiten und die Möglichkeit, Sport zu
treiben ein Geschenk Gottes sind. Dass Gott Kraft schenkt für das Leben mit
Siegen und Niederlagen und dass der Wert des einzelnen Menschen nicht an seinen
sportlichen Siegen oder Niederlagen hängt.
Genervt antwortete übrigens Oliver Kahn: "Es gibt keinen Fußballgott, sondern
nur einen Gott. Und der gibt uns Kraft für Siege und auch Kraft Enttäuschungen
wegzustecken".
Diese Überzeugung verdient Respekt und Anerkennung. Und da kann das Gerede von
"Fußballgöttern", der "Hand Gottes" oder der Gebrauch religiöser
Sprache in der Berichterstattung fehl am Platze sein, irreführen und nerven.
Also, immer schön den Ball flach halten und auf dem grünen Rasen lassen oder in
Abwandlung eines Bibelzitates: "Gebt dem Sport, was des Sportes ist;
und Gott, was Gottes ist".
Michael Kühn
Kleider machen Leute – und Christen?
Für viele ist die Zeit des Karnevals und des Faschings eine lang ersehnte
Zeit. Es wird gefeiert und gelacht, gesungen und getanzt. Und nicht wenige haben
eine große Freude an der Kostümierung. Manche Kostüme sind wahre Kunstwerke und
ganz bestimmt besteht ein Reiz auch darin, einmal in die Rolle eines anderen zu
schlüpfen oder den Sprung in eine andere Zeit zu wagen. Kleider machen nicht nur
Leute sondern stehen auch für die Mode einer bestimmten Zeit.
Ähnliches kann man auch bei einem der zahlreichen Vereinsjubiläen erleben. Nicht
selten werden in der Festschrift oder am Festabend Bilder aus den Gründerjahren
gezeigt. Und man ist erstaunt und schmunzelt bisweilen wie einmal ein Trikot
einer bestimmten Sportart vor sagen wir 50 Jahren ausgesehen hat und wie es sich
dann bis heute wandelte. Neue Trikots sehen so ganz anders aus und sind sogar
aus besserem Material hergestellt obwohl sie für die gleiche Sportart getragen
wurden und werden.
In seinem Brief an die Kolosser beschreibt der Apostel Paulus ein solches Trikot
für uns Christen: "Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte,
Demut, Milde, Geduld!"
Vielleicht würde er heute an uns Christen im Sport dieses Trikot so
beschreiben: "Bekleidet euch mit Fairness und Rücksichtnahme im Sport, mit
gesundem Ehrgeiz und dem rechten Maß, pflegt einen guten Gemeinschaftssinn unter
euch und lasst euren Glauben nicht außen vor!"
In diesem übertragenen Sinne machen Kleider nicht nur Leute sondern auch
Christen. Und so wie sich die Trikots im Laufe der Zeit ändern, obwohl die
Sportart die gleiche geblieben ist, so liegt es an uns das Trikot des Glaubens
und damit die christliche Botschaft zeitgemäß zu leben und sie zu verkünden
obwohl die Botschaft seit zweitausend Jahren die gleiche ist.
Möge die frohe Zeit des Karnevals und die Vorbereitungszeit auf das Osterfest
uns ermutigen, das Trikot des Glaubens auch in der Welt des Sports anzuziehen.
Denn Kleider machen nicht nur Leute sondern auch Christen.
Hans-Gerd Schütt
Schalke, der Herbst und wir
Wer einmal die Gelegenheit haben sollte, die neue Schalke-Arena besuchen zu
können, der sollte diese nutzen.
Interessant ist das neue, multifunktionale Bauwerk allemal, mit seiner
Architektur, seinen modernen technischen Möglichkeiten, seinen vielen Räumen –
auch einer kleinen Kapelle. Und wer sich fragt, wo er denn sei, die Bestuhlung
kann ihm helfen. Das Blau und das Weiß spiegeln die Vereinsfarben wieder. Farbe
ist hier mehr als nur bunt, Farbe bedeutet Identität für die Fans und
Wiedererkennung.
So haben Vereine ihre Farben, Länder ihre Nationalfahnen und selbst Firmen und
Unternehmen legen Wert auf eine bestimmte Farbgebung. Und Farben an den Zügen in
unserem Land klären uns darüber auf, ob es sich um einen IC oder einen
gemächlichen Nahverkehrszug handelt. Farben begleiten unser Leben.
Es scheint so, als habe sich die Natur hier einiges abgeschaut oder wir bei ihr.
Die Farben der Natur zeigen uns die Jahreszeit an und begleiten so den
Jahreslauf. Gerade jetzt im Herbst zeigt sie sich von ihrer farbigsten Seite, so
als wollte sie die ganzen Farben des Jahres zu einem grandiosen Gemälde
vereinen. Und so stellt sich dem stillen Betrachter bisweilen die Frage, wie
bunt war dein Leben in diesem Jahr eigentlich? Welche Farben waren dominierend,
welche eher verhalten? Und die Frage: "Habe ich bei allen Farben überhaupt
noch eine Orientierung und kenne ich mich wieder"?
In der Liturgie, beim Feiern unserer Gottesdienste, bieten sich uns Christen
einige Farben als Orientierung an:
Violett - die Farbe der Umkehr und Besinnung
und der freudigen Erwartung.
Grün - die Farbe des Lebens und des vom Glauben geprägten
Alltags.
Rot - die Farbe der Liebe und der Hingabe und des Leben
spendenden Geistes Gottes.
Schwarz - die Farbe der Trauer, die aber eine Hoffnung
kennt, und schließlich,
Weiß - die Farbe der Freude, der Auferstehung und des
Ostermorgens.
Diese Farben wollen nicht nur Schmuck sein, sondern vielmehr
unserem Leben Orientierung und Hilfe bieten, unser Leben mit den Farben des
Glaubens zu sehen.
So könnte der Herbst mit seiner Farbenpracht eine Einladung an uns sein, als
Christen die Farben des langsam zu Ende gehenden Jahres zu betrachten. Es wäre
schön, wenn wir dabei die Glaubensfarben hier und da wieder erkennen, in unserem
persönlichen und familiären Leben und eingewoben in den Trikots und in das Leben
unserer Vereine.
Das wäre eine schöne Wiederentdeckung unseres Glaubens und unserer Hoffnung. Und
es gäbe uns und unserem Handeln Orientierung – das wir dies immer neu benötigen,
zeigen uns die schrecklichen Ereignisse der jüngsten Vergangenheit.
Hans-Gerd Schütt
Beitrag
Traditionell lassen meine Kameraden aus der Tischtennismannschaft und ich
das Jahr mit einem gemeinsamen Kegelabend ausklingen. Bei dieser Gelegenheit
kümmert sich unser Kassenwart darum, dass die fehlenden Beiträge entrichtet
werden, damit "die Kasse stimmt". Unser Beitrag wird u.a. für die
Hallenbenutzung und für die Anschaffung von Bällen, Netzen und Platten
verwendet.
Wichtig neben diesem finanziellen Beitrag ist selbstverständlich der persönliche
Beitrag jedes Einzelnen, um unser Vereinsleben intakt zu halten. Dazu einige
Beispiele:
Da ist unser Mannschaftskapitän, der sich um die Verteilung der Spielpläne
kümmert, die Mannschaft aufstellt und bei manchmal auftretenden
Unstimmigkeiten vermittelt.
Da ist ein Mitspieler, der meistens früher als die anderen in der Halle
eintrifft und dann die Platten für das Training aufbaut.
Da ist unser Spitzenspieler, der auch mit dem Schwächsten aus der Mannschaft
trainiert und seine Erfahrung weitergibt.
Da ist ein älterer Spielkamerad, der wegen gesundheitlicher Probleme bei
Meisterschaftsspielen nicht mehr zum Einsatz kommt, uns aber nach Kräften
anfeuert und motiviert.
Da ist nicht zuletzt der Kassenwart, der seit Jahren treu und zuverlässig die
Kasse führt.
Die Aufzählung könnte fortgesetzt werden. Jeder versucht sich
nach seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten einzubringen, damit unser Verein unter
sportlichen und kameradschaftlichen Gesichtspunkten gut leben kann.
Das, was für den sportlichen Bereich gilt, ist auch in anderen
Lebenszusammenhängen bedeutsam. Ohne finanzielle Beiträge, z.B. Steuern, könnten
vielfältige, gesellschaftliche Anliegen nicht realisiert werden. Mindestens
genau so wichtig ist aber der persönliche Beitrag, das Engagement jedes
Einzelnen in Schule und Beruf, in Familie und Freundeskreis, in Gesellschaft,
Politik und Kirche.
Als Christen dürfen wir uns durch Gottes Gaben beschenkt wissen, wenn wir
anfangen, die verschiedenen Lebensbereiche mitzugestalten. Aus der Zusage
Gottes, jede und jeden mit Gaben und Fähigkeiten auszustatten, erwächst zugleich
der Anspruch, diese Gaben und Fähigkeiten zum Nutzen der anderen einzubringen.
Dies wird und darf sich auf ganz unterschiedliche Weise zeigen (vgl. 1 Kor 12,
1-11).
Nicht jeder kann alles, aber jeder kann etwas!
Wie sieht mein persönlicher Beitrag aus? Was kann ich im Neuen Jahr dazu
beitragen, dass diese Welt, meine Welt ein wenig menschlicher wird? Welche
meiner Gaben kann ich in den Sport einbringen, damit im Sport Freude und
Gemeinschaft nicht zu kurz kommen?
Lebenswerte Fragen für eine gute Zukunft.
Herbert Scholl
Einwechslung
Das Spiel läuft nicht so, wie es soll. Irgendwie fehlt der Schwung. Die
Mannschaft wirkt müde und ratlos. Die eintrainierten Spielzüge führen nicht zum
Erfolg. Immer wieder verrennt man sich in der Abwehr des Gegners. Man schaut
sich gegenseitig an. Aber es scheint keiner da zu sein, der die anderen
mitreißt, der ein Mittel zum Erfolg kennt. Das Spiel scheint der Mannschaft aus
der Hand zu gleiten. Ratlosigkeit macht sich breit. Hilflos schauen einige
Spieler zum Trainer.
Der Trainer merkt, dass er reagieren muss. So kann es nicht weitergehen. Die
Mannschaft braucht Hilfe. In einer solchen Situation ist es Zeit für eine
Einwechslung. Ein neuer Spieler soll neuen Schwung in die Mannschaft bringen.
Ein neuer Spieler, dem er ausführlich Anweisungen erteilt, wie das Spiel anders
aufzuziehen ist. Ein Spieler, dem er es zutraut, die anderen mit zu reißen.
Der Trainer reagiert. Er wechselt ein, in der Hoffnung, dass sich das Spiel
seiner Mannschaft zum Besseren verändert.
Das Leben läuft auch nicht immer so, wie es soll. Wir erleben Höhen und Tiefen.
Und hin und wieder haben wir doch auch das Gefühl, dass uns manches aus dem
Ruder läuft. Wir suchen dann händeringend nach einem Menschen, der uns mitreißt
und die Richtung zeigt, in die unser Leben gehen soll.
Neuer Schwung, neue Ideen, eine tief greifende Orientierung, Aufmunterung. Wir
können sie an vielen Stellen in unserem Leben gebrauchen.
So ungewohnt es klingt, auch Weihnachten hat etwas mit Einwechseln zu tun.
Gott wechselt seinen Sohn ein. In unsere Welt. Er wechselt ihn ein, damit durch
seine Gegenwart wir einen Menschen haben, der uns gangbare und sinnvolle Wege
des Menschen zeigt. Keine außergewöhnlichen Wege, sondern menschliche Wege. Er
wechselt ihn in unsere Welt ein, damit er uns Mut macht unser Leben mit ihm in
die Hand zu nehmen. Er wechselt ihn ein, damit wir die Worte der Aufmunterung
und der Orientierung hören können. Nicht in unverständlicher, sondern in unserer
Sprache. Er wechselt ihn ein, damit Jesus durch sein Mitleben und Mitspielen uns
wieder neuen Schwung gibt, wenn uns das Leben, die Welt aus der Hand zu gleiten
scheint.
Im Sport muss jemand ausgewechselt werden, um dem anderen Spieler, der anderen
Spielerin Platz zu machen. Die Einzigen, die an Weihnachten ausgewechselt
werden, sind nicht wir Menschen, sondern die Orientierungslosigkeit, die
Sinnlosigkeit, die Resignation und die Hoffnungslosigkeit. Denn sie weichen der
Hoffnung, dem Glauben und der Liebe, die Jesus durch seine Einwechslung in
unsere Welt und unser Leben mitbringt. Als neuen Schwung für uns; als
gewinnbringende Züge; als sinnvolle Perspektiven.
Jede Einwechslung verschafft der Mannschaft einen Moment Pause, einen Moment
Ruhe. Gott wechselt seinen Sohn ein in unsere Welt. Nutzen wir den Moment der
Ruhe, um dann mit ihm richtig loszulegen.
Michael Kühn
Ich glaube
Ich glaube nicht an das Recht des Stärkeren,
an die Sprache der Waffen,
an die Macht der Mächtigen.
Doch ich will glauben an das Recht des Menschen,
an die offene Hand,
an die Gewaltlosigkeit.
Ich will nicht glauben an Rasse oder Reichtum,
an Vorrecht und Privilegien,
an feststehende Ordnungen.
Doch ich will glauben,
dass alle Menschen wirklich Menschen sind
und dass die Ordnung des Unrechts
wirklich Unordnung ist.
Ich glaube nicht, dass ich Unterdrückung bekämpfen kann,
wenn ich irgendein Unglück bestehen lasse.
Doch ich will glauben,
dass das Recht ungeteilt ist,
hier und dort
und dass ich nicht frei bin,
solange noch irgendein Mensch Sklave ist.
Ich glaube nicht,
dass Liebe Selbstbetrug,
Freundschaft unzuverlässig und alle Worte Lügen sind.
Doch ich will glauben an die Liebe,
die erträgt, an die Offenheit und das Vertrauen zueinander
und an ein Wort,
das wirklich sagt, was es sagt.
Immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!
Seit nunmehr 35 Jahren versieht die St. Nikolaus im Duisburger Hafen und auf
dem Rhein ihren Dienst. Das kleine Boot dient der Binnenschifferseelsorge als
schwimmende Kirche und Begegnungsort. Im vergangenen Jahr musste St. Nikolaus
zur Überholung und Reparatur auf die Werft. Nun ist sie wieder im Einsatz.
Ich erkundigte mich letztlich bei einem Treffen mit dem zuständigen Pfarrer:
"Na, wie geht’s denn der kleinen St. Nikolaus!" Er antwortete
sinngemäß etwa so: "Nun, sie ist wieder von der Werft und im Einsatz. Für sie
gibt es als Kleinfahrzeug kaum Vorschriften, auch etwas Schönes. Für die heutige
Zeit ist sie für ihre Aufgaben doch etwas in die Jahre gekommen. Ihr Motor ist
etwas schwach. Den modernen, schnellen Rheinschiffen halten wir kaum bei. Und da
sie nur eine Schraube hat, kann eine sich verheddernde Plastiktasche schon arge
Folgen haben. Und du glaubst ja nicht, was so alles in den Rhein geworfen wird.
Und anlegen an Gefahrgutschiffe dürfen wir auch nicht. Es fehlt dem alten
kleinen Boot halt die nötige Ausrüstung."
Dieses Gespräch fand in der Adventszeit statt. Ich musste oft an die kleine
St. Nikolaus denken. Sie erinnerte mich nicht nur an das adventliche Lied:
"Es kommt ein Schiff geladen", sondern auch an unser Kirchenschiff in der
heutigen Zeit.
Längst ist die Zeit vergangen, wo scheinbar ein stolzes Passagierschiff des
Glaubens seinen Weg durch das Meer des Lebens zurücklegte, von vielen bewundert
und zahlreiche Schiffe ihm folgend. Der Kurs schien festgelegt und kaum in Frage
gestellt. Heute ist dieses Schiff kleiner geworden und sucht oft mühsam Kurs und
Weg in der aufgewühlten See heutiger Zeit.
Auch scheint unser Kirchenschiff oft mit seinem zwar robusten und bewährten
Antrieb des Gottvertrauens arge Schwierigkeiten zu haben mit den modernen
Antriebsweisen unserer schnelllebigen Zeit. Und oft scheint ein Anlegen mit der
Botschaft des Glaubens kaum noch möglich, weil schon einfachste
Kommunikationsmöglichkeiten nicht mehr zu greifen scheinen oder die Botschaft
nicht mehr zu interessieren scheint.
Da nun wieder der Lebensalltag des neuen Jahres mit all seinen Herausforderungen
beginnt und damit auch mit aller Härte und Unruhe, lohnt sich die Frage, ob hier
und da nicht auch uns ein kleiner Werftaufenthalt gut tun würde, um einmal der
Frage nachzugehen, was uns so antreibt?
Denn sind wir nicht auch manchmal mit schnellen, großen und geschäftigen
Frachtern zu vergleichen, die ihres Weges fahren, ohne zu bemerken, dass Gott
uns mit einem kleinen Boot einmal besuchen möchte, mitten im Alltag? Und sind
wir noch willens, unser Lebenstempo hin und wieder zu drosseln, um Ruhe und
Stille zu erfahren, in die er zu uns sprechen kann und wir über das Fragende
unseres Lebens nachdenken können. Und wie oft werfen wir so manches an Unrat
achtlos in den Fluss des Lebens und wundern uns, dass dann der Antrieb streikt,
bei uns oder bei den anderen.
Mit diesem kleinen Blick in den Duisburger Hafen darf ich uns allen im Neuen
Jahr viele gute Begegnungen wünschen:
mit uns selbst, indem wir das rechte Lebenstempo zur rechten Zeit erkennen,
miteinander, indem wir uns im sauberen Lebenswasser untereinander bemühen,
mit Gott, der wie die kleine St. Nikolaus auch heute noch unverzagt Wege und
Begegnung mit uns sucht. Und das Schöne ist, er lässt sich hierbei nicht durch
allzu viele Vorschriften einengen.
In diesem Sinne für das neue Jahr 2003 immer eine Handbreit Wasser unter dem
Kiel und allzeit gute Fahrt.
Hans-Gerd Schütt
Die Ideallinie finden
Wer Spitzenleistungssport betreibt, will natürlich in seiner Sportart ein
Könner sein. Wer jahrelang Körper, Seele und Geist durch Übungen und
Trainingsfleiß zur Höchstform gebracht hat, der möchte auch in seiner Disziplin
vorne dabei sein. Freude an Leistung und Bewegung, Lohn für Mühen und Verzicht
bedeuten dann, seine Sache "par exellence" zu beherrschen. Diese
vollendete Sportlichkeit kommt in der Beherrschung von Ski, Kufen, Bob und Rodel
treffend im Begriff "die Ideallinie finden" zum Ausdruck: eine geglückte
Symbiose von Geschwindigkeit, Streckenprofil und Körperspannung, um die größte
Beschleunigung zu erreichen. Wer nicht "die Ideallinie findet" und ohne
Fehler durchkommt, hat keine Siegeschance.
"Die Ideallinie finden" ist ein ganzheitlicher Vorgang. Man muss alles an
körperlichen und seelischen Kräften mobilisieren und doch seinem Glück
vertrauen. Glück ist ein zerbrechliches Geschenk, gefüllt mit Selbstvertrauen,
positiver Lebenseinstellung und vor allem Gottvertrauen. Gott lässt unsere
Kräfte wachsen, wie wir unser Urvertrauen pflegen: er lässt uns mit unseren
Fehlern und Misserfolgen nicht aus seiner Liebe und seinem Schutz herausfallen.
Unser Zutun dabei, dem Glück auf die Sprünge verhelfen, kann bedeuten: den Berg,
den Eiskanal oder die Herausforderung einfach anzunehmen und zu lieben. Je
freier und unabhängiger wir aber werden, das Glück und "die Ideallinie"
zu erzwingen, um so stabiler und selbstbewusster nähern wir uns "der
Ideallinie": man muss es laufen lassen können und seinen Rhythmus im
Einklang mit der Natur finden.
Das Bild des Sports ist auf unseren Alltag übertragbar: Die Kunst, "die
Ideallinie zu finden", bedeutet nicht, sich einfach anzupassen und
widerstandslos alles zu akzeptieren. Wer hofft, keine Erschütterungen zu
erleiden, hat von den Spuren des Lebens wenig verstanden; kaum einer gelangt
locker und leicht ans Ziel. Aufgaben und Belastungen fordern uns heraus, da sind
unser Gottvertrauen und unser Engagement, eigene Entscheidungen zu treffen und
durchzustehen, gefragt. Wege und Menschen, die wir nicht ändern können, sollten
wir liebend akzeptieren. Kein einfacher Weg, aber wie viel Eis würde durch
solche Sonnenstrahlen des Herzens auftauen.
Oft wünsche ich mir, "die Ideallinie zu finden": in meinen Beziehungen zu
meiner Familie, meinem Freundeskreis, zu anderen Menschen und zu Gott. Wie gerne
hätte ich öfters das richtige Material (die richtigen Worte, Gesten und
Erlebnisse), das geeignete Wachs (die richtige Stimmung und Situation zum
Gespräch), eben die richtigen Einstellungen und Übereinstimmungen, ohne die es
nicht geht. Im Sport geht es um Bruchteile von Sekunden, doch im Alltag lohnt
sich Langsamkeit. Menschen und Entscheidungen brauchen Zeit zum Wachsen und
Reifen. Gott schenkt uns seine "Ideallinie", unseren eigenen Rhythmus und
er liebt uns als mutige, phantasievolle Menschen – so wie wir sind, nicht
perfekt und nicht ideal.
Klaus-Peter Weinhold
"Wegzeichen für die DJK"
"Achte auf die Zeichen!" Ein Satz, der mir immer wieder durch den
Sinn geht. Er ging mir zu Herzen, als ich das Buch "Der Alchimist" von Paulo
Coelho las: Da macht sich ein junger Schafhirt auf einen weiten Weg ins
Unbekannte. Er folgt einem Traum, nach dem er einen Schatz bei den Pyramiden
finden sollte. Ein alter weiser Mann gibt ihm den letzten Anstoß das Wagnis des
Weges einzugehen. Sein Rat: "Achte auf die Zeichen!"
Noch nie zuvor war mir so bewusst, wie wichtig es ist auf Zeichen zu achten,
wie auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Immer wieder sucht das Auge
nach den Wegmarkierungen und Pfeilen, die sagen: "Da geht’s lang! Das ist der
richtige Weg." Und wenn du einmal unaufmerksam warst und ein Zeichen
übersehen hast oder wenn du gescheiter sein wolltest als die Zeichengeber, dann
hatte dies langes Suchen und Irrwege über Stock und Stein zur Folge. In
Wüsteneien kann das Übersehen der Zeichen das Leben kosten. Mensch, achte auf
die Zeichen!
Wir sind umgeben von Zeichen. Sie prägen uns und bestimmen unseren Weg. Es
gilt, auf sie zu achten und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Im Buch der
Bücher, der Bibel, dem Zeichenbuch überhaupt, steht beim Evangelisten Lukas
unter der Überschrift "Von den Zeichen der Zeit" folgendes Wort Jesu:
"Sobald ihr im Westen Wolken aufsteigen seht, sagt ihr: Es gibt Regen. Und es
kommt so. Und wenn der Südwind weht, dann sagt ihr: Es wird heiß. Und es trifft
ein. Ihr Heuchler (=darüber Hinwegseher)! Das Aussehen der Erde und des Himmels
könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten?
Warum findet ihr nicht schon von selbst das rechte Urteil?" (Lk 12, 54-56)
Die Zeichen der Zeit sehen und richtig deuten, das ist entscheidend – für unser
Wohlbefinden beziehungsweise, unser Heil, für das Gelingen des Lebens und
Zusammenlebens, für das Erreichen des Ziels. Dafür drei Beispiele, die Menschen,
die mit dem Sport verbunden sind einigermaßen nahe liegen dürften.
Wintersport, Riesenslalom: In möglichst kurzer Zeit soll eine durch
Fahnen markierte Abfahrtsstrecke zurückgelegt werden. Die kleinste Unachtsamkeit
und das Rennen ist gelaufen. Der Skiläufer am Start, in sich gekehrt, voll auf
die Strecke mit ihren Markierungen konzentriert: Symbol für den Menschen, der
nur im Achten auf die Zeichen sein Ziel erreichen wird.
Der Hexenkessel eines Fußballstadions: Im Toben der Menge dringt der Ruf
des Trainers nicht mehr durch. Die Mannschaft muss schnellstens ihre Spielweise
umstellen. Nur noch durch Zeichen kann der Trainer mitteilen, was das Gebot des
Augenblicks ist.
Irgendetwas stimmt nicht mit Ihrem Körper: Seit einiger Zeit schlafen Sie
schlecht, haben Schweißausbrüche und Schwindelanfälle. Alarmzeichen des
Körpers: Tu was! Geh zum Arzt! Stell dein Leben um! So geht’s nicht mehr
weiter! Du hast noch eine Chance, aber achte auf die Zeichen!
Achte auf die Zeichen, das gilt auch für eine Sportgemeinschaft wie die DJK
auf ihrem Weg in die Zukunft, damit sie nicht eines Tages ausgebrannt
zusammenbricht.
DJK – drei Buchstaben, deshalb möchte ich auf drei Zeichen für
einen guten Weg der DJK in dieser Zeit hinweisen.
Zuvor noch ein Hinweis: die Aufforderung "Achte auf die Zeichen!", von
der ich mir wünsche, dass jede/r von Ihnen wenigstens diese vier Worte aus
meinen vielen Worten mit nach Hause nimmt, hat eine doppelte Bedeutung. Zum
einen: "Sei aufmerksam auf die Zeichen, beachte sie und handle
dementsprechend richtig!" Zum anderen: "Pflege Zeichen, setze gute
Zeichen, um andern auf einen guten Weg zu helfen." Auf diese zweite
Bedeutung möchte ich im Folgenden den Schwerpunkt setzen.
DJK, achte auf die Zeichen!
Erstes Zeichen: Ehrenzeichen
Wen ehrt ein Sportverband? Er ehrt leistungsstarke Mitglieder, er
ehrt verdiente Mitglieder und er ehrt – ich sage mal – altgediente
Mitglieder.
Die leistungsstarken Mitglieder sind diejenigen, die einen Sportverein
über die örtlichen Grenzen hinaus bekannt machen.
Der moderne Mensch wird über Leistung aufmerksam. Ein Verein, der erfolgreiche
Sportlerinnen und Sportler aufweisen kann, darf auch mit einem guten Image
rechnen – dank der Leistung. Das ist der Ehrung wert.
Die verdienten Mitglieder, das sind die, die mehr oder weniger im
Hintergrund jahre- und jahrzehntelang Zeit und Kraft in den Verein investieren –
gewöhnlich ohne finanziellen Ausgleich. Das geht an bei den Mitgliedern der
Vorstandschaft bis hin zu den vielen Helfern, die die Sportanlagen pflegen, bei
Baumaßnahmen zupacken oder bei den zahlreichen Festen einen Dienst übernehmen.
Ohne diese Bereitschaft, in irgendeiner Weise mitzuhelfen, kann ein Verein nicht
bestehen. Das ist der Ehrung wert.
Die altgedienten Mitglieder, die so richtig erst zum Zug kommen, wenn ein
Verein 50 Jahre und länger besteht, sind die, die man leicht übersieht und zu
wenig schätzt. Sie sind oft nicht mehr so im Vereinsleben präsent, sie können
nicht mehr zupacken. Ja, und dann ist man auch schnell vergessen. Aber sie
tragen den Verein mit – über Jahrzehnte schon, sie sind die Treuen, die nicht
bloß Mitglieder wurden, weil sie für eine befristete Zeit eine günstige
Gelegenheit zum Sporttreiben gesucht haben. Für sie ist der Verein Teil ihres
Lebens, drum bleiben sie dabei. Das ist der Ehrung wert.
Und was ist bei all dem das Zeichen in die Zeit hinein? So mancher fragt sich
ja, vor allem unter den Jüngeren, was denn der Sinn von Ehrungen sei. Durch eine
Ehrung sagt die Vereinsgemeinschaft: Wir schätzen dich. Du bist für uns
wertvoll. Und zwar so, wie du bist, wie du jetzt bist – als
Leistungsstarker und Verdienter genauso wie als Altgedienter.
Damit liebe DJK-ler, bin ich bei der Botschaft, die gerade ein DJK-Verein mit
seinen Ehrungen in die Öffentlichkeit sendet, nämlich: bei uns zählt der
Mensch als Mensch; uns ist die Achtung der Generationen voreinander wichtig;
für uns bedeutet der leistungsstarke junge Mensch genauso viel wie der seine
Freizeit Opfernde in den so genannten besten Jahren, aber auch der treu
Gebliebene, der für den kühlen Rechner weder dem Verein Nutzen bringt noch vom
Verein Nutzen hat. Ehrenzeichen setzen bei der DJK soll ein Signal sein:
Der Mensch hat Wert für uns. Nicht nur nach seiner Leistungskraft und seinem
Nutzen, sondern durch sein Dasein. Drum DJK, achte auf diese Zeichen!
Zweites Zeichen: Ich nenne sie "personale Zeichen", oder
einfacher gesagt Vorbilder.
Hier denken wir natürlich zuerst daran, dass Kinder und Jugendliche in den
Erwachsenen gute Vorbilder haben sollen, aber auch Erwachsene können einander
gegenseitig Vorbild sein, einander Signale und Hinweise geben für ein
gelingendes Leben, das seine Erfüllung nicht nur darin sucht, den eigenen
schnellen Vorteil herauszuschlagen. In einem Sportverein wie der DJK geschieht
sehr viel auf der zwischenmenschlichen Ebene, vor allem auch zwischen den
Generationen. Erwachsene trainieren und begleiten junge Menschen, sie setzen
Zeichen und beeinflussen, ob sie es beabsichtigen oder nicht, positiv oder
negativ.
Drei Schlagworte für die personalen Zeichen: Fairness, Vergebung,
Solidarität.
Fairness
Wo um Erfolg und Sieg gerungen wird, kommen immer auch die Mittel dazu ins
Spiel. Geben wir die Botschaft weiter: "Wenn dir einer in die Hacke tritt,
dann zahle es ihm bei nächster Gelegenheit genauso zurück – und zwar am besten
so geschickt, dass es der Schiri nicht merkt?" Oder bestärken wir unsere
Sportler nicht doch lieber darin, durch Können und faire Aktionen den Gegner
zu verblüffen? Gehört es zu unserem Stolz im positiven Sinn, dass wir eine
Hand, die zur Entschuldigung ausgestreckt wird, ergreifen und einander den
Sportlergruß bieten, auch wenn wir eine hohe Niederlage einstecken mussten? Es
gibt verschiedene Arten des Sieges; der höchste Sieg ist der Sieg über sich
selbst. Oder wie geht es am Rand unserer Sportplätze zu – und ich betone, ich
rede nicht nur vom Fußball. Mit welchen Augen sehen wir den sportlichen Gegner
– den Aktiven und den Zuschauer – an, wie begegnen wir ihnen, welche Ausdrücke
haben wir auf der Zunge? Anfeuern ist fair, niedermachen durch Worte und
Zeichen allemal unwürdig.
Vergebung
Wo Menschen miteinander zu tun haben, kommt es zu
Meinungsverschiedenheiten, Konflikten und Verletzungen. Das ist nun mal so –
auch bei der DJK. Tragisch und kontraproduktiv wird es, wenn man ständig in
alten Wunden rührt und sich nicht mehr weiter bewegt. Dann können sich die
negativen Kräfte und Gefühle ausbreiten. Wenn der eine schimpft und nörgelt,
schließen sich andere nur zu gerne an. In der Leichtathletik gibt es die
Disziplin des Weitsprungs. Acht Meter und mehr schaffen nicht viele. Aber den
weitesten Sprung könnte eigentlich jeder schaffen – es ist der Sprung über
den eigenen Schatten. Es einmal wieder gut sein lassen, wieder miteinander
reden oder einander grüßen, das sind Aufbauzeichen und Vorbildzeichen, die ich
mir auch bei der DJK wünsche. Und dieser Zeichen – wenn es Ihnen gelingt, sie
zu setzen – dürfen Sie sich wahrhaftig rühmen. Denn auch vergeben können kann
ansteckend sein.
Solidarität
Der größte Feind jeder Gemeinschaft ist der hemmungslose
Individualismus: Es ist nicht zu leugnen und wir können froh darüber sein: wir
leben in einer Gesellschaft, wo der Einzelne große Freiheiten hat, sich zu
entfalten und sein Leben zu gestalten. Nur kann dabei der Blickwinkel sehr
verengt werden, so dass man nur noch das Eigeninteresse und nicht mehr das
Gemeinwohl im Auge hat. Aber es ist wahr: nur wo eine Gemeinschaft intakt ist,
bleibt der Freiraum für den Einzelnen. Und vom Beitrag des Einzelnen hängt das
Funktionieren der Gemeinschaft ab. Deshalb, DJK-ler, achtet auf die Zeichen
der Solidarität. Respekt vor all denen, denen der Verein so am Herzen
liegt, dass sie sich über den Mitgliedsbeitrag hinaus im Verein einbringen. Sie
setzen die entscheidenden Zeichen dafür, dass die DJK leben kann.
Ich komme zum dritten Zeichen:
Es ist das Kreuz. Schauen Sie sich das DJK-Logo einmal genau an: Drei
Buchstaben! Durch den Mittelbuchstaben "J" geht ein Strich, der
"D" und "K" verbindet; der gehört da von der
Rechtschreibung her nicht hin. Aber er weist hin auf das Grundzeichen, unter dem
DJK-ler Sport treiben und Gemeinschaft pflegen wollen – auf das Kreuz Jesu
Christi. Das Kreuz ist kein Zeichen für Duckmäuser und Loser, für
Weltfremde und Ewiggestrige, sondern es steht für die Kraft der Liebe. Es steht
dafür, dass der Mensch nur alle Bereiche der Erde gut gestalten kann, wenn er
sich im spirituellen Bereich verankert. Es steht dafür, dass der Weg in die
Zukunft nur nach dem Modell dessen gehen kann, der sich ans Kreuz heften ließ:
Jesus Christus. Sport wird nicht nur mit einem starken, fitten Körper
getrieben, sondern jeder Sport, soll er human sein, braucht Inspiration,
Geisterfülltheit. Und auch der Sport ist hineingewoben ins gesamte
Weltgeschehen. Deshalb setzt die Grundmotivation, aus der heraus Menschen Sport
treiben, prägende Zeichen ins Gesamtgefüge der Menschheit. Sport treiben als
DJK-ler, im Zeichen des Kreuzes bedeutet deshalb: sich der Liebe verschreiben
wie es Jesus Christus tat – und so mitarbeiten, dass die Menschheit auf einem
Weg zu einem guten Ziel findet. Denn ohne Zeichen sind wir verloren.
Also: Achtet auf die Zeichen!
Pfr. Georg Brenner,
Geistlicher Beirat der DJK Abenberg
(Anm.d.Red.: leicht gekürzt)
Der Herr gewähre dir die Zeit,
du selber zu werden.
Er gebe, dass dir gelingt, dich selber zu finden,
nicht eigenwillig, sondern einwilligend
in seinen guten Willen für dich.
Er gebe, dass du begreifst, was er für dich plant,
und Ja sagen kannst dazu, damit du frei wirst
für die Fülle des Lebens.
Der Herr gewähre dir Zeit,
zu den anderen zu finden.
Er gebe, dass es dir gelingt, Freunde zu finden,
nicht eigennützig, sondern im Vertrauen,
dass, wer gibt, auch empfängt.
Er gebe, dass du begreifst,
was Gemeinschaft bedeutet,
und Ja sagen kannst zu den anderen
und niemals allein bist.
Der Herr gewähre dir die Zeit, ihn zu finden.
Er gebe, dass es dir gelingt, dich für ihn zu öffnen.
Er gebe, dass du ihn spürst in der Liebe der anderen.
Er gebe, dass du ihm begegnest im eigenen Herzen.
Er gebe, dass dein Glaube immer größer sei
als deine Angst, als Fragen und Zweifel.
Er lasse nicht zu, dass du ihn verlierst.
Er halte dich in seiner Hand.
Die Luft ist raus...
Wir alle kennen aus eigener Erfahrung diese sprichwörtliche Redensart. Ein
Spiel, aus dem die "Luft raus ist", kann man im Grunde schon vergessen.
Keine Dynamik, keine neuen und begeisternden Spielzüge mehr – bestenfalls ein
Hindümpeln zum ersehnten Schlusspfiff.
Wenn aus einer Feier die "Luft raus ist", dann machen sich Langeweile und
Aufbruchstimmung breit. Denn wo bleibt die Freude und die festliche Stimmung?
Wenn aus einem selbst die "Luft raus ist", dann lehrt uns die eigene
Erfahrung, dass in einer solchen Zeit von uns nicht viel zu erwarten ist –
bisweilen legt sich eine Art Grauschleier über unser Seelenempfinden.
Wenn aus einem Radreifen oder einem Ball die "Luft raus ist", dann wissen
wir, dass er zu seinem eigentlichen Zweck nicht mehr taugt. Aber wir wissen
einen schnellen Rat – flicken – aufpumpen und es kann weitergehen.
Aber wenn der Mensch betroffen ist, dann hilft schnelles Flicken und Aufpumpen
nicht weiter – wie soll es denn auch gehen?
Vor nicht allzu langer Zeit feierten wir Christen das Pfingstfest und beendeten
damit den Osterfestkreis. Die Sendung des Heiligen Geistes kann man nur schwer
beschreiben. Die Apostelgeschichte versucht dies, indem sie von einem
plötzlichen Brausen spricht, der Evangelist Johannes lässt Jesus die Jünger
anhauchen, als er zu ihnen sprach: "Empfangt den Heiligen Geist!"
Das Bild der in Bewegung geratenen Luft soll dazu dienen, zu beschreiben,
dass aus den Jüngern nicht die "Luft raus ist" – wozu das Bild der
verschlossenen Tür dient – sondern dass sie erfüllt sind vom Hauch Gottes, von
seiner Luft, dem Heiligen Geist.
Diesen Beistand hatte Jesus den Jüngern zugesagt und bezeichnete ihn als den
Parakleten.
Unter einem Parakleten verstand man im Altertum einen Menschen, den man herbei
rief, wenn man ratlos oder verzweifelt war. Es war ein Mensch, von dem man sich
Hilfe erhoffte oder dem man vertraute, einen mit neuem Mut und Zuversicht zu
erfüllen.
Trainerinnen und Trainer sind z.B. in diesem Sinne öfters Parakleten als sie
denken.
"Wenn die Luft raus ist" – das lehrt die Erfahrung, dann hilft am
wenigsten passives Verharren. Man muss sich wieder aufrappeln, nach Wegen zum
Neubeginn suchen oder auch um Hilfe und zur Motivation einen Beistand
herbeirufen.
Diese so menschliche Erfahrung auf den Geist Gottes zu übertragen, fällt uns
Menschen in der heutigen Zeit sehr schwer. Aber dieser Geist Gottes, sein
Heiliger Geist hat immer wieder dafür gesorgt, dass uns Christen nicht die Luft
ausgeht – sicher oft auch so, dass wir es in den alltäglichen Dingen nicht
sofort merkten.
Wir sollten als Christen im Sport immer wieder um diesen Heiligen Geist bitten,
ihn herbeirufen, damit uns nicht die Luft ausgeht.
Hans-Gerd Schütt
Atemholen ...
Atmen muss jedem Menschen wie ein großes Geschenk vorkommen. Atemzüge sind
lebenswichtig. Sie liefern die Luft, die am Leben hält. Wem die Luft dagegen
ausgeht, ist mehr als arm dran. Ja, Atemholen können ist ein wirkliches
Geschenk.
Im Sport gibt es viele vergleichbare Situationen, in denen es auf das Atemholen
ankommt. Ein typisches Beispiel liefert der Schwimmsport. Wem es nicht gelingt,
rechtzeitig den Kopf aus dem Wasser zu recken, dem fehlt die Luft für die
kräftigen, oftmals entscheidenden Armzüge. In anderen Sportarten ist
"Atemholen" mit "Anlauf nehmen" gleich zu setzen. Weit-, Hoch- oder
Stabhochspringer und –springerinnen nehmen Anlauf, um die Geschwindigkeit zu
erreichen, die Voraussetzung für klasse Weiten oder Höhen ist. Gelingt der
Anlauf, ist der erste Schritt zum sportlichen Erfolg gemacht. Im Stadion oder
vor dem Bildschirm ist oft zu beobachten, wie dem Anlauf ein tiefes Atemholen
voraus geht. Es sind Bilder mit hohem Symbolwert für christliches Handeln. Da
ist zunächst das Beten zu nennen. Beten ist wie Atemholen. Wer betet, der holt
sich gleichsam Gott. Gott kommt auf den Beter zu. Oder die Zeit des Advents!
Advent heißt Anlauf nehmen und Atemholen. Adventliches Beten, das ist eine große
Hilfe für das Atemholen des Herzens. Und wie das Atemholen im Sport einen festen
Rhythmus braucht, den es einzuhalten gilt, braucht auch das Gebet seine
Festzeiten. So wird auch das Beten zu einem großartigen Geschenk für den
Menschen. Hoffentlich lassen sich viele Sportler und Sportlerinnen zum Gebet
anregen. Die Gebetsformen können ganz verschieden sein. In letzter Zeit fällt
vor allem bei südamerikanischen Fußballspielern auf, dass sie nach einem
geschossenen Tor ein Trikot mit christlichen Botschaften präsentieren. So holen
sie tief Atem! Diese Sportler sind ernst zu nehmen, weil davon auszugehen ist,
dass sie andere damit anstecken wollen. Was ihnen wichtig ist, kann auch für
andere bedeutsam sein.
Atemholen im Sport – eine Selbstverständlichkeit! Warum nicht auch das Beten?
Karl Grün
Beim Namen genannt
Wo guter Sport geboten oder über herausragende Sportereignisse berichtet
wird, fallen automatisch die Namen von Sportlern. Dazu einige Beispiele:
Ein Leichtathletiksportfest steht bevor; der Veranstalter wirbt mit klangvollen
Namen, um möglichst viele Zuschauer anzulocken.
Bei großen Basketballspielen, besonders in den USA, stellt der Hallensprecher
die aufs Spielfeld laufenden Akteure namentlich vor.
In einigen Stadien ist es bei Fußballbundesligaspielen üblich, dass der
Stadionsprecher bei der Vorstellung der Mannschaften nur die Vornamen nennt. Die
Fans rufen dann im Chor die jeweils dazu gehörenden Nachnamen.
Die Namen mancher Sportler, die durch besondere Leistungen oder aufgrund
vorbildlicher Einstellung von sich reden gemacht haben, sind uns auch nach
Jahren oder Jahrzehnten noch geläufig, beispielsweise das Eiskunstlaufpaar
Marika Kilius / Hans-Jürgen Bäumler, das Boxidol Max Schmeling oder der
Langstreckenläufer Emil Zatopek.
Manchmal bleibt ein besonderes Ereignis untrennbar mit den Namen bestimmter
Sportgrößen verbunden; wer über den Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 1954
spricht, denkt sofort an Namen wie Fritz Walter, Helmut Rahn und Toni Turek.
In einigen Sportarten tragen Elemente oder Übungsteile den Namen ihres
"Erfinders"; beim Eiskunstlauf ist es die "Biellemann-Pirouette", beim
Kunstturnen der "Gienger-Salto".
Aber nicht nur auf nationaler oder internationaler Ebene spielen Namen eine
Rolle. Auch aus dem Bereich des Freizeit- bzw. Breitensports lassen sich
Beispiele anführen:
Da ist jemand über Jahre als Stammspieler Rückhalt seiner Mannschaft; sein Name
steht für Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft.
Da wird jemand für seine langjährige ehrenamtliche Betreuertätigkeit geehrt; in
einer Vereinschronik wird er namentlich erwähnt.
Da siegt jemand in einem Pokalwettbewerb; sein Name wird auf dem Pokal
eingraviert.
Im sportlichen Bereich wird es auf die große Masse hin gesehen sicherlich nur
wenigen gelingen, sich durch besondere Leistungen oder Verdienste einen Namen zu
machen. Die Sehnsucht, nicht in Vergessenheit zu geraten, ist aber in einer
tieferen, nämlich religiösen Dimension wohl in jedem Menschen verwurzelt. Als
Christen gehen wir mit dieser Hoffnung nicht ins Leere. Wenn es beim Propheten
Jesaja heißt: "Fürchte dich nicht, .....ich habe dich beim Namen gerufen, mein
bist du", (Jes 43,1) dann dürfen wir diese an das Volk Israel gerichtete Zusage
auf uns heute beziehen. Gott ruft jeden von uns beim Namen, vor ihm sind wir
einmalig und unverwechselbar. Das, was uns im sportlichen Bereich gelingen mag
oder auch versagt bleibt, ist uns als Christen von Gott her – sogar über den Tod
hinaus – fest versprochen: bei ihm geraten unsere Namen nicht in Vergessenheit.
Da vertritt ein Politiker in einer schwierigen Frage eine am Wohl der
Menschen orientierte Position, obwohl er sich damit bei vielen unbeliebt macht.
Da bekennt sich jemand am Arbeitsplatz zu seinem Christsein, obwohl ihn seine
Kollegen dafür als rückständig ansehen.
Da engagiert sich jemand in seinem Urlaub als umsichtiger Betreuer bei einer
turbulenten Kinderfreizeit, obwohl er diese Zeit auch ruhiger verbringen könnte.
Da lässt sich jemand bei einem Streit nicht zu verletzenden Äußerungen
hinreißen, sondern trägt durch besonnene Worte zu einer Klärung und Versöhnung
bei.
Um uns in den unterschiedlichen Lebenstagen als "Fels in der Brandung" zu
erweisen, sollten wir uns immer neu an dem orientieren, der für uns der "Fels
in der Brandung" sein will.
Herbert Scholl
Der du die Welt in Händen hältst

Als ich diese Jesusstatue, die im Fuldaer Priesterseminar steht, zum ersten Mal
sah, musste ich unwillkürlich an einen Fußballtorwart denken. Körperhaltung und
Körpersprache legen diesen Vergleich auch nahe. Sie erinnern an einen Torwart,
der Gelassenheit und Ruhe ausstrahlt. Er hält den Ball sicher in seinen Händen
und mit der Geste der anderen Hand scheint er seinen Mitspielern zu
signalisieren, macht langsam, immer mit der Ruhe, ich habe die Situation im
Griff, lasst uns ruhig aufbauen. Gerade in hektischen Spielmomenten oder wenn
das Spiel auf des Messers Schneide steht, gibt ein gelassener, ruhiger und
sicherer Torwart seiner Mannschaft einen enormen Rückhalt und sie gewinnt an
Sicherheit.
In vielen Begebenheiten des persönlichen Alltags haben wir sicher ähnliche
Erfahrungen gemacht. Mit Ruhe und Gelassenheit sind knifflige und heikle
Situationen besser zu bewältigen. Und wir wissen ebenso was es bedeutet, wenn in
einer hektischen Situation jemand den Überblick behält. Seine Ruhe wirkt sich
gut auf die anderen Menschen aus.
Dass jeder von uns nicht nur ruhige Tage im seinem Leben erlebt, ist klar. Es
gibt viele Ängste und Unsicherheiten, die unser Leben immer wieder kennzeichnen.
Die Angst vor dem persönlichen Scheitern, die Angst zu versagen, Menschen zu
verlieren, nicht geliebt und geachtet zu werden und die Angst vor Enttäuschung,
die Angst vor Krieg, die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Die
Unsicherheit wächst. Wie mag es weitergehen? Sind die Entscheidungen, die ich
treffe richtig? Bringen sie mich und die Menschen, die ich liebe, die mir
anvertraut sind voran?
Wir können von uns selbst wirklich nicht immer sagen, dass wir das Gefühl haben,
alles im Griff zu haben. Der eine oder die andere neigt dann zur Panik und zur
Hektik. Hauptsache irgend etwas tun und machen. Andere schauen ziellos aus nach
Menschen und Personen, die ihnen Sicherheit geben können. Auf dem Markt des
Angebotes tummeln sich viele, die scheinbar gute Lösungen und Konzepte parat
haben.
Mein Blick und meine Gedanken wandern wieder zurück zu dieser Jesusstatue.
Mich beruhigt dieses Bild und ich spüre, dass darin eine Botschaft liegt, die
mich viele Momente meines Lebens anders angehen lässt. Denn es ist kein
Spielball, den Jesus in den Händen hält, sondern die Welt, mein Lebensraum. Bei
allem was passiert, was sich ändert, ist es gut zu wissen, dass Gott selbst die
Welt in den Händen hält. Er garantiert ihren Lauf, ihre Existenz. Da können wir
Menschen uns noch so dämlich anstellen. Wir können zwar das Angesicht und die
Art und Weise des Zusammenlebens verändern, zum Guten, wie zum Schlechten
verändern, aber in ihren Grundfesten können wir die Welt nicht erschüttern und
sie aus Gottes Händen schlagen. Er ist ihr Halt. Und er bleibt es auch, damit
die Welt ist, was sie ist, Ort der Begegnung mit und der Erfahrung von Gott.
Wer gehalten sein will, wie die Welt, der braucht sich nur in Gottes Hand
begeben. Das bedeutet, sich auf ihn einzulassen. Die Sicht Gottes vom Menschen,
von der Welt und vom geglückten und guten Leben annehmen. Damit mache ich
wirklich die Erfahrung, dass ich trotz aller Bewegung und Veränderung getragen
bin und zur Ruhe komme. "Unruhig ist mein Herz, bis es ruht in dir" (hl.
Augustinus).
Das kann mich gelassen machen. Ich brauche nicht jedem neuen Trend, der Glück
verheißt, hinterher laufen, weil ich weiß, dass Gott sich um mich sorgt. "Macht
euch keine Sorgen um euer Leben, ob ihr etwas zu essen habt, und um euren Leib,
ob ihr etwas anzuziehen habt! Wenn Gott sogar die Feldblumen so ausstattet, die
heute blühen und morgen verbrannt werden, dann wird er sich erst recht um euch
kümmern." (Lk 12,22.28)
Gerade, wenn das ein oder andere nicht so läuft, wie ich mir es vorstelle, wenn
ich in meinem Leben Scherben und Schwierigkeiten entdecke oder die möglichen
Veränderungen mich verunsichern, dann sollten mir die Verheißungen Jesu " wer an
mich glaubt, wird leben auch wenn er stirbt" (Joh 11,25) und "ich bin bei euch
alle Tage" (Mt 28,20) im Ohr klingen.
Michael Kühn
Segen
Rabbi Nachman und Rabbi Jitzchak saßen bei Tisch. Als sie sich voneinander
verabschiedeten, bat ersterer "Meister, segne mich!" Dieser erwiderte: "Lass
mich dir ein Gleichnis erzählen: Einst wanderte jemand durch die Wüste. Er war
hungrig, durstig und müde. Da stieß er auf einen Baum mit süßen Früchten,
angenehmem Schatten und einem darunter verlaufenden Wassergraben. Der Mann aß
von den Früchten, trank vom Wasser und ruhte sich im Schatten aus. Als er
weiterziehen wollte, wandte er sich an den Baum und sprach: "Womit soll ich dich
segnen? Dass deine Früchte süß sein mögen? Sie sind schon süß. Dass dein
Schatten angenehm sein soll? Er ist schon angenehm. Dass unter dir ein
Wassergraben laufen möge? Unter dir läuft schon ein Wassergraben. Vielmehr
lautet mein Segen: Möge es Gottes Wille sein, dass alle Setzlinge, die von dir
stammen und gepflanzt werden, so sein mögen wie du! So verhält es sich mit dir.
Womit soll ich dich segnen? Mit Gelehrsamkeit? Die besitzt du. Mit Reichtum? Den
hast du. Mit Kindern? Die hast du.
Vielmehr lautet mein Segen: Möge es Gottes Wille sein, dass deine Nachkommen so
sein mögen wie du."
Babylonischer Talmud, Ta’anit 5b
"Wo, bitte, bleibt die Menschlichkeit?"
Morgengedanken des scheidenden DJK-Landesbeirates
Pater Albrecht Herrmann OSA
anlässlich des DJK Landesverbandstages/Bayern
am 20. Juli 2003 in Eichstätt.
Uns allen bekannt ist das Gleichnis vom "Barmherzigen Samariter" – Lukas
10,25-37
"............Jesus sagte zum Gesetzeslehrer (der ihn gefragt hatte: "Und wer ist
mein Nächster?"):
Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern
überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg
und ließen ihn halbtot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er
sah ihn – und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn – und
ging weiter! Schließlich kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war; als
er ihn sah, hatte er Mitleid. Er ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine
Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer
Herberge und pflegte ihn. Am anderen Tag holte er zwei Denare hervor, gab sie
dem Wirt und sagte: "Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn verbrauchst, werde
ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme."
Was meinst du: "Wer von diesen Dreien hat den Mann, der von den Räubern
überfallen wurde, wie seinen Nächsten behandelt?"
Der Gesetzeslehrer antwortete: "Der, der barmherzig war und ihm geholfen hat."
Da sagte Jesus zu ihm: "Dann geh und handle genauso!"
Vielleicht habe ich Sie jetzt mit dem ausgewählten Abschnitt aus dem
Lukasevangelium geschockt. Wenn ja, dann war das durchaus meine Absicht.
Möglicherweise sind Sie noch mehr verunsichert, wenn ich mit meinen
Morgengedanken an eine Szene anknüpfen will, die mich seit dem letzten Montag
persönlich beschäftigt und die mich zutiefst geschockt hat. Sie bietet, wie ich
meine, einen adäquaten Anknüpfungspunkt an das gehörte Evangelium, an das
Gleichnis Jesu. Und ich denke, gerade diese Szene sollte eine DJK-spezifische
Herausforderung in unserer Einstellung zur Botschaft Christi sein, auf die wir
ja laut unserer Satzung verpflichtet und in die wir eingebunden sind.
Nun wollen Sie natürlich wissen, welche Szene ich denn meine. Es ist der
folgenschwere, furchtbare Sturz des spanischen Radfahrer-Profis Joseba Beloki,
bei der Tour de France 2003 am letzten Montag, 14. Juli, auf der Etappe von
Bourg d‘ Oisans nach Gap.
Was sich da abgespielt hat, war in meinen Augen eine schwere Niederlage für die
Menschlichkeit im Profi-Sport unserer Tage!
"Sie sahen ihn am Straßenrand liegen – und fuhren vorüber!"
Ich habe den Sturz und was damit zusammenhing am Fernsehen life verfolgt,
der sich 6 km vor dem Ziel ereignet hatte: "unmittelbar hinter Beloki fuhr
Lance Armstrong. Er konnte gerade noch ausweichen, fuhr daraufhin querfeldein
und dann nach einer Biegung wieder auf die Straße". Der
Fernsehkommentator sagte sinngemäß: "Armstrong hat die Situation sportlich
gemeistert."
Es steht mir nicht zu, zu richten.
Aber menschlich?
War da auch menschlich die Situation gemeistert?
Ich denke, Sie erahnen, was ich meine.
"Sie sahen ihn am Boden liegen – und fuhren weiter!"
Auch wenn es um Sekunden und damit auch um sehr viel Geld geht, so muss der
Mensch immer noch den Vorrang haben.
Die Jury hat danach entschieden: ".........Es wird keine Zeitstrafe für
Armstrong verhängt" – obwohl Artikel 18 des Tourreglements bestimmt: "Die
Fahrer müssen immer der offiziellen Streckenführung folgen. Das Fahren auf
anderen Routen, insbesondere Abkürzungen, hat eine Strafe zur Folge."
Man hat das Reglement ausgesetzt. Das ist die eine Sache. Eine andere Sache
ist: Warum hat man das nicht auch getan, als der Teamkollege von Beloki, der
Deutsche Jörg Jaksche vom Rad stieg und sich um den Schwerverletzten kümmerte?
Nein, ihm wurden die Minuten, die er der Menschlichkeit im Sport zur Verfügung
gestellt hat, nicht gut geschrieben, sondern voll angelastet. Dadurch rangierte
Jaksche nicht mehr unter den so genannten Top Ten. Ich warte darauf, dass
Jaksche wenigsten nachträglich den Fairness-Preis der Tour de France 2003
bekommt.
"Die anderen sahen ihn – und fuhren weiter!"
Ich war unendlich traurig und zutiefst erschüttert. Denn immer noch hätte
der Mensch Beloki an erster Stelle stehen müssen, und dann erst die Zeit und das
Geld!
Liebe DJK-Freundinnen und –freunde!
Unser Verband hat sich dem Sport und der Gemeinschaft verschrieben. Wo immer wir
in unseren Vereinen dem Sport verpflichtet sind, da müssen wir aufpassen, dass
dabei der Mensch im Sport nicht zu kurz kommt und eben nicht an zweiter
Stelle steht.
Die Menschlichkeit muss auch und gerade in unserer Zeit ein Wert sein und
bleiben, den wir niemals zur Disposition stellen dürfen.
Und eben dieser Wert ruht auf der dritten Säule unserer DJK-Satzung, auf der
Botschaft Jesu Christi!
Wie hat Jesus dem Gesetzeslehrer gesagt? "Geh, und handle genauso!"
Poesie im Alltag
Erzählen die kleinen Dinge des Lebens nicht nur von sich selbst, sondern
auch von den großen im Hintergrund? Viele unserer Alltagserfahrungen tragen das
Etikett "Fragment" auf sich. Wir können sie nur schwer einordnen, sehen kaum,
wie das eine mit dem anderen zusammenhängt. Aber tief in uns steckt doch die
Sehnsucht, das Ganze und das Große im Fragment wenigsten zu erahnen.
Vielleicht ist es gut, dass wir das "kostbare Muster" hinter allem noch nicht
kennen. Ein Stück Geheimnis gehört zum Leben. Und Überraschungen erst recht.
Alles Lebendige braucht eine gewisse Spannung, damit es wachsen und gedeihen
kann. Verstehen oder gar Weisheit ist eine Frage der geistigen Entfaltung. Wir
sind dazu auf dem Weg, hoffentlich.
Dieser Weg hat einzelne Tage als Abschnitt. Auf einen Tag kann ich mich ganz
einlassen. Der Wechsel von Tag und Nacht, das ist ein gutes Maß für uns
Menschen. Vieles ist vorgegeben, ich versuche, meine Tagesaufgabe zu erfüllen.
Aber auch im ganz gewöhnlichen Arbeitstag sind Überraschungen verborgen. Ein
Moment der Poesie vielleicht, einen Atemzug lang. Es kann mich etwas berühren
und es ist, wie wenn ich einen ganz kurzen Blick auf das "kostbare Muster"
geworfen hätte.
Allerdings ist auf diesem Weg eines nötig, die Achtsamkeit.
Bruno Dörig
Abseits des Centrecourts
Bei großen Tennisturnieren gilt das allgemeine Interesse in erster Linie den
Spielen, die auf dem Centrecourt ausgetragen werden. Hier ist die Zuschauerzahl
am größten, hier stehen die meisten Fernsehkameras. Denn auf dem Centrecourt
spielen hauptsächlich die "gesetzten" Spieler, die Favoriten.
Anders ist die Situation auf den "Nebenplätzen", wo die weniger bekannten
Spieler antreten. Das Zuschauerinteresse ist geringer, es gibt weniger
Fernsehkameras. Bei einem großen Turnier auf den Nebenplätzen spielen zu dürfen,
ist selbstverständlich schon ein Riesenerfolg. Wie viele träumen vergeblich
davon, es bis dahin zu schaffen.
Außerhalb des Tennisplatzes sind es auch nur wenige, die im Rampenlicht stehen.
Von den meisten Menschen nimmt die breite Öffentlichkeit kam Notiz; sie spielen,
um im Bild zu bleiben, auf den "Nebenplätzen" des Lebens. Wenn man genauer
hinschaut, wird man feststellen müssen, dass sich auch auf diesen "Nebenplätzen"
Menschen nach Kräften einbringen, um in vielfältiger Weise das Leben zu
gestalten und etwas zu bewirken. Dass jemand "seinen" Platz gut ausfüllt, hängt
ja nicht davon ab, ob sein Name in den Medien eine Rolle spielt.
Auf diesem Hintergrund könnte man das Fest Allerheiligen als ein Fest ansehen,
dass die Menschen auf den "Nebenplätzen" in den Blick nimmt. Es gedenkt all
derer, die – oft im Verborgenen – im Vertrauen auf Gott ihr Leben vollendet
haben. Dieses Fest macht deutlich, dass der Weg zur Heiligkeit auf
unterschiedliche Weise möglich ist, immer da, wo Menschen aus dem Glauben heraus
ihr Leben gestalten: in der Familie, im Beruf, in der Gemeinde, im (Sport-)
Verein.
Allerheiligen richtet an uns die Botschaft: Es ist nicht entscheidend, auf
welchem Platz du spielst, entscheidend ist vielmehr, dass du dich da, wo du
bist, nach besten Kräften und Möglichkeiten einbringst – im Vertrauen darauf,
dass Gottes Interesse auch und gerade den Menschen auf den "Nebenplätzen" gilt.
Herbert Scholl
Trainingsplan
Beschriebene Blätter Papier. Beschrieben mit Anweisungen, Hinweisen und
Zeiten. Für einen Außenstehenden ein Buch mit sieben Siegeln. Für den Sportler
oder die Sportlerin, die den Trainingsplan benutzt, ist er enorm wichtig. Denn
er entscheidet oftmals über den Fortschritt oder den erfolgreichen Verlauf einer
Saison.
Der Trainingsplan, den ein Sportler oder eine Sportlerin vom Trainer oder der
Trainerin aufgestellt bekommt, spielt eine wichtige Rolle. Er ist die
Wegbeschreibung durch die Saison. Er ist eine Orientierungshilfe, damit der
Sportler oder die Sportlerin nicht einfach drauf los trainiert, sondern sinnvoll
das eigene Talent einsetzt und fördert, mit den eigenen Kräften richtig umgeht,
damit am Ende nicht Frust oder Verletzungen stehen, sondern Verbesserung und
Erfolg. Ein erfolgversprechender Trainingsplan ist abwechslungsreich und kennt
intensive und weniger intensive Phasen. Die Mischung macht es.
Natürlich ist der Trainingsplan nur ein Stück Papier mit Buchstaben,
Anweisungen, Zahlen, Zeiten und Daten. Wirkung zeigt er nämlich erst dann, wenn
der Sportler oder die Sportlerin ihn eifrig und kontinuierlich in die Tat
umsetzt und ihn befolgt. Und dies selbst dann, wenn die dort aufgestellten und
verlangten Forderungen hart sind, Überwindung und Beständigkeit verlangen. Der
beste Trainingsplan taugt nichts, wenn er nicht ernst genommen wird. Nur der
Trainingsfleiß. Der Eifer, der Wille und der Einsatz des Sportlers oder der
Sportlerin bringt letztlich den erwünschten Erfolg. Der Trainingsplan sorgt
dafür, dass Eifer, Wille und Einsatz nicht in die Leere gehen.
Ob wir es glauben oder nicht, auch die Bibel enthält für uns Christen
Trainingspläne. Worte Jesu, die uns Wegbeschreibung und Orientierungshilfen
sind. Natürlich nicht nur für eine Saison, sondern für jeden Tag unseres Lebens.
Und diese Trainingspläne sind ebenso nicht geschrieben, damit wir gegängelt
werden, sondern damit unsere menschlichen Fähigkeiten und Kräfte, damit unser
Einsatz nicht verpufft und ins Leere geht, sondern gute Ergebnisse erzielt.
Diese guten Ergebnisse sind sicherlich keine ersten Plätze, aber dafür eine
friedvollere Welt und ein menschlicheres Miteinander.
Aber mit den Trainingsplänen Jesu ist es wie mit den Trainingsplänen im Sport.
Sie zeigen erst Wirkung, wenn wir sie in die Tat umsetzen. Und dieses Umsetzen
liegt an uns. Es ist eine Herausforderung dies zu tun und Beständigkeit zu
zeigen. Immer im Vertrauen darauf, dass Gott weiß, wo es lang geht. Denn auch
die Sportler vertrauen ihrem Trainer, dass er für sie das Beste will. Gott will
für uns das Beste, darum stellt er uns diese Trainingspläne auf und er glaubt an
uns und unseren Erfolg. Wir können mit ihm eine Zivilisation der Liebe und der
Gerechtigkeit aufbauen und das Ziel, das ewige Leben erreichen.
Gottes Trainingspläne sind so ausgewogen, dass sie nicht alles auf einmal
verlangen, mit langen Anlaufphasen und Erschöpfungen rechnen. Aber sie führen
uns stetig voran. Wenn das nicht Grund genug ist, Gottes Trainingsplan in die
Tat umzusetzen. Gott steht als ermunternder Trainer an unserer Seite.
Und hier ist einer seiner Trainingspläne:
"Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu Essen gegeben, ich war durstig und
ihr habt mir zu trinken gegeben, ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen,
ich war nackt und ihr habt mich bekleidet, ich war krank und ihr habt mich
besucht, ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. .. Wahrlich ich sage
euch, was immer ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt
ihr mir getan." (Matthäus 25, 35-36.40)
Michael Kühn
Sinn
Eine alte englische Legende weiß zu berichten:
Als die ersten Glaubensboten nach England kamen, mussten sie beim König um
Erlaubnis zum Predigen nachsuchen. Der König versammelte seine Ratgeber in der
Königshalle. Beim offenen Feuer unterhielten sich die Männer bis spät in die
Nacht. Da kam aus der Dunkelheit ein Vogel in die Halle geflogen, irrte eine
Zeitlang im Gebälk umher und flog wieder auf der anderen Seite hinaus in die
Nacht. Daraufhin sagte einer der Männer: "War das nicht ein Zeichen des
Himmels? So ist es doch mit uns Menschen! Wir kommen aus der Dunkelheit in die
helle Halle des Lebens, fliegen eine Zeitlang darin herum, verlassen diese Halle
wieder und fliegen hinaus in die Nacht. Woher kommen wir? Wozu leben wir? Wohin
ziehen wir? Das sind die großen Fragen des Lebens. Wenn uns diese fremden Männer
darauf eine gute Antwort geben können, wollen wir sie hören".
Wir kennen die Antwort der ersten Glaubensboten in England nicht. Darüber
schweigt sich die alte englische Legende aus. Aber die Fragen, die der
unbekannte Teilnehmer der Gesprächsrunde spät in der Nacht in den Raum stellte
und den anderen in der Runde vorlegte kennen wir. Es sind Fragen, die immer
wieder den Menschen in seinem Innersten beschäftigen und die er sich Zeit seines
Lebens von neuem stellt.
Woher komme ich?
Wozu lebe ich?
Wohin ziehe ich?
Zahlreiche DJK-Vereine und Diözesanverbände haben im nun zu Ende gehenden
Jahr ein rundes Jubiläum gefeiert oder werden es im kommenden Jahr begehen. Und
anlässlich dieser Feste sind sie diesen aktuellen Fragen für sich nachgegangen.
Woher kommt unser Verein- unser Diözesanverband? Wozu sind wir in der heutigen
Zeit und wohin und womit gehen wir in die Zukunft?
Viele Antwortversuche wird es gegeben haben und wird es geben. Dabei wird die
eigene Geschichte betrachtet und damit auch die Traditionen und Werte in unseren
Vereinen und im Verband. Darauf stehen wir und bauen wir auf. Jubiläen sind
Momente des Innehaltens die uns bewusst werden lassen, dass der Boden des Heute
ohne das Fundament der Geschichte Treibsand ist.
Auch die Halle des Lebens unserer Vereine und unseres Verbandes wird bei
Jubiläen entsprechend erfahren. Da ist das Erleben von Gemeinschaft und
festlicher Freude. Sportliche Leistungen werden gewürdigt und große Ereignisse
im Verein und Verband werden gegenwärtig. Und nicht zuletzt leuchten viele diese
Halle tagtäglich aus mit ihrem Engagement, sei es ehren- oder hauptamtlich.
Und wir wagen einen Blick in die Zukunft. Wohin ziehen wir? Jubiläen sind auch
Momente der Aufbruchstimmung. Die Zukunft verlangt nach Gestaltung. So setzen
wir uns gerne neue Ziele in gemeinschaftlicher und sportlicher Hinsicht. Wir
lassen – oftmals durchaus auch selbstkritisch – die Frage zu, wie wir für andere
attraktiv sein können, ob es sich lohnt, für unsere Ideen und Anliegen in der
DJK auch in Zukunft auf dem Markt der Möglichkeiten zu werben und einzutreten?
So wie jedoch das Heute ohne Geschichte auf Treibsand steht, so droht sich die
Zukunft ohne das Womit? in Beliebigkeit zu verlieren.
Dieses Womit? wird uns auch emotional wie kaum in einer anderen Jahreszeit so
gewissermaßen in die Krippe unserer Häuser und Kirchen gelegt, wie im Festkreis
der Weihnacht.
Denn von diesem Kind in der Krippe gilt, was ein Weiser des Alten Testaments
einige hundert Jahre vorher ahnend ausgesprochen hat:
"Als tiefes Schweigen das ganze All umfing,
und als die Nacht in der Mitte hielt ihre Bahn,
da sprang dein allmächtiges Wort
vom Himmel hernieder auf die Erde......."
Wir beginnen zu erkennen und zu spüren, wie sehr die Botschaft von der
Menschwerdung Gottes, wie das Evangelium von Geburt, Leben, Tod und Auferstehung
Jesu auch die Menschen in der Geschichte unserer Vereine und unseres Verbandes
bewegt und geprägt hat. Und wir stehen vor der Aufgabe als Christen in Kirche
und Sport, dieses Vermächtnis in die heutige Zeit zu übersetzen und erfahrbar zu
machen. Diese Aufgabe ist nicht leicht. Denn unser christlicher Glaube ist nicht
Verzierung, sondern Anspruch und Aufgabe. Aber er erfüllt die Halle des Lebens
mit Licht und Hoffnung.
Dabei steht er nicht isoliert, sondern will eingewoben sein in unser Handeln und
Tun. Und wenn wir genau hinschauen, werden wir viele Beispiele im Alltag unserer
Vereine und unseres Verbandes finden. Denn unser christlicher Glaube ist für das
Leben und das Anliegen unserer Vereine und unseres Verbandes so nebensächlich
nicht wie es manchmal auch scheinen mag oder behauptet wird.
Schließlich ist der Glaube das Womit? unserer Zukunft.
Die ersten Glaubensboten hatten wohl auf diese drei entscheidenden Fragen
des Menschen eine persönliche Antwort des Glaubens.
Ich wünsche uns, dass die Botschaft der Weihnacht für uns eine
Glaubensantwort für unseren weiteren Weg wird".